Buchrezension: Die Berufung für Hochsensible von Luca Rohleder

Das Buch Die Berufung für Hochsensible von Luca Rohleder ist ein Sachbuch über ein für die meisten HSP sehr gewichtiges Thema – dem  Finden einer stimmigen Möglichkeit sich beruflich zu verwirklichen. Es ist im Jahr 2015 in der zweiten Auflage bei Dielus Edition Leipzig erschienen.


Gliederung und Inhalt

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Auch wenn das Cover auf den ersten Blick wie ein Fachbuch für Neurologie wirkt hat das Buch wenig Bezug zur Physiologie der Hochsensibilität

Das Buch ist in fünf Kapitel gegliedert. Wobei sich die ersten beiden vorwiegend mit dem Ist-Zustand beschäftigen und sich der Bestandsaufnahme des eigenen Potentials als hochsensible Person widmen. Darauf folgen drei Kapitel welche sich – interessanterweise sogar sehr praxisbezogen – darum bemühen, aus dieser Bestandsaufnahme Handlungsweisen herzuleiten, die für das knapp über 200 Seiten füllende  Buches ein überraschend breites Spektrum des alltäglichen Lebens und Erlebens abdecken.

Die Berufung für Hochsensible hat eine grundlegend andere Ausrichtung als zum Beispiel die Bücher von Elaine Aron und Birgit Trappmann-Korr. Denn das Buch trägt im Kern den therapeutischen Ansatz der Arbeit mit dem inneren Kind, welcher mit spirituellen Einflüssen, einem großen Brocken an Selbstcoaching und eigenen Erfahrungen sowie Eindrücken des Autors eine Partnerschaft eingeht um die notwendigen Ressourcen zu generieren, welche für eine Veränderung des eigenen Lebens notwendig sind.
Das Buch ist sehr praxisorientiert und der Schreibstil richtet sich stellenweise direkt an „Sie als Leser“, fordert häufig zu konkreten Einstellungsänderungen wie „Sehen Sie Arbeitgeber nur als Kunden“, der Übernahme einer Vorstellung oder Perspektive oder auch nur zum Nachdenken auf.

Der Inhalt erstreckt sich dabei auf nahezu jeden Bereich des Lebens und orientiert sich immer wieder an den Grundbedürfnissen des Menschen und dem aus der psychodynamischen Theorie stammenden Modell vom Inneren Kind. Ein zentraler Punkt ist der Umgang mit Verletzungen und das Loslassen von schädlichen Verhaltensweisen sowie Vorstellungen und Emotionen – aber auch Menschen. Denn der Umgang mit Stress, Mitarbeitern und Kunden wird an verschiedenen Stellen mehrfach aufgegriffen und in den Gesamtkontext des Buches eingefügt. Ebenso finden sich Abschnitte wo es um die Anforderungen der Gesellschaft an das Individuum geht, und wie Geld und Einkommen unser Leben beeinflussen.


Kritik

Das Buch ist als Ratgeber gedacht welcher beim Finden der eigenen Berufung helfen soll, und ich habe den Eindruck dass es diesem Anspruch auch voll und ganz gerecht werden kann. Es ist als Leitfaden gedacht um sich mit Papier und Bleistift daneben zu setzen und über sich selbst zu reflektieren. Dabei hält es sich nicht groß damit auf, wie Hochsensibilität zustande kommt oder fundiert seine Überlegungen in Theorien, sondern ist vor allem daran orientiert die Ärmel umzukrempeln und zur Nutzung der eigenen Ressourcen anzuregen und sich (wieder) auf sich selbst zu verlassen.
Einige Inhalte wirkten allerdings beim Lesen eher deplatziert, wie die Schelte gegen Psychologen welche dem Leser ein Trauma andichten würden, während man als Leser dabei gleichzeitig ein Buch in den Händen hält welches auf dem Inneren-Kind-Modell beruht das unter anderem zur Beschreibung von Vorgängen in der Traumatherapie herangezogen werden kann. Generell hatte ich den Eindruck dass der Autor immer wieder Kritik an Wissenschaft, dem Verstand als intellektuelle Verlängerung des Egos oder gleich direkt der Gesellschaft üben möchte – wobei er auf der anderen Seite allerdings auch zur Versöhnung rät.


Fazit

Wenn man sich als HSP bereits mit den Hintergründen für das eigene Temperament auseinandergesetzt hat und vor Fragen der Sinnfindung und der Suche nach beruflicher Veränderung oder der erfüllenden Berufung steht, dann hat dieses Buch wahrscheinlich zur Zeit kaum Konkurrenz. Die Aufforderungen zum Mitwirken und die große Bandbreite an Informationen sind gut auf Fragen der Selbstverwirklichung zugeschnitten. Die spirituelle Komponente und auch die Systemkritik kann für einige Hochsensible ein zusätzliches Kaufkriterium sein, andere jedoch auch abschrecken.

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