Hochsensibilität, Empathie und Veganismus

Tiere sind aus dem Leben und der bildlichen Sprache des Menschen nicht mehr wegzudenken. Egal ob ein deutsches Sprichwort den Hund als besten Freund des Menschen tituliert, oder Philologe Nietzsche findet, dass alle guten Dinge etwas Lässiges haben, und wie eine Kuh auf der Wiese liegen. Eines der Schlagwörter der letzten Jahre, welches nun vermehrt im Kontext der Ernährung ohne tierische Produkte fällt ist vegan.
Veganismus ist ein Konglomerat aus verschiedenen Ideen, Philospophien und deren Umsetzungen, welche als Gemeinsamkeit haben, die Verwendung und den Konsum tierischer Erzeugnisse und Produkte auszuschließen und / oder pragmatisch auf ein Mindestmaß zu verringern. Abseits aller anderen Motivationen dafür, vegan zu leben, widmen wir uns nun der Frage welchen Einfluss Empathie auf die Motivation zum Veganismus hat. 


Was ist Empathie überhaupt?

Wenn wir uns mit Hochsensibilität beschäftigen kommen wir um das Thema Empathie (Hier ein Vollständiger Artikel darüber) nicht herum, da HS mit Empathie

Empathie bedeutet nicht, dass wir exakt das nachempfinden, was jemand anderes fühlt. Wir reproduzieren stattdessen den wahrgenommenen Zustand in uns selbst.

Empathie bedeutet nicht, dass wir exakt das nachempfinden, was jemand anderes fühlt. Wir reproduzieren stattdessen den wahrgenommenen Zustand in uns selbst.

zu korrelieren scheint. Empathie deckt sowohl die Fähigkeit zu Mitgefühl ab, als auch die Fertigkeit Verständnis zu entwickeln für Gedanken, Emotionen, Motivation und die Persönlichkeit von anderen Menschen. Umgangssprachlich wird Empathie jedoch zumeist gleichgesetzt mit der Fähigkeit sich in eine andere Person zu versetzen, oder deren Emotionen nachzuempfinden.

Es ist jedoch auch wichtig zu verstehen, dass selbst das Nachempfinden und Verstehen der Notsituation einer anderen Person bei Menschen mit einer ausgeprägteren Empathie nicht automatisch zu helfenden Verhaltensweisen führt. Aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit dafür.


Empathie und Veganismus


Dem Autor Georg Parlow (Zart Besaitet) zufolge sind etwa 30% der Hochsensiblen Vegetarier oder Veganer. Dem Vegetarierbund Deutschland nach sind im Kontrast dazu Anfang 2015 etwa 10% der deutschen Bevölkerung Vegetarier. Diese Zahlen lassen sich aber nur bedingt vergleichen, weil in die Bevölkerung von Deutschland die HSP natürlich mit eingerechnet sind.
Doch scheinen HSP und stark empathische Menschen im Schnitt eine größere Tendenz weg vom Konsum tierischer Produkte zu entwickeln. Anders herum ist jedoch auch bekannt, dass Vegetarier und Veganer ein größer ausgeprägtes Mitgefühl mit leidenden Tieren aufweisen können, als dies bei Menschen der Fall ist, die sich herkömmlich ernähren. Dieses Einbeziehen der Tiere in den Kreis der Lebewesen, für welche wir Mitgefühl entwickeln können, lässt sich sogar mittels bildgebender Verfahren nachweisen und ist mitunter Gegenstand der Hirnforschung.

Dass Tiere Freude empfinden können werden die meisten Menschen mit einem Hund oder einer Katze zumeist bejahen. Doch Schweine sollen sogar noch intelligenter sein als unsere Haustiere.

Dass Tiere Freude empfinden können werden die meisten Menschen mit einem Hund oder einer Katze zumeist bejahen. Doch Schweine sollen noch intelligenter sein als unsere bevorzugen Haustiere.

Das bringt uns aber auch wieder zu einem gerade für jenen Teil der Hochsensiblen, welche eine ausgeprägte Empathie für Tiere empfinden, nur allzu bekanntem Thema, nämlich den Fragen: „Wieso haben eigentlich die anderen kein Mitgefühl mit Tieren?“ und „Wieso sehen meine Freunde und Verwandte nicht wie die Tiere in der Massenzucht leiden?“. Die Antwort darauf lässt sich aber nicht einfach damit beantworten, dass HSP aufgrund ihrer Disposition automatisch einen alternativen Umgang mit Tieren aufweisen (was nicht der Fall ist), da für das Empfinden von Mitgefühl mindestens im Vorfeld schon eine Tendenz vorhanden sein muss, Tieren einen dem Menschen ähnlichen Stellenwert einzuräumen. Denn Empathie bedarf der Identifikation mit dem Gegenüber, damit stärkere Reaktionen in einem selbst hervorgerufen werden können, wenn wir jemand anderes wahrnehmen.


HSP, Offenheit und Perspektivwechsel


Die Kommunikation zwischen Hochsensiblen und Nicht-HSP, auch wenn keiner von beiden eine größere Empathie für Tiere hätte, gestaltet sich oftmals ohnehin schon recht kompliziert, da die Wahrnehmung stark voneinander abweichen kann. Dieses Problem wird nicht gerade dadurch behoben dass Vorlieben, Emotionen, Werbung und von Generation zu Generation weitergereichte Werte einen erheblichen Einfluss auf die Wahl unserer Nahrungsmittel haben. Es ist vorstellbar, dass HSP, welche sich mit einem veganen Lebensstil identifizieren, sich nicht selten darüber wundern, dass trotz moderner Aufklärung durch Kampagnen von Peta oder Filmen wie Earthlings und Easy Vegan andere Menschen nicht die selben emotionalen

„Alle guten Dinge haben etwas Lässiges und liegen wie Kühe auf der Wiese.“ – Friedrich Nietzsche

Schlüsse ziehen, wie sie selbst es tun. Es wäre an dieser Stelle aber falsch Nicht-HSP keine Offenheit für das Nachempfinden des Erlebens von Tieren oder HSP zu unterstellen, denn mit wenigen Ausnahmen sind die meisten Menschen sehr wohl dazu in der Lage, sich in die Perspektive eines anderen Menschen oder von Tieren zu versetzen. Doch liegt es eben an der veränderten Reizverarbeitung von HSP dass Entscheidungsfindung auf der einen Seite länger benötigen, auf der anderen Seite Wahrnehmungsinhalte mit einbezieht, welche von nicht-HSP kaum Beachtung geschenkt wird oder als unerheblich wahrgenommen wird. Das kann für die Kommunikation über ein so emotional behaftetes Thema wie dem Umgang mit Tieren zusätzlich erschwerend hinzukommen.
Doch gibt es natürlich auch abseits der Empathie noch viele weitere unterschiedliche Motivationen vegan oder vegetarisch zu leben und sich einen umsichtigen Umgang mit der Umwelt oder dem Wohlergehen von Tieren zu widmen.


Quellen und Literatur

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