Extrovertierte und introvertierte Hochsensibilität

Klassischerweise stellt man sich einen HSP als in sich gekehrten Denker oder Denkerin vor, der aus fast jedem Moment der Stille eine Form der Meditation gestalten kann. Vielleicht ist er oder sie in einem bequemen Sessel geschmiegt, natürlich bei gedämmtem Licht, und in eine Decke gehüllt, und mit einem Buch gewappnet.
Eine Tasse Tee neben sich stehend widmet man dem Geist die geschriebenen Zeilen vor sich, und ergänzt das kniffelige Puzzle seiner komplexen, inneren Welt. Würde diese Person angesprochen werden, würde sie vielleicht hochschrecken und müsste erst einmal die Gedanken neu sortieren.


Der introvertierte Hochsensible

Hochsensible Menschen sind dafür bekannt, dass sie ständig neue Reize benötigen und eine große Bandbreite an Informationsquellen benutzen, um ihre dichten, neuronalen Netzwerke mit neuen Inhalten zu füllen. Diese Besonderheit finden wir übrigens auch bei Menschen mit dem Asperger-Syndrom. Gemeinsam haben ebenfalls beide, dass HSP und Asperger häufiger in introvertierter als extrovertierter Ausprägung anzutreffen sind.

Introvertierte Menschen sind häufig stille Beobachter und werden als ruhig und

Introvertierte Hochsensible benötigen viel Zeit um sich von Eindrücken zu erholen.

Introvertierte Hochsensible benötigen viel Zeit um sich von Eindrücken zu erholen.

zurückhaltend beschrieben. Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Menschen kein Interesse am gerade stattfindenden Geschehen oder sozialen Kontakten hätten. Introvertiertheit ist nur eine Ausprägung der Persönlichkeit, welche für diesen Menschen energiesparender ist. Dadurch dass ein großer Teil der Konzentration im Innenleben verbleibt, und die Interaktion mit der Umwelt herunter reduziert ist, wird die Menge an zu verarbeitenden Informationen reduziert, und die Gefahr einer Reizüberflutung vermindert. Gleichzeitig finden wir aber auch ein sehr großes Bedürfnis nach wirklichem Verständnis der Welt. Weswegen übrigens auch viele introvertierte HSP sich sehr gut beim Wechsel von Schule zu Universität schlagen, da sich zum reinen Reproduzieren von Wissen, wie es häufig in der Schule der Fall ist, nun vermehrt echtes Verstehen gesellt.

Dadurch dass der größere Teil, ca. 70% der Hochsensiblen, introvertiert sind, wird auch das allgemeine Bild der Hochsensibilität von dem Bedürfnis nach Ruhe und Zeit für die Verarbeitung von Eindrücken bestimmt. Doch dürfen wir nicht vergessen, dass eine der grundlegenden Eigenschaften von HSP ist, dass sie trotz der häufig auftretenden Reizüberflutung immer noch einen großen Hunger nach Eindrücken haben. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass die einzelnen Nerven sich durch die stete Stimulation zu sogenannten neuronalen Netzen verbinden, welche es wiederum erleichtern, mit all den Informationen umzugehen. Selbst eingefleischte Introvertierte, welche immer wieder unter den Auswirkungen von Reizüberflutung leiden können die Neigung zur Neugierde nicht leugnen, wenn sie doch in ruhigen Momenten ihre Lieblingsliteratur hervorkramen, den nächsten Urlaub Planen oder in Ruhe eine Liste mit Museen und Waldwanderwegen erstellen.


Das extrovertierte Gegenstück

Auch wenn vielleicht das schrille Klingeln des Telefons auch für den extrovertierten Hochsensiblen immer noch eine erschöpfende Tortur darstellt, so finden wir hier jedoch einen großen

Der größte Teil der HSP liebt neue Eindrücke.

Der größte Teil der HSP liebt neue Eindrücke. Dem Extrovertierten wird jedoch schnell langweilig.

Genuss am direkten Austausch – vorzugsweise mit Freunden und Familie. Denn solange zum anregenden Dialog nicht noch die unvermeidbare Aufgabe kommt, alle neuen Eindrücke einer unbekannten Person zu verarbeiten, sind extrovertierte HSP hier in ihrem Element. Das ändert allerdings nichts daran, dass sie immer wieder Ruhe benötigen um dem Nervenkostüm Zeit zu geben, sich zu erholen. Ein weiterer Unterschied bei extrovertierten Menschen ist, dass sie eher dazu neigen ihren Gefühlen im Dialog Ausdruck zu verleihen. Dass dies mitunter dazu führt, dass extrovertierte Hochsensible nicht mehr aus dem Reden rauskommen, ist vielleicht nicht ganz abwegig. Auch beim extrovertierten Hochsensiblen gilt, dass er seiner Beeindruckbarkeit durch Umwelt und Gesprächspartner nicht entfliehen kann. So entsteht schnell ein sehr ambivalenter Umgang mit Reizen, der von großer Lebendigkeit im Wechsel mit Erschöpfung gekennzeichnet ist. Jedoch findet sich auch bei den extrovertierten HSP ein größerer Drang danach, die Welt zu verändern, oder sich zumindest mit Medien die Langeweile zu vertreiben. Und Langeweile kennt auch der introvertierte Hochsensible nur allzu gut.


Quellen und Literatur

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