Wahrnehmung

Studie zur Hochsensibilität

Im Rahmen eines Masterstudienganges führen Natascha Spielmann und ihre Gruppe eine Umfrage zur Hochsensibilität durch. Hier der Link zur Umfrage.

Vielen Dank fürs Mitmachen.

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Buchrezension: Sylvia Harke – Hochsensibel ist mehr als zartbesaitet

Der Nachfolger von Hochsensibel – Was tun?  ist ebenfalls ein Sachbuch über Hochsensibilität von Sylvia Harke, welches im Kontrast zum Vorgänger strukturiert einzelne Abschnitte des alltäglichen Lebens in Form von 100 Frequently Asked Questions behandelt. Hier geht es um sehr grundlegende Fragen der Sensibilität, Erregung und Wahrnehmung im Allgemeinen, besonders im Miteinander mit Nicht-Hochsensiblen. Das Buch ist in der 1. Auflage im Via Nova Verlag erhältlich.


Gliederung und Inhalt

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Pfauenauge im Azurblau. Der Titel deutet bereits an, dass es hier darum geht, auf Eigenschaften jenseits der leichten emotionalen Erregung zu schauen.

Das Buch weist insgesamt 12 Kapitel auf und ist im Frage – Antwort Format geschrieben, wobei sich jedes Kapitel einem zentralen Thema zuwendet. Dabei ist jeder Abschnitt, eventuell mit Ausnahme des spirituellen 12. Kapitels, erst mal ein Thema das sich mit sehr alltäglichen Problemen oder auch dem Umgang mit nicht Hochsensiblen Menschen in konkreten Umfeldern wie Beziehung und Beruf auseinandersetzt. Es sind zumeist Fragestellungen, mit welchen sich jeder HSP schon einmal konfrontiert gesehen hat, wie:

  • Wie kann ich sicher sein, dass ich wirklich hochsensibel bin?
  •  Sind hochsensible empathischer als der Durchschnitt?
  • Wie kommt es dass die meisten Hochsensiblen introvertiert sind?
  • Wie erkläre ich meinem Arzt / Therapeuten dass ich HSP bin?


Und auch in diesem Buch finden wir wieder Aufgaben für, oder Fragen an den Leser, Checklisten, Grafiken und eingestreute Anekdoten, welche die Struktur auflockern und zum Mitmachen, Recherchieren oder Nachdenken einladen. Immer wieder werden auch kleine Hinweise auf therapeutische Arbeit und die Aufarbeitung von Verletzungen gegeben. Ich gehe soweit, zu sagen, dass gut ein Fünftel des Buches sich mit verschiedenen Übungen aus dem NLP, Therapien, Abgrenzungsarbeit und Co. befasst. Das Werk ist auf der einen Seite noch konkreter und im Alltag verwurzelter, dabei aber auch deutlich spiritueller und weniger  heiter zu lesen als sein Vorgänger.

Bei etwas über 280 Seiten in einem etwas größeren Din A5 – Format passen auch insgesamt genau 100 Fragen zwischen die Buchdeckel, welche auch allesamt recht ausführlich beantwortet werden. Dazu kommt die weiterführende Quellenangabe zu vielen der Fragen, welche auch recht umfangreiche Verweise und weiteres Informationsmaterial bieten. Man bekommt für knapp 20€ auf jeden Fall eine Menge Inhalt geboten.


Kritik

Direkt positiv fiel mir auf dass Sylvia Harke in ihrem Buch die Wichtigkeit der Familie und Eltern für (nicht nur) hochsensible Kinder und ihre Entwicklung aufzeigt, und auch auf die Nachteile fehlender oder schädlicher Rollenbilder hinweist. Ebenso finden sich Fragen, welche sich mit den unterschiedlichen Ausprägungen von Hochsensibilität bei Jungen und Mädchen, Männern und Frauen beschäftigen. Dies sind Gebiete die meines Erachtens nach zu wenig Beachtung erfahren. Auch die Beschäftigung mit High-Sensation-Seekern und unterschiedlichen Bedürfnissen individueller Menschen, wenn es um Stimulation geht, ist in meinen Augen fundamental für das Verständnis von Sensibilität. Die Abschnitte über BurnOut und Stress sind so umfangreich wie es das Format des Buches eben zulässt, und werden vielen Betroffenen eine Hilfestellung sein sich weiter zu informieren. Auch hatte ich beim Lesen den Eindruck dass die Autorin deutlich ernster im Schreibstil geworden ist. Wir finden wiederkehrend das Element der Schattenarbeit von Carl Gustav Jung in vielen Ansätzen und Absätzen, in welcher es um die Vereinigung mit verdrängten Bewusstseinsinhalten geht. Dies spiegelt sich vielleicht auch gerade im letzten Kapitel wieder, in welchem es um Weltschmerz, Spiritualität und dem Bedürfnis nach Erlösung geht.


Fazit

Auch das zweite Werk von Sylvia Harke ist ein sehr umfassendes Buch, welches die therapeutische Arbeit an der eigenen Vergangenheit im Fokus hat. Das FAQ-Design gefällt mir dabei außerordentlich gut, da jede HSP darin garantiert eine Hand voll Fragen findet, welche man sich schon einmal gestellt hat. Das Buch fühlte sich beim Lesen für mich deutlich geerdeter und trotz der immer wieder auftauchenden spirituellen Themen doch auch mehr am Alltag orientiert an.

Sprechen wir über ADHS

Die vier Buchstaben ADHS lösen bei vielen Lesern wahrscheinlich direkt erst einmal spontane Reaktionen der Ablehnung, Assoziationen mit der Pharmalobby sowie das Bedürfnis Kinder vom Spielplatz ins Haus zu holen aus, damit diese nicht versehentlich von vorbei spazierenden Kinderärzten mit Medikamenten versorgt werden. In der Tat gibt es im Netz etliche Artikel die uns doch schon im Titel suggerieren, dass es ADHS nicht gibt, oder dass Ritalin die gefährlichste Droge der Welt ist. Doch wenn wir uns den Artikeln genauer widmen, sehen wir dass die Autoren weder ADHS als Syndrom, noch Ritalin als Medikament wirklich entkräften können und uns mit ihrer Schlagzeile, als sich verselbstständigendes Schlagwort zurücklassen.
Widmen wir uns also selbst im viel zu kleinen Artikelformat nichts Geringerem als einem Syndrom dass so groß und breit ist, dass man ohne Weiteres Wälzer damit füllen kann: ADHS.


Was ist ADHS?

Das Akronym ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizits- Hyperaktivitätssyndrom. Wir haben es also mit einem Konglomerat aus mehreren zusammenwirkenden Symptomen zu tun, welche im Zusammenspiel ein ganz bestimmtes Syndrom bilden. Diese drei Leitsymptome sind: Beeinträchtigte Aufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Sehen wir uns jeden Bereich einmal genauer an.

Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit
Aufmerksamkeit ist als Begriff für uns so allgegenwärtig, dass man kaum einmal in den Genuss kommt zu hinterfragen, was Aufmerksamkeit eigentlich ist. Es handelt sich bei Aufmerksamkeit um eine begrenzte Ressource, die dazu verwendet wird bestimmte Reize in unserem Bewusstsein abzubilden. Findet diese Abbildung willentlich und auf ein Ziel gerichtet statt, zum Beispiel auf diesen Text, dann spricht man dabei von Konzentration. Soll diese Aufmerksamkeit mobilisiert genutzt werden um einfach nur geistesgegenwärtig auf das Eintreffen eines bestimmten Ereignisses zu warten – zum Beispiel wenn wir im Wartezimmer eines Arztes darauf warten von der Sprechstundenhilfe namentlich aufgerufen zu werden – dann spricht man von Wachheit oder Vigilanz.
Wenn nun also die Fähigkeit betroffen ist die Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum nur auf bestimmte und erwünschte Reize zu richten, und andere Reize zu verdrängen, dann ist damit dieses Kriterium erfüllt.

Hyperaktivität
Der Menschliche Körper bewegt sich ständig, egal ob unser Herz unablässig pumpt, Muskeln unsere Körpertemperatur über das Aufrichten der Körperbehaarung regulieren oder wir selbst im Schlaf noch unbewusste Anstrengungen unternehmen um unserem Partner die Decke zu klauen. Ein großes Maß unserer inneren Vorgänge tragen wir auch automatisch nach Außen, indem wir zum Beispiel während des Sprechens unsere Worte mit Mimik und Gestik untermalen, oder unsere im obigen Beispiel des Wartezimmers vielleicht vorhandene Unruhe während des Lauerns auf die Stimme der Sprechstundenhilfe durch Kauen auf den Fingernägeln ausleben.
Doch wenn der Körper in ständiger Unruhe ist, selbst wenn die Situation es nicht zulässt, der oder die Betroffene angibt immerzu in Unrast oder getrieben zu sein und der Drang nach Bewegung schon nach kurzer Zeit wieder die Oberhand gewinnt, ohne dass man selbst die Kontrolle darüber hat, dann wird aus Aktivität Hyperaktivität.

Mangelnde Impulskontrolle

Impulsivität bezieht sich im Zusammenhang mit ADHS vor allem darauf, dass die Folgen des Handelns nicht bedacht werden und man dem erstbesten Einfall oder Eindruck Ausdruck verleiht. Das klingt erstmal sehr authentisch und wie natürliches Verhalten, allerdings führt mangelnde Impulskontrolle auch dazu dass gehandelt wird, bevor man überhaupt weiß, was getan werden soll, Gefahren unterschätzt werden und man in Gesprächen seine Gesprächspartner unterbricht, da man ob der eigenen inneren Impulse es nicht ertragen kann zu warten.

Ob die Symptome nun als krankhaft beurteilt werden, hängt nicht alleine vom Ausprägungsgrad ab, sondern davon ob die oder der Betroffene selbst überhaupt noch Kontrolle darüber ausüben kann, wenn er oder sie es will. Die Frage danach, ob die eigene Flexibilität und Funktion im Alltag durch psychische Vorgänge gestört wird, ist ein typisches Kriterium für die Diagnose von Störungen.


 

Bei welchen Personen und wann treten diese Beschwerden auf?

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Dadurch dass ADHS nicht gleich ADHS ist gibt es auch kein für alle Betroffenen gleichermaßen wirksames Allheilmittel.

Zumeist denkt man erstmal an Kinder und Jugendliche, die in der Schule oder im Kindergarten nicht stillsitzen können, und deswegen mit Medikamenten ruhig gestellt werden sollen. Doch treten nicht nur die Symptome in unterschiedlichen Ausprägungsgraden auf, so dass wir besonders hyperaktive und unruhige Betroffene auf der einen Seite, und besonders geistesabwesende, unaufmerksame Fälle auf der anderen haben, sondern es scheint auch geschlechtliche Unterschiede zu geben. So dass Mädchen und Frauen vermehrt den unaufmerksamen Typus entwickeln und Jungen sowie Männer durch Impulsivität auffallen.
Nach Ramettekar et al. werden etwas über doppelt so viele Jungen mit ADHS diagnostiziert wie Mädchen, wobei sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede vor allem in der Pubertät ausbilden.

Bei Erwachsenen zeichnet sich ab, dass 60% derjenigen, welche Symptome im Kindesalter zeigen, diese auch als Erwachsene aufweisen.  Das Erwachsenenportal für ADHS verweist darauf, dass bis zu 4,5% der Erwachsenen das ADHS Syndrom aufweisen. Bei Kindern und Jugendlichen werden zwischen 3-7 Prozent angegeben. Diese scheinbar hohen Zahlen werden wir später noch ausführlich diskutieren.

Wichtig ist außerdem, dass die oben genannten Beschwerden sich in mehreren Situationen zeigen, in denen Kontinuität notwendig ist. Sich aber unterschiedlich stark ausgeprägt darstellen, je nachdem ob die Umgebung oder Tätigkeit stimulierend wirkt. Döpfner et al. (2007) schreiben in ihrem Ratgeber ADHS dazu:

Diese Auffälligkeiten sind üblicherweise in verschiedenen Lebensbereichen zu beobachten – also nicht nur in der Familie, sondern auch im Kindergarten oder in der Schule und bei Freizeitaktivitäten mit Gleichaltrigen. Typischerweise treten die Probleme verstärkt in solchen Situationen auf in denen von den Kindern und Jugendlichen eine längere Ausdauer erwartet wird, beispielsweise im Unterricht, bei den Hausaufgaben oder beim Mittagessen. Dagegen kommen diese Auffälligkeiten entweder gar nicht oder nur in verminderter Form vor, wenn sie sich in einer neuen Umgebung befinden oder wenn sie sich einer Lieblingsaktivität widmen.

Döpfner et al.: Ratgeber ADHS


Wie und von wem wird ADHS eigentlich diagnostiziert?

Grundsätzlich sind (Fach-)Ärzte sowie Psychologen dazu in der Lage ADHS anhand der Diagnosemanuale ICD-10 und DSM IV und  Testverfahren zu diagnostizieren. Das ändert aber leider nichts daran, dass nicht jeder Mediziner und Psychologe auch fit darin ist dies zu tun, da nicht jeder eine Routine in Leistungs- und Konzentrationsdiagnostik hat oder Tests auf Teilleistungsschwächen durchführt. Obendrein ist ggf. eine Familienanamnese, Laboruntersuchung oder Entwicklungsstatus angezeigt. Auch ist das Thema sehr umfassend, da die Differentialdiagnostik zu ADHS, wie wir weiter unten sehen werden, sehr breit aufgestellt ist.
Für Betroffene ist es deswegen ratsam sich in die Hände von Spezialisten für dieses Thema zu begeben, auch wenn manchmal lange Wartezeiten damit verbunden sind.

Die Arbeitsgemeinschaft für ADHS der Kinder und Jugenärzte e.V. hat folgende Leitlinien verfasst:

ADHS liegt (nur) vor, wenn

  1. unaufmerksames und impulsives Verhalten mit oder ohne deutliche Hyperaktivität ausgeprägt ist
  2. nicht dem Alter und Entwicklungsstand entspricht und
  3. zu deutlicher Beeinträchtigung in verschiedenen sozialen Bezugssystemen und im Leistungsbereich von Schule und Beruf führt.

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder-und Jugendärzte e.V.


ADHS als Hinweis auf andere Ursachen

Dies wird jetzt wahrscheinlich der längste Abschnitt des Artikels, denn so wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen im Rahmen der Medizin als Allgemeinsymptome gelten, können wir Störungen der Impulskontrolle, Aufmerksamkeit oder Aktivierung als Begleiterscheinungen vieler Störungen und Ursachen finden.

Minderbegabung
Menschen, welche in Intelligenztests Werte erreichen, die geringer Ausfallen als diejenigen des Großteils der Vergleichsgruppe, zeigen auffällig häufig verminderte Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit sowie Impulskontrolle. Deswegen ist Leistungsdiagnostik angebracht um die Person nicht nur durch Förderung zu einer besseren Entfaltung der eigenen Möglichkeiten zu verhelfen, sondern auch um eine Überlastung zu verhindern.

Hochbegabung
Langeweile und Desinteresse, Neigungen zu ausgefalleneren Themen und Nonkonformität können bei Hochbegabten dazu führen, dass sie sich lieber mit etwas Anderem als dem von ihnen Gefordertem zuwenden, unruhig oder sogar aggressiv werden. Auch hier ist wieder eine umfangreiche Diagnostik hilfreich um den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen entgegenkommen zu können.

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Nicht jeder der gerne mal auf einen Baum klettert wird gleich mit dem Stempel ADHS versehen.

Medikamentöse Behandlung
Nicht nur Psychopharmaka sondern auch handelsübliche Medikamente wie Hustensaft, Mittel gegen Übelkeit und Nasenspray können Aufmerksamkeit und Aktivierung beeinflussen. Dieser Einfluss lässt aber auch entsprechend nach Absetzen der Medikamente wieder nach.

Dissoziales Verhalten
Hier zeigt sich hohe Impulsivität mit Wutausbrüchen und aggressiven sowie Störungen im sozialen Umgang. Niedrige Frustrationstoleranz, auffällig hohe Bereitschaft zu streiten und das Bedürfnis gegen Regeln zu verstoßen.

Ängste
Bestimmte Situationen, wie zum Beispiel Prüfungen, können Unruhe, Anspannung und Konzentrationsprobleme verursachen. Die Symptome sind dann wieder aber nur auf die Situation beschränkt und verschwinden, wenn sie überstanden ist.

Stress, traurige Verstimmung und emotionaler Belastung
Eine traurige Stimmung, Stress und emotionale Belastungen – zum Beispiel aufgrund von familiärer Belastung – kann zu Unruhe, Konzentrationsproblemen, Stress und Anspannung führen. Jedoch verschwinden auch hier die Symptome zumeist mit den Problemen.

Autismus
In etwa 6% der Fälle von ADHS soll die Ursache eine Störung aus dem autistischen Spektrum sein (ADHS-Deutschland). Nach Tony Attwoods Complete Guide to Asperger’s Syndrome wird Hyperaktivität in diesen Fällen jedoch durch hohe Level von Stress, Nervosität und neue Umgebungen hervorgerufen.

Hochsensibilität
Elaine N. Aron gibt in Hochsensible Menschen in der Psychotherapie an dass es nicht einfach ist Übererregung aufgrund von Überstimulation und emotionale Reaktivität zu trennen. Ähnlich wie bei Autisten kann somit eine anstrengende Umgebung zu Überreizung und Verringerung der Aufmerksamkeit und zu Unruhe führen. Siehe Reizüberflutung. Meine persönliche Vermutung ist, dass ein großer Teil der unter ADHS aufgeführten Fälle in der Tat eigentlich nicht erkannte HSP sind. Aber was sollte man auf einer Seite mit dem Namen HSP Deutschland auch Anderes erwarten?

Vitamin D Mangel
Goksugur et al. (2014) haben in einer Studie nachgewiesen dass Kinder und Erwachsene mit ADHS Symptomen einen signifikant niedrigeren Vitamin D – Haushalt im Kontrast zur Kontrollgruppe aufgewiesen haben.
Dieser Ansatz klingt aus meiner Sicht sehr vielversprechend.

Eisenmangel
Emily Deans erläutert in einem Artikel in der Psychology Today, dass bei vielen Kindern mit ADHS ein signifikanter Eisenmangel gefunden wurde. Da Eisen ein Baustein von vielen Botenstoffen im menschlichen Körper darstellt, hat sich auch hier eine Besserung der Symptome durch die Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln gezeigt.

Allergien
Laut diesem Beitrag von ADHS-Deutschland wird in der Praxis immer wieder ein Zusammenspiel von Allergieverläufen und ADHS beobachten. Juckreiz, motorische Unruhe und Konzentrationsprobleme können zu Lernschwierigkeiten führen. Im Umkehrschluss bessert aber auch die Behandlung des Syndroms die Stärke der allergischen Reaktionen. Eventuell in diesem Zusammenhang interessant ist auch dass Haut und Nervengewebe aus dem selben Keimblatt, dem Ektoderm, bestehen.

Histaminunverträglichkeit
Die Auswirkungen von Histaminunverträglichkeit sind so umfangreich, dass es nicht verwunderlich ist, dass ADHS-artige Symptome ebenfalls darunter fallen. Wenn man immer wieder mit Verdauungsbeschwerden, Gesichtsrötung oder geschwollenen Schleimhäuten (Nase) zu tun hat ist eine ärztliche Abklärung einen Versuch wert.

Glutenunverträglichkeit
In einer Studie fand Niederhofer heraus dass von 67 Patienten mit ADHS 10 Zöliakie aufwiesen. Nach einer glutenfreien Ernährung zeigte sich eine Besserung ihrer Symptome. Allesio Fasano hat ADHS ebenfalls in seinem Buch Die ganze Wahrheit über Gluten als Effekt von Glutenunverträglichkeit erwähnt.

Schilddrüsenprobleme
Die Schilddrüse ist ein sehr wichtiges Organ, das einen großen Einfluss auf den Hormonhaushalt und Stoffwechselvorgänge ausübt. Eine Überstimulation kann mit Unruhe, Herz-Kreislaufproblemen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie Aggressionen einhergehen.

Eine Schilddrüsenüberfunktion könnte beispielsweise mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder Essstörungen wie einer Magersucht verwechselt werden. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion ist es möglich, dass zunächst eine Depression oder Intelligenzminderung diagnostiziert wird
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?id=32844

High Sensation Seeking
Jeder Mensch hat ein individuelles Erregungsniveau, welches ihn in einem Spannungsfeld zwischen Langeweile und Überforderung hält. High Sensation Seeker benötigen nun etwas mehr Stimulation um der Ödnis des Alltags zu entkommen. In einer Studie haben Geissler et al. (2014) nun herausgefunden dass ADHS-artige Symptome durch das Gehirn künstlich als Kompensationsmechanismus bei Unterforderung und Langeweile geschaffen werden können.

Nahrungsmittel
Wenn die kleine Clara sich jeden Morgen vor der Schule am Kiosk eine Tüte Weingummi kauft und diese mit einer Dose Energy Drink runterspült, dann findet das weder ihre Bauchspeicheldrüse lustig noch ihre Lehrer. In der Tat werden manche Lebensmittelfarben immer noch kritisch beäugt und unter Umständen als bedenklich deklariert, und dass Koffein und Zucker eine aufputschende Wirkung haben brauchen wir hier nicht weiter auszuführen.


 

Ursachen von ADHS

Man könnte den Titel des reißerischen Artikels von Pravda-tv ADHS gibt es nicht nach unseren bisherigen Überlegungen oben jetzt natürlich etwas umformen und verwandeln zu wenn es so viele andere Einflüsse gibt, welche diese Symptome hervorrufen, kann es dann ADHS als unabhängige Störung überhaupt noch geben?
Die Antwort ist ja, denn genetische Untersuchungen im Rahmen einer Studie von Menschen mit ADHS zeigen eine Veränderung der Chromosomen, welche die Erbinformationen enthalten. Und eine Studie von Del Campo et al. (2013) zeigt dass es strukturelle Unterschiede der grauen Substanz bei Menschen mit ADHS gibt. Die Graue Substanz (auch bekannt als Graue Zellen) ist ein großer Bereich des Gehirns der mit Intelligenz, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Sprache in Verbindung steht. Durch die Gabe von Ritalin im Rahmen der Untersuchung wurde auch eine Anreicherung von Dopamin, einem Botenstoff der mit erhöhter Aufmerksamkeit in Verbindung steht, in den Gehirnen gemessen.
Fassen wir beide Studien zusammen, haben wir es bei ADHS mit einer vererbbaren Veränderung der grauen Substanz des Gehirns zu tun.


Probleme die häufig zusammen mit ADHS auftreten

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ADHS kann ein hinweis auf Hoch- wie Minderbegabung sein.

Leider kommt ADHS selten alleine, und so müssen sich die Betroffenen nicht nur mit ihren Symptomen alleine auseinandersetzen sondern auch, oder in bestimmten Fällen insbesondere mit Begleiterscheinungen oder Konsequenzen ihrer Problematik.
Die häufigste Begleiterscheinung nach Döpfner et al. ist oppositionelles und aggressives Verhalten. Was leider ein Kreislauf darstellt, da die Betroffenen (insbesondere Kinder) sich nicht an Regeln halten oder geforderte Aufgaben erledigen, und sich dann mit Familienmitgliedern, Mitarbeitern oder Eltern deswegen streiten. Aus der Streitsituation entsteht dann weiterer Stress, welcher die bereits bestehende Symptomatik verschlimmert und wiederum zu Fehlverhalten führt.
Wenn schlechtere Leistungen erbracht werden als wichtige Bezugs- und Vergleichspersonen sie erbringen, dann führt dies oftmals zu Unsicherheit und mangelndem Selbstvertrauen. Was insbesondere deswegen schade ist, da die Betroffenen sich ansonsten in ihren Begabungen nicht von anderen Menschen unterscheiden und lediglich aufgrund dieser Beeinträchtigung eine Menge Potential verloren geht.
Gerade wenn übermäßige Aggression und mangelnde Impulskontrolle vorliegen, erfahren Menschen mit ADHS häufig Ablehnung von anderen Menschen. Sei es weil sie als Kinder beim Spiel stören, ungelenk sind oder zu Aggressionen neigen. Manche versuchen auch als Kompensation ihrer Impulse oder Unsicherheit andere Kinder zu kontrollieren oder zu manipulieren, was ebenso auf Ablehnung trifft.
Im Erwachsenenalter kommt es nach ADHS-Ratgeber.com oftmals zu Suchtverhalten, da die Kontrolle über das richtige Ausmaß schwerfällt. Auch Depressionen als Ergebnis des bisher durchlebten Leidensweges lassen sich finden.


Fazit

Trotz der scheinbar großen Fülle an aufgelistetem Material ist dieser Artikel hier auf keinen Fall vollständig. Ebenso wie bei BurnOut kann es hier nur eine Annäherung geben, da das Thema so groß und komplex ist. Unter dem Strich bleibt nur der Gang zu Spezialisten, auch wenn viele Fälle von dieser Symptomatik, wie oben aufgelistet, durchaus ihren Ursprung in der (Mangel-)Ernährung haben. Von Bipolarer Störung bis Kryptopyrololurie gibt es ebenso noch dutzende von weiteren Problemen und Krankheiten die ein Mensch aufweisen kann und welche ähnliche Symptome hervorrufen.
Ich wage die Aussage, dass bei einem großen Teil der ADHS – Diagnosen es sich nicht um das reine Syndrom handelt, welches wirklich eine organische Ursache hat, sondern dass die meisten Fälle in viele der anderen Kategorien fallen, die ich weiter oben aufgelistet habe.

Hilfreiche Links:

Ich bitte wie immer darauf zu achten dass das Lesen eines Artikels und das Klicken auf einen Link keine Diagnose ersetzt.

Quellen und Literatur

Buchrezension: Hochsensibel von Eliane Reichardt

Hochsensibel von Eliane Reichardt ist ein Sachbuch über das hochsensible Temperament. Es widmet sich Begriffsbestimmungen und wissenschaftlichen Hintergründen sowie den Zusammenhängen zwischen Reizverarbeitung und subjektivem Erleben sowie dem Umgang mit Alltag und Mitmenschen. Es ist im ersten Quartal 2016 in Erstausgabe im Irisana-Verlag erschienen.


Gliederung und Inhalt

Das Buch ist in zwei große Abschnitte sowie Appendix und Einleitung samt Selbsttest gegliedert, wobei jeder dieser Abschnitte wiederum in einzelne Kapitel unterteilt ist. Der erste Teil widmet sich der Geschichte der Hochsensibilität in Forschung und Kultur sowie der Frage wie wir Hochsensibilität überhaupt bestimmen und was die Besonderheiten im Erleben und Verhalten eigentlich sind.

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Das Coverdesign ist auf der einen Seite unaufdringlich, lenkt auf der anderen Seite dafür aber auch nicht vom Titel ab

In der Tat widmet sich Eliane Reichardt in diesem Abschnitt jeder einzelnen Modalität, also jedem körperlichen Sinnesorgan sowie den Besonderheiten im Rahmen der HS und verschiedenen Formen der Synästhesie welche damit auftreten können, da die Verarbeitung von Reiz-Informationen bei Hochsensiblen durch ihre Physiologie verändert ist. Ebenso geht sie darauf ein, welche Unterschiede es im Denken zwischen HSP und Nicht-HSP gibt, und verweist auf die Zusammenhänge zwischen Hochbegabung, lateralem Denken, Sensation Seeking und Hochsensibilität.
Ein größeres, und in meinen Augen spannendes, Kapitel widmet sich der Wahrnehmung von Sensibilität und den möglichen Problemen Hochsensibler im Verlauf der letzten 50 Jahre. Wir finden hier von den Anfängen der Konsumgesellschaft bis hin zum Informationszeitalter alle möglichen Einflüsse und den Wandel der Wahrnehmung sehr schön beschrieben. In der Tat war dies der Part vom Buch der mir am besten gefallen hat, und wenn man mit einem Augenzwinkern an dieses Kapitel herangeht kann man sich sogar als Kind jener Epoche wiederfinden und sehen, welche Zeitspanne das eigene Denken am nachhaltigsten beeinflusst hat.

Der zweite Abschnitt widmet sich der Frage wie Hochsensible den Alltag meistern können und spricht vom Einkaufsstress bis hin zum Umgang mit Nicht-HSP und Therapie nahezu alle Themen an, welche für HSP eine Relevanz haben könnten. Auch finden wir hier Verweise auf die Wichtigkeit von Gesundheit sowie Ernährung und den Umgang mit Stress. Ich hatte lediglich den Eindruck dass man mehr auf romatische Beziehungen hätte eingehen können, doch das hätte den Rahmen der etwa 250 Seiten wahrscheinlich sehr gesprengt.


Kritik

Was mir ungemein ins Auge gestochen ist, ist die erfrischende Nüchternheit des Buches. Hochsensibel von Eliane Reichardt ist das wahrschenlich unverblümteste und sachlichste Buch zum Thema welches wir zur Zeit auf dem Markt haben. Und das ist gut so, denn genau diese Sachlichkeit benötigt es wenn man ein Thema in der Breite zugänglich machen will. Sie behandelt Hochsensible in ihrem Buch nicht wie exotische Orchideen mit welchen man bei der Bundesgartenschau einen Preis zu gewinnen hofft, sondern als gleichwertige Menschen die aufgrund einer evolutionsbedingen Reizverarbeitung lediglich ein anderes Temperament aufweisen, Menschen die etwas speziellere Bedingungen benötigen um zu erblühen und dafür aber auch einen gewichtigen Beitrag zu einem angenehmen Klima leisten können.
Der Abschnitt über die High-Sensation-Seeker war für mich nochmals sehr aufschlussreich, da dieses Thema bei Hochsensibilität oftmals außen vor bleibt (zurecht, da dieser Anteil der Bevölkerung sehr gering ist). Einzig und alleine über Hochsensibilität in der Liebe hätte ich mir noch ein wenig mehr Inhalt gewünscht, aber darüber haben auf der anderen Seite bereits mehrere Autoren sich im Überfluss geäußert.


Fazit

Dieses Buch hat das Potential das neue Standardwerk für Hochsensiblität im deutschsprachigen Raum zu werden. Es ist ein sehr gut recherchiertes Sachbuch das man bedenkenlos auch zum Erklären davon was HS eigentlich ist an seine Liebsten verschenken oder weiterempfehlen kann. Es ist sachlich ohne zu fachlich zu werden und nüchtern ohne sich selbst zu paraphrasieren oder langweilig zu werden.

 

Denken versus Fühlen

Dieses Thema kann für hochsensible Personen unserer Zeit einer der intensivsten Konflikte überhaupt sein. Wir bewegen uns damit auf einem Feld das dominiert wird von Missverständnissen über Denken und Fühlen. Sowie Annahmen darüber, wie Menschen per se Denken und Fühlen, welche dann wiederum zu Bewertungen und Missverständnissen zwischen den Anders- Denkenden und Fühlenden führen. Klingt komisch, ist aber eigentlich sogar noch komplizierter. Doch versuchen wir heute einfach mal zu schauen, wie insbesondere HSP von Gedanken über das Denken und einem aktiven Umgang mit Gefühlen profitieren können.


Der scheinbar unlösbare Konflikt

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Niccolò Machiavelli ist mit vielen seiner Hypothesen weitaus mehr pragmatisch als empathisch, doch erkennt er in „Der Fürst“ zumindest die Fähigkeit, vielleicht auch den Wert von Empathie an.

Jeder sieht, was du scheinst. Nur wenige fühlen, wie du bist“ schreibt Niccolò Machiavelli in „Der Fürst“ und weist damit darauf hin, wie leicht doch Menschen durch ihren Verstand und den Schein über die eigene Person in die Irre zu führen sind. Nur über die Empathie scheinen wir Zugriff auf die Persönlichkeit hinter der Präsentation zu bekommen. Der Streit wird auch auf körperlicher Ebene fortgeführt: Von unserem bildlichen Verständnis her sind das Gehirn oder der Kopf als Denkapparat und unser Herz oder Bauch als Sitz unserer Emotionen an unterschiedlichen Plätzen im Körper verortet und voneinander getrennt.
Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass Fühlen und Denken als oft als unvereinbare Gegensätze wahrgenommen werden? Dort wo Denken mit dem analysieren von Fakten und dem vernünftigen Handeln nach einer Bewertung der einzelnen Bestandteile eines Problems assoziiert werden kann, scheint es oftmals so zu sein, dass dem Fühlen ein Wissen zugeschrieben wird, welches ohne diese intentionale Anstrengung abgerufen werden kann und zu ebenso guten, manchmal aber auch zu besseren Ergebnissen führen kann, als es der verstandesmäßigen Auseinandersetzung mit einer Fragestellung möglich wäre.

Widmen wir uns also erstmal dem Denken, um in Erfahrung zu bringen, wo die Unterschiedlichkeit ihren Ursprung hat.


Denken

Fangen wir direkt einmal mit einer Definition von Denken an:

[Denken ist] das verstandesmäßige Erfassen von Eindrücken und Zusammenhängen, das zu Schlußfolgerungen und Urteilen führt. […]
Psychology48.com

Es gibt noch weitere Definitionen, wenn es um spezielle Bereiche des Denken geht, doch diese Definition zeigt sehr gut auf, dass Wahrnehmung, Informationsverarbeitung und Denken miteinander in Verbindung stehen. Wir haben hier sogar gleich zwei Bereiche in denen HSP eine intensivere Auseinandersetzung erfahren, nämlich das Wahrnehmen von Eindrücken und das Erkennen von Zusammenhängen. Vielleicht wird jetzt auch deutlich warum für Hochsensible eine Auseinandersetzung mit Denken per se eine fruchtbare Angelegenheit sein kann.
Wenn wir erkennen, dass unser Denken von eben unserer eingehenderen Wahrnehmung gespeist wird und die Zusammenhänge, welche wir aufgrund der differenzierteren Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Quellen wahrnehmen können, in Denkprozesse einfließen, dann lässt sich zum Beispiel leicht erklären, wie wir es schaffen, durch schiere Beschäftigung mit Themen in größere Aufregung zu verfallen und dabei schneller erschöpfen. Auch finden wir hier Gründe, warum unsere Schlussfolgerungen manchmal von Nicht-HSP nicht nachvollzogen werden können, oder aber eine ausführlichere Erläuterung vieler unser Vorannahmen erfolgen muss, um das Endergebnis unserer Schlussfolgerungen erklärbar zu machen.

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Denken wird oft gleichgesetzt mit den logischen Prozessen, welche von Prozessoren durchgeführt werden. Und obwohl es zwischen der Funktionsweise des Gehirns und einem Prozessor durchaus Parallelen gibt, bedeutet es nicht dass Denken ein mechanistischer Prozess ist.

Eine so einfache Definition wie die obige kann für uns HSP bereits der Schlüssel sein, Denken in einem völlig neuen Licht erscheinen zu lassen.
Denn was aus diesem Prozess doch überhaupt bisher gar nicht ausgeklammert wurde, und was eben häufig auch der Grund für Missverständnisse ist, ist dass die Wahrnehmung eben als Gegenstand mit in unser Denken einfließt. Und Wahrnehmung ist eben für HSP wegen ihrer Intensität von so außerordentlicher Wichtigkeit – und mit etwas Verständnis dafür dass Wahrnehmung auch Rückschlüsse auf die Einstellung einer Person zu einem Gegenstand zulässt, zeigt sich hier doch schon, dass Denken kein objektiver, „herzloser“ Prozess ist.
Natürlich ist das Ergebnis unserer Schlussfolgerungen dann auch etwas auf dass wir stolz sein können, denn immerhin ist in unser Denken unsere Erfahrung und unser Wissen eingeflossen, und das Ergebnis spiegelt zu einem gewissen Grad unsere Werte wieder.

Objektivität

Dass ein Konflikt zwischen Denken und Fühlen, wahrgenommen wird liegt vielleicht eher daran, dass es Bereiche, namentlich im wissenschaftlichen Arbeiten, gibt, wo Schlussfolgern und Denken Regeln folgen. Regeln auf persönliche Erfahrungen oder schlimmer noch Gefühle und intuitives Wissen anzuwenden erscheint den meisten HSP wahrscheinlich erst einmal extrem suspekt, doch sind diese Maßgaben auch für etwas komplett anderes gedacht als die individuelle Erfahrung eines Menschen abzuwerten.
Bestimmte Gesetzmäßigkeiten sollen lediglich ein Verstehen ermöglichen, von dem mehr als nur wir selbst profitieren können. Die Existenz von Regeln für bestimmte Bereiche des wissenschaftlichen Arbeitens und damit Denkens kann zwar wirken, als wäre es mechanistisch und kalt, aber gerade moderne Wissenschaftler wie Neurobiologe Sam Harris (End of Faith) weisen auf die die Sinnstiftung hin, welchen wir durch individuelle Interpretation unserer Erfahrungen gewinnen können, und dass uns natürliche Fähigkeiten wie Empathie und das Bedürfnis nach Antworten und einem sinnerfüllten Leben als ganze Spezies verbindet. Wir HSP vergessen ob der Tiefe unserer Wahrnehmung und unseres Erlebens leider oftmals ebenso gut, dass Normalsensible keine Maschinen sind. Doch gerade introvertierte HSP können vielleicht  auch die Lust und den Genuss einer Denkaufgabe und beim Verknüpfen von verschiedenen, oberflächlich betrachtet eigentlich nicht zusammenhängenden Sachverhalten sehr gut nachvollziehen.


Fühlen

Der Begriff „Gefühl“ (engl. feeling) steht im Deutschen für eine enge Definition von Emotion, die die subjektive Erlebensqualität als ein Teil der Emotion in den Mittelpunkt rückt.
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Das Herz ist als Symbol in unseren Breitengraden der Inbegriff für gefühlsmäßige und wohlwollende emotionale Regungen

Der berühmte Ausspruch von Antoine de Saint-Exupéry „Man sieht nur mit dem Herzen gut“ aus „Der kleine Prinz“ löst wahrscheinlich auch jetzt gerade wohlwollendes Nicken bei den meisten, dieses Zitat lesenden HSP aus.
Auf Ebene der Gefühle ist aber auch eine Menge los im Menschen:
Stimmungen bezeichnen eine grundlegende Ausgerichtetheit von Emotionen, welche wie die tiefen Strömungen unter der Meeresoberfläche sogar entgegengesetzt zu den sichtbaren Wellen sein können. Meta-Gefühle können durch Erinnerungen oder Vorstellungen geweckt werden und haben vielleicht mit der akuten Situation gar nichts zu tun, doch sind sie in der Lage unsere Erinnerungen so lebendig werden zu lassen, dass das Hier und Jetzt weit in den Hintergrund rückt. Körperliche Zustände wie Schmerzen, Hunger, Überreizung und Krankheit können uns traurig oder aggressiv werden lassen, ja sogar gereizt ganz gegen unsere normalen Emotionen und Einstellungen fühlen und handeln lassen. Doch zwischen all diesen emotionalen Bewegungen finden wir dann auch noch zu guter Letzt das Gefühl, als körperliches Empfinden in unserem Inneren, welches an eine Vorstellung oder Gedanken gebunden sein kann.
Gerade weil Hochsensible diese individuellen Gefühle so intensiv wahrnehmen, und wissen, wie sehr uns eine Empfindung mitreißen kann, sind wir oftmals umso umsichtiger mit unserem Verhalten und mit Worten.
Doch all diese Emotionen basieren häufig auf unseren früheren Erfahrungen und spiegeln sich in unserer Einstellung zu  bestimmten Menschen, Themen und Objekten wieder. Wir sind dadurch praktischerweise oft in der Lage schnell aus dem Bauch heraus Entscheidungen zu fällen oder ein Urteil abzugeben oder zu handeln. Gefühle helfen uns also deswegen dabei Entscheidungen im Alltag zu treffen, da sie oft auf Einstellungen beruhen, welche sich in der Vergangenheit bewährt haben.


Hassliebe Denken

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Denken tritt selten alleine auf und bedient sich oft der Erfahrung um eine Situation oder ein Problem zu bewältigen. Selbst beim Schach.

Obwohl wie wir weiter oben schon festgestellt haben HSP eine Veranlagung zum gründlichen Überdenken vieler Themen haben, mögen wir es manchmal nicht, wenn bestimmte Themen genauer beleuchtet werden. Dabei dominiert lediglich in sehr speziellen Situationen wie Forschung oder künstlerischer Tätigkeit das regelgeleitete Denken oder ein rein gefühlsbetonter Ausdruck. Doch trotzdem gibt es gerade wenn es um individuelle Gefühle  oder besonders gefühlsbeladene Themen wie Liebe oder Spiritualität geht, bei HSP oft die Angst davor etwas „kaputt zu analysieren“.  Vielleicht ist diese Angst aber auch gar nicht so sehr daran geknüpft, dass ein Prinzip, welches uns wichtig ist, nicht die Wertschätzung erfährt, die wir diesem Prinzip gerne zukommen lassen wollen. Sondern es ist die Angst davor, dass die Vorstellungen, welche wir von etwas haben bei genauerer Betrachtung die Erwartungen, welche wir daran haben vielleicht gar nicht in diesem Ausmaß für uns, oder aber auch für andere erfüllen kann.
Und ja, wir HSP lieben oft unsere kleinen geistigen Enklaven und Luftschlösser, denn sie sind ein Trostpflaster für die blauen Flecken der scheinbar so rüpelhaften, verkopften Ellenbogengesellschaft. Eine Fatamorgana kann ein echter Durstlöscher sein, wenn man das Gefühl hat emotionale Durststrecken durchleiden zu müssen.


Der goldene Mittelweg: Die Intuition

Für viele HSP ist Intuition so etwas wie ein manifest gewordener Beweis für die Überlegenheit der Spontaneität und des Gefühls gegenüber dem rein verstandesmäßigen  Denken. Doch stellt Intuition eigentlich einen großartigen Konsens aus Denken und Fühlen dar. Denn die rasend schnellen Schlüsse der Intuition wären ohne unser Vorwissen und vorangegangene Auseinandersetzung mit ähnlichen Situationen gar nicht möglich.

[Hinter Intuition] verbirgt sich […]  häufig eine spontane und rasche Mustererkennung und das meist unbewusste Abrufen von Erfahrungswissen
Lexikon.Stangl.eu

Unsere Intuition kann auf mehr Erfahrung und unser Vorwissen zurückgreifen und bezieht sogar Verknüpfungen mit ein, über die wir uns im Zusammenhang mit unserer Fragestellung selbst noch nicht den Kopf zerbrochen haben. Doch liegt sie mitnichten immer richtig.  Wir HSP freuen uns ja auch nicht umsonst wie verrückt, wenn jemand anderes eben die selben Ideen und spontanen Einfälle und Gefühle sowie Gedanken wie wir selbst hat – denn all diese Vorgänge sind zumeist sehr subjektiv und im Großteil der Situationen erst einmal nur für uns alleine zugänglich.
Und so stellt doch die Intuition ein ganz wundervolles Beispiel dafür da, wie Denken und Fühlen Hand in Hand gehen um uns den Umgang mit Problemen und dem Alltag zu erleichtern. Es geht letzten Endes also selbst für unser Gehirn gar nicht so sehr darum, dass wir immer Recht behalten müssen um unser Leben bestreiten zu können. Sondern dass wir zumindest das Gefühl haben, dass sich unser Denken und unsere Erfahrung jeden Tag aufs Neue bewähren können. Und das schmeichelt sowohl dem Kopf als auch dem Herz.


Quellen und Literatur

10 potentielle Vorteile der Hochsensibilität

Jenseits von Reizüberflutung und Weltschmerz bietet die Hochsensibilität das Potential zu einem lustvollen und intensiven Leben und Erleben, welches vom Genuss des Wahrnehmens und Freude an der Welt geprägt ist. Die Vorteile dieser Veranlagung sind, auch wenn sie manchmal unscheinbar wirken mögen, und bei jeder und jedem Hochsensiblen unterschiedlich ausgeprägt sind, es dennoch wert, dass wir mal einen genaueren Blick darauf werfen. Hier heute also 10 potentielle Vorteile von hochsensiblen Menschen.


1. Positive Gefühle werden stärker wahrgenommen

Schmetterlinge im Bauch? Freude die so intensiv und hell wie die Sonne strahlt? Als HSP verfügt man bei einer ausgewogenen Mischung aus Reizen und der richtigen Stimmung über ein Innenleben dass so übervoll sein kann, dass man jemand anderen, mit dem man sein Innenleben teilen kann schon fast braucht, um nicht vor Intensität zu explodieren. Kein Wunder dass sich viele HSP zur Kunst hingezogen fühlen, um ihr Erleben in irgendeiner Form anderen Menschen nahe zu bringen.


2. Auge für Details

Die zusätzlich wahrgenommenen Details führen zu einem exakteren Gesamtbild und bieten die Möglichkeit dazu, Schlüsse zu ziehen, die auch kleinere Feinheiten berücksichtigen. Doch auch den filigranen Nuancen von Kunst, der Natur, und von anderen sinnlichen Genüssen kann man als HSP potentiell mehr abgewinnen. Die Gratwanderung zwischen Überforderung und Genuss ist nicht immer einfach zu bewältigen, gerade in Stresssituationen. Ebenso ist nicht jeder Sinn bei jeder oder jedem Hochsensiblen gleichermaßen von der hohen Auflösung der Details betroffen, doch gerade die Sinne, welche am stärksten auf Überreizung reagieren können einen guten Anhaltspunkt darauf geben, über welchen Kanal die meisten Informationen verarbeitet werden.


3. Kreativität

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Mit dem Gesamtbild vor Augen erkennt es sich leicht, dass jedes Teil wichtig ist

Eine größere Menge an aufgenommenen und verarbeiteten Reizen hat auch die Möglichkeit, ähnliche Eindrücke aus der Vergangenheit abzurufen, welche dann mit den neuen Impulsen verknüpft werden. Dadurch entstehen dann wieder neue Anreize welche, die Vorstellungskraft ankurbeln und potentiell wieder zu neuen Schlüssen und Ideen führen können. Ja, dieser schöpferische Aspekt der Kreativität ist es, der viele HSP, vielleicht zusammen mit dem Versprechen alleine und in Ruhe arbeiten zu können, am Beruf des Künstlers fasziniert. Eben auch dieses Erschaffen, Erkennen und Entdecken von etwas Neuem aus dem eigenen Inneren heraus kann hochsensible Menschen sich so lebendig fühlen lassen, dass eher profane Belange dahinter weit zurücktreten.


4. Idealismus

Viele HSP sind ausgeprägte Idealisten und haben aufgrund ihrer Empathie oder ihren Überlegungen moralische Prinzipien, welche das Wohl von möglichst vielen Lebewesen, mit denen sie sich identifizieren können, im Blick haben. Auch komplexere, eher diffuse oder erspürte Wertvorstellungen wie eine Verbundenheit mit dem Leben als solches sind möglich. Die Welt ist mit Sicherheit kein utopischer Ort, doch idealistische Vorstellungen davon, wie Leben möglich ist und sein könnte, wenn diese oder jene Bedingung erfüllt wäre, kann dazu motivieren, die Utopie ein kleines Bisschen realer werden zu lassen.


5. Ausgeprägtere Empathie

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Egal ob bei Menschen oder Tieren, viele HSP haben eine ausgeprägt Empathie und freuen sich zum Beispiel auch, wenn sie einen fröhlich aussehenden Hund anschauen.

Kleine, nonverbale Äußerungen von Emotionen oder Stimmungen welche vielleicht in alltäglichem Gebaren untergehen würden, können viele HSP aufschnappen und verarbeiten. Auch fällt es uns oft leicht die Standpunkte oder zumindest die Gefühle von anderen Menschen, mit denen wir uns auch identifizieren möchten, nachzuerleben. Doch selbst wenn die Empathie als Fähigkeit nicht so stark ausgeprägt sein sollte, wissen dennoch viele Hochsensible um die Wichtigkeit von Mitgefühl und räumen zumindest der Idee der Wertschätzung der Emotionen und des Erlebens von Mitmenschen Platz ein.
Doch auch die von HSP fast immer stark wahrgenommenen Gefühle spielen eine Rolle bei Empathie. Genauer gesagt, beim emotionalen Nacherleben von Gefühlen anderer Menschen. Denn umso stärker wir unsere eigenen Emotionen erspüren können, umso besser nehmen wir auch die in uns als Antwort auf das Erleben der Gefühle unserer Mitmenschen erschaffenen empathischen Antworten wahr. Mehr dazu hier.


6. Erhöhte Intuition

Intuition bedeutet dass wir in der Lage sind Schlüsse aus Wissen zu ziehen, auch wenn wir die Reize zu diesem Wissen gerade überhaupt nicht als Gedanken im Bewusstsein haben. Durch Gefühle, welche mit ähnlichen Reizen oder Erinnerungen verknüpft sind, werden die Reize zu unserer jetzigen Situation oder Fragestellung als Bauchgefühl oder Intuition aufgearbeitet und erlauben uns ein schablonenhaftes Schließen, das sich Dank der größeren Masse an vergleichbaren Reizen auch als richtig erweisen kann – aber nicht automatisch muss.


7. Gewissenhaftigkeit und Perfektionismus

Perfektionismus kann ein Zeichen für Versagensangst und das Bedürfnis nach Anerkennung sein, aber auch ein positiver Nebeneffekt der Tatsache, dass mehr Details in der Bearbeitung einer Aufgabe wahrgenommen werden. Deswegen haben auch Situationen, wo Normalsensible eher etwas technisches, wie ein Puzzle mit 1000 Teilen sehen, für viele HSP einen organischen Touch, und das Bedürfnis es nicht nur einem Projekt oder einem Termin, sondern auch den Mitarbeitern oder Mitmenschen gerecht zu werden fließen in die Betrachtung mit ein.


8. Besseres Gespür für Schmerzen und Krankheit

Schmerzen sind auch Reize. Wenn also weniger Reize herausgefiltert werden, dann klingt es vielleicht erstmal wie ein Nachteil, da HSP auch ihre Schmerzen stärker wahrnehmen. Doch hat es auch Vorteile, da man die eigenen körperlichen Grenzen früher auslotet, und auch früher erkennen kann, wenn man dabei ist, über die Strenge zu schlagen. Die frühen Symptome eines grippalen Infekts sind vielleicht lästig, aber wenn man Kopf- und Gliederschmerzen eher wahrnimmt, kann man sich auch umso früher in Behandlung begeben und zuhause auskurieren.


9. Gespür für Harmonie

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Zur richtigen Zeit, die richtige Zusammensetzung. Das ist Harmonie

Das Auge für Details kann sich auch darin widerspiegeln, dass man genau die fehlenden Puzzleteile erkennt, die notwendig wären um einen perfekten Gesamteindruck herzustellen. Sei es, dass man bei einem leckeren Abendessen genau den richtigen Wein nennen kann, oder aber dass man erkennt, welcher Mitarbeiter entlastet werden müsste, damit eine Abteilung als Ganzes runder läuft. Harmonie hat viel mit Intuition und dem Bauchgefühl zu tun, weil hier Annahmen und Erfahrung mit den Anforderungen des Augenblicks zusammentreffen. Doch wenn hochsenible Menschen mit einem derartigen Interesse für Harmonie sich intensiv mit einem Thema befassen, welches vom Gesamteindruck profitiert, dann können sie nicht nur viel Freude daraus ziehen, sondern auch tolle Ergebnisse erzielen.


10. Sinn für Nachhaltigkeit und Umsichtigkeit

Es ist ein gar nicht so kleines Detail, dass Ressourcen begrenzt sein können, weswegen es auch HSP gibt, welche sich um die nachhaltige Nutzung davon sorgen. Egal ob es um fossile Rohstoffe geht, den Schutz von Biotopen oder die gleichmässige Verteilung des Wohlstands und die Vermeidung von Verschwendung, hochsensible Menschen mit dieser Ausprägung sorgen sich um die langfristigen Auswirkungen und weitreichenden Folgen unserer Zivilisation.


Quellen und Literatur