Buchrezension: Sylvia Harke – Hochsensibel ist mehr als zartbesaitet

Der Nachfolger von Hochsensibel – Was tun?  ist ebenfalls ein Sachbuch über Hochsensibilität von Sylvia Harke, welches im Kontrast zum Vorgänger strukturiert einzelne Abschnitte des alltäglichen Lebens in Form von 100 Frequently Asked Questions behandelt. Hier geht es um sehr grundlegende Fragen der Sensibilität, Erregung und Wahrnehmung im Allgemeinen, besonders im Miteinander mit Nicht-Hochsensiblen. Das Buch ist in der 1. Auflage im Via Nova Verlag erhältlich.


Gliederung und Inhalt

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Pfauenauge im Azurblau. Der Titel deutet bereits an, dass es hier darum geht, auf Eigenschaften jenseits der leichten emotionalen Erregung zu schauen.

Das Buch weist insgesamt 12 Kapitel auf und ist im Frage – Antwort Format geschrieben, wobei sich jedes Kapitel einem zentralen Thema zuwendet. Dabei ist jeder Abschnitt, eventuell mit Ausnahme des spirituellen 12. Kapitels, erst mal ein Thema das sich mit sehr alltäglichen Problemen oder auch dem Umgang mit nicht Hochsensiblen Menschen in konkreten Umfeldern wie Beziehung und Beruf auseinandersetzt. Es sind zumeist Fragestellungen, mit welchen sich jeder HSP schon einmal konfrontiert gesehen hat, wie:

  • Wie kann ich sicher sein, dass ich wirklich hochsensibel bin?
  •  Sind hochsensible empathischer als der Durchschnitt?
  • Wie kommt es dass die meisten Hochsensiblen introvertiert sind?
  • Wie erkläre ich meinem Arzt / Therapeuten dass ich HSP bin?


Und auch in diesem Buch finden wir wieder Aufgaben für, oder Fragen an den Leser, Checklisten, Grafiken und eingestreute Anekdoten, welche die Struktur auflockern und zum Mitmachen, Recherchieren oder Nachdenken einladen. Immer wieder werden auch kleine Hinweise auf therapeutische Arbeit und die Aufarbeitung von Verletzungen gegeben. Ich gehe soweit, zu sagen, dass gut ein Fünftel des Buches sich mit verschiedenen Übungen aus dem NLP, Therapien, Abgrenzungsarbeit und Co. befasst. Das Werk ist auf der einen Seite noch konkreter und im Alltag verwurzelter, dabei aber auch deutlich spiritueller und weniger  heiter zu lesen als sein Vorgänger.

Bei etwas über 280 Seiten in einem etwas größeren Din A5 – Format passen auch insgesamt genau 100 Fragen zwischen die Buchdeckel, welche auch allesamt recht ausführlich beantwortet werden. Dazu kommt die weiterführende Quellenangabe zu vielen der Fragen, welche auch recht umfangreiche Verweise und weiteres Informationsmaterial bieten. Man bekommt für knapp 20€ auf jeden Fall eine Menge Inhalt geboten.


Kritik

Direkt positiv fiel mir auf dass Sylvia Harke in ihrem Buch die Wichtigkeit der Familie und Eltern für (nicht nur) hochsensible Kinder und ihre Entwicklung aufzeigt, und auch auf die Nachteile fehlender oder schädlicher Rollenbilder hinweist. Ebenso finden sich Fragen, welche sich mit den unterschiedlichen Ausprägungen von Hochsensibilität bei Jungen und Mädchen, Männern und Frauen beschäftigen. Dies sind Gebiete die meines Erachtens nach zu wenig Beachtung erfahren. Auch die Beschäftigung mit High-Sensation-Seekern und unterschiedlichen Bedürfnissen individueller Menschen, wenn es um Stimulation geht, ist in meinen Augen fundamental für das Verständnis von Sensibilität. Die Abschnitte über BurnOut und Stress sind so umfangreich wie es das Format des Buches eben zulässt, und werden vielen Betroffenen eine Hilfestellung sein sich weiter zu informieren. Auch hatte ich beim Lesen den Eindruck dass die Autorin deutlich ernster im Schreibstil geworden ist. Wir finden wiederkehrend das Element der Schattenarbeit von Carl Gustav Jung in vielen Ansätzen und Absätzen, in welcher es um die Vereinigung mit verdrängten Bewusstseinsinhalten geht. Dies spiegelt sich vielleicht auch gerade im letzten Kapitel wieder, in welchem es um Weltschmerz, Spiritualität und dem Bedürfnis nach Erlösung geht.


Fazit

Auch das zweite Werk von Sylvia Harke ist ein sehr umfassendes Buch, welches die therapeutische Arbeit an der eigenen Vergangenheit im Fokus hat. Das FAQ-Design gefällt mir dabei außerordentlich gut, da jede HSP darin garantiert eine Hand voll Fragen findet, welche man sich schon einmal gestellt hat. Das Buch fühlte sich beim Lesen für mich deutlich geerdeter und trotz der immer wieder auftauchenden spirituellen Themen doch auch mehr am Alltag orientiert an.

Buchrezension: Hochsensibel – Was tun? Von Sylvia Harke

Hochsensibel – Was tun? ist ein Sachbuch über Hochsensibilität von Diplom-Psychologin und Coach Sylvia Harke. Sie widmet sich in diesem Buch vielen Themen welche einen speziellen Bezug zum emotionalen Erleben in zwischenmenschlichen Beziehungen und Stresssituationen haben, sowie der Aufarbeitung vergangener Ereignisse und der Abgrenzung von Hochsensibilität und anderen Dispositionen oder Störungen. Das Buch ist in der 6. Auflage im Via Nova Verlag erhältlich.


Gliederung und Inhalt

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Ein zartes Pastellorange und eine ikonische Feder empfangen uns mit zärtlichen Eindrücken zu einem Buch dessen zentrale Themen es dennoch in sich haben.

Das Erste was einem auffällt, wenn man sich die Struktur von Hochsensibel – was tun? anschaut, ist, dass die Autorin was tun? wörtlich nimmt und diese rhetorische Frage tatsächlich beantworten will. Das Buch ist daher strukturiert und stellenweise auch illustriert  wie ein Survival-Ratgeber von Rüdiger Nehberg, welcher Leser wie Leserin dabei helfen soll im urbanen Dschungel von Alltag und dem Dickicht der emotionalen Wirrungen nicht die Orientierung zu verlieren. Dazu vermittelt sie Strategien, welche von Checklisten über Meditationen, der Arbeit mit Affirmationen und dem Aufschlüsseln der Persönlichkeitseigenschaften von Freunden und Verwandten reichen.
Auch wenn das Buch in sechs Kapitel unterteilt ist, finden sich beim Lesen zwei große Themengebiete, nämlich  Vergangenheitsbewältigung und Zwischenmenschliches. Ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal sogar ist im erstgenannten Abschnitt der große Anteil von Informationen über und Anleitungen zur Aufarbeitung von zurückliegenden emotionalen Verletzungen und Wahrnehmung von Glaubenssätzen. Das ist deswegen ein sehr wichtiger Ansatz, da das Thema noch sehr jung ist, und viele HSP erst im Alter eine Erklärung für ihr Erleben finden, und nun aus dieser neuen Perspektive ihre früheren Erfahrungen neu bewerten müssen. Themen wie Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und das Annehmen der eigenen Wahrnehmung stehen hier im Vordergrund, aber auch der Umgang mit Geschlechtsstereotypen und Sensibilität sowie das Erkennen der eigenen Bedürfnisse.
Der zweite zentrale Themenblock beschäftigt sich mit Hochsensibilität in allen möglichen sozialen Situationen, von Partnerschaft über Arbeit bis hin zu Familie, und auch die Betrachtung von hochsensiblen Kindern und ihren Bedürfnissen. Spannend ist hier dass Sylvia Harke den alten Klassiker der destruktiven Beziehung zwischen Narzissten und HSP aufgreift, und genauer erläutert, welche Dynamiken sich im Hintergrund abspielen. Aber auch andere eher problematische Beziehungen werden angeschnitten. Generell werden Liebe und Partnerschaft viele Zeilen gewidmet.

Es wäre Falsch zu sagen dass diese beiden Kernthemen durch Fragestellungen rund um Gesundheit, Stress, BurnOut und sogar der Abgrenzung von HS von ADHS und Autismus lediglich abgerundet werden. Denn Dank knapp 350 Seiten in einem etwas größeren Buchformat werden auch alle weiteren Themen nicht nur angeschnitten, sondern auch moderat vertieft.


Kritik

Ich stelle mir bildlich vor wie Sylvia Harke beim Planen der Inhalte des Buches mit einem Klemmbrett oder Notizbuch im Schaukelstuhl sitzt, mit einer Katze auf dem Schoß, und sich überlegt welche Themen des Alltags für HSP eine gewichtige Rolle spielen. Es kann meine Einbildung sein, aber das Buch macht einen sehr geplanten Eindruck, dessen zentralen Themen sich aus wiederkehrenden Fragestellungen aus Sylvias Arbeit als Coach hergeleitet haben.

Die Abschnitte über die Verwechslung von Asperger, ADHS und HS sind in meinen Augen ein sehr wichtiger Teil, der wahrscheinlich leider zu wenig Aufmerksamkeit von der Leserschaft erhalten wird. Ebenso spannend finde ich es, dass Sylvia Harke und ich unabhängig voneinander die Gefahr des hochsensiblen Idealismus am Arbeitsplatz in eine BurnOut-Problematik abzurutschen aufgreifen. Das ist ebenfalls ein Thema welches zu wenig Aufmerksamkeit erfährt.
Summa Summarum ist Hochsensibiltät – was tun? das Werk für nahezu alle Hochsensiblen, aber insbesondere für diejenigen, welche eine Menge Emotionen aufzuarbeiten haben und Ballast aus der Vergangenheit mit sich tragen. Es gibt nur wenige Themen welche Sylvia Harke in diesem Buch nicht bearbeitet hat, so dass von existenzieller Angst bis hin zu spirituellen Fragen in Paarbeziehung nahezu alles vorhanden ist. Meine einzige Rüge wäre, dass man trotz des sehr warmherzigen Schreibstils keinesfalls den Trugschluss ziehen sollte, dass das Aufarbeiten der Vergangenheit oder die Arbeit mit EMDR – einer Technik zur Traumabewältigung – ein Spaziergang im Park wären. Es ist ein umfassendes und informationsgeladenes Buch mit einer nahezu unüberschaubaren Fülle an Methoden und Techniken, dass in meinen Augen durch seine liebevolle Aufmachung und Schreibweise etwas darüber hinwegtäuscht, dass potentiell sehr aufwühlende und schmerzhafte Themen behandelt werden.


Fazit

Hochsensibel – Was tun? wird wie kaum ein anderes Buch der Tatsache gerecht dass viele HSP erst im Alter mit ihrem Temperament konfrontiert werden, und sich oftmals in ihrem Leben von der Umwelt bedroht und von Mitmenschen nicht verstanden gefühlt haben.
Der Schreibstil ist wohlmeinend warmherzig und sanft, und trägt sicher einen Teil dazu bei dass gerade sehr verwundete HSP sich sicher und angenommen fühlen können, wohingegen die Vielzahl der Techniken einen Weg aus den Wirrungen ihrer Innenlebens weisen sollen. Doch darf man sich nicht darüber hinwegtäuschen lassen dass  bei diesem Buch durchaus auch Themen aufgegriffen werden, die durch Selbstreflexion und Aufarbeitung letzten Endes eine Therapie nach sich ziehen können.

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Sprechen wir über ADHS

Die vier Buchstaben ADHS lösen bei vielen Lesern wahrscheinlich direkt erst einmal spontane Reaktionen der Ablehnung, Assoziationen mit der Pharmalobby sowie das Bedürfnis Kinder vom Spielplatz ins Haus zu holen aus, damit diese nicht versehentlich von vorbei spazierenden Kinderärzten mit Medikamenten versorgt werden. In der Tat gibt es im Netz etliche Artikel die uns doch schon im Titel suggerieren, dass es ADHS nicht gibt, oder dass Ritalin die gefährlichste Droge der Welt ist. Doch wenn wir uns den Artikeln genauer widmen, sehen wir dass die Autoren weder ADHS als Syndrom, noch Ritalin als Medikament wirklich entkräften können und uns mit ihrer Schlagzeile, als sich verselbstständigendes Schlagwort zurücklassen.
Widmen wir uns also selbst im viel zu kleinen Artikelformat nichts Geringerem als einem Syndrom dass so groß und breit ist, dass man ohne Weiteres Wälzer damit füllen kann: ADHS.


Was ist ADHS?

Das Akronym ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizits- Hyperaktivitätssyndrom. Wir haben es also mit einem Konglomerat aus mehreren zusammenwirkenden Symptomen zu tun, welche im Zusammenspiel ein ganz bestimmtes Syndrom bilden. Diese drei Leitsymptome sind: Beeinträchtigte Aufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Sehen wir uns jeden Bereich einmal genauer an.

Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit
Aufmerksamkeit ist als Begriff für uns so allgegenwärtig, dass man kaum einmal in den Genuss kommt zu hinterfragen, was Aufmerksamkeit eigentlich ist. Es handelt sich bei Aufmerksamkeit um eine begrenzte Ressource, die dazu verwendet wird bestimmte Reize in unserem Bewusstsein abzubilden. Findet diese Abbildung willentlich und auf ein Ziel gerichtet statt, zum Beispiel auf diesen Text, dann spricht man dabei von Konzentration. Soll diese Aufmerksamkeit mobilisiert genutzt werden um einfach nur geistesgegenwärtig auf das Eintreffen eines bestimmten Ereignisses zu warten – zum Beispiel wenn wir im Wartezimmer eines Arztes darauf warten von der Sprechstundenhilfe namentlich aufgerufen zu werden – dann spricht man von Wachheit oder Vigilanz.
Wenn nun also die Fähigkeit betroffen ist die Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum nur auf bestimmte und erwünschte Reize zu richten, und andere Reize zu verdrängen, dann ist damit dieses Kriterium erfüllt.

Hyperaktivität
Der Menschliche Körper bewegt sich ständig, egal ob unser Herz unablässig pumpt, Muskeln unsere Körpertemperatur über das Aufrichten der Körperbehaarung regulieren oder wir selbst im Schlaf noch unbewusste Anstrengungen unternehmen um unserem Partner die Decke zu klauen. Ein großes Maß unserer inneren Vorgänge tragen wir auch automatisch nach Außen, indem wir zum Beispiel während des Sprechens unsere Worte mit Mimik und Gestik untermalen, oder unsere im obigen Beispiel des Wartezimmers vielleicht vorhandene Unruhe während des Lauerns auf die Stimme der Sprechstundenhilfe durch Kauen auf den Fingernägeln ausleben.
Doch wenn der Körper in ständiger Unruhe ist, selbst wenn die Situation es nicht zulässt, der oder die Betroffene angibt immerzu in Unrast oder getrieben zu sein und der Drang nach Bewegung schon nach kurzer Zeit wieder die Oberhand gewinnt, ohne dass man selbst die Kontrolle darüber hat, dann wird aus Aktivität Hyperaktivität.

Mangelnde Impulskontrolle

Impulsivität bezieht sich im Zusammenhang mit ADHS vor allem darauf, dass die Folgen des Handelns nicht bedacht werden und man dem erstbesten Einfall oder Eindruck Ausdruck verleiht. Das klingt erstmal sehr authentisch und wie natürliches Verhalten, allerdings führt mangelnde Impulskontrolle auch dazu dass gehandelt wird, bevor man überhaupt weiß, was getan werden soll, Gefahren unterschätzt werden und man in Gesprächen seine Gesprächspartner unterbricht, da man ob der eigenen inneren Impulse es nicht ertragen kann zu warten.

Ob die Symptome nun als krankhaft beurteilt werden, hängt nicht alleine vom Ausprägungsgrad ab, sondern davon ob die oder der Betroffene selbst überhaupt noch Kontrolle darüber ausüben kann, wenn er oder sie es will. Die Frage danach, ob die eigene Flexibilität und Funktion im Alltag durch psychische Vorgänge gestört wird, ist ein typisches Kriterium für die Diagnose von Störungen.


 

Bei welchen Personen und wann treten diese Beschwerden auf?

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Dadurch dass ADHS nicht gleich ADHS ist gibt es auch kein für alle Betroffenen gleichermaßen wirksames Allheilmittel.

Zumeist denkt man erstmal an Kinder und Jugendliche, die in der Schule oder im Kindergarten nicht stillsitzen können, und deswegen mit Medikamenten ruhig gestellt werden sollen. Doch treten nicht nur die Symptome in unterschiedlichen Ausprägungsgraden auf, so dass wir besonders hyperaktive und unruhige Betroffene auf der einen Seite, und besonders geistesabwesende, unaufmerksame Fälle auf der anderen haben, sondern es scheint auch geschlechtliche Unterschiede zu geben. So dass Mädchen und Frauen vermehrt den unaufmerksamen Typus entwickeln und Jungen sowie Männer durch Impulsivität auffallen.
Nach Ramettekar et al. werden etwas über doppelt so viele Jungen mit ADHS diagnostiziert wie Mädchen, wobei sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede vor allem in der Pubertät ausbilden.

Bei Erwachsenen zeichnet sich ab, dass 60% derjenigen, welche Symptome im Kindesalter zeigen, diese auch als Erwachsene aufweisen.  Das Erwachsenenportal für ADHS verweist darauf, dass bis zu 4,5% der Erwachsenen das ADHS Syndrom aufweisen. Bei Kindern und Jugendlichen werden zwischen 3-7 Prozent angegeben. Diese scheinbar hohen Zahlen werden wir später noch ausführlich diskutieren.

Wichtig ist außerdem, dass die oben genannten Beschwerden sich in mehreren Situationen zeigen, in denen Kontinuität notwendig ist. Sich aber unterschiedlich stark ausgeprägt darstellen, je nachdem ob die Umgebung oder Tätigkeit stimulierend wirkt. Döpfner et al. (2007) schreiben in ihrem Ratgeber ADHS dazu:

Diese Auffälligkeiten sind üblicherweise in verschiedenen Lebensbereichen zu beobachten – also nicht nur in der Familie, sondern auch im Kindergarten oder in der Schule und bei Freizeitaktivitäten mit Gleichaltrigen. Typischerweise treten die Probleme verstärkt in solchen Situationen auf in denen von den Kindern und Jugendlichen eine längere Ausdauer erwartet wird, beispielsweise im Unterricht, bei den Hausaufgaben oder beim Mittagessen. Dagegen kommen diese Auffälligkeiten entweder gar nicht oder nur in verminderter Form vor, wenn sie sich in einer neuen Umgebung befinden oder wenn sie sich einer Lieblingsaktivität widmen.

Döpfner et al.: Ratgeber ADHS


Wie und von wem wird ADHS eigentlich diagnostiziert?

Grundsätzlich sind (Fach-)Ärzte sowie Psychologen dazu in der Lage ADHS anhand der Diagnosemanuale ICD-10 und DSM IV und  Testverfahren zu diagnostizieren. Das ändert aber leider nichts daran, dass nicht jeder Mediziner und Psychologe auch fit darin ist dies zu tun, da nicht jeder eine Routine in Leistungs- und Konzentrationsdiagnostik hat oder Tests auf Teilleistungsschwächen durchführt. Obendrein ist ggf. eine Familienanamnese, Laboruntersuchung oder Entwicklungsstatus angezeigt. Auch ist das Thema sehr umfassend, da die Differentialdiagnostik zu ADHS, wie wir weiter unten sehen werden, sehr breit aufgestellt ist.
Für Betroffene ist es deswegen ratsam sich in die Hände von Spezialisten für dieses Thema zu begeben, auch wenn manchmal lange Wartezeiten damit verbunden sind.

Die Arbeitsgemeinschaft für ADHS der Kinder und Jugenärzte e.V. hat folgende Leitlinien verfasst:

ADHS liegt (nur) vor, wenn

  1. unaufmerksames und impulsives Verhalten mit oder ohne deutliche Hyperaktivität ausgeprägt ist
  2. nicht dem Alter und Entwicklungsstand entspricht und
  3. zu deutlicher Beeinträchtigung in verschiedenen sozialen Bezugssystemen und im Leistungsbereich von Schule und Beruf führt.

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder-und Jugendärzte e.V.


ADHS als Hinweis auf andere Ursachen

Dies wird jetzt wahrscheinlich der längste Abschnitt des Artikels, denn so wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen im Rahmen der Medizin als Allgemeinsymptome gelten, können wir Störungen der Impulskontrolle, Aufmerksamkeit oder Aktivierung als Begleiterscheinungen vieler Störungen und Ursachen finden.

Minderbegabung
Menschen, welche in Intelligenztests Werte erreichen, die geringer Ausfallen als diejenigen des Großteils der Vergleichsgruppe, zeigen auffällig häufig verminderte Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit sowie Impulskontrolle. Deswegen ist Leistungsdiagnostik angebracht um die Person nicht nur durch Förderung zu einer besseren Entfaltung der eigenen Möglichkeiten zu verhelfen, sondern auch um eine Überlastung zu verhindern.

Hochbegabung
Langeweile und Desinteresse, Neigungen zu ausgefalleneren Themen und Nonkonformität können bei Hochbegabten dazu führen, dass sie sich lieber mit etwas Anderem als dem von ihnen Gefordertem zuwenden, unruhig oder sogar aggressiv werden. Auch hier ist wieder eine umfangreiche Diagnostik hilfreich um den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen entgegenkommen zu können.

Bär Baum

Nicht jeder der gerne mal auf einen Baum klettert wird gleich mit dem Stempel ADHS versehen.

Medikamentöse Behandlung
Nicht nur Psychopharmaka sondern auch handelsübliche Medikamente wie Hustensaft, Mittel gegen Übelkeit und Nasenspray können Aufmerksamkeit und Aktivierung beeinflussen. Dieser Einfluss lässt aber auch entsprechend nach Absetzen der Medikamente wieder nach.

Dissoziales Verhalten
Hier zeigt sich hohe Impulsivität mit Wutausbrüchen und aggressiven sowie Störungen im sozialen Umgang. Niedrige Frustrationstoleranz, auffällig hohe Bereitschaft zu streiten und das Bedürfnis gegen Regeln zu verstoßen.

Ängste
Bestimmte Situationen, wie zum Beispiel Prüfungen, können Unruhe, Anspannung und Konzentrationsprobleme verursachen. Die Symptome sind dann wieder aber nur auf die Situation beschränkt und verschwinden, wenn sie überstanden ist.

Stress, traurige Verstimmung und emotionaler Belastung
Eine traurige Stimmung, Stress und emotionale Belastungen – zum Beispiel aufgrund von familiärer Belastung – kann zu Unruhe, Konzentrationsproblemen, Stress und Anspannung führen. Jedoch verschwinden auch hier die Symptome zumeist mit den Problemen.

Autismus
In etwa 6% der Fälle von ADHS soll die Ursache eine Störung aus dem autistischen Spektrum sein (ADHS-Deutschland). Nach Tony Attwoods Complete Guide to Asperger’s Syndrome wird Hyperaktivität in diesen Fällen jedoch durch hohe Level von Stress, Nervosität und neue Umgebungen hervorgerufen.

Hochsensibilität
Elaine N. Aron gibt in Hochsensible Menschen in der Psychotherapie an dass es nicht einfach ist Übererregung aufgrund von Überstimulation und emotionale Reaktivität zu trennen. Ähnlich wie bei Autisten kann somit eine anstrengende Umgebung zu Überreizung und Verringerung der Aufmerksamkeit und zu Unruhe führen. Siehe Reizüberflutung. Meine persönliche Vermutung ist, dass ein großer Teil der unter ADHS aufgeführten Fälle in der Tat eigentlich nicht erkannte HSP sind. Aber was sollte man auf einer Seite mit dem Namen HSP Deutschland auch Anderes erwarten?

Vitamin D Mangel
Goksugur et al. (2014) haben in einer Studie nachgewiesen dass Kinder und Erwachsene mit ADHS Symptomen einen signifikant niedrigeren Vitamin D – Haushalt im Kontrast zur Kontrollgruppe aufgewiesen haben.
Dieser Ansatz klingt aus meiner Sicht sehr vielversprechend.

Eisenmangel
Emily Deans erläutert in einem Artikel in der Psychology Today, dass bei vielen Kindern mit ADHS ein signifikanter Eisenmangel gefunden wurde. Da Eisen ein Baustein von vielen Botenstoffen im menschlichen Körper darstellt, hat sich auch hier eine Besserung der Symptome durch die Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln gezeigt.

Allergien
Laut diesem Beitrag von ADHS-Deutschland wird in der Praxis immer wieder ein Zusammenspiel von Allergieverläufen und ADHS beobachten. Juckreiz, motorische Unruhe und Konzentrationsprobleme können zu Lernschwierigkeiten führen. Im Umkehrschluss bessert aber auch die Behandlung des Syndroms die Stärke der allergischen Reaktionen. Eventuell in diesem Zusammenhang interessant ist auch dass Haut und Nervengewebe aus dem selben Keimblatt, dem Ektoderm, bestehen.

Histaminunverträglichkeit
Die Auswirkungen von Histaminunverträglichkeit sind so umfangreich, dass es nicht verwunderlich ist, dass ADHS-artige Symptome ebenfalls darunter fallen. Wenn man immer wieder mit Verdauungsbeschwerden, Gesichtsrötung oder geschwollenen Schleimhäuten (Nase) zu tun hat ist eine ärztliche Abklärung einen Versuch wert.

Glutenunverträglichkeit
In einer Studie fand Niederhofer heraus dass von 67 Patienten mit ADHS 10 Zöliakie aufwiesen. Nach einer glutenfreien Ernährung zeigte sich eine Besserung ihrer Symptome. Allesio Fasano hat ADHS ebenfalls in seinem Buch Die ganze Wahrheit über Gluten als Effekt von Glutenunverträglichkeit erwähnt.

Schilddrüsenprobleme
Die Schilddrüse ist ein sehr wichtiges Organ, das einen großen Einfluss auf den Hormonhaushalt und Stoffwechselvorgänge ausübt. Eine Überstimulation kann mit Unruhe, Herz-Kreislaufproblemen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie Aggressionen einhergehen.

Eine Schilddrüsenüberfunktion könnte beispielsweise mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder Essstörungen wie einer Magersucht verwechselt werden. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion ist es möglich, dass zunächst eine Depression oder Intelligenzminderung diagnostiziert wird
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?id=32844

High Sensation Seeking
Jeder Mensch hat ein individuelles Erregungsniveau, welches ihn in einem Spannungsfeld zwischen Langeweile und Überforderung hält. High Sensation Seeker benötigen nun etwas mehr Stimulation um der Ödnis des Alltags zu entkommen. In einer Studie haben Geissler et al. (2014) nun herausgefunden dass ADHS-artige Symptome durch das Gehirn künstlich als Kompensationsmechanismus bei Unterforderung und Langeweile geschaffen werden können.

Nahrungsmittel
Wenn die kleine Clara sich jeden Morgen vor der Schule am Kiosk eine Tüte Weingummi kauft und diese mit einer Dose Energy Drink runterspült, dann findet das weder ihre Bauchspeicheldrüse lustig noch ihre Lehrer. In der Tat werden manche Lebensmittelfarben immer noch kritisch beäugt und unter Umständen als bedenklich deklariert, und dass Koffein und Zucker eine aufputschende Wirkung haben brauchen wir hier nicht weiter auszuführen.


 

Ursachen von ADHS

Man könnte den Titel des reißerischen Artikels von Pravda-tv ADHS gibt es nicht nach unseren bisherigen Überlegungen oben jetzt natürlich etwas umformen und verwandeln zu wenn es so viele andere Einflüsse gibt, welche diese Symptome hervorrufen, kann es dann ADHS als unabhängige Störung überhaupt noch geben?
Die Antwort ist ja, denn genetische Untersuchungen im Rahmen einer Studie von Menschen mit ADHS zeigen eine Veränderung der Chromosomen, welche die Erbinformationen enthalten. Und eine Studie von Del Campo et al. (2013) zeigt dass es strukturelle Unterschiede der grauen Substanz bei Menschen mit ADHS gibt. Die Graue Substanz (auch bekannt als Graue Zellen) ist ein großer Bereich des Gehirns der mit Intelligenz, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Sprache in Verbindung steht. Durch die Gabe von Ritalin im Rahmen der Untersuchung wurde auch eine Anreicherung von Dopamin, einem Botenstoff der mit erhöhter Aufmerksamkeit in Verbindung steht, in den Gehirnen gemessen.
Fassen wir beide Studien zusammen, haben wir es bei ADHS mit einer vererbbaren Veränderung der grauen Substanz des Gehirns zu tun.


Probleme die häufig zusammen mit ADHS auftreten

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ADHS kann ein hinweis auf Hoch- wie Minderbegabung sein.

Leider kommt ADHS selten alleine, und so müssen sich die Betroffenen nicht nur mit ihren Symptomen alleine auseinandersetzen sondern auch, oder in bestimmten Fällen insbesondere mit Begleiterscheinungen oder Konsequenzen ihrer Problematik.
Die häufigste Begleiterscheinung nach Döpfner et al. ist oppositionelles und aggressives Verhalten. Was leider ein Kreislauf darstellt, da die Betroffenen (insbesondere Kinder) sich nicht an Regeln halten oder geforderte Aufgaben erledigen, und sich dann mit Familienmitgliedern, Mitarbeitern oder Eltern deswegen streiten. Aus der Streitsituation entsteht dann weiterer Stress, welcher die bereits bestehende Symptomatik verschlimmert und wiederum zu Fehlverhalten führt.
Wenn schlechtere Leistungen erbracht werden als wichtige Bezugs- und Vergleichspersonen sie erbringen, dann führt dies oftmals zu Unsicherheit und mangelndem Selbstvertrauen. Was insbesondere deswegen schade ist, da die Betroffenen sich ansonsten in ihren Begabungen nicht von anderen Menschen unterscheiden und lediglich aufgrund dieser Beeinträchtigung eine Menge Potential verloren geht.
Gerade wenn übermäßige Aggression und mangelnde Impulskontrolle vorliegen, erfahren Menschen mit ADHS häufig Ablehnung von anderen Menschen. Sei es weil sie als Kinder beim Spiel stören, ungelenk sind oder zu Aggressionen neigen. Manche versuchen auch als Kompensation ihrer Impulse oder Unsicherheit andere Kinder zu kontrollieren oder zu manipulieren, was ebenso auf Ablehnung trifft.
Im Erwachsenenalter kommt es nach ADHS-Ratgeber.com oftmals zu Suchtverhalten, da die Kontrolle über das richtige Ausmaß schwerfällt. Auch Depressionen als Ergebnis des bisher durchlebten Leidensweges lassen sich finden.


Fazit

Trotz der scheinbar großen Fülle an aufgelistetem Material ist dieser Artikel hier auf keinen Fall vollständig. Ebenso wie bei BurnOut kann es hier nur eine Annäherung geben, da das Thema so groß und komplex ist. Unter dem Strich bleibt nur der Gang zu Spezialisten, auch wenn viele Fälle von dieser Symptomatik, wie oben aufgelistet, durchaus ihren Ursprung in der (Mangel-)Ernährung haben. Von Bipolarer Störung bis Kryptopyrololurie gibt es ebenso noch dutzende von weiteren Problemen und Krankheiten die ein Mensch aufweisen kann und welche ähnliche Symptome hervorrufen.
Ich wage die Aussage, dass bei einem großen Teil der ADHS – Diagnosen es sich nicht um das reine Syndrom handelt, welches wirklich eine organische Ursache hat, sondern dass die meisten Fälle in viele der anderen Kategorien fallen, die ich weiter oben aufgelistet habe.

Hilfreiche Links:

Ich bitte wie immer darauf zu achten dass das Lesen eines Artikels und das Klicken auf einen Link keine Diagnose ersetzt.

Quellen und Literatur

Buchrezension: Hochsensibel von Eliane Reichardt

Hochsensibel von Eliane Reichardt ist ein Sachbuch über das hochsensible Temperament. Es widmet sich Begriffsbestimmungen und wissenschaftlichen Hintergründen sowie den Zusammenhängen zwischen Reizverarbeitung und subjektivem Erleben sowie dem Umgang mit Alltag und Mitmenschen. Es ist im ersten Quartal 2016 in Erstausgabe im Irisana-Verlag erschienen.


Gliederung und Inhalt

Das Buch ist in zwei große Abschnitte sowie Appendix und Einleitung samt Selbsttest gegliedert, wobei jeder dieser Abschnitte wiederum in einzelne Kapitel unterteilt ist. Der erste Teil widmet sich der Geschichte der Hochsensibilität in Forschung und Kultur sowie der Frage wie wir Hochsensibilität überhaupt bestimmen und was die Besonderheiten im Erleben und Verhalten eigentlich sind.

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Das Coverdesign ist auf der einen Seite unaufdringlich, lenkt auf der anderen Seite dafür aber auch nicht vom Titel ab

In der Tat widmet sich Eliane Reichardt in diesem Abschnitt jeder einzelnen Modalität, also jedem körperlichen Sinnesorgan sowie den Besonderheiten im Rahmen der HS und verschiedenen Formen der Synästhesie welche damit auftreten können, da die Verarbeitung von Reiz-Informationen bei Hochsensiblen durch ihre Physiologie verändert ist. Ebenso geht sie darauf ein, welche Unterschiede es im Denken zwischen HSP und Nicht-HSP gibt, und verweist auf die Zusammenhänge zwischen Hochbegabung, lateralem Denken, Sensation Seeking und Hochsensibilität.
Ein größeres, und in meinen Augen spannendes, Kapitel widmet sich der Wahrnehmung von Sensibilität und den möglichen Problemen Hochsensibler im Verlauf der letzten 50 Jahre. Wir finden hier von den Anfängen der Konsumgesellschaft bis hin zum Informationszeitalter alle möglichen Einflüsse und den Wandel der Wahrnehmung sehr schön beschrieben. In der Tat war dies der Part vom Buch der mir am besten gefallen hat, und wenn man mit einem Augenzwinkern an dieses Kapitel herangeht kann man sich sogar als Kind jener Epoche wiederfinden und sehen, welche Zeitspanne das eigene Denken am nachhaltigsten beeinflusst hat.

Der zweite Abschnitt widmet sich der Frage wie Hochsensible den Alltag meistern können und spricht vom Einkaufsstress bis hin zum Umgang mit Nicht-HSP und Therapie nahezu alle Themen an, welche für HSP eine Relevanz haben könnten. Auch finden wir hier Verweise auf die Wichtigkeit von Gesundheit sowie Ernährung und den Umgang mit Stress. Ich hatte lediglich den Eindruck dass man mehr auf romatische Beziehungen hätte eingehen können, doch das hätte den Rahmen der etwa 250 Seiten wahrscheinlich sehr gesprengt.


Kritik

Was mir ungemein ins Auge gestochen ist, ist die erfrischende Nüchternheit des Buches. Hochsensibel von Eliane Reichardt ist das wahrschenlich unverblümteste und sachlichste Buch zum Thema welches wir zur Zeit auf dem Markt haben. Und das ist gut so, denn genau diese Sachlichkeit benötigt es wenn man ein Thema in der Breite zugänglich machen will. Sie behandelt Hochsensible in ihrem Buch nicht wie exotische Orchideen mit welchen man bei der Bundesgartenschau einen Preis zu gewinnen hofft, sondern als gleichwertige Menschen die aufgrund einer evolutionsbedingen Reizverarbeitung lediglich ein anderes Temperament aufweisen, Menschen die etwas speziellere Bedingungen benötigen um zu erblühen und dafür aber auch einen gewichtigen Beitrag zu einem angenehmen Klima leisten können.
Der Abschnitt über die High-Sensation-Seeker war für mich nochmals sehr aufschlussreich, da dieses Thema bei Hochsensibilität oftmals außen vor bleibt (zurecht, da dieser Anteil der Bevölkerung sehr gering ist). Einzig und alleine über Hochsensibilität in der Liebe hätte ich mir noch ein wenig mehr Inhalt gewünscht, aber darüber haben auf der anderen Seite bereits mehrere Autoren sich im Überfluss geäußert.


Fazit

Dieses Buch hat das Potential das neue Standardwerk für Hochsensiblität im deutschsprachigen Raum zu werden. Es ist ein sehr gut recherchiertes Sachbuch das man bedenkenlos auch zum Erklären davon was HS eigentlich ist an seine Liebsten verschenken oder weiterempfehlen kann. Es ist sachlich ohne zu fachlich zu werden und nüchtern ohne sich selbst zu paraphrasieren oder langweilig zu werden.

 

Buchrezension: Die Berufung für Hochsensible von Luca Rohleder

Das Buch Die Berufung für Hochsensible von Luca Rohleder ist ein Sachbuch über ein für die meisten HSP sehr gewichtiges Thema – dem  Finden einer stimmigen Möglichkeit sich beruflich zu verwirklichen. Es ist im Jahr 2015 in der zweiten Auflage bei Dielus Edition Leipzig erschienen.


Gliederung und Inhalt

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Auch wenn das Cover auf den ersten Blick wie ein Fachbuch für Neurologie wirkt hat das Buch wenig Bezug zur Physiologie der Hochsensibilität

Das Buch ist in fünf Kapitel gegliedert. Wobei sich die ersten beiden vorwiegend mit dem Ist-Zustand beschäftigen und sich der Bestandsaufnahme des eigenen Potentials als hochsensible Person widmen. Darauf folgen drei Kapitel welche sich – interessanterweise sogar sehr praxisbezogen – darum bemühen, aus dieser Bestandsaufnahme Handlungsweisen herzuleiten, die für das knapp über 200 Seiten füllende  Buches ein überraschend breites Spektrum des alltäglichen Lebens und Erlebens abdecken.

Die Berufung für Hochsensible hat eine grundlegend andere Ausrichtung als zum Beispiel die Bücher von Elaine Aron und Birgit Trappmann-Korr. Denn das Buch trägt im Kern den therapeutischen Ansatz der Arbeit mit dem inneren Kind, welcher mit spirituellen Einflüssen, einem großen Brocken an Selbstcoaching und eigenen Erfahrungen sowie Eindrücken des Autors eine Partnerschaft eingeht um die notwendigen Ressourcen zu generieren, welche für eine Veränderung des eigenen Lebens notwendig sind.
Das Buch ist sehr praxisorientiert und der Schreibstil richtet sich stellenweise direkt an „Sie als Leser“, fordert häufig zu konkreten Einstellungsänderungen wie „Sehen Sie Arbeitgeber nur als Kunden“, der Übernahme einer Vorstellung oder Perspektive oder auch nur zum Nachdenken auf.

Der Inhalt erstreckt sich dabei auf nahezu jeden Bereich des Lebens und orientiert sich immer wieder an den Grundbedürfnissen des Menschen und dem aus der psychodynamischen Theorie stammenden Modell vom Inneren Kind. Ein zentraler Punkt ist der Umgang mit Verletzungen und das Loslassen von schädlichen Verhaltensweisen sowie Vorstellungen und Emotionen – aber auch Menschen. Denn der Umgang mit Stress, Mitarbeitern und Kunden wird an verschiedenen Stellen mehrfach aufgegriffen und in den Gesamtkontext des Buches eingefügt. Ebenso finden sich Abschnitte wo es um die Anforderungen der Gesellschaft an das Individuum geht, und wie Geld und Einkommen unser Leben beeinflussen.


Kritik

Das Buch ist als Ratgeber gedacht welcher beim Finden der eigenen Berufung helfen soll, und ich habe den Eindruck dass es diesem Anspruch auch voll und ganz gerecht werden kann. Es ist als Leitfaden gedacht um sich mit Papier und Bleistift daneben zu setzen und über sich selbst zu reflektieren. Dabei hält es sich nicht groß damit auf, wie Hochsensibilität zustande kommt oder fundiert seine Überlegungen in Theorien, sondern ist vor allem daran orientiert die Ärmel umzukrempeln und zur Nutzung der eigenen Ressourcen anzuregen und sich (wieder) auf sich selbst zu verlassen.
Einige Inhalte wirkten allerdings beim Lesen eher deplatziert, wie die Schelte gegen Psychologen welche dem Leser ein Trauma andichten würden, während man als Leser dabei gleichzeitig ein Buch in den Händen hält welches auf dem Inneren-Kind-Modell beruht das unter anderem zur Beschreibung von Vorgängen in der Traumatherapie herangezogen werden kann. Generell hatte ich den Eindruck dass der Autor immer wieder Kritik an Wissenschaft, dem Verstand als intellektuelle Verlängerung des Egos oder gleich direkt der Gesellschaft üben möchte – wobei er auf der anderen Seite allerdings auch zur Versöhnung rät.


Fazit

Wenn man sich als HSP bereits mit den Hintergründen für das eigene Temperament auseinandergesetzt hat und vor Fragen der Sinnfindung und der Suche nach beruflicher Veränderung oder der erfüllenden Berufung steht, dann hat dieses Buch wahrscheinlich zur Zeit kaum Konkurrenz. Die Aufforderungen zum Mitwirken und die große Bandbreite an Informationen sind gut auf Fragen der Selbstverwirklichung zugeschnitten. Die spirituelle Komponente und auch die Systemkritik kann für einige Hochsensible ein zusätzliches Kaufkriterium sein, andere jedoch auch abschrecken.

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10 Gründe für unsere Gesellschaft sich mit Hochsensibilität auseinanderzusetzen

Ein großer Teil der bisher verfügbaren Artikel und Sachbücher richten sich direkt an hochsensible Personen und sollen das Verständnis für die eigene Situation ermöglichen und erleichtern. Doch der Frage, welchen Einfluss ein Mehr der sich frei entfaltenden Hochsensibilität in unserer Gesellschaft mit sich bringt geht eine andere Frage voraus: Wie fördert man die Auseinandersetzung mit Hochsensibilität überhaupt?
Um eine Antwort darauf liefern zu können widmen wir uns heute 10 guten Gründen, warum auch Nicht-Hochsensible sich eingeladen fühlen können, sich mit Hochsensibilität auseinanderzusetzen. 


1. Hochsensible machen einen großen Teil der Gesellschaft aus

Zwischen 15 und 20 Prozent aller Menschen sind hochsensibel, das wären in Deutschland im Jahr 2015 alleine zwischen 12,1 und 16,2 Millionen Menschen. Sich mit dem Temperament und der Disposition  eines so großen Anteils der Bevölkerung auseinanderzusetzen kann schon alleine deswegen nützlich sein, einfach weil es so viele HSP gibt. Und wenn man im Hinterkopf behält, dass viele der introvertierten oder schüchternen Menschen vielleicht HSP sind, dann bietet die Beschäftigung mit Hochsensibilität einen wichtigen Hafen von dem aus man diesen Menschen vielleicht entgegenkommen kann.


2. Es beugt Missverständnissen vor

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Hochsensible sind schneller durch Reize erschöpft als Normalsensible und benötigen Zeit für sich um sich zu erholen.

Gleichsam als normal- wie hochsensible Person kann es leicht passieren, dass man dazu verleitet ist, davon auszugehen, dass doch die anderen Menschen ein ähnliches Maß an Reizen und Stimulation vertragen wie man selbst. Sich mit Hochsensibilität auseinanderzusetzen kann dabei helfen, die Erschöpfung des Arbeitskollegen auf dem Firmenfest zu verstehen und warum er früher als andere nach Hause geht. Oder man kann nachvollziehen, warum ein Familienmitglied zwischendurch Pausen für sich selbst benötigt und gereizt darauf reagiert, wenn man ihn oder sie beim Erholen stört. Das Missverständnis, dass Hochsensible, insbesondere introvertierte Hochsensible, kein Interesse am Miteinander hätten, oder eher eigenbrötlerisch veranlagt sind, könnte damit etwas aus der Welt geschafft werden.
Das Gegenteil ist sogar der Fall, und viele HSP sind zu außerordentlichem Wohlwollen in der Lage und von einem großen Gefühl für die Gemeinschaft erfüllt – doch ist es nicht immer einfach dies auch auszudrücken.


3. Hochsensible empfinden von Natur aus Wertschätzung für Verständnis

Das Bedürfnis danach, für einen selbst interessante Themen verstehen zu wollen, und Recherche nicht nur als Zeitvertreib anzusehen, ist für die meisten Hypersensitiven ein zentrales Thema. Und auch wenn sie es nicht unbedingt direkt ihre Dankbarkeit mitteilen sind die meisten HSP dennoch sehr glücklich darüber, dass eine aktivere Auseinandersetzung mit dem Thema den Weg in die Gesellschaft gefunden hat. Sie wissen es wertzuschätzen dass auch Nicht-HSP sich mit Themen wie Erregung, Nervosität, Lärm und das Bedürfnis nach sozialem Miteinander auseinandersetzen. Verständnis für HSP zu zeigen ist eine sehr konkrete Form der Wertschätzung des Erlebens von hochsensiblen Menschen, welches auch eine Einladung für ein gemeinsames Miteinander darstellt welches von gegenseitigem Respekt geprägt ist.


4. Die Auseinandersetzung mit Hochsensibilität sensibilisiert einen für die Vielfalt von Menschen

Unter HSP, wie auch unter all den Menschen die nicht hochsensibel sind, gibt es große Unterschiede darin in welchem Ausmaß sie Reize verarbeiten. Auch wie sehr sie die Fähigkeit und Bereitschaft zu Empathie ausgebildet haben oder ein Bedürfnis nach Ruhe empfinden ist unterschiedlich. Diversität – Unterschiedlichkeit und Vielfalt – ist ein wichtiges Thema unserer Zeit, und Hochsensibilität als Temperament kann ein schönes Beispiel dafür sein, wie Bedürfnisse und Veranlagungen über die Kulturen hinweg als Bestandteil unserer Spezies bestehen können.


5. Die Auseinandersetzung ist ein guter Einstieg in viele psychologische und soziale Themen

Wenn man sich mit Hochsensibilität auseinandersetzt kommt man um Themen wie „Reiz“, „Wahrnehmung“ und „Bewusstsein“ kaum herum. Diese Themen sind aber auch ein wichtiger Bestandteil vieler psychischer und gesellschaftlicher Phänomene, so dass ein Gespür und Verständnis für die Unterschiedlichkeit von Wahrnehmung und Bewusstsein zu haben sogar im Alltag hilfreich ist. Und sei es nur, dass wir etwas nachsichtiger werden, wenn uns jemand im Straßenverkehr die Vorfahrt nimmt, weil er uns vielleicht wirklich nicht gesehen hat. Oder weil wir plötzlich ein Verständnis dafür entwickeln, dass der Nachbar, welcher sich über den Lärm des Staubsaugers beschwert diesen Lärm vielleicht wirklich erheblich unangenehmer wahrnimmt.


6. Ein größeres Verständnis für Hochsensibilität fördert gemeinsame Werte

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Viele HSP machen sich gerne in Ruhe Gedanken darüber, wie man das Leben für Menschen besser gestalten könnte.

Jenseits vom unterschiedlichen Bedürfnis nach Reizen und der Stimulation durch Kunst, Natur oder gemeinschaftlichem Miteinander bietet sich Normal- wie Hochsensiblen die Möglichkeit zum Austausch und das Erkennen gemeinsamer Werte und Ideale. Nachhaltigkeit, das Bedürfnis nach Sicherheit, das Vermeiden von unnötigem Leid und Hilfe für Menschen denen es schlechter als einem selbst geht sind Themen die wir als Gesellschaft miteinander teilen. Hier bietet sich die Möglichkeit für einen umfassenden Austausch und das Entdecken gemeinsamer Werte, und der hochsensible Idealismus kann vom Pragmatismus des Gegenübers profitieren und umgekehrt.


7. Die Auseinandersetzung fördert die Akzeptanz der Hochsensibilität in der Gesellschaft

Dank der öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Thema und der steigenden Zahl von Veröffentlichungen kommt es zu einer größeren Akzeptanz der Hochsensibilität. Selbst wenn es nur durch den Mere-Exposure-Effekt wäre – also dadurch dass man immer wieder mit dem Thema Hochsensibilität konfrontiert wird, wird diese irgendwann als positiver wahrgenommen – wäre eine Auseinandersetzung von Vorteil.


8. Durch die vermehrte Auseinandersetzung werdenMedien und Forschung gefördert

Umso bekannter ein Thema wird und umso mehr gesellschaftliche Relevanz es bekommt, umso eher wird dieses Thema auch von Medien und Forschung aufgegriffen. Das führt wiederum dazu dass Vorurteile abgebaut werden können und es vielleicht auch zu konstruktiverer Auseinandersetzung mit dem Thema kommt. Gerade bei Hochsensibilität müssen auch damit zusammenhängende Themen berücksichtigt werden, wie die Bewertung zu Stress und der Umgang mit Umweltnoxen wie Lärm, Chemikalien und Luftschadstoffen etc, auf welche viele HSP empfindlich reagieren. Hochsensibilität hängt nicht im leeren Raum sondern berührt viele Bereiche, genau so wie eben das Erleben der HSP durch unsere Gesellschaft mitgestaltet wird und im Umkehrschluss Einfluss darauf hat.


9. Unsere gesellschaftlichen Ideale von Sensibilität und der Umgang mit Gefühlen könnte sich verändert

Zum Glück hat sich Dank der LGBT-Bewegung und der Emanzipation das gesellschaftliche Bild von Verhalten, Rollen und Emotionen von Männern und Frauen schon stark gewandelt. Doch gibt es immer noch nur eine geringe Vereinbarkeit von Erfolg und Kompetenz in Kombination mit weiblichen Merkmalen wie Sensibilität und Empathie. Das liegt mitunter an unseren westlichen Idealen von materiellem und beruflichem Erfolg und den Stereotypen, welche wir von Führungspersonen haben (welche mitunter deckungsgleich mit den Merkmalen von Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung sind, aber garantiert nicht mit hochsensiblen Personen).
Doch mit einer tiefergehenden Beschäftigung mit Hochsensibilität könnte sich dies ändern und vielleicht sich auch der Wert von Fertigkeiten wie Empathie und die Anerkennung für das Zulassen von Emotionen mehr in der Gesellschaft etablieren.


10. Unsere Vorstellungen von Normalität könnte sich erweitern

Ein besonders schöner Effekt der Beschäftigung mit Hochsensibilität liegt in der Erweiterung unserer Vorstellung davon, was eigentlich normal in unserer Gesellschaft ist. Die Vorstellung von der sozialen Erwünschtheit von bestimmten Verhaltensweisen könnte sich wandeln, und wir würden als Gesellschaft eventuell etwas toleranter werden. Davon würden vielleicht auch weitere Minoritäten profitieren, was ein absolut wünschenswerter Effekt wäre.


Quellen und Literatur

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Hochsensibilität und Burnout

Johann Freudenreich soll den Ausspruch geprägt haben, dass sich zu Tode zu arbeiten die einzige, gesellschaftlich akzeptierte Form des Selbstmordes ist. Doch diese gesellschaftliche Akzeptanz ist kulturell verwurzelt, und so finden sich HSP heutzutage in einem Spannungsfeld zwischen der Sechs-Stunden-Woche in Schweden und den Lebensversicherungen für Karoshi, dem Tod durch Überarbeitung, in Japan wieder.


Was ist überhaupt das Burnout-Syndrom?

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Wenn man einmal über seine Grenzen geht ist das nicht automatisch ein Problem. Doch wenn man sich nicht mehr daran erinnern kann wie sich die eigene Komfortzone anfühlt, dann wird es an der Zeit die eigenen Prioritäten zu überdenken.

Normalerweise fange ich hier immer mit einer Definition an, doch ist Burnout bei weitem nicht so eng umrissen, wie man es bei einem so prominenten Syndrom, Krankheitsbild, erwarten würde. Schon die Tatsache dass Burnout als Syndrom beschrieben wird (aus dem Griechischen sýndromos – zusammentreffend) teilt uns mit, dass wir es mit einem Zusammenspiel mehrerer Symptome zu tun haben. Davon können einige auch unscheinbar genug sein um über längere Zeit hinweg übersehen zu werden, oder sie sind so diffus, dass man sie eventuell gar nicht mit den restlichen Symptomen in Verbindung bringen würde.

Ein Burnout-Syndrom bzw. Ausgebranntsein ist ein Zustand ausgesprochener emotionaler Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit. Es kann als Endzustand einer Entwicklungslinie bezeichnet werden, die mit idealistischer Begeisterung beginnt und über frustrierende Erlebnisse zu Desillusionierung und Apathie, psychosomatischen Erkrankungen und Depression oder Aggressivität und einer erhöhten Suchtgefährdung führt.
Pschyrembel Ausgabe 2007

In der Definition finden wir direkt zwei Bestandteile des Burnouts für die Hochsensible ausgesprochen anfällig sind, nämlich emotionale Erschöpfung und idealistische Begeisterung. Wie wir in Was ist Hochsensibilität? und 10 Potentielle Vorteile der Hochsensibilität bereits festgestellt haben sind viele HSP ausgesprochene Idealisten und gerne bereit für ein Ziel, mit dem sie sich identifizieren können, nicht nur körperliche oder geistige Ressourcen zur Verfügung zu stellen, sondern auch mit emotionaler Hingabe hinter dem Projekt zu stehen. Doch egal ob die empfundenen Emotionen während dieser Tätigkeit lediglich positiv oder aber auch ambivalent sind, wenn Hochsensible nicht die Möglichkeit haben, oder nicht wahrnehmen, sich zu regenerieren, ist der Weg in die Reizüberflutung und damit in die Erschöpfung geebnet. Häufig versuchen Betroffene ihre Erschöpfung und Symptome durch Konsum von Alkohol, Medikamenten oder Stimulanzien zu kompensieren, was unter Umständen ebenso für HSP weitreichendere Folgen haben kann.


Symptome

Die komplette Symptomliste zum Burnout-Syndrom liest sich wie das Telefonbuch eines Ortes der nur von Leuten bevölkert wird, mit denen man um zwei Ecken irgendwie bekannt ist. Viele der Symptome wirken auf den ersten Blick vollkommen harmlos, werden aber im Zusammenspiel mit anderen ihrer diffusen Art zu einem Mühlstein, der Schicht für Schicht die ohnehin schon angeschlagenen Nerven bis an die Belastungsgrenze und vor allen Dingen darüber hinaus treibt. Burnout spannt sich in unserer Beschreibung über drei einzelne Ebenen, welche wir nacheinander betrachten wollen: Erschöpfung, Depersonalisierung und Frustration.

Erschöpfung

Im Zentrum steht vor allen Dingen eine kaum für nicht Betroffene nachzuvollziehende Erschöpfung welche auch durch Schlaf oftmals nicht besser wird. Sie zieht sich durch viele Bereiche des Lebens und zeigt sich unter anderem durch:

  • Konzentrationsprobleme
  • Desinteresse
  • Reizbarkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Geschwächtes Immunsystem
  • Herz-Kreislauf-Störungen
  • Störungen der Sexualfunktion
  • Kraftlosigkeit

Wir sprechen hier von einer lähmenden Erschöpfung der grundlegenden körperlichen aber auch emotionalen Ressourcen. Gerade das stark ausdifferenzierte Innenleben von Hochsensiblen ist davon betroffen und weicht einer extremen Ermattung. Das Problem an der Sache ist umso gravierender, da man als HSP sich eben genau der Ausgebranntheit zumeist bewusst ist, da die Hochsensibilität ja bestehen bleibt, und in eventuell vorhandenen Ruhephasen die Ermattung umso stärker ins Bewusstsein rückt. „Man weiß eigentlich, dass man etwas ändern müsste.“

Depersonalisierung

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Wenn das eigene Erleben unerträglich wird, werden Kompensationsstrategien gesucht. Häufig sind Alkohol und Medikamente ein Ausdruck für das Bedürfnis danach, die Kontrolle über das eigene Leben wiederzuerlangen.

Depersonalisierung findet als Reaktion auf länger andauernde Überlastung statt. Zwischen dem Betroffenen und seinen
Kollegen, Klienten und auch vor allem sich selbst wird künstlich eine Distanz erzeugt, die eine weitere Identifikation mit den Nöten der Personen und Anforderungen der Situation verhindern soll. Dies äußert sich in:

  • Gleichgültigkeit
  • Emotionaler Kälte
  • Arbeit als Routine
  • Zynismus
  • Verminderter Empathie
  • Schwarz/Weiss – Denken
  • Verlust des Idealismsus

Im Artikel zur Empathie haben wir bereits aufgegriffen dass das Herstellen von emotionaler Distanz eine Erleichterung darstellen kann, wenn man, insbesondere als HSP, ein zunehmendes Problem beim Unterscheiden der eigenen Emotionen und Bedürfnisse von denen anderer Menschen und den Anforderungen der Situation hat. Beim Burnout passiert diese Trennung nun auf eine sehr unglückliche Art und Weise automatisch um die aufgebrauchten emotionalen, körperlichen und geistigen Ressourcen zu schützen.

Frustration

Frustration entsteht wenn man beim Erreichen eines Ziels oder Ausführen einer Handlung behindert wird. Burnout wird im Bezug darauf durch einen länger andauernden Zustand der konstanten Überforderung begünstigt. Egal wie viel Aufwand man betreibt, es findet keine merkliche Verbesserung des Zustandes statt. Dies führt mitunter zu:

  • Desillusionierung
  • Hilflosigkeit
  • Versagensagst
  • Schuldgefühlen
  • Entmutigung
  • Gefühl persönlicher Ineffektivität

Auch wenn diese Auflistung schon recht umfangreich erscheint, wird sie dem gesamten Spektrum, in welchem sich die Symptome abspielen können, bei weitem noch nicht gerecht. Ich verweise an dieser Stelle auf die extrem umfassende Liste auf hilfe-bei-burnout.de, welche sich sehr differenziert mit der Vielschichtigkeit der Symptome umgeht.


Der Zusammenhang zwischen Hochsensibilität und Burnout

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Wenn man sich gerade erholt, und dabei das Gefühl hat, dass man sich nicht ausruhen sollte, dann erholt man sich in diesem Moment nicht wirklich.

Gesteigerte Wahrnehmung von Details und eine starke emotionale Aufladung von idealisierten Tätigkeiten sind eine Einladung zum Perfektionismus, welcher anfangs mit einem starken Lusterleben und Begeisterung einhergehen kann. Darüber hinaus bietet das Nachempfinden von Leid anderer oder die Beschäftigung mit zu vermeidenden Zuständen, einen Boden für das Gefühl von persönlicher Verantwortung für Gelingen oder Misslingen von Zielen oder Projekten. Das sind alles Einflüsse welche das langsame Abrutschen in die Überarbeitung, oder besser: in das sich Aufopfern, begünstigen.
Ich wage an dieser Stelle die Vermutung dass nahezu jeder oder jede Hochsensible Zustände von Erschöpfung und Reizüberflutung kennt.

Gerade für HSP in pflegenden, medizinischen, therapeutischen oder sozialen Berufen ist die Gefahr sich weit über die eigene Leistungsfähigkeit zu engagieren besonders groß, da das Vermischen zwischen eigenen Bedürfnissen und denen von Klienten oder Patienten umso fließender und unterschwelliger passieren kann. Sabine Siessmayr spricht hier von der Du-Falle. Das Fatale ist obendrein, dass man als HSP stellenweise auch Recht damit haben kann, dass jemand anderes bestimmte Aufgaben unter Umständen nicht mit der selben Exaktheit ausführen kann, wie man selber es kann tun könnte. es gibt also scheinbar eine reelle Bestätigung dafür, wirklich unentbehrlich zu sein, was umso problematischer sein kann.
Doch ebenso treten auch Schuldgefühle auf, wenn man sich endlich einmal auf die eigenen Bedürfnisse konzentriert. Auch die Schattenseite der oben angesprochenen Unentbehrlichkeit, nämlich Überverantwortung und das Bedürfnis nach Kontrolle um den Kontrollverlust  über das eigene Leben und den Körper zu kompensieren, sind regelrechte Spinnennetze in denen man als Hochsensibler oder Hochsensible verloren gehen kann.


Hilfe bei Burnout

Ich möchte an dieser Stelle nochmals dringend darauf hinweisen, dass Burnout ein sehr breites Feld ist und ich hier bei weitem nicht alle Symptome und Verhaltensweisen aufgeführt habe, die mit dem Syndrom einhergehen. In vielen Fällen wird man auch überhaupt erstmal gar nicht wegen Burnout selbst einen Arzt, Heilpraktiker oder Psychologen aufsuchen, sondern vielleicht wegen neurologischen Problemen, Herz- Kreislauf-Beschwerden, Schlafstörungen oder Suchtverhalten. Wenn Verdacht auf Burnout besteht sollte umgehend Hilfe aufgesucht werden. Folgende Stellen können bei Verdacht auf Burnout hilfreiche Anlaufstellen sein:


Quellen und Literatur

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Denken versus Fühlen

Dieses Thema kann für hochsensible Personen unserer Zeit einer der intensivsten Konflikte überhaupt sein. Wir bewegen uns damit auf einem Feld das dominiert wird von Missverständnissen über Denken und Fühlen. Sowie Annahmen darüber, wie Menschen per se Denken und Fühlen, welche dann wiederum zu Bewertungen und Missverständnissen zwischen den Anders- Denkenden und Fühlenden führen. Klingt komisch, ist aber eigentlich sogar noch komplizierter. Doch versuchen wir heute einfach mal zu schauen, wie insbesondere HSP von Gedanken über das Denken und einem aktiven Umgang mit Gefühlen profitieren können.


Der scheinbar unlösbare Konflikt

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Niccolò Machiavelli ist mit vielen seiner Hypothesen weitaus mehr pragmatisch als empathisch, doch erkennt er in „Der Fürst“ zumindest die Fähigkeit, vielleicht auch den Wert von Empathie an.

Jeder sieht, was du scheinst. Nur wenige fühlen, wie du bist“ schreibt Niccolò Machiavelli in „Der Fürst“ und weist damit darauf hin, wie leicht doch Menschen durch ihren Verstand und den Schein über die eigene Person in die Irre zu führen sind. Nur über die Empathie scheinen wir Zugriff auf die Persönlichkeit hinter der Präsentation zu bekommen. Der Streit wird auch auf körperlicher Ebene fortgeführt: Von unserem bildlichen Verständnis her sind das Gehirn oder der Kopf als Denkapparat und unser Herz oder Bauch als Sitz unserer Emotionen an unterschiedlichen Plätzen im Körper verortet und voneinander getrennt.
Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass Fühlen und Denken als oft als unvereinbare Gegensätze wahrgenommen werden? Dort wo Denken mit dem analysieren von Fakten und dem vernünftigen Handeln nach einer Bewertung der einzelnen Bestandteile eines Problems assoziiert werden kann, scheint es oftmals so zu sein, dass dem Fühlen ein Wissen zugeschrieben wird, welches ohne diese intentionale Anstrengung abgerufen werden kann und zu ebenso guten, manchmal aber auch zu besseren Ergebnissen führen kann, als es der verstandesmäßigen Auseinandersetzung mit einer Fragestellung möglich wäre.

Widmen wir uns also erstmal dem Denken, um in Erfahrung zu bringen, wo die Unterschiedlichkeit ihren Ursprung hat.


Denken

Fangen wir direkt einmal mit einer Definition von Denken an:

[Denken ist] das verstandesmäßige Erfassen von Eindrücken und Zusammenhängen, das zu Schlußfolgerungen und Urteilen führt. […]
Psychology48.com

Es gibt noch weitere Definitionen, wenn es um spezielle Bereiche des Denken geht, doch diese Definition zeigt sehr gut auf, dass Wahrnehmung, Informationsverarbeitung und Denken miteinander in Verbindung stehen. Wir haben hier sogar gleich zwei Bereiche in denen HSP eine intensivere Auseinandersetzung erfahren, nämlich das Wahrnehmen von Eindrücken und das Erkennen von Zusammenhängen. Vielleicht wird jetzt auch deutlich warum für Hochsensible eine Auseinandersetzung mit Denken per se eine fruchtbare Angelegenheit sein kann.
Wenn wir erkennen, dass unser Denken von eben unserer eingehenderen Wahrnehmung gespeist wird und die Zusammenhänge, welche wir aufgrund der differenzierteren Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Quellen wahrnehmen können, in Denkprozesse einfließen, dann lässt sich zum Beispiel leicht erklären, wie wir es schaffen, durch schiere Beschäftigung mit Themen in größere Aufregung zu verfallen und dabei schneller erschöpfen. Auch finden wir hier Gründe, warum unsere Schlussfolgerungen manchmal von Nicht-HSP nicht nachvollzogen werden können, oder aber eine ausführlichere Erläuterung vieler unser Vorannahmen erfolgen muss, um das Endergebnis unserer Schlussfolgerungen erklärbar zu machen.

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Denken wird oft gleichgesetzt mit den logischen Prozessen, welche von Prozessoren durchgeführt werden. Und obwohl es zwischen der Funktionsweise des Gehirns und einem Prozessor durchaus Parallelen gibt, bedeutet es nicht dass Denken ein mechanistischer Prozess ist.

Eine so einfache Definition wie die obige kann für uns HSP bereits der Schlüssel sein, Denken in einem völlig neuen Licht erscheinen zu lassen.
Denn was aus diesem Prozess doch überhaupt bisher gar nicht ausgeklammert wurde, und was eben häufig auch der Grund für Missverständnisse ist, ist dass die Wahrnehmung eben als Gegenstand mit in unser Denken einfließt. Und Wahrnehmung ist eben für HSP wegen ihrer Intensität von so außerordentlicher Wichtigkeit – und mit etwas Verständnis dafür dass Wahrnehmung auch Rückschlüsse auf die Einstellung einer Person zu einem Gegenstand zulässt, zeigt sich hier doch schon, dass Denken kein objektiver, „herzloser“ Prozess ist.
Natürlich ist das Ergebnis unserer Schlussfolgerungen dann auch etwas auf dass wir stolz sein können, denn immerhin ist in unser Denken unsere Erfahrung und unser Wissen eingeflossen, und das Ergebnis spiegelt zu einem gewissen Grad unsere Werte wieder.

Objektivität

Dass ein Konflikt zwischen Denken und Fühlen, wahrgenommen wird liegt vielleicht eher daran, dass es Bereiche, namentlich im wissenschaftlichen Arbeiten, gibt, wo Schlussfolgern und Denken Regeln folgen. Regeln auf persönliche Erfahrungen oder schlimmer noch Gefühle und intuitives Wissen anzuwenden erscheint den meisten HSP wahrscheinlich erst einmal extrem suspekt, doch sind diese Maßgaben auch für etwas komplett anderes gedacht als die individuelle Erfahrung eines Menschen abzuwerten.
Bestimmte Gesetzmäßigkeiten sollen lediglich ein Verstehen ermöglichen, von dem mehr als nur wir selbst profitieren können. Die Existenz von Regeln für bestimmte Bereiche des wissenschaftlichen Arbeitens und damit Denkens kann zwar wirken, als wäre es mechanistisch und kalt, aber gerade moderne Wissenschaftler wie Neurobiologe Sam Harris (End of Faith) weisen auf die die Sinnstiftung hin, welchen wir durch individuelle Interpretation unserer Erfahrungen gewinnen können, und dass uns natürliche Fähigkeiten wie Empathie und das Bedürfnis nach Antworten und einem sinnerfüllten Leben als ganze Spezies verbindet. Wir HSP vergessen ob der Tiefe unserer Wahrnehmung und unseres Erlebens leider oftmals ebenso gut, dass Normalsensible keine Maschinen sind. Doch gerade introvertierte HSP können vielleicht  auch die Lust und den Genuss einer Denkaufgabe und beim Verknüpfen von verschiedenen, oberflächlich betrachtet eigentlich nicht zusammenhängenden Sachverhalten sehr gut nachvollziehen.


Fühlen

Der Begriff „Gefühl“ (engl. feeling) steht im Deutschen für eine enge Definition von Emotion, die die subjektive Erlebensqualität als ein Teil der Emotion in den Mittelpunkt rückt.
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Das Herz ist als Symbol in unseren Breitengraden der Inbegriff für gefühlsmäßige und wohlwollende emotionale Regungen

Der berühmte Ausspruch von Antoine de Saint-Exupéry „Man sieht nur mit dem Herzen gut“ aus „Der kleine Prinz“ löst wahrscheinlich auch jetzt gerade wohlwollendes Nicken bei den meisten, dieses Zitat lesenden HSP aus.
Auf Ebene der Gefühle ist aber auch eine Menge los im Menschen:
Stimmungen bezeichnen eine grundlegende Ausgerichtetheit von Emotionen, welche wie die tiefen Strömungen unter der Meeresoberfläche sogar entgegengesetzt zu den sichtbaren Wellen sein können. Meta-Gefühle können durch Erinnerungen oder Vorstellungen geweckt werden und haben vielleicht mit der akuten Situation gar nichts zu tun, doch sind sie in der Lage unsere Erinnerungen so lebendig werden zu lassen, dass das Hier und Jetzt weit in den Hintergrund rückt. Körperliche Zustände wie Schmerzen, Hunger, Überreizung und Krankheit können uns traurig oder aggressiv werden lassen, ja sogar gereizt ganz gegen unsere normalen Emotionen und Einstellungen fühlen und handeln lassen. Doch zwischen all diesen emotionalen Bewegungen finden wir dann auch noch zu guter Letzt das Gefühl, als körperliches Empfinden in unserem Inneren, welches an eine Vorstellung oder Gedanken gebunden sein kann.
Gerade weil Hochsensible diese individuellen Gefühle so intensiv wahrnehmen, und wissen, wie sehr uns eine Empfindung mitreißen kann, sind wir oftmals umso umsichtiger mit unserem Verhalten und mit Worten.
Doch all diese Emotionen basieren häufig auf unseren früheren Erfahrungen und spiegeln sich in unserer Einstellung zu  bestimmten Menschen, Themen und Objekten wieder. Wir sind dadurch praktischerweise oft in der Lage schnell aus dem Bauch heraus Entscheidungen zu fällen oder ein Urteil abzugeben oder zu handeln. Gefühle helfen uns also deswegen dabei Entscheidungen im Alltag zu treffen, da sie oft auf Einstellungen beruhen, welche sich in der Vergangenheit bewährt haben.


Hassliebe Denken

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Denken tritt selten alleine auf und bedient sich oft der Erfahrung um eine Situation oder ein Problem zu bewältigen. Selbst beim Schach.

Obwohl wie wir weiter oben schon festgestellt haben HSP eine Veranlagung zum gründlichen Überdenken vieler Themen haben, mögen wir es manchmal nicht, wenn bestimmte Themen genauer beleuchtet werden. Dabei dominiert lediglich in sehr speziellen Situationen wie Forschung oder künstlerischer Tätigkeit das regelgeleitete Denken oder ein rein gefühlsbetonter Ausdruck. Doch trotzdem gibt es gerade wenn es um individuelle Gefühle  oder besonders gefühlsbeladene Themen wie Liebe oder Spiritualität geht, bei HSP oft die Angst davor etwas „kaputt zu analysieren“.  Vielleicht ist diese Angst aber auch gar nicht so sehr daran geknüpft, dass ein Prinzip, welches uns wichtig ist, nicht die Wertschätzung erfährt, die wir diesem Prinzip gerne zukommen lassen wollen. Sondern es ist die Angst davor, dass die Vorstellungen, welche wir von etwas haben bei genauerer Betrachtung die Erwartungen, welche wir daran haben vielleicht gar nicht in diesem Ausmaß für uns, oder aber auch für andere erfüllen kann.
Und ja, wir HSP lieben oft unsere kleinen geistigen Enklaven und Luftschlösser, denn sie sind ein Trostpflaster für die blauen Flecken der scheinbar so rüpelhaften, verkopften Ellenbogengesellschaft. Eine Fatamorgana kann ein echter Durstlöscher sein, wenn man das Gefühl hat emotionale Durststrecken durchleiden zu müssen.


Der goldene Mittelweg: Die Intuition

Für viele HSP ist Intuition so etwas wie ein manifest gewordener Beweis für die Überlegenheit der Spontaneität und des Gefühls gegenüber dem rein verstandesmäßigen  Denken. Doch stellt Intuition eigentlich einen großartigen Konsens aus Denken und Fühlen dar. Denn die rasend schnellen Schlüsse der Intuition wären ohne unser Vorwissen und vorangegangene Auseinandersetzung mit ähnlichen Situationen gar nicht möglich.

[Hinter Intuition] verbirgt sich […]  häufig eine spontane und rasche Mustererkennung und das meist unbewusste Abrufen von Erfahrungswissen
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Unsere Intuition kann auf mehr Erfahrung und unser Vorwissen zurückgreifen und bezieht sogar Verknüpfungen mit ein, über die wir uns im Zusammenhang mit unserer Fragestellung selbst noch nicht den Kopf zerbrochen haben. Doch liegt sie mitnichten immer richtig.  Wir HSP freuen uns ja auch nicht umsonst wie verrückt, wenn jemand anderes eben die selben Ideen und spontanen Einfälle und Gefühle sowie Gedanken wie wir selbst hat – denn all diese Vorgänge sind zumeist sehr subjektiv und im Großteil der Situationen erst einmal nur für uns alleine zugänglich.
Und so stellt doch die Intuition ein ganz wundervolles Beispiel dafür da, wie Denken und Fühlen Hand in Hand gehen um uns den Umgang mit Problemen und dem Alltag zu erleichtern. Es geht letzten Endes also selbst für unser Gehirn gar nicht so sehr darum, dass wir immer Recht behalten müssen um unser Leben bestreiten zu können. Sondern dass wir zumindest das Gefühl haben, dass sich unser Denken und unsere Erfahrung jeden Tag aufs Neue bewähren können. Und das schmeichelt sowohl dem Kopf als auch dem Herz.


Quellen und Literatur

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10 potentielle Vorteile der Hochsensibilität

Jenseits von Reizüberflutung und Weltschmerz bietet die Hochsensibilität das Potential zu einem lustvollen und intensiven Leben und Erleben, welches vom Genuss des Wahrnehmens und Freude an der Welt geprägt ist. Die Vorteile dieser Veranlagung sind, auch wenn sie manchmal unscheinbar wirken mögen, und bei jeder und jedem Hochsensiblen unterschiedlich ausgeprägt sind, es dennoch wert, dass wir mal einen genaueren Blick darauf werfen. Hier heute also 10 potentielle Vorteile von hochsensiblen Menschen.


1. Positive Gefühle werden stärker wahrgenommen

Schmetterlinge im Bauch? Freude die so intensiv und hell wie die Sonne strahlt? Als HSP verfügt man bei einer ausgewogenen Mischung aus Reizen und der richtigen Stimmung über ein Innenleben dass so übervoll sein kann, dass man jemand anderen, mit dem man sein Innenleben teilen kann schon fast braucht, um nicht vor Intensität zu explodieren. Kein Wunder dass sich viele HSP zur Kunst hingezogen fühlen, um ihr Erleben in irgendeiner Form anderen Menschen nahe zu bringen.


2. Auge für Details

Die zusätzlich wahrgenommenen Details führen zu einem exakteren Gesamtbild und bieten die Möglichkeit dazu, Schlüsse zu ziehen, die auch kleinere Feinheiten berücksichtigen. Doch auch den filigranen Nuancen von Kunst, der Natur, und von anderen sinnlichen Genüssen kann man als HSP potentiell mehr abgewinnen. Die Gratwanderung zwischen Überforderung und Genuss ist nicht immer einfach zu bewältigen, gerade in Stresssituationen. Ebenso ist nicht jeder Sinn bei jeder oder jedem Hochsensiblen gleichermaßen von der hohen Auflösung der Details betroffen, doch gerade die Sinne, welche am stärksten auf Überreizung reagieren können einen guten Anhaltspunkt darauf geben, über welchen Kanal die meisten Informationen verarbeitet werden.


3. Kreativität

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Mit dem Gesamtbild vor Augen erkennt es sich leicht, dass jedes Teil wichtig ist

Eine größere Menge an aufgenommenen und verarbeiteten Reizen hat auch die Möglichkeit, ähnliche Eindrücke aus der Vergangenheit abzurufen, welche dann mit den neuen Impulsen verknüpft werden. Dadurch entstehen dann wieder neue Anreize welche, die Vorstellungskraft ankurbeln und potentiell wieder zu neuen Schlüssen und Ideen führen können. Ja, dieser schöpferische Aspekt der Kreativität ist es, der viele HSP, vielleicht zusammen mit dem Versprechen alleine und in Ruhe arbeiten zu können, am Beruf des Künstlers fasziniert. Eben auch dieses Erschaffen, Erkennen und Entdecken von etwas Neuem aus dem eigenen Inneren heraus kann hochsensible Menschen sich so lebendig fühlen lassen, dass eher profane Belange dahinter weit zurücktreten.


4. Idealismus

Viele HSP sind ausgeprägte Idealisten und haben aufgrund ihrer Empathie oder ihren Überlegungen moralische Prinzipien, welche das Wohl von möglichst vielen Lebewesen, mit denen sie sich identifizieren können, im Blick haben. Auch komplexere, eher diffuse oder erspürte Wertvorstellungen wie eine Verbundenheit mit dem Leben als solches sind möglich. Die Welt ist mit Sicherheit kein utopischer Ort, doch idealistische Vorstellungen davon, wie Leben möglich ist und sein könnte, wenn diese oder jene Bedingung erfüllt wäre, kann dazu motivieren, die Utopie ein kleines Bisschen realer werden zu lassen.


5. Ausgeprägtere Empathie

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Egal ob bei Menschen oder Tieren, viele HSP haben eine ausgeprägt Empathie und freuen sich zum Beispiel auch, wenn sie einen fröhlich aussehenden Hund anschauen.

Kleine, nonverbale Äußerungen von Emotionen oder Stimmungen welche vielleicht in alltäglichem Gebaren untergehen würden, können viele HSP aufschnappen und verarbeiten. Auch fällt es uns oft leicht die Standpunkte oder zumindest die Gefühle von anderen Menschen, mit denen wir uns auch identifizieren möchten, nachzuerleben. Doch selbst wenn die Empathie als Fähigkeit nicht so stark ausgeprägt sein sollte, wissen dennoch viele Hochsensible um die Wichtigkeit von Mitgefühl und räumen zumindest der Idee der Wertschätzung der Emotionen und des Erlebens von Mitmenschen Platz ein.
Doch auch die von HSP fast immer stark wahrgenommenen Gefühle spielen eine Rolle bei Empathie. Genauer gesagt, beim emotionalen Nacherleben von Gefühlen anderer Menschen. Denn umso stärker wir unsere eigenen Emotionen erspüren können, umso besser nehmen wir auch die in uns als Antwort auf das Erleben der Gefühle unserer Mitmenschen erschaffenen empathischen Antworten wahr. Mehr dazu hier.


6. Erhöhte Intuition

Intuition bedeutet dass wir in der Lage sind Schlüsse aus Wissen zu ziehen, auch wenn wir die Reize zu diesem Wissen gerade überhaupt nicht als Gedanken im Bewusstsein haben. Durch Gefühle, welche mit ähnlichen Reizen oder Erinnerungen verknüpft sind, werden die Reize zu unserer jetzigen Situation oder Fragestellung als Bauchgefühl oder Intuition aufgearbeitet und erlauben uns ein schablonenhaftes Schließen, das sich Dank der größeren Masse an vergleichbaren Reizen auch als richtig erweisen kann – aber nicht automatisch muss.


7. Gewissenhaftigkeit und Perfektionismus

Perfektionismus kann ein Zeichen für Versagensangst und das Bedürfnis nach Anerkennung sein, aber auch ein positiver Nebeneffekt der Tatsache, dass mehr Details in der Bearbeitung einer Aufgabe wahrgenommen werden. Deswegen haben auch Situationen, wo Normalsensible eher etwas technisches, wie ein Puzzle mit 1000 Teilen sehen, für viele HSP einen organischen Touch, und das Bedürfnis es nicht nur einem Projekt oder einem Termin, sondern auch den Mitarbeitern oder Mitmenschen gerecht zu werden fließen in die Betrachtung mit ein.


8. Besseres Gespür für Schmerzen und Krankheit

Schmerzen sind auch Reize. Wenn also weniger Reize herausgefiltert werden, dann klingt es vielleicht erstmal wie ein Nachteil, da HSP auch ihre Schmerzen stärker wahrnehmen. Doch hat es auch Vorteile, da man die eigenen körperlichen Grenzen früher auslotet, und auch früher erkennen kann, wenn man dabei ist, über die Strenge zu schlagen. Die frühen Symptome eines grippalen Infekts sind vielleicht lästig, aber wenn man Kopf- und Gliederschmerzen eher wahrnimmt, kann man sich auch umso früher in Behandlung begeben und zuhause auskurieren.


9. Gespür für Harmonie

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Zur richtigen Zeit, die richtige Zusammensetzung. Das ist Harmonie

Das Auge für Details kann sich auch darin widerspiegeln, dass man genau die fehlenden Puzzleteile erkennt, die notwendig wären um einen perfekten Gesamteindruck herzustellen. Sei es, dass man bei einem leckeren Abendessen genau den richtigen Wein nennen kann, oder aber dass man erkennt, welcher Mitarbeiter entlastet werden müsste, damit eine Abteilung als Ganzes runder läuft. Harmonie hat viel mit Intuition und dem Bauchgefühl zu tun, weil hier Annahmen und Erfahrung mit den Anforderungen des Augenblicks zusammentreffen. Doch wenn hochsenible Menschen mit einem derartigen Interesse für Harmonie sich intensiv mit einem Thema befassen, welches vom Gesamteindruck profitiert, dann können sie nicht nur viel Freude daraus ziehen, sondern auch tolle Ergebnisse erzielen.


10. Sinn für Nachhaltigkeit und Umsichtigkeit

Es ist ein gar nicht so kleines Detail, dass Ressourcen begrenzt sein können, weswegen es auch HSP gibt, welche sich um die nachhaltige Nutzung davon sorgen. Egal ob es um fossile Rohstoffe geht, den Schutz von Biotopen oder die gleichmässige Verteilung des Wohlstands und die Vermeidung von Verschwendung, hochsensible Menschen mit dieser Ausprägung sorgen sich um die langfristigen Auswirkungen und weitreichenden Folgen unserer Zivilisation.


Quellen und Literatur

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Hochsensible Menschen und die Ego-Falle

Das Ego ist in der letzten Zeit ganz schön beschäftigt gewesen: Es wertet Mitmenschen welche ihm nicht dienlich sind, schamlos herab, beutet die Umwelt in der es lebt aus als wäre heute der letzte Tag auf Erden und und zerstört den Planeten gleich noch obendrein. Diese immaterielle Entität hat so viel Macht und Einfluss auf den Menschen, dass mit dem Buddhismus und Taoismus gleich zwei östliche Religionen das Ego als einen zentralen Punkt in ihrer Lehre haben. Und viele moderne spirituelle Lehrer wie Eckhart Tolle und Osho haben diesen drei Buchstaben und wie man sich von ihnen befreit ganze Bücher gewidmet. Es ist nicht schwer, Parallelen zu finden zwischen den Dämonen des Mittelalters, welche hinter jeder Hausecke lauern um den Menschen zur Sünde oder unkeuschen Gedanken zu verleiten, und dem ebenso aus dem Dunkel des Unterbewusstseins stammenden Ego, welches zwar nicht unbedingt den christlichen Gott stürzen will, aber sich anscheinend auch nicht mit einem zweiten Platz zufrieden geben würde. 


Das Ego, was ist das Überhaupt?

Definieren wir auch heute überhaupt erst einmal wovon genau wir eigentlich sprechen wollen. Insbesondere ein diffuser Begriff wie „Ego“ braucht das aber auch. Bei Wikipedia finden wir alleine zum jetzigen Zeitpunkt drei Artikel über das Ego als Bestandteil des Menschen. Einer befasst sich mit dem Ego als umgangssprachlichen Begriff für Selbstwertgefühl, ein weiterer, psychologischer Artikel mit dem „Selbst“ als Summe des Wissens, welches ein Menschen über sich hat und dem „Ich“ als Beobachter dieses Wissens, und der dritte Artikel ist ebenfalls psychologischer Natur – hier macht endlich Sigmund Freud seine Aufwartung, welcher bei einem so großen Begriff wie dem Ego natürlich nicht fehlen darf.

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Wann hört Selbstliebe auf, gesund zu sein? Eine wichtige Frage für viele HSP.

Spannenderweise bleiben wir heute beim umgangssprachlichen Ego und brauchen gar nicht so tief in psychologische Theorien oder Definitionen abtauchen. Denn wenn wir unserem Nachbar unterstellen, dass er sein Ego aufplustert, weil er mit seiner Gehaltserhöhung oder dem Neuen Auto angibt, dann meinen wir  sein Selbstwertgefühl. Und zwar unterstellen wir ihm, dass er eigentlich einen Mangel an Selbstwertgefühl hat und sich über einen materiellen Ausgleich eine Kompensation dafür verschafft.

Das Ego ist für unser Verständnis an dieser Stelle sehr gut als künstlich gesteigertes Selbstwertgefühl definiert. Wie man sich vorstellen kann, lebt dieses künstliche Selbstwertgefühl ganz gut davon, sich bei für sich wichtigen Themen mit schlechteren Vergleichspartnern zu messen, die eigenen Stärken hervorzuheben und prestigeträchtige, von der Gesellschaft anerkannte Symbole der eigenen Wertigkeit zu präsentieren.


Hochsensiblität und die Angst vor Egoismus

Das alles klingt natürlich erst einmal überhaupt gar nicht nach hochsensiblen Menschen, welche eher mit Altruismus, Empathie und vor allem Introvertiertheit assoziiert sind. Wie könnte man gleichzeitig vor Bekannten in der Bahn mit dem Erfolg beim letzten Minigolfen angeben, wenn man sich stattdessen beim Spazierengehen in goldener Herbstsonne am bunten Laub auf dem Weg und dem Wind im Geäst gütlich tun kann?
Und genau weil es für die meisten HSP so unvorstellbar wäre, ihr Selbstwertgefühl künstlich aufzublähen schauen wir uns doch einmal an, wie es mit dem Selbstwert bei HSP so bestellt ist. In der Tat gibt Elaine Aron in ihren Werken recht eindeutig wieder dass die meisten Hypersensitiven aufgrund ihrer so unterschiedlichen Wahrnehmung im Kontrast zu den restlichen 80-90 Prozent nämlich erst einmal eher einen Mangel an Selbstwertgefühl haben. Auch das Bedürfnis nach Perfektionismus, welches den meisten Betroffenen zu eigen ist, passt sehr gut zur Angst davor, auf Ablehnung zu stoßen.
Und eben genau da ist der Unterschied, denn Anstelle andere Menschen zu übertrumpfen, indem man zum Beispiel moralischer ist, mehr Statussymbole anhäuft oder eine besondere Auszeichnung erhält versucht man es den anderen Menschen oder dem eigenen Ideal eher Recht zu machen. Die Identifikation mit einem Mitmenschen, welcher eventuell durch uns verletzt werden könnte, unsere Empathie, schützt vielleicht davor in der Tretmühle aus gegenseitigem Wettrüsten gefangen zu sein. Doch natürlich gibt es in dieser Hingabe an die Bedürfnisse des Nächsten auch wieder einen potentiellen Geschädigten.

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Die Angst davor abzustumpfen ist nicht unbegründet. Denn das Miterleben der Emotionen von anderen kann die Energiereserven leeren. Doch auch die alleinige Identifikation mit den eigenen Bedürfnissen scheint diese Gefahr innezuwohnen.

Und so kann es sein, dass man sich als HSP plötzlich in einer anderen Ego-Falle befindet, nämlich der Angst davor dass eine Steigerung des eigenen Selbstwertgefühls mit einem Verlust der Empathie einhergeht. Nicht aus dem Gefühl heraus es nicht verdient zu haben, sich wertvoll zu fühlen, sondern aus der Angst vor dem Schaden, welcher dadurch entstehen könnte, wenn man sich anstelle auf die Bedürfnisse anderer auf das eigene Wohlergehen stützt. Gerade das Gefühl der Ohnmacht in Momenten des Weltschmerzes ist ein Sinnbild für das Leid welches HSP häufig zu verringern wünschen, und gerade deswegen auch die Falschheit hinter einem übersteigerten Ego mit Entsetzen ob der Abwesenheit von jeglicher Empathie betrachten,
Die Vermischung vom Erlangen eines Gefühls des eigenen Wertes mit der Blindheit für das Leiden anderer Menschen kann eine echte Hürde gerade für besonders altruistische HSP sein, welche vor lauter Weltschmerz, und der Angst, die eigenen Ideale zu vernachlässigen, ihr Leiden vielleicht auch eher auf die körperliche Ebene verschieben und stark erschöpfen oder regelrecht krank werden.


Die Hochsensibilität bleibt bestehen

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Weltschmerz kann sehr überwältigend sein. Deswegen ist es umso wichtiger ihn ernst zu nehmen und zu ergründen.

Ich halte es durchaus für möglich dass das von mir in diesem Artikel geschilderte Dilemma eine ziemliche Eigenart speziell im hochsensiblen Erleben ist. Doch nichtsdestotrotz ist die Spannung zwischen der Angst davor sich selbst zu verlieren und dem Bedürfnis in etwas Größerem, wie dem Leben anderer Menschen aufzugehen ein Thema, welches schon bei Kain und Abel angesprochen wird und auch in populären Ratgebern wie „Grundformen der Angst“ von Fritz Riemann oder dem eingangs genannten Eckhart Tolle – Besteller „Jetzt!“ zentral ist.
Der drohende Verlust der eigenen Empfindsamkeit und des eigenen Erlebens, ja der eigenen Persönlichkeit lässt sich vielleicht damit auch schon entkräften, dass auf körperlicher Ebene die Hochsensibilität sich nicht verlieren lässt, da diese Disposition zu aller erst physiologisch ist. Die eigene Fähigkeit zur Empathie wird ebenfalls in ihrer Wahrnehmung genauer, wenn man sich daran gewöhnt, seine Aufmerksamkeit gleichsam im eigenen Körper zu behalten und auf sein Gegenüber zu lenken.
Vielleicht ist so der Weltschmerz und die damit einhergehende Fassungslosigkeit und Sprachlosigkeit eine Möglichkeit zur Beruhigung des Verstandes, indem er uns zwingt innezuhalten und unsere Ideale, den Perfektionismus und die Werte, welche uns motivieren zu überdenken. Das Ego in einem Freud’schen Sinne hat auch genau diese Funktion: Es ist der Vermittler zwischen unseren Bedürfnissen und den Idealen,welche wir mit und tragen, und hat garantiert nichts Dämonisches an sich.


Quellen und Literatur