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10 Gründe für unsere Gesellschaft sich mit Hochsensibilität auseinanderzusetzen

Ein großer Teil der bisher verfügbaren Artikel und Sachbücher richten sich direkt an hochsensible Personen und sollen das Verständnis für die eigene Situation ermöglichen und erleichtern. Doch der Frage, welchen Einfluss ein Mehr der sich frei entfaltenden Hochsensibilität in unserer Gesellschaft mit sich bringt geht eine andere Frage voraus: Wie fördert man die Auseinandersetzung mit Hochsensibilität überhaupt?
Um eine Antwort darauf liefern zu können widmen wir uns heute 10 guten Gründen, warum auch Nicht-Hochsensible sich eingeladen fühlen können, sich mit Hochsensibilität auseinanderzusetzen. 


1. Hochsensible machen einen großen Teil der Gesellschaft aus

Zwischen 15 und 20 Prozent aller Menschen sind hochsensibel, das wären in Deutschland im Jahr 2015 alleine zwischen 12,1 und 16,2 Millionen Menschen. Sich mit dem Temperament und der Disposition  eines so großen Anteils der Bevölkerung auseinanderzusetzen kann schon alleine deswegen nützlich sein, einfach weil es so viele HSP gibt. Und wenn man im Hinterkopf behält, dass viele der introvertierten oder schüchternen Menschen vielleicht HSP sind, dann bietet die Beschäftigung mit Hochsensibilität einen wichtigen Hafen von dem aus man diesen Menschen vielleicht entgegenkommen kann.


2. Es beugt Missverständnissen vor

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Hochsensible sind schneller durch Reize erschöpft als Normalsensible und benötigen Zeit für sich um sich zu erholen.

Gleichsam als normal- wie hochsensible Person kann es leicht passieren, dass man dazu verleitet ist, davon auszugehen, dass doch die anderen Menschen ein ähnliches Maß an Reizen und Stimulation vertragen wie man selbst. Sich mit Hochsensibilität auseinanderzusetzen kann dabei helfen, die Erschöpfung des Arbeitskollegen auf dem Firmenfest zu verstehen und warum er früher als andere nach Hause geht. Oder man kann nachvollziehen, warum ein Familienmitglied zwischendurch Pausen für sich selbst benötigt und gereizt darauf reagiert, wenn man ihn oder sie beim Erholen stört. Das Missverständnis, dass Hochsensible, insbesondere introvertierte Hochsensible, kein Interesse am Miteinander hätten, oder eher eigenbrötlerisch veranlagt sind, könnte damit etwas aus der Welt geschafft werden.
Das Gegenteil ist sogar der Fall, und viele HSP sind zu außerordentlichem Wohlwollen in der Lage und von einem großen Gefühl für die Gemeinschaft erfüllt – doch ist es nicht immer einfach dies auch auszudrücken.


3. Hochsensible empfinden von Natur aus Wertschätzung für Verständnis

Das Bedürfnis danach, für einen selbst interessante Themen verstehen zu wollen, und Recherche nicht nur als Zeitvertreib anzusehen, ist für die meisten Hypersensitiven ein zentrales Thema. Und auch wenn sie es nicht unbedingt direkt ihre Dankbarkeit mitteilen sind die meisten HSP dennoch sehr glücklich darüber, dass eine aktivere Auseinandersetzung mit dem Thema den Weg in die Gesellschaft gefunden hat. Sie wissen es wertzuschätzen dass auch Nicht-HSP sich mit Themen wie Erregung, Nervosität, Lärm und das Bedürfnis nach sozialem Miteinander auseinandersetzen. Verständnis für HSP zu zeigen ist eine sehr konkrete Form der Wertschätzung des Erlebens von hochsensiblen Menschen, welches auch eine Einladung für ein gemeinsames Miteinander darstellt welches von gegenseitigem Respekt geprägt ist.


4. Die Auseinandersetzung mit Hochsensibilität sensibilisiert einen für die Vielfalt von Menschen

Unter HSP, wie auch unter all den Menschen die nicht hochsensibel sind, gibt es große Unterschiede darin in welchem Ausmaß sie Reize verarbeiten. Auch wie sehr sie die Fähigkeit und Bereitschaft zu Empathie ausgebildet haben oder ein Bedürfnis nach Ruhe empfinden ist unterschiedlich. Diversität – Unterschiedlichkeit und Vielfalt – ist ein wichtiges Thema unserer Zeit, und Hochsensibilität als Temperament kann ein schönes Beispiel dafür sein, wie Bedürfnisse und Veranlagungen über die Kulturen hinweg als Bestandteil unserer Spezies bestehen können.


5. Die Auseinandersetzung ist ein guter Einstieg in viele psychologische und soziale Themen

Wenn man sich mit Hochsensibilität auseinandersetzt kommt man um Themen wie „Reiz“, „Wahrnehmung“ und „Bewusstsein“ kaum herum. Diese Themen sind aber auch ein wichtiger Bestandteil vieler psychischer und gesellschaftlicher Phänomene, so dass ein Gespür und Verständnis für die Unterschiedlichkeit von Wahrnehmung und Bewusstsein zu haben sogar im Alltag hilfreich ist. Und sei es nur, dass wir etwas nachsichtiger werden, wenn uns jemand im Straßenverkehr die Vorfahrt nimmt, weil er uns vielleicht wirklich nicht gesehen hat. Oder weil wir plötzlich ein Verständnis dafür entwickeln, dass der Nachbar, welcher sich über den Lärm des Staubsaugers beschwert diesen Lärm vielleicht wirklich erheblich unangenehmer wahrnimmt.


6. Ein größeres Verständnis für Hochsensibilität fördert gemeinsame Werte

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Viele HSP machen sich gerne in Ruhe Gedanken darüber, wie man das Leben für Menschen besser gestalten könnte.

Jenseits vom unterschiedlichen Bedürfnis nach Reizen und der Stimulation durch Kunst, Natur oder gemeinschaftlichem Miteinander bietet sich Normal- wie Hochsensiblen die Möglichkeit zum Austausch und das Erkennen gemeinsamer Werte und Ideale. Nachhaltigkeit, das Bedürfnis nach Sicherheit, das Vermeiden von unnötigem Leid und Hilfe für Menschen denen es schlechter als einem selbst geht sind Themen die wir als Gesellschaft miteinander teilen. Hier bietet sich die Möglichkeit für einen umfassenden Austausch und das Entdecken gemeinsamer Werte, und der hochsensible Idealismus kann vom Pragmatismus des Gegenübers profitieren und umgekehrt.


7. Die Auseinandersetzung fördert die Akzeptanz der Hochsensibilität in der Gesellschaft

Dank der öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Thema und der steigenden Zahl von Veröffentlichungen kommt es zu einer größeren Akzeptanz der Hochsensibilität. Selbst wenn es nur durch den Mere-Exposure-Effekt wäre – also dadurch dass man immer wieder mit dem Thema Hochsensibilität konfrontiert wird, wird diese irgendwann als positiver wahrgenommen – wäre eine Auseinandersetzung von Vorteil.


8. Durch die vermehrte Auseinandersetzung werdenMedien und Forschung gefördert

Umso bekannter ein Thema wird und umso mehr gesellschaftliche Relevanz es bekommt, umso eher wird dieses Thema auch von Medien und Forschung aufgegriffen. Das führt wiederum dazu dass Vorurteile abgebaut werden können und es vielleicht auch zu konstruktiverer Auseinandersetzung mit dem Thema kommt. Gerade bei Hochsensibilität müssen auch damit zusammenhängende Themen berücksichtigt werden, wie die Bewertung zu Stress und der Umgang mit Umweltnoxen wie Lärm, Chemikalien und Luftschadstoffen etc, auf welche viele HSP empfindlich reagieren. Hochsensibilität hängt nicht im leeren Raum sondern berührt viele Bereiche, genau so wie eben das Erleben der HSP durch unsere Gesellschaft mitgestaltet wird und im Umkehrschluss Einfluss darauf hat.


9. Unsere gesellschaftlichen Ideale von Sensibilität und der Umgang mit Gefühlen könnte sich verändert

Zum Glück hat sich Dank der LGBT-Bewegung und der Emanzipation das gesellschaftliche Bild von Verhalten, Rollen und Emotionen von Männern und Frauen schon stark gewandelt. Doch gibt es immer noch nur eine geringe Vereinbarkeit von Erfolg und Kompetenz in Kombination mit weiblichen Merkmalen wie Sensibilität und Empathie. Das liegt mitunter an unseren westlichen Idealen von materiellem und beruflichem Erfolg und den Stereotypen, welche wir von Führungspersonen haben (welche mitunter deckungsgleich mit den Merkmalen von Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung sind, aber garantiert nicht mit hochsensiblen Personen).
Doch mit einer tiefergehenden Beschäftigung mit Hochsensibilität könnte sich dies ändern und vielleicht sich auch der Wert von Fertigkeiten wie Empathie und die Anerkennung für das Zulassen von Emotionen mehr in der Gesellschaft etablieren.


10. Unsere Vorstellungen von Normalität könnte sich erweitern

Ein besonders schöner Effekt der Beschäftigung mit Hochsensibilität liegt in der Erweiterung unserer Vorstellung davon, was eigentlich normal in unserer Gesellschaft ist. Die Vorstellung von der sozialen Erwünschtheit von bestimmten Verhaltensweisen könnte sich wandeln, und wir würden als Gesellschaft eventuell etwas toleranter werden. Davon würden vielleicht auch weitere Minoritäten profitieren, was ein absolut wünschenswerter Effekt wäre.


Quellen und Literatur

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10 potentielle Vorteile der Hochsensibilität

Jenseits von Reizüberflutung und Weltschmerz bietet die Hochsensibilität das Potential zu einem lustvollen und intensiven Leben und Erleben, welches vom Genuss des Wahrnehmens und Freude an der Welt geprägt ist. Die Vorteile dieser Veranlagung sind, auch wenn sie manchmal unscheinbar wirken mögen, und bei jeder und jedem Hochsensiblen unterschiedlich ausgeprägt sind, es dennoch wert, dass wir mal einen genaueren Blick darauf werfen. Hier heute also 10 potentielle Vorteile von hochsensiblen Menschen.


1. Positive Gefühle werden stärker wahrgenommen

Schmetterlinge im Bauch? Freude die so intensiv und hell wie die Sonne strahlt? Als HSP verfügt man bei einer ausgewogenen Mischung aus Reizen und der richtigen Stimmung über ein Innenleben dass so übervoll sein kann, dass man jemand anderen, mit dem man sein Innenleben teilen kann schon fast braucht, um nicht vor Intensität zu explodieren. Kein Wunder dass sich viele HSP zur Kunst hingezogen fühlen, um ihr Erleben in irgendeiner Form anderen Menschen nahe zu bringen.


2. Auge für Details

Die zusätzlich wahrgenommenen Details führen zu einem exakteren Gesamtbild und bieten die Möglichkeit dazu, Schlüsse zu ziehen, die auch kleinere Feinheiten berücksichtigen. Doch auch den filigranen Nuancen von Kunst, der Natur, und von anderen sinnlichen Genüssen kann man als HSP potentiell mehr abgewinnen. Die Gratwanderung zwischen Überforderung und Genuss ist nicht immer einfach zu bewältigen, gerade in Stresssituationen. Ebenso ist nicht jeder Sinn bei jeder oder jedem Hochsensiblen gleichermaßen von der hohen Auflösung der Details betroffen, doch gerade die Sinne, welche am stärksten auf Überreizung reagieren können einen guten Anhaltspunkt darauf geben, über welchen Kanal die meisten Informationen verarbeitet werden.


3. Kreativität

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Mit dem Gesamtbild vor Augen erkennt es sich leicht, dass jedes Teil wichtig ist

Eine größere Menge an aufgenommenen und verarbeiteten Reizen hat auch die Möglichkeit, ähnliche Eindrücke aus der Vergangenheit abzurufen, welche dann mit den neuen Impulsen verknüpft werden. Dadurch entstehen dann wieder neue Anreize welche, die Vorstellungskraft ankurbeln und potentiell wieder zu neuen Schlüssen und Ideen führen können. Ja, dieser schöpferische Aspekt der Kreativität ist es, der viele HSP, vielleicht zusammen mit dem Versprechen alleine und in Ruhe arbeiten zu können, am Beruf des Künstlers fasziniert. Eben auch dieses Erschaffen, Erkennen und Entdecken von etwas Neuem aus dem eigenen Inneren heraus kann hochsensible Menschen sich so lebendig fühlen lassen, dass eher profane Belange dahinter weit zurücktreten.


4. Idealismus

Viele HSP sind ausgeprägte Idealisten und haben aufgrund ihrer Empathie oder ihren Überlegungen moralische Prinzipien, welche das Wohl von möglichst vielen Lebewesen, mit denen sie sich identifizieren können, im Blick haben. Auch komplexere, eher diffuse oder erspürte Wertvorstellungen wie eine Verbundenheit mit dem Leben als solches sind möglich. Die Welt ist mit Sicherheit kein utopischer Ort, doch idealistische Vorstellungen davon, wie Leben möglich ist und sein könnte, wenn diese oder jene Bedingung erfüllt wäre, kann dazu motivieren, die Utopie ein kleines Bisschen realer werden zu lassen.


5. Ausgeprägtere Empathie

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Egal ob bei Menschen oder Tieren, viele HSP haben eine ausgeprägt Empathie und freuen sich zum Beispiel auch, wenn sie einen fröhlich aussehenden Hund anschauen.

Kleine, nonverbale Äußerungen von Emotionen oder Stimmungen welche vielleicht in alltäglichem Gebaren untergehen würden, können viele HSP aufschnappen und verarbeiten. Auch fällt es uns oft leicht die Standpunkte oder zumindest die Gefühle von anderen Menschen, mit denen wir uns auch identifizieren möchten, nachzuerleben. Doch selbst wenn die Empathie als Fähigkeit nicht so stark ausgeprägt sein sollte, wissen dennoch viele Hochsensible um die Wichtigkeit von Mitgefühl und räumen zumindest der Idee der Wertschätzung der Emotionen und des Erlebens von Mitmenschen Platz ein.
Doch auch die von HSP fast immer stark wahrgenommenen Gefühle spielen eine Rolle bei Empathie. Genauer gesagt, beim emotionalen Nacherleben von Gefühlen anderer Menschen. Denn umso stärker wir unsere eigenen Emotionen erspüren können, umso besser nehmen wir auch die in uns als Antwort auf das Erleben der Gefühle unserer Mitmenschen erschaffenen empathischen Antworten wahr. Mehr dazu hier.


6. Erhöhte Intuition

Intuition bedeutet dass wir in der Lage sind Schlüsse aus Wissen zu ziehen, auch wenn wir die Reize zu diesem Wissen gerade überhaupt nicht als Gedanken im Bewusstsein haben. Durch Gefühle, welche mit ähnlichen Reizen oder Erinnerungen verknüpft sind, werden die Reize zu unserer jetzigen Situation oder Fragestellung als Bauchgefühl oder Intuition aufgearbeitet und erlauben uns ein schablonenhaftes Schließen, das sich Dank der größeren Masse an vergleichbaren Reizen auch als richtig erweisen kann – aber nicht automatisch muss.


7. Gewissenhaftigkeit und Perfektionismus

Perfektionismus kann ein Zeichen für Versagensangst und das Bedürfnis nach Anerkennung sein, aber auch ein positiver Nebeneffekt der Tatsache, dass mehr Details in der Bearbeitung einer Aufgabe wahrgenommen werden. Deswegen haben auch Situationen, wo Normalsensible eher etwas technisches, wie ein Puzzle mit 1000 Teilen sehen, für viele HSP einen organischen Touch, und das Bedürfnis es nicht nur einem Projekt oder einem Termin, sondern auch den Mitarbeitern oder Mitmenschen gerecht zu werden fließen in die Betrachtung mit ein.


8. Besseres Gespür für Schmerzen und Krankheit

Schmerzen sind auch Reize. Wenn also weniger Reize herausgefiltert werden, dann klingt es vielleicht erstmal wie ein Nachteil, da HSP auch ihre Schmerzen stärker wahrnehmen. Doch hat es auch Vorteile, da man die eigenen körperlichen Grenzen früher auslotet, und auch früher erkennen kann, wenn man dabei ist, über die Strenge zu schlagen. Die frühen Symptome eines grippalen Infekts sind vielleicht lästig, aber wenn man Kopf- und Gliederschmerzen eher wahrnimmt, kann man sich auch umso früher in Behandlung begeben und zuhause auskurieren.


9. Gespür für Harmonie

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Zur richtigen Zeit, die richtige Zusammensetzung. Das ist Harmonie

Das Auge für Details kann sich auch darin widerspiegeln, dass man genau die fehlenden Puzzleteile erkennt, die notwendig wären um einen perfekten Gesamteindruck herzustellen. Sei es, dass man bei einem leckeren Abendessen genau den richtigen Wein nennen kann, oder aber dass man erkennt, welcher Mitarbeiter entlastet werden müsste, damit eine Abteilung als Ganzes runder läuft. Harmonie hat viel mit Intuition und dem Bauchgefühl zu tun, weil hier Annahmen und Erfahrung mit den Anforderungen des Augenblicks zusammentreffen. Doch wenn hochsenible Menschen mit einem derartigen Interesse für Harmonie sich intensiv mit einem Thema befassen, welches vom Gesamteindruck profitiert, dann können sie nicht nur viel Freude daraus ziehen, sondern auch tolle Ergebnisse erzielen.


10. Sinn für Nachhaltigkeit und Umsichtigkeit

Es ist ein gar nicht so kleines Detail, dass Ressourcen begrenzt sein können, weswegen es auch HSP gibt, welche sich um die nachhaltige Nutzung davon sorgen. Egal ob es um fossile Rohstoffe geht, den Schutz von Biotopen oder die gleichmässige Verteilung des Wohlstands und die Vermeidung von Verschwendung, hochsensible Menschen mit dieser Ausprägung sorgen sich um die langfristigen Auswirkungen und weitreichenden Folgen unserer Zivilisation.


Quellen und Literatur

10 Tipps für Hochsensible zum Umgang mit Normalsensiblen

Wir als Hochsensible haben theoretisch eine hervorragende Ausstattung um im alltäglichen Miteinander mit Nicht-Hochsensiblen ausgezeichnet umzugehen. Trotzdem kommt es immer wieder zu Reibereien, unter denen HSP wahrscheinlich mehr zu leiden haben als ihr normal sensibles Pendant. Um etwas Licht ins Dickicht des sozialen Miteinanders zu bringen, widmen wir uns heute 10 Hürden, welche HSP von ihrer Seite aus leichter überbrücken können, als dies für Nicht-HSP der Fall wäre.


1. Bitte informiere Dich darüber was Hochsensibilität ist

Für ein echtes Verständnis der eigenen Situation, und um anderen verständlich zu machen, welche Disposition man selbst (und mindestens ein Elternteil) hat reicht es nicht aus, Posts in Foren oder auf Facebook zu lesen. Mindestens den (zur Zeit) sehr guten Wikipedia-Artikel oder die Website von Hochsensibel.org solltest Du zu Rate ziehen, oder aber Fachliteratur wie die von Elaine N. Aron, der Forscherin, welche unsere Disposition verstärkt publik gemacht hat und auf den Grund geht.
Wenn Du nicht verstehst, was für körperliche Besonderheiten HSP von Nicht-HSP unterscheiden, wird es Dir schwer fallen überhaupt zu erkennen, was Deine charakterlichen Reaktionen auf bestimmte Situationen sind und was von Deiner nervlichen Veranlagung herrührt.
Lies Dich auch in ADHS und das Asperger-Syndrom ein, denn die sind gewissermaßen mit uns verwandt, und viele Ungereimtheiten lösen sich vielleicht für Dich auf, wenn Du Dich auch mit diesen Themen beschäftigst.


2. Hochsensibilität ist kein Lifestyle

Hier geht es nicht darum, dass wir anderen nicht erzählen sollten, dass wir HSP sind. Es ist aber ein Unterschied ob wir bei jedem Treffen fallen lassen, wie ausgeprägt unsere Sinne sind, und dass andere Menschen doch bitte unsere Feinsinnigkeit berücksichtigen sollen, oder ob wir beiläufig erwähnen, dass wir gerade ein Buch über eine nervliche Veranlagung lesen, dass erklärt warum manche Menschen ein größeres Problem mit dem Lärm auf einem Konzert haben

Für HSP kann es schwer sein den, das richtige Maß zwischen dem eigenen Bedürfnis nach Selbstoffenbarung und dem Verständnis unserer Mitmenschen zu finden.

Für HSP kann es schwer sein, das richtige Maß zwischen dem eigenen Bedürfnis nach Selbstoffenbarung und dem Verständnis unserer Mitmenschen zu finden.

als andere.
Versteht mich nicht falsch: Es ist für die Allgemeinheit der HSP von Vorteil dass diese Disposition bekannter in der Gesellschaft wird. Selbst in der Psychologie Heute (Ausgabe September 2015) gab es schon ein Titelthema dazu. Doch wenn Jonas bei jedem Besuch seinem Bäcker erstmal erklärt, dass er die Brötchen nicht so knusprig backen soll, weil das crunchige Geräusch beim Kauen so in den Ohren weh tut, dann nimmt das weder Rücksicht auf den Bäcker, noch auf andere Menschen welche gerne knusprige Brötchen mögen.
Es ist überhaupt nicht notwendig die eigene Hochsensibilität wie einen Lifestyle  nach Außen zu tragen, um das Bedürfnis danach verstanden zu werden erfüllt zu bekommen. Es ist wichtiger dass man selber erstmal seine Bedürfnisse akzeptiert und verwirklicht, bevor man von anderen erwartet, dass sie einen besonders behandeln. Menschen, welche uns länger kennen, verstehen vielleicht auch eher  das Konzept von HSP, besonders wenn sie miterlebt haben, dass sich einige Verhaltensweisen und vielleicht auch das Erleben von anderen Menschen bei uns unterscheidet.


3. Nicht-Hochsensible sind nicht unsensibel

Wenn wir bemerken, dass die Reizschwelle des Nervensystems von HSP sich von Nicht-Hochsensiblen oder Normalsensiblen unterscheidet, und unsere unterschiedliche Wahrnehmung dennoch zu richtigen Schlussfolgerungen und einem lebenswerten Leben führt, dann sollten wir im Umkehrschluss auch Nicht-HSP zugestehen, dass ihre Wahrnehmung ebenso stimmig ist. Menschen sind unterschiedlich sensibel, und auch innerhalb von HSP gibt es nochmal unterschiedliche Ausprägungen der Sensibilität (und es ist kein Wettrennen darum, wer jetzt der Sensibelste und Feinfühligste, oder am meisten Missverstandene von uns ist). Dennoch sind Nicht-HSP im Kontrast zu Hypersensitiven nicht automatisch unsensibel, nur weil sie es mehrere Stunden in der Shisha-Bar aushalten ohne dass ihnen von all den Aromen schwindelig wird.
Auch ist das Konzept von Hochsensibilität nicht für jeden sofort und ohne Weiteres gut verständlich, da jeder ja auch daran gewöhnt ist, wie seine alltägliche Wahrnehmung aussieht. Umso wichtiger dass wir im Sinne der Sozialpsychologie versuchen respektvoll zu sein, indem wir HSP und Nicht-HSP als gleichwertig betrachten.


4. Bedürfnisse umsetzen, anstelle sie zu erklären

Durch verringerte Abgrenzung, gesteigerte Empathie oder Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse von Mitmenschen gepaart mit dem Wunsch Ansprüchen zu genügen kann es dazu kommen, dass HSP ihre eigenen Emotionen, Wünsche und Bedürfnisse in den Hintergrund stellen. Und zwar ohne dass sie es selbst mitbekommen würden. Denn durch das Miterleben der Emotionen von anderen sind ja immer noch Regungen vorhanden, selbst wenn es nicht die eigenen sind.
Doch wenn wir, meistens aus Erschöpfung heraus, unseren Bedürfnissen nach einem solchen Moment verstärkt Aufmerksamkeit widmen, ist es umso wichtiger sie auch selbst umzusetzen.
Man könnte als HSP dazu neigen, davon auszugehen, dass unsere Umwelt ebenso wachsam auf unsere Bedürfnisse reagiert, wie wir es auf die Bedürfnisse unserer Mitmenschen tun. Doch leider stellen wir dann oftmals fest, dass dies eben nicht immer der Fall ist, oder sind sogar verwundert, ob unsere Signale der Erschöpfung nicht offensichtlich genug sind. Deswegen ist es wichtig, dass wir innehalten können ohne uns schuldig dafür zu fühlen, den Bedürfnissen unserer Mitmenschen weniger Aufmerksamkeit zu schenken.
Weltschmerz, Schuldgefühle, Erschöpfung und das Gefühl von Ohnmacht sind aber gute Hinweise darauf, dass wir eventuell innehalten müssen um unsere Bedürfnisse zu überprüfen.


5. Lege Dir einen angenehmen Freundeskreis zu

Die Freundschaft ist neben Liebesbeziehungen und Familie eine der wichtigsten Beziehungen in unserem Leben. Gerade für HSP kann es wichtig sein, unser näheres Umfeld mit Menschen zu versehen, deren Temperament uns weder

Viele HSP haben gerne ihre Ruhe, aber Haustiere sind meistens als Gesellschaft trotzdem in Ordnung

Viele HSP haben gerne ihre Ruhe, aber Haustiere sind oftmals als Gesellschafter nicht wegzudenken.

überstimuliert, noch unterfordert. Ebenso profitieren wir davon, wenn unsere Freunde zumindest verstandesmässig das Konzept der Hochsensibilität erfassen können (und wollen).
Gerade sehr introvertierten Hochsensiblen kann es helfen, wenn ihre Freunde in einem Rahmen extrovertiert sind, der es leichter macht, Kontakt zu halten. Wenn Daniel seit einer Woche zufrieden mit einer Romanreihe in seinem Lieblingssessel versunken ist, und den Jahresurlaub mit Keksen und Literatur verbringt, dann wird er es mit Sicherheit auch mal lieben, wenn eine Freundin oder ein Freund sich per Mail meldet, und er seine Freude an den Büchern mit jemandem teilen kann.
Die Balance aus Stimulation und Freiheit ist doch schon für den Umgang mit uns selbst wichtig – warum sollte man nun bei seinen Freunden nicht auch dafür sorgen, dass die Mischung stimmt?


6. Du kannst es nicht allen recht machen

So halbwegs berücksichtigen wir im Alltag die Tatsache, dass Menschen unterschiedliche Wünsche, Gedanken und Strategien haben um sich gut zu fühlen. Wieso haben wir es dann eigentlich so schwer, uns damit abzufinden, dass man es nicht jedem Recht machen kann?
Auch uns HSP fehlen oftmals Hintergrundwissen oder auch das Verständnis dafür, die Regungen in jedem Mitglied unseres Bekanntenkreises in dem Ausmaß nachvollziehen zu können, dass wir das Wohlbefinden dieser Person steigern könnten. Umso problematischer wird es dann auch, wenn wir es dennoch umso stärker probieren und uns verausgaben, und im schlimmsten Fall dafür noch nicht einmal ein Dankeschön erhalten. Dann kann es sein, dass wir die Art unseres Gegenübers, uns seine Dankbarkeit auszudrücken, nicht verstehen können, oder aber unsere Bezugsperson unsere Art der Aufopferung nicht versteht. In beiden Fällen kann eine klärende Aussprache über die gegenseitigen Wünsche und Wahrnehmung helfen.


7. Frag nach

Ja, wir HSP sind oft sehr gut darin, versteckte Botschaften zu deuten, zu erspüren, wie es jemandem wirklich geht und intuitive Schlüsse zu ziehen, wie es um den Zustand unserer Mitmenschen beschaffen ist. Doch wie sieht es eigentlich aus, wenn jemand nicht subtil und indirekt vorgeht, sondern sehr direkt unhöflich ist oder uns dreist ins Gesicht lügt?
Da HSP häufig sehr gerechtigkeitsliebend sind, sind wir meistens auch erstmal eher überwältigt von der Situation oder den aufwallenden Emotionen, welche von Empörung bis Trauer oder Niedergeschlagenheit reichen können. Doch gerade solche Situationen bieten sich an, eventuelle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen indem man einfach nachfragt. Wenn auf dem Geburtstag von Onkel Jost dieser seiner Nichte an den Kopf wirft, dass ihr mitgebrachter Kuchen kaum essbar ist, dann kann muss dass nicht daran liegen, dass er sie nicht mehr lieb hat und vor allen Leuten bloßstellen will, es kann auch einfach sein, dass er keine Rosinen mag.


8. Halt Dich nicht an stereotypem Verhalten fest

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Viele geschlechtliche Stereotype sind unter anderem Dank der LGBT-Bewegung in unserer Gesellschaft bereits aufgeweicht.

Wenn man sich mit seiner Wahrnehmung nicht ganz sicher ist oder Zweifel hat (was fast auf alle HSP mal zutrifft, da sich unsere Wahrnehmung von der Masse oft unterscheidet), dann kann es einem Sicherheit geben, auf scheinbar sozial erwünschtes Verhalten zurückzugreifen. Denn wenn wir nicht darauf vertrauen, dass unsere eigene Wahrnehmung in Bezug auf eine Wahrheit, einen Menschen oder eine Situation richtig ist, so können wir dennoch immer darauf vertrauen, dass wir die Reaktionen unserer Mitmenschen auf diese Situation richtig erkennen können.
Es ist für ungewohnte Situationen zwar normal, sich am Verhalten anderer zu orientieren, doch wenn im Freundeskreis oder auf der Arbeit anstelle des eigenen, spontanen Verhaltens zuerst die Überlegung im Vordergrund steht, ob wir als Mensch in Ordnung sind, weil wir anders wahrnehmen oder empfinden, dann ist der Weg in die Angststörung nicht weit.
Gerade geschlechtliche Stereotype können für männliche Hochsensible ein Problem darstellen. Denn obwohl eine intensives Empfinden oder Schmerzempfindlichkeit gesellschaftlich bei Künstlern oder Hipster-Grafikdesignern als exzentrisches Verhalten und akzeptabel angesehen wird, stößt man als Gefreiter der Panzergrenadiere der Bundeswehr mit Sicherheit auf weniger Verständnis.
Das eigene Leben dann an die erlebten Bedürfnisse anzupassen und sich neu zu orientieren kann dann zwar kurzfristig mit einer noch größeren Unsicherheit einhergehen, doch der langfristige Gewinn sind ein höheres Vertrauen in die eigene Wahrnehmung und ein höheres Maß an Selbstwert.


9. Lerne mit Ablehnung umzugehen

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Dauerhafter innerer Frieden – Es ist kein Wunder dass viele HSP sich sehr zu fernöstlichen Lehren wie Buddhismus oder Taoismus hingezogen fühlen.

Facebook ist überschwemmt mit Memes, welche uns dazu raten uns selbst zu lieben, uns nicht um die Meinung anderer zu kümmern und einfach zu leben. Und gerade unter HSP scheint es ein großes Bedürfnis zu geben, sich etwas von der Last der Anforderungen anderer Menschen und auch ihrer Ablehnung zu erlösen. Erlösung trifft hier sogar insofern den Nagel auf den Kopf, weil wir HSP doch ohnehin schon oftmals versuchen, den Bedürfnissen anderer Menschen zu entsprechen. Und jenseits des Gefühls der Anforderungen von anderen eine Angelegenheit, welche uns am Herzen liegt, zur Sprache zu bringen ist dann ein Spannung abbauender, erlösender Akt.Doch wenn dann, sobald wir uns spontan und authentisch äußern, uns mit Ablehnung begegnet wird, dann trifft einen dies natürlich noch umso härter.
Umso wichtiger ist es, sich mit Menschen zu umgeben, welche Verständnis für die eigenen Bedürfnisse haben oder die Balance zwischen eigenen Bedürfnissen und den Anforderungen unseres Umfelds zu finden.


10. Verständnis reicht aus

Gerade als introvertierter HSP, der wie ein Schwamm alle Emotionen der Menschen um sich herum aufsaugt, doch sich mit Äußerungen über seinen Zustand zurückhält, wäre es mit Sicherheit eine Erlösung, wenn die anderen mittels ihrer Empathie einem entgegenkommen würden. Sprich, von sich aus merken würden, wie es uns gerade geht, und im Vorfeld Rücksicht nehmen könnten. – Es wäre also praktisch, wenn alle Menschen so wahrnehmen würden, wie man selber – was aber natürlich nicht der Fall ist.

Es ist für eine erfolgreiche Beziehung zwischen HSP und Normalsensiblen nicht notwendig dass beide sich dauerhaft ohne Worte verständigen können und zu einer Einheit verschmelzen. Liebe, Verständnis und Wertschätzung sind für jede Beziehung ein Gewinn.

Doch Empathie basiert ja nicht nur darauf, dass andere Menschen emotional in der Lage sind, nachzuempfinden, zu erfühlen, wie es einem gerade geht, sondern kann auch bedeuten, dass man vom Verstand her sich in die Lage seines Gegenübers versetzt. Gerade für Beziehungen zwischen HSP und Nicht-HSP kann es vollkommen ausreichend sein, dass der Normalsensible rein vom Kopf her das Prinzip der Reizüberflutung versteht und sich überlegt, welche Überlegungen er seiner HSP abnehmen könnte. Es ist nicht notwendig, dass der Partner oder unsere anderen Bezugspersonen die selben Emotionen wir wir im selben Augenblick und in genau der selben Stärke empfindet, damit sie unseren Wert oder unsere Hochsensibilität verstehen.


Quellen und Literatur

Die 10 verbreitetsten Vorurteile über Hochsensibilität

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Top 10 Listen sind eigentlich ein klassisches Youtube-Phänomen. Doch da Hochsensibilität langsam immer mehr Aufmerksamkeit in den Medien bekommt, hat sie ein Top 10 durchaus verdient.

Obwohl Hochsensibilität seit den 70ern erforscht wird, und der Hype von Indigo- und Kristallkindern doch eigentlich mit wasserstoffblonden Igel-Frisuren in den 90ern begraben liegt, mischen sich erst jetzt mit dem immer bekannter Werden der Bücher von Elaine Aron (Sind sie hochsensibel?) auch einige spannende Mythen und Vorurteile über Hochsensibilität zu den eigentlich recht nüchternen Fakten über eine gesteigerte Wahrnehmung und ein leichter erregbares Nervensystem. Es spricht vielleicht aber auch für die Emanzipation der Existenz der Hochsensibilität, welche zumeist mitfühlende und harmoniebedürftige Menschen hervorbringt, dass in einer Zeit, in der Kabarettisten wie Volker Pispers das Ende des Kapitalismus einläuten, die milde Revolution humanistischer Werte durch ein geschütteltes Maß an Begeisterung über das Entdecken der individuellen Wahrnehmung zu einer neuen, introspektiven Sinnsuche führt.

Dass dabei jedoch auch eine Menge kurioser, schwärmerischer oder schlicht und ergreifend falscher Ideen oder Vorstellungen über Hochsensibilität im Umlauf sind, lässt sich leider nicht vermeiden. Hier sind 10 besonders fantastische oder interessante Vorurteile über Hochsensibilität, welche ich allesamt so im Internet, speziell auf Facebook, gefunden habe.


1. Hochsensible empfinden „zuviel“

Ein beliebter Stereotyp welcher beiderseits durch nahestehende Freunde, Verwandte etc. aber auch durch HSP selbst gerne belebt wird, ist, dass die Wahrnehmung oder die Empfindung „zuviel“ wäre. Natürlich kommt es immer wieder zu Reibereien, wenn dem einen die Musik zu laut, der Stress zuviel oder ein beiläufiges Wort zu harsch vorkommt. Doch weder sind die „Normalos“ unsensible Trolle die stumpf den ganzen Tag nur Helene Fischer auf Discolautstärke hören um Hypersensitive zu terrorisieren, noch ist das Ausmaß der Wahrnehmung gemessen an normalen Menschen „zu viel“ in einem Sinne, dass Hochsensibilität etwas Schlechtes, oder eine Störung wäre.
Die Empfindungen, welche durch die starke Wahrnehmung intensiv auftreten, können überwältigend oder sogar manchmal unerträglich sein. Doch sind sie nicht „zuviel“ in einem Sinne dass hochsensible Menschen sich deswegen falsch oder schlecht fühlen müssten. Denn ist dieses übermäßige Empfinden ja an eine Situation oder Umwelt, vielleicht an andere Menschen gekoppelt. Dadurch wird aus „Ich empfinde zuviel – und das ist schlecht“ ein „Ich verarbeite dieses Konstellation zu intensiv, als dass sie gerade spurlos an mir vorbeigehen würde“. Und wenn man weiß, was einem gut tut, wie viele Reize man verträgt, dann lassen sich auch viele große Ereignisse und Situationen vermeiden, oder vielleicht in kleinere Portionen teilen und schrittweise verarbeiten.


2. Hochsensible sind die meiste Zeit über reizüberflutet

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Die Dosis macht das Gift ist in kaum einem Bereich für Hochsensible so wichtig, wie bei Reizen.

Es gibt alle möglichen Ursachen dafür, dass HSP aber auch alle anderen Menschen sich über einen längeren Zeitraum in einem erhöhten Zustand der Erregung befinden. Das müssen nicht immer schlimme Situationen sein, denn auch Verliebtheit und immense Vorfreude können die emotionalen Polster von Hypersensitiven zusätzlich belasten, wodurch sie eher dazu neigen in die Reizüberflutung abzudriften.
Doch wann das genau passiert ist bei jedem anders. Die einen sterben innerlich bereits, wenn sie den kratzigen Wollpulli, den sie von Tante Erna zu Weihnachten geschenkt bekommen haben, extra für einen Besuch anziehen, um die liebe Tante nicht zu enttäuschen, die anderen wiederum bekommen Beklemmungsgefühle durch die Überstimulation durch große Menschenmassen. Für jeden Hochsensiblen und jede Hochsensible gibt es auf jeden Fall die Möglichkeit in Erfahrung zu bringen, welcher Sinn oder welcher Zustand der Erregung über einen größeren Zeitraum hinweg ertragen, vielleicht sogar genossen werden kann.


3. Hochsensibilität gibt es eigentlich gar nicht

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Im Kontrast zu anderen Mitgliedern ihrer Spezies gelten hochsensible Mitglieder als eher zurückhaltend und abwägend. Während andere Mitglieder waghalsige Sprünge durchführen oder neue Gebiete erkunden, warten sie erstmal Ergebnisse ab und bleiben in Sicherheit.

Dieses Argument kann eigentlich nur von nicht HSP kommen, für welche die Intensität des eigenen Erlebens und Wahrnehmens nicht genug „Beweis“ der Existenz des Konzepts ist. Dieses Argument kann aber auch verknüpft sein mit dem Anspruch an den Betroffenen sich und seine Wahrnehmung nicht so ernst oder wichtig zu nehmen – was natürlich letzten Endes zur Frustration der oder des Hypersensitiven führen muss, gerade wenn dieser einfach nur verstanden werden will.
Aber ja, Hochsensibilität ist im Vergleich zu anderen psychologischen Themen als Konstrukt recht unerforscht. Was aber, wie Elaine Aron selber in Hochsensibilität und Liebe beschreibt, nicht bedeutet, dass die einzelnen Bausteine wie Reizüberflutung, gesteigerte Wahrnehmung und Empathie nicht schon als separate Phänomene untersucht worden wären. Doch erst mit dem Zusammenführen all der Komponenten auf der Basis der tieferen Reizverarbeitung und gesteigerten Wahrnehmung durch Elaine Aron und mittlerweile auch anderen Forschergruppen ergibt sich ein spezienübergreifendes Bild der Hochsensibilität als eine durch die Evolution hervorgegangene Methode zur Sicherung des Überlebens von Stämmen, Rudeln und somit des Fortbestehens.


4. Hochsensible lassen sich eher von Gefühl und Intuition als von der Vernunft leiten

Eines direkt vorweg: Schauen wir uns in unserem Bekanntenkreis einmal um, sind dort alle unsere nicht hochsiblen Familienmitglieder, Freunde und geliebte Menschen denn wirklich so vernünftig? Vermeidet Tante Ulrike ihre unnötigen Ausgaben und legt eher in Zeiten des Überschusses etwas Geld auf die hohe Kante? Schlägt sich Jens die unerwiderte Liebe zur neuen Mieterin im gleichen Haus eher aus dem Kopf, oder schwärmt der unglücklich noch Wochen von ihr? In Wahrheit werden Menschen selten von eiskalter Logik oder Vernunft gesteuert, und wir alle sind mit, mit wenigen Ausnahmen, auch zu Empathie fähig, werden von Wünschen, Träumen und Emotionen motiviert.
Vor dem Hintergrund der Hochsensibilität ist vielleicht mit Gefühl im Kontrast zur Vernunft eher das Streben nach immateriellen Werten wie altruistischer, sprich hingebungsvoller Liebe, welche keine Anforderungen an unseren Nächsten stellt gemeint. Das Bedürfnis im Entdecken und Erleben von Schönheit eine zeitlose Dimension zu finden, welche nicht nur von einem selbst, sondern auch von anderen Menschen erkundet werden kann und eher materielle Substitute für dieses Erleben unerheblich erscheinen lässt.


5. Hochsensible Menschen sind auserwählt oder haben eine besondere Gabe

Da Hochsensibilität vererbt wird ist damit eine sehr gewagte Aussage verknüpft, nämlich: „Bestimmte Blutslinien sind, im Gegensatz zu anderen, auserwählt und mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet“. Diese Aussage klingt gleich weniger spirituell und sensibel, aber dafür spiegelt sie die Annahmen wieder, welche hinter dem Gedanken „eine Gabe zu haben“, oder „auserwählt (von wem denn?) zu sein“ stecken.
Dabei wird häufig auch vergessen, dass es auch andere Dispositionen, oder aber auch Störungen gibt, welche die Wahrnehmung oder das Erleben von Menschen derartig verändern dass man argumentieren könnte, dass diese Menschen gegenüber einer Vergleichsgruppe von Hochsensiblen und auch nicht HSP Vorteile im Alltag haben. Soziopathen werden z.B. mit fehlender Empathie und Furchtlosigkeit in Verbindung gebracht und können es potentiell in vielen Bereichen, wie Wirtschaft, Politik und Forschung sehr weit bringen. Und auch wenn die meisten HSP moralisch empört darauf pochen würden, dass für bestimmte Erfolge einfach zu viele andere Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden, so müssen sie dennoch zerknirscht zugeben, dass in unserer westlichen Leistungsgesellschaft diese eiskalten, animalischen Jäger, wie der Psychologe Kevin Dutton sie nennt, den meisten HSP beim Kampf um Anerkennung, Ansehen und materiellem Erfolg schlicht und ergreifend überlegen sind.
Es ist vielleicht einfach nur die verständliche Überlegung, dass die Mischung aus so tiefgehenden und berührenden Erfahrungen, gepaart mit spirituellen Empfindungen so überwältigend wirken, dass man sich einfach wie beschenkt vorkommt. Es ist als wäre man direkt nach der Geburt mit einem ganz besonderen Geschenk ausgestattet worden, welches zwar alle anderen Kinder auch bekommen haben, aber nur man selbst war in der Lage die Schleife darum zu lösen. Das ändert zwar nicht die Tatsache, dass auch die anderen Kinder sich über das Geschenk freuen, aber nur die HSP scheint in der Lage gewesen zu sein, hinter das Geschenkpapier zu sehen.
Letzten Endes vergessen diese HSP dann aber leider aufgrund der überwältigenden Freude, dass es vielleicht nur darum geht, dass letzten Endes jeder ein solches Geschenk erhalten hat.


6. Hochsensible sind die besseren Menschen

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HSP sind mit Sicherheit nicht immer Heilige. Doch faszinieren sie häufig Ideale, welche mit einem größtmöglichen Wohl für alle einhergehen. Doch ob das Bedürfnis eine Utopie zum Leben zu erwecken auch immer selbstlos motiviert ist, steht auf einem anderen Blatt.

Ja, dieses Vorurteil habe ich in der Tat mehrfach auf Facebook gelesen. Es ist nicht ganz unverwandt mit dem vorigen Vorurteil, aber es stecken andere Vorannahmen dahinter. Als Kern bietet sich die stark ausgeprägte Empathie an, welche dafür sorgt, dass es zum Beispiel mehr Vegetarier und Veganer unter HSP als unter anderen Dispositionen gibt, und das Bedürfnis auch anderen Lebewesen zu helfen ausgeprägt ist. Des Weiteren sorgt diese Empathie und das umfassendere Kombinieren von Informationen dafür, dass Hochsensible vermehrt ethische Ansätze zu leben versuchen, welche das größtmögliche Wohl für möglichst viele Lebewesen als Ziel haben. Übrigens bevorzugen die meisten Menschen derartige Überzeugungen, wenn man sie danach fragt, aber scheinen HSP einen verstärkten Antrieb dazu zu haben, derartige Ideale auch realisieren.
Wenn es eine Quelle für BurnOut gibt, welche HSP besonders betrifft, dann ist es dieses Ideal gepaart mit einer Empathie, welche die Bedürfnisse anderer Menschen stärker empfinden lässt, als die eigenen. Es ist dann auch nicht mehr ganz so selbstlos, wenn man nur noch hilft um das erlebte Leid in seinem Inneren zu vermindern.Die Frage ob Hochsensible die besseren Menschen sind, weil sie vermehrt Verhalten an den Tag legen, dass darauf ausgelegt ist, Leid zu vermindern, lässt sich wegen der Verstrickung von Empathie, ethischen Idealen und dem Bedürfnis das gespiegelte Leid des Empfängers unserer Hilfe an dieser Stelle deswegen leider nicht so generalisiert beantworten.
Sicher ist, dass das Bedürfnis der meisten HSP, eine bessere Welt zu schaffen,  eine ernst gemeinte Angelegenheit ist.


7. Kinder mit ADHS sind eigentlich hochsensibel

Dieser Gedanke würde erklären warum die Diagnose AD(H)S scheinbar so häufig bei Kindern gestellt wird. Es wäre vorstellbar dass gerade extrovertierte HS-Kinder ihre nervöse Energie, welche durch die Anwesenheit anderer Kinder noch verstärkt wird, durch Aufmerksamkeitsdefizite und übermässige Bewegung kompensieren. Insgesamt sollen etwa 3-5% der Kinder in der Schule von AD(H)S betroffen sein. Darunter könnten sich ein ein großer Anteil an hochsensiblen Kindern befinden, doch gibt es auch Störungen, wie zum Beispiel Asperger Autismus oder auch Allergien welche AD(H)S als Begleitsymptomatik haben.


8. Hochsensible sind intelligenter als der Durchschnitt

Nimmt man das Tao-Te-King als Grundlage, dann kann man lachend davon ausgehen, dass doch alles Wissen, und jede Intelligenz nichts wert ist, sobald sie einen eitel und unecht werden lässt. Nichtsdestotrotz würden wohl die meisten Menschen bei uns im Westen sehr ungehalten reagieren, wenn man ihnen ihre Intelligenz absprechen würde. Meistens wird mit Intelligenz auch direkt der IQ verknüpft, welcher nichts anderes als das verrechnete Ergebnis meist sehr unterschiedlicher Tests ist. Dieser IQ sagt eigentlich erst einmal nur aus, dass man bestimmte Aufgaben, welche verschiedene kognitive Funktionen beanspruchen bewältigen kann. Wie jetzt die Kompetenz des Anwenders dieser Funktionen ist, sich ihm stellende Probleme zu bewältigen, steht auf einem ganz anderen Blatt geschrieben.
Und um den Elefanten im Raum endlich anzusprechen: Nach den Untersuchungen von Elaine Aron sind HSP nicht intelligenter als nicht HSP, aber weisen sie auch nicht weniger IQ-Punkte auf.


9. Hochsensible haben ein höheres Bewusstsein als andere Menschen

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Eine Koralle, welche wie ein Gehirn aussieht und unter der Meeresoberfläche lebt. Ein schönes Sinnbild für das hochsensible Gehirn, welches mehr unbewusste Anteile verarbeitet, als dies bei anderen Menschen der Fall wäre. Allerdings ist dies auch mit einer größeren Belastung verbunden.

Dieses Statement ist mein absoluter Favorit. Denn Bewusstsein ist für die meisten Menschen eine separate Fähigkeit des Menschen, welche man trainieren und verbessern kann. Man verbindet damit vielleicht so etwas wie konzentriertes gewahr-sein der aktuellen Situation oder aber das Verbinden der Zusammenhänge zwischen diversen Ereignissen, Personen, Zuständen oder Objekten. Doch in der Psychologie ist man, wenn es um das Bewusstsein geht sehr viel pragmatischer, denn Bewusstsein ist erstmal nur das Produkt der Informationsverarbeitung des Gehirns. Wobei dasjenige, was überhaupt in unsere Wahrnehmung gelangt auch schon mal freundlicherweise vorgefiltert, sortiert und beschriftet ist, so dass wir als Wahrnehmender Mensch möglichst wenig Arbeit investieren müssen, um uns in unserer kleinen Welt zurechtzufinden.
Wir haben es also im Grunde mit zwei unterschiedlichen Aussagen zu tun:

1. HSP haben mehr dieser Bewusstseinsinhalte als andere Menschen, und darauf aufbauend
2. HSP können wegen dieser größeren Menge an wahrgenommenen Inhalten auch leichter Aussagen über Zusammenhänge tätigen, welche anderen Menschen vielleicht entgehen würden.

Und ja, es stimmt sogar. Es ist richtig dass wir (zusammen mit einigen Autisten etc.) mehr Reize und Inhalte verarbeiten als andere Menschen und via Intuition manchmal sogar das Glück haben, selbst dann eine richtige Aussage zu treffen, obwohl wie bestimmte Sachverhalte gar nicht aktiv verarbeitet haben. Das klingt jetzt erst einmal sehr großartig und wie eine tolle Fähigkeit. Doch leider sind die Inhalte, welche uns unser Gehirn überhaupt ins Bewusstsein befördert, genau wie bei anderen Menschen auch,  bereits durch unsere Einstellung, Erfahrungen und Vorstellungen und Gewohnheiten vor-sortiert und gefiltert. Es mag sehr ironisch klingen, da für uns HSP Wahrnehmen und aktives Verarbeiten unserer Bewusstseinsinhalte so wichtig und auch mühsam sein kann, aber auch wir haben keinen unverfälschten Blick auf die Welt und unser Gehirn nimmt unserer aktiven und willentlichen Verarbeitung bereits die größte Arbeit ab.


10. Hochsensible sind die nächste Stufe der Evolution

Dadurch dass der Prozentsatz der hochsensiblen Mitglieder bei Menschen und Tieren konstant zu bleiben scheint, erledigt sich diese Frage im Grunde von alleine. Denn Evolution bedeutet dass sich das Leben besser seiner Umgebung anpasst, um eben das Überleben der betroffenen Spezies zu ermöglichen. Die Umwelt, in der wir uns bewegen bietet Lebensraum für die meisten Ausprägungen menschlichen Lebens, und viele Dispositionen und Ausprägungen von sozialer Interaktion lassen sich auch bei Tieren beobachten.
In vielen Notsituationen wäre die langsame und intensive Verarbeitung von Reizen oder Emotionen ein Hindernis, welches effektives Handeln mehr behindert als fördert. Wie könnten wir HSP denn auch bereits die nächste Stufe der Entwicklung des Menschen sein, wenn wir uns zusammen mit den anderen Mitgliedern unserer Spezies entwickelt haben? Und gerade wenn wir unausgeschlafen einem Tag mit vielen verschiedenen unterschiedlichen Kontakten, abwechselnden monotonen Aufgaben und unausweichlichen Reizen entgegensehen fühlen wir uns ganz sicher Überfordert – und nicht als wären wir die nächste Stufe der Evolution. Und ab und an bewundern wir vielleicht auch unsere nicht-hochsensible Kollegin, welche gleichzeitig mit den beruflichen Aufgaben auch noch den Sportverein ihrer Tochter und ein Privatleben samt Hobbies managed, und dabei nicht wirkt, als ob sie einen ganz besonders kratzigen Pullover tragen würde, der ihr auch noch eine Nummer zu klein ist.


Quellen und Literatur: