Alltägliches

Buchrezension: Silvia Christine Strauch – Meine Hochsensibilität positiv gelebt

Meine Hochsensibilität positiv gelebt ist eine Mischung aus Autobiographie und Sachbuch von Silvia Christiane Strauch, und 2016 bei Dielus Edition erschienen. Die Autorin widmet sich der Hochsensibilität in Form von Resümees zu verschiedenen Themen, Beschreibungen von Situationen aus ihrem Leben, sowie einigen ausgewählten Texten zu Themen des  hochsensiblen Alltags und der Auseinandersetzung mit Menschen, Tieren und sich selbst.


Gliederung und Inhalt

51pwncznpcl

Warme, sommerliche Farben und ein lebendiges Cover. Der Inhalt ist ebenso freundlich.

Dieses Buch unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von allen anderen Büchern zum Thema. Eine Besonderheit davon ist, dass sich das komplette erste von vier Kapiteln um die persönlichen Lebenserfahrungen der Autorin handelt, welche nun rückblickend von ihr unter dem Gesichtspunkt der Hochsensitivität reflektiert werden. Kapitel zwei widmet sich im Stil eines Ratgebers Vorgehensweisen und Tipps. Diese sollen einem dabei helfen, das eigene Leben in den Griff zu bekommen sowie Lebensfreude und Gesundheit zu verbessern. Das dritte Kapitel behandelt behandelt nun ein sehr zentrales Thema für alle HSP, nämlich das Verringern von Unruhe und den Umgang mit Reizüberflutung. Zu guter Letzt bildet ein sehr knappes Kapitel mit einem persönlichen Nachwort und einigen aufmunternden Worten den Abschluss des Buches.

Auffällig an diesem Buch ist, dass fast jeder Abschnitt des ersten Kapitels eingerahmt ist in Fragen, welche zum reflektieren einladen sollen und einem Resümee von Silvia Christine Strauch, in welchem sie einzelne Ratschläge zu verschiedenen Situationen des hochsensiblen Alltags gibt. Typische Fragen vor den einzelnen unterkapiteln sind zum Beispiel:

  • Wurden Sie als schüchtern bezeichnet?
  • Wollen Sie nur noch alleine sein, wenn Sie nervlich angespannt sind?
  • Fühlen Sie sich in einer Gruppe schnell überfordert?

In der Lebensgeschichte der Autorin dürften sich wahrscheinlich für jeden Leser oder jede Leserin einige Abschnitte finden, in welchen man sich wiedererkennt.Ab Kapitel Nummer zwei wird auf die Resümees der Autorin verzichtet, was deswegen Sinn macht, da die kurzgefassten Tipps sich nun zu kleinen Aufsätzen über jedes Thema ausweiten. Die Bandbreite der Themen reicht hier von Zeitmanagement über Positives Denken bis hin zu Sport, und man merkt dass Frau Strauch sich in alle diese Themen ein wenig eingearbeitet hat und hier einige Denkanstöße liefern will.
Im dritten Kapitel finden sich nun Hinweise, wie man mit Reizüberflutung und Stress umgehen kann, oder wie man seine Überstimulation in kreative Bahnen lenkt.
Kapitel vier ist extrem kurz und rundet Buch auf einer positiven Note mit Fragen über Sinnsuche und Selbstverwirklichung ab.

Das Buch hat insgesamt 185 Seiten und ist damit ein Leichtgewicht unter den Ratgebern über Hochsensibilität. Dies wird aber durch die unmissverständlich formulierten Ratschläge etwas gegenkompensiert.


Kritik

Wie auch Die Berufung für Hochsensible aus dem selben Verlag hat Meine Hochsensibilität positiv gelebt eine spirituelle und auf Selbstverwirklichung ausgerichtete Note. Interessanterweise fließen meines Erachtens nach Ratgeber-Anteile und Biographie sehr schön ineinander über, was den Lesefluss sehr angenehm gestaltet. Die Kombination aus Selbstbericht und Sachtext finden wir in dieser Form zum Beispiel auch bei den Büchern von Aron selbst – wenn auch bei Weitem nicht so ausgeprägt.
Man darf bei knapp 30 Unterkapiteln und 185 Seiten wirklich stark ausgeprägte Breite der Themen oder gar Tiefe in der Erörterung der Ratgeber-Anteile erwarten. Das kann jedes bisher von mir bisher vorgestellte Buch erheblich besser. Aber darum geht es bei diesem Werk auch nicht, denn jeder Abschnitt liest sich in der Tat so, als ob man eine Episode aus der Biographie der Autorin nacherleben würde. Der tiefenentspannte Schreibstil trägt dazu bei dass sich jedes Unterkapitel wie die Erzählung einer Freundin oder Bekannten anfühlt, die uns als Leser einfach daran teilhaben lässt, wie ihre Kindheit war, oder wie sie einzelne Abschnitte und Krisen in ihrem Leben gemeistert hat.
Was mir vom Buch am ehesten hängengeblieben ist, sind die drei kurzen Tipps über den Umgang mit Tieren. Ich glaube dass wenn Silvia Christin Strauch sich in dieses Thema vertiefen würde, sie ein gut lesbares und leicht verständliches Werk über hochsensiblen Umgang mit Tieren herausbringen könnte.


Fazit

Dieses entspannte Büchlein kann einen schonenden und unkomplizierten Einstieg in das Thema Hochsensitivität darstellen, insbesondere wenn man keine Lust hat, sich reine Sachliteratur anzueignen. Der Schreibstil ist sehr authentisch und unkompliziert, und in den Ratschlägen und den biographischen Anteilen werden sich viele HSP mit Sicherheit wiederfinden. Das Alleinstellungsmerkmal ist die, in meinen Augen gut gelungene, Verwebung von Biographie und Ratgeber, doch bleibt bei der Kürze des Buches eben auch der Tiefgang in der Auseinandersetzung mit den Themen auf der Strecke.

Hochsensibilität und Narzissmus

Auch wenn Narzissmus und Hochsensitivität auf dem ersten Blick nicht sonderlich viele Gemeinsamkeiten haben, oder sogar gegensätzlich zu sein scheinen, so übt doch die Beschäftigung mit Narzissmus für viele HSP eine gewisse Faszination aus. Das geht so weit, dass Autorin Deborah Ward in der Psychology Today in einem Artikel behauptet, dass die meisten HSP in ihrem Leben in irgendeiner Weise eine Beziehung zu einem Narzissten gehabt haben. Dabei sind gerade einmal etwa ein Prozent der Bevölkerung Narzissten, wohingegen 17-20 Prozent HSP darstellen. warum also treffen HSP und Narzisst immer wieder aufeinander?  


Einführung und Hinweis

Im folgenden Artikel wird es hauptsächlich um das Zusammenleben zwischen HSP und Menschen mit dem klinischen Bild der narzisstischen Persönlichkeitsstörung gehen, von Psychotherapeutin und Victimologin Marie-France Hirigoyen auch maligner Narzissmus genannt. Ich weise darauf hin dass das Lesen eines Artikels keine professionelle Diagnose ersetzt. Auch wenn das Störungsbild des Narzissmus im Kern gleich bleibt, gibt es dennoch in der individuellen Ausprägung des Verhaltens, sowie in der Schwere der Störung Unterschiede und auch geschlechtsspezifische Besonderheiten. Ebenso ist die Störung abzugrenzen von einfacher Überheblichkeit oder einem grandiosen Selbstwertgefühl, da Ursachen sowie Auswirkungen auf Betroffene und Umwelt eine andere sind. Rein aus Platzgründen wird sich dieser Artikel, solange nicht ausdrücklich anders erwähnt,  mit den größten Gemeinsamkeiten des Stereotypen der malignen Störung befassen.


Was ist eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Essentiell handelt es sich bei der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung um ein (künstlich) übersteigertes, aber fragiles Selbstwertgefühl. Doch ist es durchaus möglich „narzisstischer“ als der Durchschnitt zu sein, bzw. selbstverliebter oder selbstherrlicher zu sein, ohne dabei eine narzisstische Persönlichkeitsstörung entwickelt zu haben. Und ebenso gibt es auch bei Menschen mit einer NPS noch weitergehende Unterscheidung je nach Stärke der Ausprägung einzelner Verhaltensweisen. Diese Verhaltensweisen sind unter Anderem:

  • Das Gefühl außergewöhnlicher Wichtigkeit der eigenen Person
  • Phantasien von Außergewöhnlichkeit in Bereichen wie Erfolg, Macht, Einfluss, Schönheit, Geliebt werden, Intelligenz
  • Der Glaube dass man außergewöhnlich ist
  • Das Bedürfnis nach sehr viel Bewunderung und Bestätigung
  • Das Gefühl zu besonderer Behandlung berechtigt zu sein
  • Das materielle und emotionale Ausnutzen anderer Menschen
  • Einem Mangel an oder völlige Abwesenheit von Empathie
  • Neid
  • Ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Kritik
  • Arrogantes Verhalten oder Herabwürdigung der Leistungen anderer
  • Verdeckte Aggression

Eine echte narzisstische Persönlichkeitsstörung ist dadurch gekennzeichnet dass das oben beschriebene Verhalten nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist. Jeder hat „narzisstische“ Momente in welchen er außergewöhnlich Stolz auf sich oder das Ergebnis seiner Bemühungen ist, und in welchen man sich selbst als herausragend zujubelt, oder Phasen in welchen man sich als besonders herausragend und einzigartig wahrnimmt, wenn man sich mit Charaktereigenschaften oder den Ergebnissen anderer Menschen um sich vergleicht. Diese Augenblicke sind Streicheleinheiten für das Selbstwertgefühl und haben auch eine positive Wirkung auf das Gefühl, dass man sein Leben bewältigen und gesetzte Ziele erreichen kann.
Doch ist eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung nicht nur ein Ausnahmezustand dieses natürlichen Bedürfnisses nach Individualität, des sich wertvoll Fühlens,  und dem Antrieb Kontrolle, zum Beispiel über das eigene Leben oder die eigenen Gefühle, zu haben, sondern mit einer tiefgreifenden Umgestaltung der Wahrnehmung, insbesondere der Selbstwahrnehmung verbunden.

Oftmals wird der die Aussage, dass etwas „unbewusst“ geschieht, im alltäglichen Sprachgebrauch verwendet, um darzustellen, dass jemand nicht weiß, dass es einen Antrieb außerhalb des Bewusstseins gibt, welcher den Betroffenen eigentlich dazu bringt eine Handlung auszuführen oder eine spezielle Empfindung oder Wahrnehmung zu haben. Bei Menschen mit einer NPS wird dies, wie Marie-France Hirigoyen in Masken der Niedertracht beschreibt, insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass eine Abspaltung von in der Kindheit als schwach oder verletzlich wahrgenommenen Persönlichkeitsanteilen geschieht. Dies geht so weit, dass eigene Bedürfnisse welche Außerhalb generischer Platzhalter von Bewunderung und Kontrolle, auch körperliche Bedürfnisse, Makel und Beschwerden nicht mehr wahrgenommen werden, oder in positiver Weise verzerrt interpretiert werden. Die Ursachen für diese Abspaltung können unter Anderem von Vernachlässigung des Kindes über das Erleben von Momenten der Schwäche eines mit diesem identifizierten Menschen bis hin zu übermäßigem Lob und Abschottung von Konflikten und Krisen durch die Eltern reichen.

vodka__fish_and_bread___a_feast_by_8moments-dah57nr

Viele Narzissten haben eine Suchtproblematik

Gerade der Einfluss der verringerten oder veränderten Körperwahrnehmung ist nicht zu unterschätzen, da sich hierüber auch exzessives Verhalten erklärt, welches viele Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeiststörung aufweisen. Dieses Verhalten kann den exzessiven Konsum von Alkohol und anderen Drogen darstellen (Schmitz et al. 2001), übermäßiges Verlangen nach Essen, Sex, Sinneseindrücken und genereller Stimulation. Diesen Antrieb kennt man auch von High Sensation Seekern (Menschen sich abwechselnden Phasen des Bedürfnises nach starker Aktivität und Stimulation auf der einen, und Ruhe auf der anderen Seite). Ebenso wie bei diesen steht hier ein Streben nach Gleichgewicht und Stimulation im Vordergrund, doch ist die Ursache eine andere. Wo der High Sensation Seeker Lust, Inspiration und Sinnlichkeit empfindet, während er sein Erregungsniveau auf einem angenehmen Level hält, stellt der Exzess bei Menschen mit NPS  eine Flucht von Langeweile und / oder innerer Leere dar, welche ein Substitut für Aggressionen darstellen.

Aggressionen spielen beim Verständnis für die NPS eine Rolle, da auch diese Emotion nicht offen gezeigt und auch oftmals nicht direkt empfunden wird, sondern sich verdeckt in Kritik, Abwertung und Grenzüberschreitungen äußert, welche bis hin zu Mobbing, finanzieller Ausbeutung und sexuellen Übergriffen reichen können. Bei diesen Aktionen geht es gleichsam darum Macht auszuüben um die abgespaltenen, negativen Emotionen im eigenen Inneren durch das Gefühl von Dominanz zu kontrollieren, sowie um das Ausmaß an Nähe, welches eine andere Person zum Menschen mit der NPS aufgebaut hat, zu kontrollieren. Dieses Ausmaß an Nähe ist bedeutsam, da diese Aggressionen und das Kontrollverhalten im Ausmaß umso stärker werden, umso näher man der betroffenen Person steht. Denn Kontrollverlust durch zärtliche Regungen, Liebe und emotionale Wärme stehen im Kontrast zu den verdrängten, verletzbaren  Persönlichkeitsanteilen, und forcieren ihrerseits bei Grenzüberschritten, welche bei nahen Beziehungen unvermeidbar sind, eine Ausgleichsbewegung um die Kontrolle aufrecht zu erhalten.

So erklärt sich auch das in den Anfängen der Beziehungen gezeigte generöse und wohlwollende Verhalten. Geschenke, Lob und das Gefühl von Bedeutsamkeit sowie der Spaß miteinander sind Ausdruck der eigenen Herrlichkeit des Menschen mit der NPS, in dessen glanzvolles Leben man nun tritt. An welchem man Dank seiner oder ihrer Gnade teilhaben darf.


Das Miteinander von Hochsensitiven und Narzissten

arts martiaux 52

Narzissten werden nur sehr selten physisch aggressiv, sondern verletzen ihre Opfer verbal, und indem sie die Betroffenen destabilisieren und isolieren.

Wenn wir hier nun lesen, dass die narzisstische Persönlichkeitsstörung durch ein enorm übersteigertes Gefühl von Wichtigkeit,  dem Bedürfnis nach Bestätigung sowie der Unfähigkeit gekennzeichnet ist, die Gefühle und Bedürfnisse anderer Menschen wahrzunehmen, dann bewegt dies viele Leser wahrscheinlich emotional erstmal nicht sonderlich. Das liegt meines Erachtens nach in der HSP-typischen Naivität begründet, nach welcher wir in unserer Vorstellung nur schwer ein Abbild davon erschaffen können, dass es menschliches Leben ohne Mitgefühl oder dem Achten auf die Bedürfnisse anderer Menschen überhaupt gibt, oder dass ein Mensch andere Menschen ohne Gewissensbisse auf materielle und emotionale Art ausnutzen kann, welche das Opfer als ausgebrannte und traumatisierte Hülle zurück lässt.
Ich möchte hier als Erörterung anbieten dass beim Verständnis für Narzissmus das Erleben des eigenen Bedürfnisses nach Anschluss an andere Menschen für HSP zu einer Falle wird. Denn die Furcht vor den Schlussfolgerungen welche sich aus einer derartigen Abwesenheit von Empathie ergeben würden, und das Unverständnis für die Ausmaße welches egoistisches Verhalten annehmen kann, verhindert ein emotionales Nacherleben der narzisstischen Persönlichkeitsstörung. In genau diesem versagt die empathische Kompetenz, auf welche sich ein großer Teil der HSP normalerweise verlassen. Zwar wird der oder die Betroffene, je nach Nähe die man zu ihm oder ihr hat,  als unauthentisch, vielleicht manchmal verletzend oder herablassend wahrgenommen – doch gerade wenn man der Person umso näher steht tendieren HSP aufgrund ihrer Unsicherheit nun erstmal dazu den Fehler bei sich zu suchen. Genau dies ist es auch, was Menschen mit einer NPS beabsichtigen, weil dadurch die Kritik oder Verantwortung für das verletzende Verhalten von ihnen zu ihrem Opfer wandert.
Dies ist umso verletzender für HSP, da diese nun nahe stehende Person zu Beginn ihres Miteinanders sich besonders interessiert und wohlwollend verhalten hat, so dass wir uns umso weiter geöffnet haben, um unsere neue Bekannte oder unseren neuen Bekannten an unserem Innenleben teilhaben zu lassen. Doch während man als HSP nun seinerseits seine echten Gefühle, Arbeit  und Zeit in die Beziehung und das Miteinander steckt geht es dem Menschen mit der NPS nun nicht um die Beziehung selbst, sondern um die Aufmerksamkeit, Bestätigung und Anerkennung, welche er daraus zieht.
Obendrein tendieren Hochsensitive stark dazu sich nicht mit Smalltalk aufzuhalten, sondern reden lieber von Dingen, welche ihnen wichtig sind. Dies ist insofern problematisch, als dass private Details und Geheimnisse von Narzissten leicht als Hebel verwendet werden können, um die HSP emotional zu verletzen oder zu destabilisieren.

Opfer beschreiben immer wieder, dass das Ausmaß der Kontrolle, welche der Mensch mit einer NPS über sie hatte, sich so weit steigerte, dass sich ihr Innenleben und ihre Gedanken den Bedürfnissen des Narzissten angepasst haben. Man wird zu einem Trabanten des Narzissten, so wie die Erde um die Sonne kreist und ist in seinen angstvollen Gedanken darüber gefangen, auf welche Art und Weise man vom Menschen mit der NPS als nächstes manipuliert oder gedemütigt wird. Dies ist eine pervertierte Form der symbiotischen Beziehung, nach welcher viele HSP streben. Mit dem Unterschied dass das Verständnis und die Aufmerksamkeit hier sehr einseitig verlaufen, und man auch gegenüber anderen Menschen dass Fehlverhalten des Narzissten oder der Narzisstin rechtfertigt. Ja, man ist eine Einheit mit dem Narzissten geworden, und gleichzeitig ist man alleine, und in vielen Fällen von Freunden, Bekannten und Kollegen durch den Narzissten isoliert worden. Während das Bedürfnis nach Symbiose und Harmonie der HSP gegen sie verwendet wurde und anstelle gegenseitiger Wärme man ein Nicht-verletzt-werden als Erfolg ansieht.


Können HSP Narzissten sein?

Instinktiv würden wahrscheinlich viele erstmal mit nein antworten. Das ist verständlich, da man Hochsensibilität unter anderem oftmals mit Empathie assoziiert, und wir oben festgehalten haben, dass sich eben sich Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung eben durch einen Mangel oder sogar Abwesenheit von Empathie auszeichnen.
Nichtsdestotrotz können natürlich auch HSP in ihrer Kindheit derartig traumatisiert werden dass sie einen sogenannten kompensatorischen Narzissmus entwickeln. Viele der HSP-typischen Eigenschaften wie die Reizempfindlichkeit und sogar die Unsicherheit bleiben bestehen, werden aber konstant bekämpft und unterdrückt und durch  gegensätzliches Verhalten gegenkompensiert. Man ist immer noch hochsensitiv und auch narzisstisch, aber eben nicht auf die gleiche Weise wie beim oben beschriebenen Bild des malignen Narzissmus.


Fazit

Ich halte es für wichtig zu erwähnen, dass man weder dem Menschen mit der NPS noch der HSP an dieser Stelle Schuld zuweisen sollte. Da wir es hier mit einer Form der Interaktion zu tun haben, welche größtenteils auf dem natürlichen Bedürfnis nach Nähe und der Übererregung und Unsicherheit von Seiten der HSP, und eben einem Menschen mit einer Störung auf der anderen Seite zu tun haben, welche genau dadurch besticht, dieses Bedürfnis und diese Unsicherheit gegen jemanden zu verwenden.
Dennoch ist es wichtig zu verstehen, dass die Schäden, welche Menschen mit einer NPS an gerade ihren nächsten Bezugspersonen anrichten können, die Vorstellungen vieler meiner Leser wahrscheinlich übersteigen, sofern sie nicht selber einmal Opfer davon geworden sind, und dass gerade auch die Wut, welche diese Menschen oftmals empfinden ein Spiegel der Aggressionen sind, welche sie zuvor in pervertierter Form erleben mussten.


Quellen und Literatur

Buchrezension: Sylvia Harke – Hochsensibel ist mehr als zartbesaitet

Der Nachfolger von Hochsensibel – Was tun?  ist ebenfalls ein Sachbuch über Hochsensibilität von Sylvia Harke, welches im Kontrast zum Vorgänger strukturiert einzelne Abschnitte des alltäglichen Lebens in Form von 100 Frequently Asked Questions behandelt. Hier geht es um sehr grundlegende Fragen der Sensibilität, Erregung und Wahrnehmung im Allgemeinen, besonders im Miteinander mit Nicht-Hochsensiblen. Das Buch ist in der 1. Auflage im Via Nova Verlag erhältlich.


Gliederung und Inhalt

Harke_Hochsensibel-Zart_300dpi_RGB

Pfauenauge im Azurblau. Der Titel deutet bereits an, dass es hier darum geht, auf Eigenschaften jenseits der leichten emotionalen Erregung zu schauen.

Das Buch weist insgesamt 12 Kapitel auf und ist im Frage – Antwort Format geschrieben, wobei sich jedes Kapitel einem zentralen Thema zuwendet. Dabei ist jeder Abschnitt, eventuell mit Ausnahme des spirituellen 12. Kapitels, erst mal ein Thema das sich mit sehr alltäglichen Problemen oder auch dem Umgang mit nicht Hochsensiblen Menschen in konkreten Umfeldern wie Beziehung und Beruf auseinandersetzt. Es sind zumeist Fragestellungen, mit welchen sich jeder HSP schon einmal konfrontiert gesehen hat, wie:

  • Wie kann ich sicher sein, dass ich wirklich hochsensibel bin?
  •  Sind hochsensible empathischer als der Durchschnitt?
  • Wie kommt es dass die meisten Hochsensiblen introvertiert sind?
  • Wie erkläre ich meinem Arzt / Therapeuten dass ich HSP bin?


Und auch in diesem Buch finden wir wieder Aufgaben für, oder Fragen an den Leser, Checklisten, Grafiken und eingestreute Anekdoten, welche die Struktur auflockern und zum Mitmachen, Recherchieren oder Nachdenken einladen. Immer wieder werden auch kleine Hinweise auf therapeutische Arbeit und die Aufarbeitung von Verletzungen gegeben. Ich gehe soweit, zu sagen, dass gut ein Fünftel des Buches sich mit verschiedenen Übungen aus dem NLP, Therapien, Abgrenzungsarbeit und Co. befasst. Das Werk ist auf der einen Seite noch konkreter und im Alltag verwurzelter, dabei aber auch deutlich spiritueller und weniger  heiter zu lesen als sein Vorgänger.

Bei etwas über 280 Seiten in einem etwas größeren Din A5 – Format passen auch insgesamt genau 100 Fragen zwischen die Buchdeckel, welche auch allesamt recht ausführlich beantwortet werden. Dazu kommt die weiterführende Quellenangabe zu vielen der Fragen, welche auch recht umfangreiche Verweise und weiteres Informationsmaterial bieten. Man bekommt für knapp 20€ auf jeden Fall eine Menge Inhalt geboten.


Kritik

Direkt positiv fiel mir auf dass Sylvia Harke in ihrem Buch die Wichtigkeit der Familie und Eltern für (nicht nur) hochsensible Kinder und ihre Entwicklung aufzeigt, und auch auf die Nachteile fehlender oder schädlicher Rollenbilder hinweist. Ebenso finden sich Fragen, welche sich mit den unterschiedlichen Ausprägungen von Hochsensibilität bei Jungen und Mädchen, Männern und Frauen beschäftigen. Dies sind Gebiete die meines Erachtens nach zu wenig Beachtung erfahren. Auch die Beschäftigung mit High-Sensation-Seekern und unterschiedlichen Bedürfnissen individueller Menschen, wenn es um Stimulation geht, ist in meinen Augen fundamental für das Verständnis von Sensibilität. Die Abschnitte über BurnOut und Stress sind so umfangreich wie es das Format des Buches eben zulässt, und werden vielen Betroffenen eine Hilfestellung sein sich weiter zu informieren. Auch hatte ich beim Lesen den Eindruck dass die Autorin deutlich ernster im Schreibstil geworden ist. Wir finden wiederkehrend das Element der Schattenarbeit von Carl Gustav Jung in vielen Ansätzen und Absätzen, in welcher es um die Vereinigung mit verdrängten Bewusstseinsinhalten geht. Dies spiegelt sich vielleicht auch gerade im letzten Kapitel wieder, in welchem es um Weltschmerz, Spiritualität und dem Bedürfnis nach Erlösung geht.


Fazit

Auch das zweite Werk von Sylvia Harke ist ein sehr umfassendes Buch, welches die therapeutische Arbeit an der eigenen Vergangenheit im Fokus hat. Das FAQ-Design gefällt mir dabei außerordentlich gut, da jede HSP darin garantiert eine Hand voll Fragen findet, welche man sich schon einmal gestellt hat. Das Buch fühlte sich beim Lesen für mich deutlich geerdeter und trotz der immer wieder auftauchenden spirituellen Themen doch auch mehr am Alltag orientiert an.

Buchrezension: Hochsensibel – Was tun? Von Sylvia Harke

Hochsensibel – Was tun? ist ein Sachbuch über Hochsensibilität von Diplom-Psychologin und Coach Sylvia Harke. Sie widmet sich in diesem Buch vielen Themen welche einen speziellen Bezug zum emotionalen Erleben in zwischenmenschlichen Beziehungen und Stresssituationen haben, sowie der Aufarbeitung vergangener Ereignisse und der Abgrenzung von Hochsensibilität und anderen Dispositionen oder Störungen. Das Buch ist in der 6. Auflage im Via Nova Verlag erhältlich.


Gliederung und Inhalt

Buchcover Sylvia Harke 1

Ein zartes Pastellorange und eine ikonische Feder empfangen uns mit zärtlichen Eindrücken zu einem Buch dessen zentrale Themen es dennoch in sich haben.

Das Erste was einem auffällt, wenn man sich die Struktur von Hochsensibel – was tun? anschaut, ist, dass die Autorin was tun? wörtlich nimmt und diese rhetorische Frage tatsächlich beantworten will. Das Buch ist daher strukturiert und stellenweise auch illustriert  wie ein Survival-Ratgeber von Rüdiger Nehberg, welcher Leser wie Leserin dabei helfen soll im urbanen Dschungel von Alltag und dem Dickicht der emotionalen Wirrungen nicht die Orientierung zu verlieren. Dazu vermittelt sie Strategien, welche von Checklisten über Meditationen, der Arbeit mit Affirmationen und dem Aufschlüsseln der Persönlichkeitseigenschaften von Freunden und Verwandten reichen.
Auch wenn das Buch in sechs Kapitel unterteilt ist, finden sich beim Lesen zwei große Themengebiete, nämlich  Vergangenheitsbewältigung und Zwischenmenschliches. Ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal sogar ist im erstgenannten Abschnitt der große Anteil von Informationen über und Anleitungen zur Aufarbeitung von zurückliegenden emotionalen Verletzungen und Wahrnehmung von Glaubenssätzen. Das ist deswegen ein sehr wichtiger Ansatz, da das Thema noch sehr jung ist, und viele HSP erst im Alter eine Erklärung für ihr Erleben finden, und nun aus dieser neuen Perspektive ihre früheren Erfahrungen neu bewerten müssen. Themen wie Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und das Annehmen der eigenen Wahrnehmung stehen hier im Vordergrund, aber auch der Umgang mit Geschlechtsstereotypen und Sensibilität sowie das Erkennen der eigenen Bedürfnisse.
Der zweite zentrale Themenblock beschäftigt sich mit Hochsensibilität in allen möglichen sozialen Situationen, von Partnerschaft über Arbeit bis hin zu Familie, und auch die Betrachtung von hochsensiblen Kindern und ihren Bedürfnissen. Spannend ist hier dass Sylvia Harke den alten Klassiker der destruktiven Beziehung zwischen Narzissten und HSP aufgreift, und genauer erläutert, welche Dynamiken sich im Hintergrund abspielen. Aber auch andere eher problematische Beziehungen werden angeschnitten. Generell werden Liebe und Partnerschaft viele Zeilen gewidmet.

Es wäre Falsch zu sagen dass diese beiden Kernthemen durch Fragestellungen rund um Gesundheit, Stress, BurnOut und sogar der Abgrenzung von HS von ADHS und Autismus lediglich abgerundet werden. Denn Dank knapp 350 Seiten in einem etwas größeren Buchformat werden auch alle weiteren Themen nicht nur angeschnitten, sondern auch moderat vertieft.


Kritik

Ich stelle mir bildlich vor wie Sylvia Harke beim Planen der Inhalte des Buches mit einem Klemmbrett oder Notizbuch im Schaukelstuhl sitzt, mit einer Katze auf dem Schoß, und sich überlegt welche Themen des Alltags für HSP eine gewichtige Rolle spielen. Es kann meine Einbildung sein, aber das Buch macht einen sehr geplanten Eindruck, dessen zentralen Themen sich aus wiederkehrenden Fragestellungen aus Sylvias Arbeit als Coach hergeleitet haben.

Die Abschnitte über die Verwechslung von Asperger, ADHS und HS sind in meinen Augen ein sehr wichtiger Teil, der wahrscheinlich leider zu wenig Aufmerksamkeit von der Leserschaft erhalten wird. Ebenso spannend finde ich es, dass Sylvia Harke und ich unabhängig voneinander die Gefahr des hochsensiblen Idealismus am Arbeitsplatz in eine BurnOut-Problematik abzurutschen aufgreifen. Das ist ebenfalls ein Thema welches zu wenig Aufmerksamkeit erfährt.
Summa Summarum ist Hochsensibiltät – was tun? das Werk für nahezu alle Hochsensiblen, aber insbesondere für diejenigen, welche eine Menge Emotionen aufzuarbeiten haben und Ballast aus der Vergangenheit mit sich tragen. Es gibt nur wenige Themen welche Sylvia Harke in diesem Buch nicht bearbeitet hat, so dass von existenzieller Angst bis hin zu spirituellen Fragen in Paarbeziehung nahezu alles vorhanden ist. Meine einzige Rüge wäre, dass man trotz des sehr warmherzigen Schreibstils keinesfalls den Trugschluss ziehen sollte, dass das Aufarbeiten der Vergangenheit oder die Arbeit mit EMDR – einer Technik zur Traumabewältigung – ein Spaziergang im Park wären. Es ist ein umfassendes und informationsgeladenes Buch mit einer nahezu unüberschaubaren Fülle an Methoden und Techniken, dass in meinen Augen durch seine liebevolle Aufmachung und Schreibweise etwas darüber hinwegtäuscht, dass potentiell sehr aufwühlende und schmerzhafte Themen behandelt werden.


Fazit

Hochsensibel – Was tun? wird wie kaum ein anderes Buch der Tatsache gerecht dass viele HSP erst im Alter mit ihrem Temperament konfrontiert werden, und sich oftmals in ihrem Leben von der Umwelt bedroht und von Mitmenschen nicht verstanden gefühlt haben.
Der Schreibstil ist wohlmeinend warmherzig und sanft, und trägt sicher einen Teil dazu bei dass gerade sehr verwundete HSP sich sicher und angenommen fühlen können, wohingegen die Vielzahl der Techniken einen Weg aus den Wirrungen ihrer Innenlebens weisen sollen. Doch darf man sich nicht darüber hinwegtäuschen lassen dass  bei diesem Buch durchaus auch Themen aufgegriffen werden, die durch Selbstreflexion und Aufarbeitung letzten Endes eine Therapie nach sich ziehen können.

Buchrezension: Hochsensibel von Eliane Reichardt

Hochsensibel von Eliane Reichardt ist ein Sachbuch über das hochsensible Temperament. Es widmet sich Begriffsbestimmungen und wissenschaftlichen Hintergründen sowie den Zusammenhängen zwischen Reizverarbeitung und subjektivem Erleben sowie dem Umgang mit Alltag und Mitmenschen. Es ist im ersten Quartal 2016 in Erstausgabe im Irisana-Verlag erschienen.


Gliederung und Inhalt

Das Buch ist in zwei große Abschnitte sowie Appendix und Einleitung samt Selbsttest gegliedert, wobei jeder dieser Abschnitte wiederum in einzelne Kapitel unterteilt ist. Der erste Teil widmet sich der Geschichte der Hochsensibilität in Forschung und Kultur sowie der Frage wie wir Hochsensibilität überhaupt bestimmen und was die Besonderheiten im Erleben und Verhalten eigentlich sind.

hochsensibel_wie_sie_ihre_staerken_erkennen_und_ihr_wirkliches_potenzial_entfalten

Das Coverdesign ist auf der einen Seite unaufdringlich, lenkt auf der anderen Seite dafür aber auch nicht vom Titel ab

In der Tat widmet sich Eliane Reichardt in diesem Abschnitt jeder einzelnen Modalität, also jedem körperlichen Sinnesorgan sowie den Besonderheiten im Rahmen der HS und verschiedenen Formen der Synästhesie welche damit auftreten können, da die Verarbeitung von Reiz-Informationen bei Hochsensiblen durch ihre Physiologie verändert ist. Ebenso geht sie darauf ein, welche Unterschiede es im Denken zwischen HSP und Nicht-HSP gibt, und verweist auf die Zusammenhänge zwischen Hochbegabung, lateralem Denken, Sensation Seeking und Hochsensibilität.
Ein größeres, und in meinen Augen spannendes, Kapitel widmet sich der Wahrnehmung von Sensibilität und den möglichen Problemen Hochsensibler im Verlauf der letzten 50 Jahre. Wir finden hier von den Anfängen der Konsumgesellschaft bis hin zum Informationszeitalter alle möglichen Einflüsse und den Wandel der Wahrnehmung sehr schön beschrieben. In der Tat war dies der Part vom Buch der mir am besten gefallen hat, und wenn man mit einem Augenzwinkern an dieses Kapitel herangeht kann man sich sogar als Kind jener Epoche wiederfinden und sehen, welche Zeitspanne das eigene Denken am nachhaltigsten beeinflusst hat.

Der zweite Abschnitt widmet sich der Frage wie Hochsensible den Alltag meistern können und spricht vom Einkaufsstress bis hin zum Umgang mit Nicht-HSP und Therapie nahezu alle Themen an, welche für HSP eine Relevanz haben könnten. Auch finden wir hier Verweise auf die Wichtigkeit von Gesundheit sowie Ernährung und den Umgang mit Stress. Ich hatte lediglich den Eindruck dass man mehr auf romatische Beziehungen hätte eingehen können, doch das hätte den Rahmen der etwa 250 Seiten wahrscheinlich sehr gesprengt.


Kritik

Was mir ungemein ins Auge gestochen ist, ist die erfrischende Nüchternheit des Buches. Hochsensibel von Eliane Reichardt ist das wahrschenlich unverblümteste und sachlichste Buch zum Thema welches wir zur Zeit auf dem Markt haben. Und das ist gut so, denn genau diese Sachlichkeit benötigt es wenn man ein Thema in der Breite zugänglich machen will. Sie behandelt Hochsensible in ihrem Buch nicht wie exotische Orchideen mit welchen man bei der Bundesgartenschau einen Preis zu gewinnen hofft, sondern als gleichwertige Menschen die aufgrund einer evolutionsbedingen Reizverarbeitung lediglich ein anderes Temperament aufweisen, Menschen die etwas speziellere Bedingungen benötigen um zu erblühen und dafür aber auch einen gewichtigen Beitrag zu einem angenehmen Klima leisten können.
Der Abschnitt über die High-Sensation-Seeker war für mich nochmals sehr aufschlussreich, da dieses Thema bei Hochsensibilität oftmals außen vor bleibt (zurecht, da dieser Anteil der Bevölkerung sehr gering ist). Einzig und alleine über Hochsensibilität in der Liebe hätte ich mir noch ein wenig mehr Inhalt gewünscht, aber darüber haben auf der anderen Seite bereits mehrere Autoren sich im Überfluss geäußert.


Fazit

Dieses Buch hat das Potential das neue Standardwerk für Hochsensiblität im deutschsprachigen Raum zu werden. Es ist ein sehr gut recherchiertes Sachbuch das man bedenkenlos auch zum Erklären davon was HS eigentlich ist an seine Liebsten verschenken oder weiterempfehlen kann. Es ist sachlich ohne zu fachlich zu werden und nüchtern ohne sich selbst zu paraphrasieren oder langweilig zu werden.

 

10 Gründe für unsere Gesellschaft sich mit Hochsensibilität auseinanderzusetzen

Ein großer Teil der bisher verfügbaren Artikel und Sachbücher richten sich direkt an hochsensible Personen und sollen das Verständnis für die eigene Situation ermöglichen und erleichtern. Doch der Frage, welchen Einfluss ein Mehr der sich frei entfaltenden Hochsensibilität in unserer Gesellschaft mit sich bringt geht eine andere Frage voraus: Wie fördert man die Auseinandersetzung mit Hochsensibilität überhaupt?
Um eine Antwort darauf liefern zu können widmen wir uns heute 10 guten Gründen, warum auch Nicht-Hochsensible sich eingeladen fühlen können, sich mit Hochsensibilität auseinanderzusetzen. 


1. Hochsensible machen einen großen Teil der Gesellschaft aus

Zwischen 15 und 20 Prozent aller Menschen sind hochsensibel, das wären in Deutschland im Jahr 2015 alleine zwischen 12,1 und 16,2 Millionen Menschen. Sich mit dem Temperament und der Disposition  eines so großen Anteils der Bevölkerung auseinanderzusetzen kann schon alleine deswegen nützlich sein, einfach weil es so viele HSP gibt. Und wenn man im Hinterkopf behält, dass viele der introvertierten oder schüchternen Menschen vielleicht HSP sind, dann bietet die Beschäftigung mit Hochsensibilität einen wichtigen Hafen von dem aus man diesen Menschen vielleicht entgegenkommen kann.


2. Es beugt Missverständnissen vor

Löwe

Hochsensible sind schneller durch Reize erschöpft als Normalsensible und benötigen Zeit für sich um sich zu erholen.

Gleichsam als normal- wie hochsensible Person kann es leicht passieren, dass man dazu verleitet ist, davon auszugehen, dass doch die anderen Menschen ein ähnliches Maß an Reizen und Stimulation vertragen wie man selbst. Sich mit Hochsensibilität auseinanderzusetzen kann dabei helfen, die Erschöpfung des Arbeitskollegen auf dem Firmenfest zu verstehen und warum er früher als andere nach Hause geht. Oder man kann nachvollziehen, warum ein Familienmitglied zwischendurch Pausen für sich selbst benötigt und gereizt darauf reagiert, wenn man ihn oder sie beim Erholen stört. Das Missverständnis, dass Hochsensible, insbesondere introvertierte Hochsensible, kein Interesse am Miteinander hätten, oder eher eigenbrötlerisch veranlagt sind, könnte damit etwas aus der Welt geschafft werden.
Das Gegenteil ist sogar der Fall, und viele HSP sind zu außerordentlichem Wohlwollen in der Lage und von einem großen Gefühl für die Gemeinschaft erfüllt – doch ist es nicht immer einfach dies auch auszudrücken.


3. Hochsensible empfinden von Natur aus Wertschätzung für Verständnis

Das Bedürfnis danach, für einen selbst interessante Themen verstehen zu wollen, und Recherche nicht nur als Zeitvertreib anzusehen, ist für die meisten Hypersensitiven ein zentrales Thema. Und auch wenn sie es nicht unbedingt direkt ihre Dankbarkeit mitteilen sind die meisten HSP dennoch sehr glücklich darüber, dass eine aktivere Auseinandersetzung mit dem Thema den Weg in die Gesellschaft gefunden hat. Sie wissen es wertzuschätzen dass auch Nicht-HSP sich mit Themen wie Erregung, Nervosität, Lärm und das Bedürfnis nach sozialem Miteinander auseinandersetzen. Verständnis für HSP zu zeigen ist eine sehr konkrete Form der Wertschätzung des Erlebens von hochsensiblen Menschen, welches auch eine Einladung für ein gemeinsames Miteinander darstellt welches von gegenseitigem Respekt geprägt ist.


4. Die Auseinandersetzung mit Hochsensibilität sensibilisiert einen für die Vielfalt von Menschen

Unter HSP, wie auch unter all den Menschen die nicht hochsensibel sind, gibt es große Unterschiede darin in welchem Ausmaß sie Reize verarbeiten. Auch wie sehr sie die Fähigkeit und Bereitschaft zu Empathie ausgebildet haben oder ein Bedürfnis nach Ruhe empfinden ist unterschiedlich. Diversität – Unterschiedlichkeit und Vielfalt – ist ein wichtiges Thema unserer Zeit, und Hochsensibilität als Temperament kann ein schönes Beispiel dafür sein, wie Bedürfnisse und Veranlagungen über die Kulturen hinweg als Bestandteil unserer Spezies bestehen können.


5. Die Auseinandersetzung ist ein guter Einstieg in viele psychologische und soziale Themen

Wenn man sich mit Hochsensibilität auseinandersetzt kommt man um Themen wie „Reiz“, „Wahrnehmung“ und „Bewusstsein“ kaum herum. Diese Themen sind aber auch ein wichtiger Bestandteil vieler psychischer und gesellschaftlicher Phänomene, so dass ein Gespür und Verständnis für die Unterschiedlichkeit von Wahrnehmung und Bewusstsein zu haben sogar im Alltag hilfreich ist. Und sei es nur, dass wir etwas nachsichtiger werden, wenn uns jemand im Straßenverkehr die Vorfahrt nimmt, weil er uns vielleicht wirklich nicht gesehen hat. Oder weil wir plötzlich ein Verständnis dafür entwickeln, dass der Nachbar, welcher sich über den Lärm des Staubsaugers beschwert diesen Lärm vielleicht wirklich erheblich unangenehmer wahrnimmt.


6. Ein größeres Verständnis für Hochsensibilität fördert gemeinsame Werte

cold11_by_faestock-d6mj04y

Viele HSP machen sich gerne in Ruhe Gedanken darüber, wie man das Leben für Menschen besser gestalten könnte.

Jenseits vom unterschiedlichen Bedürfnis nach Reizen und der Stimulation durch Kunst, Natur oder gemeinschaftlichem Miteinander bietet sich Normal- wie Hochsensiblen die Möglichkeit zum Austausch und das Erkennen gemeinsamer Werte und Ideale. Nachhaltigkeit, das Bedürfnis nach Sicherheit, das Vermeiden von unnötigem Leid und Hilfe für Menschen denen es schlechter als einem selbst geht sind Themen die wir als Gesellschaft miteinander teilen. Hier bietet sich die Möglichkeit für einen umfassenden Austausch und das Entdecken gemeinsamer Werte, und der hochsensible Idealismus kann vom Pragmatismus des Gegenübers profitieren und umgekehrt.


7. Die Auseinandersetzung fördert die Akzeptanz der Hochsensibilität in der Gesellschaft

Dank der öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Thema und der steigenden Zahl von Veröffentlichungen kommt es zu einer größeren Akzeptanz der Hochsensibilität. Selbst wenn es nur durch den Mere-Exposure-Effekt wäre – also dadurch dass man immer wieder mit dem Thema Hochsensibilität konfrontiert wird, wird diese irgendwann als positiver wahrgenommen – wäre eine Auseinandersetzung von Vorteil.


8. Durch die vermehrte Auseinandersetzung werdenMedien und Forschung gefördert

Umso bekannter ein Thema wird und umso mehr gesellschaftliche Relevanz es bekommt, umso eher wird dieses Thema auch von Medien und Forschung aufgegriffen. Das führt wiederum dazu dass Vorurteile abgebaut werden können und es vielleicht auch zu konstruktiverer Auseinandersetzung mit dem Thema kommt. Gerade bei Hochsensibilität müssen auch damit zusammenhängende Themen berücksichtigt werden, wie die Bewertung zu Stress und der Umgang mit Umweltnoxen wie Lärm, Chemikalien und Luftschadstoffen etc, auf welche viele HSP empfindlich reagieren. Hochsensibilität hängt nicht im leeren Raum sondern berührt viele Bereiche, genau so wie eben das Erleben der HSP durch unsere Gesellschaft mitgestaltet wird und im Umkehrschluss Einfluss darauf hat.


9. Unsere gesellschaftlichen Ideale von Sensibilität und der Umgang mit Gefühlen könnte sich verändert

Zum Glück hat sich Dank der LGBT-Bewegung und der Emanzipation das gesellschaftliche Bild von Verhalten, Rollen und Emotionen von Männern und Frauen schon stark gewandelt. Doch gibt es immer noch nur eine geringe Vereinbarkeit von Erfolg und Kompetenz in Kombination mit weiblichen Merkmalen wie Sensibilität und Empathie. Das liegt mitunter an unseren westlichen Idealen von materiellem und beruflichem Erfolg und den Stereotypen, welche wir von Führungspersonen haben (welche mitunter deckungsgleich mit den Merkmalen von Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung sind, aber garantiert nicht mit hochsensiblen Personen).
Doch mit einer tiefergehenden Beschäftigung mit Hochsensibilität könnte sich dies ändern und vielleicht sich auch der Wert von Fertigkeiten wie Empathie und die Anerkennung für das Zulassen von Emotionen mehr in der Gesellschaft etablieren.


10. Unsere Vorstellungen von Normalität könnte sich erweitern

Ein besonders schöner Effekt der Beschäftigung mit Hochsensibilität liegt in der Erweiterung unserer Vorstellung davon, was eigentlich normal in unserer Gesellschaft ist. Die Vorstellung von der sozialen Erwünschtheit von bestimmten Verhaltensweisen könnte sich wandeln, und wir würden als Gesellschaft eventuell etwas toleranter werden. Davon würden vielleicht auch weitere Minoritäten profitieren, was ein absolut wünschenswerter Effekt wäre.


Quellen und Literatur

Denken versus Fühlen

Dieses Thema kann für hochsensible Personen unserer Zeit einer der intensivsten Konflikte überhaupt sein. Wir bewegen uns damit auf einem Feld das dominiert wird von Missverständnissen über Denken und Fühlen. Sowie Annahmen darüber, wie Menschen per se Denken und Fühlen, welche dann wiederum zu Bewertungen und Missverständnissen zwischen den Anders- Denkenden und Fühlenden führen. Klingt komisch, ist aber eigentlich sogar noch komplizierter. Doch versuchen wir heute einfach mal zu schauen, wie insbesondere HSP von Gedanken über das Denken und einem aktiven Umgang mit Gefühlen profitieren können.


Der scheinbar unlösbare Konflikt

machiavellli_uffizi

Niccolò Machiavelli ist mit vielen seiner Hypothesen weitaus mehr pragmatisch als empathisch, doch erkennt er in „Der Fürst“ zumindest die Fähigkeit, vielleicht auch den Wert von Empathie an.

Jeder sieht, was du scheinst. Nur wenige fühlen, wie du bist“ schreibt Niccolò Machiavelli in „Der Fürst“ und weist damit darauf hin, wie leicht doch Menschen durch ihren Verstand und den Schein über die eigene Person in die Irre zu führen sind. Nur über die Empathie scheinen wir Zugriff auf die Persönlichkeit hinter der Präsentation zu bekommen. Der Streit wird auch auf körperlicher Ebene fortgeführt: Von unserem bildlichen Verständnis her sind das Gehirn oder der Kopf als Denkapparat und unser Herz oder Bauch als Sitz unserer Emotionen an unterschiedlichen Plätzen im Körper verortet und voneinander getrennt.
Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass Fühlen und Denken als oft als unvereinbare Gegensätze wahrgenommen werden? Dort wo Denken mit dem analysieren von Fakten und dem vernünftigen Handeln nach einer Bewertung der einzelnen Bestandteile eines Problems assoziiert werden kann, scheint es oftmals so zu sein, dass dem Fühlen ein Wissen zugeschrieben wird, welches ohne diese intentionale Anstrengung abgerufen werden kann und zu ebenso guten, manchmal aber auch zu besseren Ergebnissen führen kann, als es der verstandesmäßigen Auseinandersetzung mit einer Fragestellung möglich wäre.

Widmen wir uns also erstmal dem Denken, um in Erfahrung zu bringen, wo die Unterschiedlichkeit ihren Ursprung hat.


Denken

Fangen wir direkt einmal mit einer Definition von Denken an:

[Denken ist] das verstandesmäßige Erfassen von Eindrücken und Zusammenhängen, das zu Schlußfolgerungen und Urteilen führt. […]
Psychology48.com

Es gibt noch weitere Definitionen, wenn es um spezielle Bereiche des Denken geht, doch diese Definition zeigt sehr gut auf, dass Wahrnehmung, Informationsverarbeitung und Denken miteinander in Verbindung stehen. Wir haben hier sogar gleich zwei Bereiche in denen HSP eine intensivere Auseinandersetzung erfahren, nämlich das Wahrnehmen von Eindrücken und das Erkennen von Zusammenhängen. Vielleicht wird jetzt auch deutlich warum für Hochsensible eine Auseinandersetzung mit Denken per se eine fruchtbare Angelegenheit sein kann.
Wenn wir erkennen, dass unser Denken von eben unserer eingehenderen Wahrnehmung gespeist wird und die Zusammenhänge, welche wir aufgrund der differenzierteren Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Quellen wahrnehmen können, in Denkprozesse einfließen, dann lässt sich zum Beispiel leicht erklären, wie wir es schaffen, durch schiere Beschäftigung mit Themen in größere Aufregung zu verfallen und dabei schneller erschöpfen. Auch finden wir hier Gründe, warum unsere Schlussfolgerungen manchmal von Nicht-HSP nicht nachvollzogen werden können, oder aber eine ausführlichere Erläuterung vieler unser Vorannahmen erfolgen muss, um das Endergebnis unserer Schlussfolgerungen erklärbar zu machen.

pentium_200_mmx_by_prnrml

Denken wird oft gleichgesetzt mit den logischen Prozessen, welche von Prozessoren durchgeführt werden. Und obwohl es zwischen der Funktionsweise des Gehirns und einem Prozessor durchaus Parallelen gibt, bedeutet es nicht dass Denken ein mechanistischer Prozess ist.

Eine so einfache Definition wie die obige kann für uns HSP bereits der Schlüssel sein, Denken in einem völlig neuen Licht erscheinen zu lassen.
Denn was aus diesem Prozess doch überhaupt bisher gar nicht ausgeklammert wurde, und was eben häufig auch der Grund für Missverständnisse ist, ist dass die Wahrnehmung eben als Gegenstand mit in unser Denken einfließt. Und Wahrnehmung ist eben für HSP wegen ihrer Intensität von so außerordentlicher Wichtigkeit – und mit etwas Verständnis dafür dass Wahrnehmung auch Rückschlüsse auf die Einstellung einer Person zu einem Gegenstand zulässt, zeigt sich hier doch schon, dass Denken kein objektiver, „herzloser“ Prozess ist.
Natürlich ist das Ergebnis unserer Schlussfolgerungen dann auch etwas auf dass wir stolz sein können, denn immerhin ist in unser Denken unsere Erfahrung und unser Wissen eingeflossen, und das Ergebnis spiegelt zu einem gewissen Grad unsere Werte wieder.

Objektivität

Dass ein Konflikt zwischen Denken und Fühlen, wahrgenommen wird liegt vielleicht eher daran, dass es Bereiche, namentlich im wissenschaftlichen Arbeiten, gibt, wo Schlussfolgern und Denken Regeln folgen. Regeln auf persönliche Erfahrungen oder schlimmer noch Gefühle und intuitives Wissen anzuwenden erscheint den meisten HSP wahrscheinlich erst einmal extrem suspekt, doch sind diese Maßgaben auch für etwas komplett anderes gedacht als die individuelle Erfahrung eines Menschen abzuwerten.
Bestimmte Gesetzmäßigkeiten sollen lediglich ein Verstehen ermöglichen, von dem mehr als nur wir selbst profitieren können. Die Existenz von Regeln für bestimmte Bereiche des wissenschaftlichen Arbeitens und damit Denkens kann zwar wirken, als wäre es mechanistisch und kalt, aber gerade moderne Wissenschaftler wie Neurobiologe Sam Harris (End of Faith) weisen auf die die Sinnstiftung hin, welchen wir durch individuelle Interpretation unserer Erfahrungen gewinnen können, und dass uns natürliche Fähigkeiten wie Empathie und das Bedürfnis nach Antworten und einem sinnerfüllten Leben als ganze Spezies verbindet. Wir HSP vergessen ob der Tiefe unserer Wahrnehmung und unseres Erlebens leider oftmals ebenso gut, dass Normalsensible keine Maschinen sind. Doch gerade introvertierte HSP können vielleicht  auch die Lust und den Genuss einer Denkaufgabe und beim Verknüpfen von verschiedenen, oberflächlich betrachtet eigentlich nicht zusammenhängenden Sachverhalten sehr gut nachvollziehen.


Fühlen

Der Begriff „Gefühl“ (engl. feeling) steht im Deutschen für eine enge Definition von Emotion, die die subjektive Erlebensqualität als ein Teil der Emotion in den Mittelpunkt rückt.
heart_yarn_by_almasa_stock

Das Herz ist als Symbol in unseren Breitengraden der Inbegriff für gefühlsmäßige und wohlwollende emotionale Regungen

Der berühmte Ausspruch von Antoine de Saint-Exupéry „Man sieht nur mit dem Herzen gut“ aus „Der kleine Prinz“ löst wahrscheinlich auch jetzt gerade wohlwollendes Nicken bei den meisten, dieses Zitat lesenden HSP aus.
Auf Ebene der Gefühle ist aber auch eine Menge los im Menschen:
Stimmungen bezeichnen eine grundlegende Ausgerichtetheit von Emotionen, welche wie die tiefen Strömungen unter der Meeresoberfläche sogar entgegengesetzt zu den sichtbaren Wellen sein können. Meta-Gefühle können durch Erinnerungen oder Vorstellungen geweckt werden und haben vielleicht mit der akuten Situation gar nichts zu tun, doch sind sie in der Lage unsere Erinnerungen so lebendig werden zu lassen, dass das Hier und Jetzt weit in den Hintergrund rückt. Körperliche Zustände wie Schmerzen, Hunger, Überreizung und Krankheit können uns traurig oder aggressiv werden lassen, ja sogar gereizt ganz gegen unsere normalen Emotionen und Einstellungen fühlen und handeln lassen. Doch zwischen all diesen emotionalen Bewegungen finden wir dann auch noch zu guter Letzt das Gefühl, als körperliches Empfinden in unserem Inneren, welches an eine Vorstellung oder Gedanken gebunden sein kann.
Gerade weil Hochsensible diese individuellen Gefühle so intensiv wahrnehmen, und wissen, wie sehr uns eine Empfindung mitreißen kann, sind wir oftmals umso umsichtiger mit unserem Verhalten und mit Worten.
Doch all diese Emotionen basieren häufig auf unseren früheren Erfahrungen und spiegeln sich in unserer Einstellung zu  bestimmten Menschen, Themen und Objekten wieder. Wir sind dadurch praktischerweise oft in der Lage schnell aus dem Bauch heraus Entscheidungen zu fällen oder ein Urteil abzugeben oder zu handeln. Gefühle helfen uns also deswegen dabei Entscheidungen im Alltag zu treffen, da sie oft auf Einstellungen beruhen, welche sich in der Vergangenheit bewährt haben.


Hassliebe Denken

chess_stock4_by_2ik_stock

Denken tritt selten alleine auf und bedient sich oft der Erfahrung um eine Situation oder ein Problem zu bewältigen. Selbst beim Schach.

Obwohl wie wir weiter oben schon festgestellt haben HSP eine Veranlagung zum gründlichen Überdenken vieler Themen haben, mögen wir es manchmal nicht, wenn bestimmte Themen genauer beleuchtet werden. Dabei dominiert lediglich in sehr speziellen Situationen wie Forschung oder künstlerischer Tätigkeit das regelgeleitete Denken oder ein rein gefühlsbetonter Ausdruck. Doch trotzdem gibt es gerade wenn es um individuelle Gefühle  oder besonders gefühlsbeladene Themen wie Liebe oder Spiritualität geht, bei HSP oft die Angst davor etwas „kaputt zu analysieren“.  Vielleicht ist diese Angst aber auch gar nicht so sehr daran geknüpft, dass ein Prinzip, welches uns wichtig ist, nicht die Wertschätzung erfährt, die wir diesem Prinzip gerne zukommen lassen wollen. Sondern es ist die Angst davor, dass die Vorstellungen, welche wir von etwas haben bei genauerer Betrachtung die Erwartungen, welche wir daran haben vielleicht gar nicht in diesem Ausmaß für uns, oder aber auch für andere erfüllen kann.
Und ja, wir HSP lieben oft unsere kleinen geistigen Enklaven und Luftschlösser, denn sie sind ein Trostpflaster für die blauen Flecken der scheinbar so rüpelhaften, verkopften Ellenbogengesellschaft. Eine Fatamorgana kann ein echter Durstlöscher sein, wenn man das Gefühl hat emotionale Durststrecken durchleiden zu müssen.


Der goldene Mittelweg: Die Intuition

Für viele HSP ist Intuition so etwas wie ein manifest gewordener Beweis für die Überlegenheit der Spontaneität und des Gefühls gegenüber dem rein verstandesmäßigen  Denken. Doch stellt Intuition eigentlich einen großartigen Konsens aus Denken und Fühlen dar. Denn die rasend schnellen Schlüsse der Intuition wären ohne unser Vorwissen und vorangegangene Auseinandersetzung mit ähnlichen Situationen gar nicht möglich.

[Hinter Intuition] verbirgt sich […]  häufig eine spontane und rasche Mustererkennung und das meist unbewusste Abrufen von Erfahrungswissen
Lexikon.Stangl.eu

Unsere Intuition kann auf mehr Erfahrung und unser Vorwissen zurückgreifen und bezieht sogar Verknüpfungen mit ein, über die wir uns im Zusammenhang mit unserer Fragestellung selbst noch nicht den Kopf zerbrochen haben. Doch liegt sie mitnichten immer richtig.  Wir HSP freuen uns ja auch nicht umsonst wie verrückt, wenn jemand anderes eben die selben Ideen und spontanen Einfälle und Gefühle sowie Gedanken wie wir selbst hat – denn all diese Vorgänge sind zumeist sehr subjektiv und im Großteil der Situationen erst einmal nur für uns alleine zugänglich.
Und so stellt doch die Intuition ein ganz wundervolles Beispiel dafür da, wie Denken und Fühlen Hand in Hand gehen um uns den Umgang mit Problemen und dem Alltag zu erleichtern. Es geht letzten Endes also selbst für unser Gehirn gar nicht so sehr darum, dass wir immer Recht behalten müssen um unser Leben bestreiten zu können. Sondern dass wir zumindest das Gefühl haben, dass sich unser Denken und unsere Erfahrung jeden Tag aufs Neue bewähren können. Und das schmeichelt sowohl dem Kopf als auch dem Herz.


Quellen und Literatur

10 potentielle Vorteile der Hochsensibilität

Jenseits von Reizüberflutung und Weltschmerz bietet die Hochsensibilität das Potential zu einem lustvollen und intensiven Leben und Erleben, welches vom Genuss des Wahrnehmens und Freude an der Welt geprägt ist. Die Vorteile dieser Veranlagung sind, auch wenn sie manchmal unscheinbar wirken mögen, und bei jeder und jedem Hochsensiblen unterschiedlich ausgeprägt sind, es dennoch wert, dass wir mal einen genaueren Blick darauf werfen. Hier heute also 10 potentielle Vorteile von hochsensiblen Menschen.


1. Positive Gefühle werden stärker wahrgenommen

Schmetterlinge im Bauch? Freude die so intensiv und hell wie die Sonne strahlt? Als HSP verfügt man bei einer ausgewogenen Mischung aus Reizen und der richtigen Stimmung über ein Innenleben dass so übervoll sein kann, dass man jemand anderen, mit dem man sein Innenleben teilen kann schon fast braucht, um nicht vor Intensität zu explodieren. Kein Wunder dass sich viele HSP zur Kunst hingezogen fühlen, um ihr Erleben in irgendeiner Form anderen Menschen nahe zu bringen.


2. Auge für Details

Die zusätzlich wahrgenommenen Details führen zu einem exakteren Gesamtbild und bieten die Möglichkeit dazu, Schlüsse zu ziehen, die auch kleinere Feinheiten berücksichtigen. Doch auch den filigranen Nuancen von Kunst, der Natur, und von anderen sinnlichen Genüssen kann man als HSP potentiell mehr abgewinnen. Die Gratwanderung zwischen Überforderung und Genuss ist nicht immer einfach zu bewältigen, gerade in Stresssituationen. Ebenso ist nicht jeder Sinn bei jeder oder jedem Hochsensiblen gleichermaßen von der hohen Auflösung der Details betroffen, doch gerade die Sinne, welche am stärksten auf Überreizung reagieren können einen guten Anhaltspunkt darauf geben, über welchen Kanal die meisten Informationen verarbeitet werden.


3. Kreativität

puzzle_pieces_stock_by_addictedxstock

Mit dem Gesamtbild vor Augen erkennt es sich leicht, dass jedes Teil wichtig ist

Eine größere Menge an aufgenommenen und verarbeiteten Reizen hat auch die Möglichkeit, ähnliche Eindrücke aus der Vergangenheit abzurufen, welche dann mit den neuen Impulsen verknüpft werden. Dadurch entstehen dann wieder neue Anreize welche, die Vorstellungskraft ankurbeln und potentiell wieder zu neuen Schlüssen und Ideen führen können. Ja, dieser schöpferische Aspekt der Kreativität ist es, der viele HSP, vielleicht zusammen mit dem Versprechen alleine und in Ruhe arbeiten zu können, am Beruf des Künstlers fasziniert. Eben auch dieses Erschaffen, Erkennen und Entdecken von etwas Neuem aus dem eigenen Inneren heraus kann hochsensible Menschen sich so lebendig fühlen lassen, dass eher profane Belange dahinter weit zurücktreten.


4. Idealismus

Viele HSP sind ausgeprägte Idealisten und haben aufgrund ihrer Empathie oder ihren Überlegungen moralische Prinzipien, welche das Wohl von möglichst vielen Lebewesen, mit denen sie sich identifizieren können, im Blick haben. Auch komplexere, eher diffuse oder erspürte Wertvorstellungen wie eine Verbundenheit mit dem Leben als solches sind möglich. Die Welt ist mit Sicherheit kein utopischer Ort, doch idealistische Vorstellungen davon, wie Leben möglich ist und sein könnte, wenn diese oder jene Bedingung erfüllt wäre, kann dazu motivieren, die Utopie ein kleines Bisschen realer werden zu lassen.


5. Ausgeprägtere Empathie

d_o_g__by_sublimebudd

Egal ob bei Menschen oder Tieren, viele HSP haben eine ausgeprägt Empathie und freuen sich zum Beispiel auch, wenn sie einen fröhlich aussehenden Hund anschauen.

Kleine, nonverbale Äußerungen von Emotionen oder Stimmungen welche vielleicht in alltäglichem Gebaren untergehen würden, können viele HSP aufschnappen und verarbeiten. Auch fällt es uns oft leicht die Standpunkte oder zumindest die Gefühle von anderen Menschen, mit denen wir uns auch identifizieren möchten, nachzuerleben. Doch selbst wenn die Empathie als Fähigkeit nicht so stark ausgeprägt sein sollte, wissen dennoch viele Hochsensible um die Wichtigkeit von Mitgefühl und räumen zumindest der Idee der Wertschätzung der Emotionen und des Erlebens von Mitmenschen Platz ein.
Doch auch die von HSP fast immer stark wahrgenommenen Gefühle spielen eine Rolle bei Empathie. Genauer gesagt, beim emotionalen Nacherleben von Gefühlen anderer Menschen. Denn umso stärker wir unsere eigenen Emotionen erspüren können, umso besser nehmen wir auch die in uns als Antwort auf das Erleben der Gefühle unserer Mitmenschen erschaffenen empathischen Antworten wahr. Mehr dazu hier.


6. Erhöhte Intuition

Intuition bedeutet dass wir in der Lage sind Schlüsse aus Wissen zu ziehen, auch wenn wir die Reize zu diesem Wissen gerade überhaupt nicht als Gedanken im Bewusstsein haben. Durch Gefühle, welche mit ähnlichen Reizen oder Erinnerungen verknüpft sind, werden die Reize zu unserer jetzigen Situation oder Fragestellung als Bauchgefühl oder Intuition aufgearbeitet und erlauben uns ein schablonenhaftes Schließen, das sich Dank der größeren Masse an vergleichbaren Reizen auch als richtig erweisen kann – aber nicht automatisch muss.


7. Gewissenhaftigkeit und Perfektionismus

Perfektionismus kann ein Zeichen für Versagensangst und das Bedürfnis nach Anerkennung sein, aber auch ein positiver Nebeneffekt der Tatsache, dass mehr Details in der Bearbeitung einer Aufgabe wahrgenommen werden. Deswegen haben auch Situationen, wo Normalsensible eher etwas technisches, wie ein Puzzle mit 1000 Teilen sehen, für viele HSP einen organischen Touch, und das Bedürfnis es nicht nur einem Projekt oder einem Termin, sondern auch den Mitarbeitern oder Mitmenschen gerecht zu werden fließen in die Betrachtung mit ein.


8. Besseres Gespür für Schmerzen und Krankheit

Schmerzen sind auch Reize. Wenn also weniger Reize herausgefiltert werden, dann klingt es vielleicht erstmal wie ein Nachteil, da HSP auch ihre Schmerzen stärker wahrnehmen. Doch hat es auch Vorteile, da man die eigenen körperlichen Grenzen früher auslotet, und auch früher erkennen kann, wenn man dabei ist, über die Strenge zu schlagen. Die frühen Symptome eines grippalen Infekts sind vielleicht lästig, aber wenn man Kopf- und Gliederschmerzen eher wahrnimmt, kann man sich auch umso früher in Behandlung begeben und zuhause auskurieren.


9. Gespür für Harmonie

crayons_5577_by_schon

Zur richtigen Zeit, die richtige Zusammensetzung. Das ist Harmonie

Das Auge für Details kann sich auch darin widerspiegeln, dass man genau die fehlenden Puzzleteile erkennt, die notwendig wären um einen perfekten Gesamteindruck herzustellen. Sei es, dass man bei einem leckeren Abendessen genau den richtigen Wein nennen kann, oder aber dass man erkennt, welcher Mitarbeiter entlastet werden müsste, damit eine Abteilung als Ganzes runder läuft. Harmonie hat viel mit Intuition und dem Bauchgefühl zu tun, weil hier Annahmen und Erfahrung mit den Anforderungen des Augenblicks zusammentreffen. Doch wenn hochsenible Menschen mit einem derartigen Interesse für Harmonie sich intensiv mit einem Thema befassen, welches vom Gesamteindruck profitiert, dann können sie nicht nur viel Freude daraus ziehen, sondern auch tolle Ergebnisse erzielen.


10. Sinn für Nachhaltigkeit und Umsichtigkeit

Es ist ein gar nicht so kleines Detail, dass Ressourcen begrenzt sein können, weswegen es auch HSP gibt, welche sich um die nachhaltige Nutzung davon sorgen. Egal ob es um fossile Rohstoffe geht, den Schutz von Biotopen oder die gleichmässige Verteilung des Wohlstands und die Vermeidung von Verschwendung, hochsensible Menschen mit dieser Ausprägung sorgen sich um die langfristigen Auswirkungen und weitreichenden Folgen unserer Zivilisation.


Quellen und Literatur

Hochsensible Menschen und die Ego-Falle

Das Ego ist in der letzten Zeit ganz schön beschäftigt gewesen: Es wertet Mitmenschen welche ihm nicht dienlich sind, schamlos herab, beutet die Umwelt in der es lebt aus als wäre heute der letzte Tag auf Erden und und zerstört den Planeten gleich noch obendrein. Diese immaterielle Entität hat so viel Macht und Einfluss auf den Menschen, dass mit dem Buddhismus und Taoismus gleich zwei östliche Religionen das Ego als einen zentralen Punkt in ihrer Lehre haben. Und viele moderne spirituelle Lehrer wie Eckhart Tolle und Osho haben diesen drei Buchstaben und wie man sich von ihnen befreit ganze Bücher gewidmet. Es ist nicht schwer, Parallelen zu finden zwischen den Dämonen des Mittelalters, welche hinter jeder Hausecke lauern um den Menschen zur Sünde oder unkeuschen Gedanken zu verleiten, und dem ebenso aus dem Dunkel des Unterbewusstseins stammenden Ego, welches zwar nicht unbedingt den christlichen Gott stürzen will, aber sich anscheinend auch nicht mit einem zweiten Platz zufrieden geben würde. 


Das Ego, was ist das Überhaupt?

Definieren wir auch heute überhaupt erst einmal wovon genau wir eigentlich sprechen wollen. Insbesondere ein diffuser Begriff wie „Ego“ braucht das aber auch. Bei Wikipedia finden wir alleine zum jetzigen Zeitpunkt drei Artikel über das Ego als Bestandteil des Menschen. Einer befasst sich mit dem Ego als umgangssprachlichen Begriff für Selbstwertgefühl, ein weiterer, psychologischer Artikel mit dem „Selbst“ als Summe des Wissens, welches ein Menschen über sich hat und dem „Ich“ als Beobachter dieses Wissens, und der dritte Artikel ist ebenfalls psychologischer Natur – hier macht endlich Sigmund Freud seine Aufwartung, welcher bei einem so großen Begriff wie dem Ego natürlich nicht fehlen darf.

mirror_stock_by_cookiejarstock

Wann hört Selbstliebe auf, gesund zu sein? Eine wichtige Frage für viele HSP.

Spannenderweise bleiben wir heute beim umgangssprachlichen Ego und brauchen gar nicht so tief in psychologische Theorien oder Definitionen abtauchen. Denn wenn wir unserem Nachbar unterstellen, dass er sein Ego aufplustert, weil er mit seiner Gehaltserhöhung oder dem Neuen Auto angibt, dann meinen wir  sein Selbstwertgefühl. Und zwar unterstellen wir ihm, dass er eigentlich einen Mangel an Selbstwertgefühl hat und sich über einen materiellen Ausgleich eine Kompensation dafür verschafft.

Das Ego ist für unser Verständnis an dieser Stelle sehr gut als künstlich gesteigertes Selbstwertgefühl definiert. Wie man sich vorstellen kann, lebt dieses künstliche Selbstwertgefühl ganz gut davon, sich bei für sich wichtigen Themen mit schlechteren Vergleichspartnern zu messen, die eigenen Stärken hervorzuheben und prestigeträchtige, von der Gesellschaft anerkannte Symbole der eigenen Wertigkeit zu präsentieren.


Hochsensiblität und die Angst vor Egoismus

Das alles klingt natürlich erst einmal überhaupt gar nicht nach hochsensiblen Menschen, welche eher mit Altruismus, Empathie und vor allem Introvertiertheit assoziiert sind. Wie könnte man gleichzeitig vor Bekannten in der Bahn mit dem Erfolg beim letzten Minigolfen angeben, wenn man sich stattdessen beim Spazierengehen in goldener Herbstsonne am bunten Laub auf dem Weg und dem Wind im Geäst gütlich tun kann?
Und genau weil es für die meisten HSP so unvorstellbar wäre, ihr Selbstwertgefühl künstlich aufzublähen schauen wir uns doch einmal an, wie es mit dem Selbstwert bei HSP so bestellt ist. In der Tat gibt Elaine Aron in ihren Werken recht eindeutig wieder dass die meisten Hypersensitiven aufgrund ihrer so unterschiedlichen Wahrnehmung im Kontrast zu den restlichen 80-90 Prozent nämlich erst einmal eher einen Mangel an Selbstwertgefühl haben. Auch das Bedürfnis nach Perfektionismus, welches den meisten Betroffenen zu eigen ist, passt sehr gut zur Angst davor, auf Ablehnung zu stoßen.
Und eben genau da ist der Unterschied, denn Anstelle andere Menschen zu übertrumpfen, indem man zum Beispiel moralischer ist, mehr Statussymbole anhäuft oder eine besondere Auszeichnung erhält versucht man es den anderen Menschen oder dem eigenen Ideal eher Recht zu machen. Die Identifikation mit einem Mitmenschen, welcher eventuell durch uns verletzt werden könnte, unsere Empathie, schützt vielleicht davor in der Tretmühle aus gegenseitigem Wettrüsten gefangen zu sein. Doch natürlich gibt es in dieser Hingabe an die Bedürfnisse des Nächsten auch wieder einen potentiellen Geschädigten.

burnout_by_shidensen-d660uih

Die Angst davor abzustumpfen ist nicht unbegründet. Denn das Miterleben der Emotionen von anderen kann die Energiereserven leeren. Doch auch die alleinige Identifikation mit den eigenen Bedürfnissen scheint diese Gefahr innezuwohnen.

Und so kann es sein, dass man sich als HSP plötzlich in einer anderen Ego-Falle befindet, nämlich der Angst davor dass eine Steigerung des eigenen Selbstwertgefühls mit einem Verlust der Empathie einhergeht. Nicht aus dem Gefühl heraus es nicht verdient zu haben, sich wertvoll zu fühlen, sondern aus der Angst vor dem Schaden, welcher dadurch entstehen könnte, wenn man sich anstelle auf die Bedürfnisse anderer auf das eigene Wohlergehen stützt. Gerade das Gefühl der Ohnmacht in Momenten des Weltschmerzes ist ein Sinnbild für das Leid welches HSP häufig zu verringern wünschen, und gerade deswegen auch die Falschheit hinter einem übersteigerten Ego mit Entsetzen ob der Abwesenheit von jeglicher Empathie betrachten,
Die Vermischung vom Erlangen eines Gefühls des eigenen Wertes mit der Blindheit für das Leiden anderer Menschen kann eine echte Hürde gerade für besonders altruistische HSP sein, welche vor lauter Weltschmerz, und der Angst, die eigenen Ideale zu vernachlässigen, ihr Leiden vielleicht auch eher auf die körperliche Ebene verschieben und stark erschöpfen oder regelrecht krank werden.


Die Hochsensibilität bleibt bestehen

thinking__by_angelcurioso

Weltschmerz kann sehr überwältigend sein. Deswegen ist es umso wichtiger ihn ernst zu nehmen und zu ergründen.

Ich halte es durchaus für möglich dass das von mir in diesem Artikel geschilderte Dilemma eine ziemliche Eigenart speziell im hochsensiblen Erleben ist. Doch nichtsdestotrotz ist die Spannung zwischen der Angst davor sich selbst zu verlieren und dem Bedürfnis in etwas Größerem, wie dem Leben anderer Menschen aufzugehen ein Thema, welches schon bei Kain und Abel angesprochen wird und auch in populären Ratgebern wie „Grundformen der Angst“ von Fritz Riemann oder dem eingangs genannten Eckhart Tolle – Besteller „Jetzt!“ zentral ist.
Der drohende Verlust der eigenen Empfindsamkeit und des eigenen Erlebens, ja der eigenen Persönlichkeit lässt sich vielleicht damit auch schon entkräften, dass auf körperlicher Ebene die Hochsensibilität sich nicht verlieren lässt, da diese Disposition zu aller erst physiologisch ist. Die eigene Fähigkeit zur Empathie wird ebenfalls in ihrer Wahrnehmung genauer, wenn man sich daran gewöhnt, seine Aufmerksamkeit gleichsam im eigenen Körper zu behalten und auf sein Gegenüber zu lenken.
Vielleicht ist so der Weltschmerz und die damit einhergehende Fassungslosigkeit und Sprachlosigkeit eine Möglichkeit zur Beruhigung des Verstandes, indem er uns zwingt innezuhalten und unsere Ideale, den Perfektionismus und die Werte, welche uns motivieren zu überdenken. Das Ego in einem Freud’schen Sinne hat auch genau diese Funktion: Es ist der Vermittler zwischen unseren Bedürfnissen und den Idealen,welche wir mit und tragen, und hat garantiert nichts Dämonisches an sich.


Quellen und Literatur

10 Tipps für Hochsensible zum Umgang mit Normalsensiblen

Wir als Hochsensible haben theoretisch eine hervorragende Ausstattung um im alltäglichen Miteinander mit Nicht-Hochsensiblen ausgezeichnet umzugehen. Trotzdem kommt es immer wieder zu Reibereien, unter denen HSP wahrscheinlich mehr zu leiden haben als ihr normal sensibles Pendant. Um etwas Licht ins Dickicht des sozialen Miteinanders zu bringen, widmen wir uns heute 10 Hürden, welche HSP von ihrer Seite aus leichter überbrücken können, als dies für Nicht-HSP der Fall wäre.


1. Bitte informiere Dich darüber was Hochsensibilität ist

Für ein echtes Verständnis der eigenen Situation, und um anderen verständlich zu machen, welche Disposition man selbst (und mindestens ein Elternteil) hat reicht es nicht aus, Posts in Foren oder auf Facebook zu lesen. Mindestens den (zur Zeit) sehr guten Wikipedia-Artikel oder die Website von Hochsensibel.org solltest Du zu Rate ziehen, oder aber Fachliteratur wie die von Elaine N. Aron, der Forscherin, welche unsere Disposition verstärkt publik gemacht hat und auf den Grund geht.
Wenn Du nicht verstehst, was für körperliche Besonderheiten HSP von Nicht-HSP unterscheiden, wird es Dir schwer fallen überhaupt zu erkennen, was Deine charakterlichen Reaktionen auf bestimmte Situationen sind und was von Deiner nervlichen Veranlagung herrührt.
Lies Dich auch in ADHS und das Asperger-Syndrom ein, denn die sind gewissermaßen mit uns verwandt, und viele Ungereimtheiten lösen sich vielleicht für Dich auf, wenn Du Dich auch mit diesen Themen beschäftigst.


2. Hochsensibilität ist kein Lifestyle

Hier geht es nicht darum, dass wir anderen nicht erzählen sollten, dass wir HSP sind. Es ist aber ein Unterschied ob wir bei jedem Treffen fallen lassen, wie ausgeprägt unsere Sinne sind, und dass andere Menschen doch bitte unsere Feinsinnigkeit berücksichtigen sollen, oder ob wir beiläufig erwähnen, dass wir gerade ein Buch über eine nervliche Veranlagung lesen, dass erklärt warum manche Menschen ein größeres Problem mit dem Lärm auf einem Konzert haben

Für HSP kann es schwer sein den, das richtige Maß zwischen dem eigenen Bedürfnis nach Selbstoffenbarung und dem Verständnis unserer Mitmenschen zu finden.

Für HSP kann es schwer sein, das richtige Maß zwischen dem eigenen Bedürfnis nach Selbstoffenbarung und dem Verständnis unserer Mitmenschen zu finden.

als andere.
Versteht mich nicht falsch: Es ist für die Allgemeinheit der HSP von Vorteil dass diese Disposition bekannter in der Gesellschaft wird. Selbst in der Psychologie Heute (Ausgabe September 2015) gab es schon ein Titelthema dazu. Doch wenn Jonas bei jedem Besuch seinem Bäcker erstmal erklärt, dass er die Brötchen nicht so knusprig backen soll, weil das crunchige Geräusch beim Kauen so in den Ohren weh tut, dann nimmt das weder Rücksicht auf den Bäcker, noch auf andere Menschen welche gerne knusprige Brötchen mögen.
Es ist überhaupt nicht notwendig die eigene Hochsensibilität wie einen Lifestyle  nach Außen zu tragen, um das Bedürfnis danach verstanden zu werden erfüllt zu bekommen. Es ist wichtiger dass man selber erstmal seine Bedürfnisse akzeptiert und verwirklicht, bevor man von anderen erwartet, dass sie einen besonders behandeln. Menschen, welche uns länger kennen, verstehen vielleicht auch eher  das Konzept von HSP, besonders wenn sie miterlebt haben, dass sich einige Verhaltensweisen und vielleicht auch das Erleben von anderen Menschen bei uns unterscheidet.


3. Nicht-Hochsensible sind nicht unsensibel

Wenn wir bemerken, dass die Reizschwelle des Nervensystems von HSP sich von Nicht-Hochsensiblen oder Normalsensiblen unterscheidet, und unsere unterschiedliche Wahrnehmung dennoch zu richtigen Schlussfolgerungen und einem lebenswerten Leben führt, dann sollten wir im Umkehrschluss auch Nicht-HSP zugestehen, dass ihre Wahrnehmung ebenso stimmig ist. Menschen sind unterschiedlich sensibel, und auch innerhalb von HSP gibt es nochmal unterschiedliche Ausprägungen der Sensibilität (und es ist kein Wettrennen darum, wer jetzt der Sensibelste und Feinfühligste, oder am meisten Missverstandene von uns ist). Dennoch sind Nicht-HSP im Kontrast zu Hypersensitiven nicht automatisch unsensibel, nur weil sie es mehrere Stunden in der Shisha-Bar aushalten ohne dass ihnen von all den Aromen schwindelig wird.
Auch ist das Konzept von Hochsensibilität nicht für jeden sofort und ohne Weiteres gut verständlich, da jeder ja auch daran gewöhnt ist, wie seine alltägliche Wahrnehmung aussieht. Umso wichtiger dass wir im Sinne der Sozialpsychologie versuchen respektvoll zu sein, indem wir HSP und Nicht-HSP als gleichwertig betrachten.


4. Bedürfnisse umsetzen, anstelle sie zu erklären

Durch verringerte Abgrenzung, gesteigerte Empathie oder Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse von Mitmenschen gepaart mit dem Wunsch Ansprüchen zu genügen kann es dazu kommen, dass HSP ihre eigenen Emotionen, Wünsche und Bedürfnisse in den Hintergrund stellen. Und zwar ohne dass sie es selbst mitbekommen würden. Denn durch das Miterleben der Emotionen von anderen sind ja immer noch Regungen vorhanden, selbst wenn es nicht die eigenen sind.
Doch wenn wir, meistens aus Erschöpfung heraus, unseren Bedürfnissen nach einem solchen Moment verstärkt Aufmerksamkeit widmen, ist es umso wichtiger sie auch selbst umzusetzen.
Man könnte als HSP dazu neigen, davon auszugehen, dass unsere Umwelt ebenso wachsam auf unsere Bedürfnisse reagiert, wie wir es auf die Bedürfnisse unserer Mitmenschen tun. Doch leider stellen wir dann oftmals fest, dass dies eben nicht immer der Fall ist, oder sind sogar verwundert, ob unsere Signale der Erschöpfung nicht offensichtlich genug sind. Deswegen ist es wichtig, dass wir innehalten können ohne uns schuldig dafür zu fühlen, den Bedürfnissen unserer Mitmenschen weniger Aufmerksamkeit zu schenken.
Weltschmerz, Schuldgefühle, Erschöpfung und das Gefühl von Ohnmacht sind aber gute Hinweise darauf, dass wir eventuell innehalten müssen um unsere Bedürfnisse zu überprüfen.


5. Lege Dir einen angenehmen Freundeskreis zu

Die Freundschaft ist neben Liebesbeziehungen und Familie eine der wichtigsten Beziehungen in unserem Leben. Gerade für HSP kann es wichtig sein, unser näheres Umfeld mit Menschen zu versehen, deren Temperament uns weder

Viele HSP haben gerne ihre Ruhe, aber Haustiere sind meistens als Gesellschaft trotzdem in Ordnung

Viele HSP haben gerne ihre Ruhe, aber Haustiere sind oftmals als Gesellschafter nicht wegzudenken.

überstimuliert, noch unterfordert. Ebenso profitieren wir davon, wenn unsere Freunde zumindest verstandesmässig das Konzept der Hochsensibilität erfassen können (und wollen).
Gerade sehr introvertierten Hochsensiblen kann es helfen, wenn ihre Freunde in einem Rahmen extrovertiert sind, der es leichter macht, Kontakt zu halten. Wenn Daniel seit einer Woche zufrieden mit einer Romanreihe in seinem Lieblingssessel versunken ist, und den Jahresurlaub mit Keksen und Literatur verbringt, dann wird er es mit Sicherheit auch mal lieben, wenn eine Freundin oder ein Freund sich per Mail meldet, und er seine Freude an den Büchern mit jemandem teilen kann.
Die Balance aus Stimulation und Freiheit ist doch schon für den Umgang mit uns selbst wichtig – warum sollte man nun bei seinen Freunden nicht auch dafür sorgen, dass die Mischung stimmt?


6. Du kannst es nicht allen recht machen

So halbwegs berücksichtigen wir im Alltag die Tatsache, dass Menschen unterschiedliche Wünsche, Gedanken und Strategien haben um sich gut zu fühlen. Wieso haben wir es dann eigentlich so schwer, uns damit abzufinden, dass man es nicht jedem Recht machen kann?
Auch uns HSP fehlen oftmals Hintergrundwissen oder auch das Verständnis dafür, die Regungen in jedem Mitglied unseres Bekanntenkreises in dem Ausmaß nachvollziehen zu können, dass wir das Wohlbefinden dieser Person steigern könnten. Umso problematischer wird es dann auch, wenn wir es dennoch umso stärker probieren und uns verausgaben, und im schlimmsten Fall dafür noch nicht einmal ein Dankeschön erhalten. Dann kann es sein, dass wir die Art unseres Gegenübers, uns seine Dankbarkeit auszudrücken, nicht verstehen können, oder aber unsere Bezugsperson unsere Art der Aufopferung nicht versteht. In beiden Fällen kann eine klärende Aussprache über die gegenseitigen Wünsche und Wahrnehmung helfen.


7. Frag nach

Ja, wir HSP sind oft sehr gut darin, versteckte Botschaften zu deuten, zu erspüren, wie es jemandem wirklich geht und intuitive Schlüsse zu ziehen, wie es um den Zustand unserer Mitmenschen beschaffen ist. Doch wie sieht es eigentlich aus, wenn jemand nicht subtil und indirekt vorgeht, sondern sehr direkt unhöflich ist oder uns dreist ins Gesicht lügt?
Da HSP häufig sehr gerechtigkeitsliebend sind, sind wir meistens auch erstmal eher überwältigt von der Situation oder den aufwallenden Emotionen, welche von Empörung bis Trauer oder Niedergeschlagenheit reichen können. Doch gerade solche Situationen bieten sich an, eventuelle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen indem man einfach nachfragt. Wenn auf dem Geburtstag von Onkel Jost dieser seiner Nichte an den Kopf wirft, dass ihr mitgebrachter Kuchen kaum essbar ist, dann kann muss dass nicht daran liegen, dass er sie nicht mehr lieb hat und vor allen Leuten bloßstellen will, es kann auch einfach sein, dass er keine Rosinen mag.


8. Halt Dich nicht an stereotypem Verhalten fest

straight_boys_for_homo_love

Viele geschlechtliche Stereotype sind unter anderem Dank der LGBT-Bewegung in unserer Gesellschaft bereits aufgeweicht.

Wenn man sich mit seiner Wahrnehmung nicht ganz sicher ist oder Zweifel hat (was fast auf alle HSP mal zutrifft, da sich unsere Wahrnehmung von der Masse oft unterscheidet), dann kann es einem Sicherheit geben, auf scheinbar sozial erwünschtes Verhalten zurückzugreifen. Denn wenn wir nicht darauf vertrauen, dass unsere eigene Wahrnehmung in Bezug auf eine Wahrheit, einen Menschen oder eine Situation richtig ist, so können wir dennoch immer darauf vertrauen, dass wir die Reaktionen unserer Mitmenschen auf diese Situation richtig erkennen können.
Es ist für ungewohnte Situationen zwar normal, sich am Verhalten anderer zu orientieren, doch wenn im Freundeskreis oder auf der Arbeit anstelle des eigenen, spontanen Verhaltens zuerst die Überlegung im Vordergrund steht, ob wir als Mensch in Ordnung sind, weil wir anders wahrnehmen oder empfinden, dann ist der Weg in die Angststörung nicht weit.
Gerade geschlechtliche Stereotype können für männliche Hochsensible ein Problem darstellen. Denn obwohl eine intensives Empfinden oder Schmerzempfindlichkeit gesellschaftlich bei Künstlern oder Hipster-Grafikdesignern als exzentrisches Verhalten und akzeptabel angesehen wird, stößt man als Gefreiter der Panzergrenadiere der Bundeswehr mit Sicherheit auf weniger Verständnis.
Das eigene Leben dann an die erlebten Bedürfnisse anzupassen und sich neu zu orientieren kann dann zwar kurzfristig mit einer noch größeren Unsicherheit einhergehen, doch der langfristige Gewinn sind ein höheres Vertrauen in die eigene Wahrnehmung und ein höheres Maß an Selbstwert.


9. Lerne mit Ablehnung umzugehen

dalai_lama_06

Dauerhafter innerer Frieden – Es ist kein Wunder dass viele HSP sich sehr zu fernöstlichen Lehren wie Buddhismus oder Taoismus hingezogen fühlen.

Facebook ist überschwemmt mit Memes, welche uns dazu raten uns selbst zu lieben, uns nicht um die Meinung anderer zu kümmern und einfach zu leben. Und gerade unter HSP scheint es ein großes Bedürfnis zu geben, sich etwas von der Last der Anforderungen anderer Menschen und auch ihrer Ablehnung zu erlösen. Erlösung trifft hier sogar insofern den Nagel auf den Kopf, weil wir HSP doch ohnehin schon oftmals versuchen, den Bedürfnissen anderer Menschen zu entsprechen. Und jenseits des Gefühls der Anforderungen von anderen eine Angelegenheit, welche uns am Herzen liegt, zur Sprache zu bringen ist dann ein Spannung abbauender, erlösender Akt.Doch wenn dann, sobald wir uns spontan und authentisch äußern, uns mit Ablehnung begegnet wird, dann trifft einen dies natürlich noch umso härter.
Umso wichtiger ist es, sich mit Menschen zu umgeben, welche Verständnis für die eigenen Bedürfnisse haben oder die Balance zwischen eigenen Bedürfnissen und den Anforderungen unseres Umfelds zu finden.


10. Verständnis reicht aus

Gerade als introvertierter HSP, der wie ein Schwamm alle Emotionen der Menschen um sich herum aufsaugt, doch sich mit Äußerungen über seinen Zustand zurückhält, wäre es mit Sicherheit eine Erlösung, wenn die anderen mittels ihrer Empathie einem entgegenkommen würden. Sprich, von sich aus merken würden, wie es uns gerade geht, und im Vorfeld Rücksicht nehmen könnten. – Es wäre also praktisch, wenn alle Menschen so wahrnehmen würden, wie man selber – was aber natürlich nicht der Fall ist.

Es ist für eine erfolgreiche Beziehung zwischen HSP und Normalsensiblen nicht notwendig dass beide sich dauerhaft ohne Worte verständigen können und zu einer Einheit verschmelzen. Liebe, Verständnis und Wertschätzung sind für jede Beziehung ein Gewinn.

Doch Empathie basiert ja nicht nur darauf, dass andere Menschen emotional in der Lage sind, nachzuempfinden, zu erfühlen, wie es einem gerade geht, sondern kann auch bedeuten, dass man vom Verstand her sich in die Lage seines Gegenübers versetzt. Gerade für Beziehungen zwischen HSP und Nicht-HSP kann es vollkommen ausreichend sein, dass der Normalsensible rein vom Kopf her das Prinzip der Reizüberflutung versteht und sich überlegt, welche Überlegungen er seiner HSP abnehmen könnte. Es ist nicht notwendig, dass der Partner oder unsere anderen Bezugspersonen die selben Emotionen wir wir im selben Augenblick und in genau der selben Stärke empfindet, damit sie unseren Wert oder unsere Hochsensibilität verstehen.


Quellen und Literatur