Asperger

Buchrezension: Sylvia Harke – Hochsensibel ist mehr als zartbesaitet

Der Nachfolger von Hochsensibel – Was tun?  ist ebenfalls ein Sachbuch über Hochsensibilität von Sylvia Harke, welches im Kontrast zum Vorgänger strukturiert einzelne Abschnitte des alltäglichen Lebens in Form von 100 Frequently Asked Questions behandelt. Hier geht es um sehr grundlegende Fragen der Sensibilität, Erregung und Wahrnehmung im Allgemeinen, besonders im Miteinander mit Nicht-Hochsensiblen. Das Buch ist in der 1. Auflage im Via Nova Verlag erhältlich.


Gliederung und Inhalt

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Pfauenauge im Azurblau. Der Titel deutet bereits an, dass es hier darum geht, auf Eigenschaften jenseits der leichten emotionalen Erregung zu schauen.

Das Buch weist insgesamt 12 Kapitel auf und ist im Frage – Antwort Format geschrieben, wobei sich jedes Kapitel einem zentralen Thema zuwendet. Dabei ist jeder Abschnitt, eventuell mit Ausnahme des spirituellen 12. Kapitels, erst mal ein Thema das sich mit sehr alltäglichen Problemen oder auch dem Umgang mit nicht Hochsensiblen Menschen in konkreten Umfeldern wie Beziehung und Beruf auseinandersetzt. Es sind zumeist Fragestellungen, mit welchen sich jeder HSP schon einmal konfrontiert gesehen hat, wie:

  • Wie kann ich sicher sein, dass ich wirklich hochsensibel bin?
  •  Sind hochsensible empathischer als der Durchschnitt?
  • Wie kommt es dass die meisten Hochsensiblen introvertiert sind?
  • Wie erkläre ich meinem Arzt / Therapeuten dass ich HSP bin?


Und auch in diesem Buch finden wir wieder Aufgaben für, oder Fragen an den Leser, Checklisten, Grafiken und eingestreute Anekdoten, welche die Struktur auflockern und zum Mitmachen, Recherchieren oder Nachdenken einladen. Immer wieder werden auch kleine Hinweise auf therapeutische Arbeit und die Aufarbeitung von Verletzungen gegeben. Ich gehe soweit, zu sagen, dass gut ein Fünftel des Buches sich mit verschiedenen Übungen aus dem NLP, Therapien, Abgrenzungsarbeit und Co. befasst. Das Werk ist auf der einen Seite noch konkreter und im Alltag verwurzelter, dabei aber auch deutlich spiritueller und weniger  heiter zu lesen als sein Vorgänger.

Bei etwas über 280 Seiten in einem etwas größeren Din A5 – Format passen auch insgesamt genau 100 Fragen zwischen die Buchdeckel, welche auch allesamt recht ausführlich beantwortet werden. Dazu kommt die weiterführende Quellenangabe zu vielen der Fragen, welche auch recht umfangreiche Verweise und weiteres Informationsmaterial bieten. Man bekommt für knapp 20€ auf jeden Fall eine Menge Inhalt geboten.


Kritik

Direkt positiv fiel mir auf dass Sylvia Harke in ihrem Buch die Wichtigkeit der Familie und Eltern für (nicht nur) hochsensible Kinder und ihre Entwicklung aufzeigt, und auch auf die Nachteile fehlender oder schädlicher Rollenbilder hinweist. Ebenso finden sich Fragen, welche sich mit den unterschiedlichen Ausprägungen von Hochsensibilität bei Jungen und Mädchen, Männern und Frauen beschäftigen. Dies sind Gebiete die meines Erachtens nach zu wenig Beachtung erfahren. Auch die Beschäftigung mit High-Sensation-Seekern und unterschiedlichen Bedürfnissen individueller Menschen, wenn es um Stimulation geht, ist in meinen Augen fundamental für das Verständnis von Sensibilität. Die Abschnitte über BurnOut und Stress sind so umfangreich wie es das Format des Buches eben zulässt, und werden vielen Betroffenen eine Hilfestellung sein sich weiter zu informieren. Auch hatte ich beim Lesen den Eindruck dass die Autorin deutlich ernster im Schreibstil geworden ist. Wir finden wiederkehrend das Element der Schattenarbeit von Carl Gustav Jung in vielen Ansätzen und Absätzen, in welcher es um die Vereinigung mit verdrängten Bewusstseinsinhalten geht. Dies spiegelt sich vielleicht auch gerade im letzten Kapitel wieder, in welchem es um Weltschmerz, Spiritualität und dem Bedürfnis nach Erlösung geht.


Fazit

Auch das zweite Werk von Sylvia Harke ist ein sehr umfassendes Buch, welches die therapeutische Arbeit an der eigenen Vergangenheit im Fokus hat. Das FAQ-Design gefällt mir dabei außerordentlich gut, da jede HSP darin garantiert eine Hand voll Fragen findet, welche man sich schon einmal gestellt hat. Das Buch fühlte sich beim Lesen für mich deutlich geerdeter und trotz der immer wieder auftauchenden spirituellen Themen doch auch mehr am Alltag orientiert an.

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Buchrezension: Hochsensibel – Was tun? Von Sylvia Harke

Hochsensibel – Was tun? ist ein Sachbuch über Hochsensibilität von Diplom-Psychologin und Coach Sylvia Harke. Sie widmet sich in diesem Buch vielen Themen welche einen speziellen Bezug zum emotionalen Erleben in zwischenmenschlichen Beziehungen und Stresssituationen haben, sowie der Aufarbeitung vergangener Ereignisse und der Abgrenzung von Hochsensibilität und anderen Dispositionen oder Störungen. Das Buch ist in der 6. Auflage im Via Nova Verlag erhältlich.


Gliederung und Inhalt

Buchcover Sylvia Harke 1

Ein zartes Pastellorange und eine ikonische Feder empfangen uns mit zärtlichen Eindrücken zu einem Buch dessen zentrale Themen es dennoch in sich haben.

Das Erste was einem auffällt, wenn man sich die Struktur von Hochsensibel – was tun? anschaut, ist, dass die Autorin was tun? wörtlich nimmt und diese rhetorische Frage tatsächlich beantworten will. Das Buch ist daher strukturiert und stellenweise auch illustriert  wie ein Survival-Ratgeber von Rüdiger Nehberg, welcher Leser wie Leserin dabei helfen soll im urbanen Dschungel von Alltag und dem Dickicht der emotionalen Wirrungen nicht die Orientierung zu verlieren. Dazu vermittelt sie Strategien, welche von Checklisten über Meditationen, der Arbeit mit Affirmationen und dem Aufschlüsseln der Persönlichkeitseigenschaften von Freunden und Verwandten reichen.
Auch wenn das Buch in sechs Kapitel unterteilt ist, finden sich beim Lesen zwei große Themengebiete, nämlich  Vergangenheitsbewältigung und Zwischenmenschliches. Ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal sogar ist im erstgenannten Abschnitt der große Anteil von Informationen über und Anleitungen zur Aufarbeitung von zurückliegenden emotionalen Verletzungen und Wahrnehmung von Glaubenssätzen. Das ist deswegen ein sehr wichtiger Ansatz, da das Thema noch sehr jung ist, und viele HSP erst im Alter eine Erklärung für ihr Erleben finden, und nun aus dieser neuen Perspektive ihre früheren Erfahrungen neu bewerten müssen. Themen wie Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und das Annehmen der eigenen Wahrnehmung stehen hier im Vordergrund, aber auch der Umgang mit Geschlechtsstereotypen und Sensibilität sowie das Erkennen der eigenen Bedürfnisse.
Der zweite zentrale Themenblock beschäftigt sich mit Hochsensibilität in allen möglichen sozialen Situationen, von Partnerschaft über Arbeit bis hin zu Familie, und auch die Betrachtung von hochsensiblen Kindern und ihren Bedürfnissen. Spannend ist hier dass Sylvia Harke den alten Klassiker der destruktiven Beziehung zwischen Narzissten und HSP aufgreift, und genauer erläutert, welche Dynamiken sich im Hintergrund abspielen. Aber auch andere eher problematische Beziehungen werden angeschnitten. Generell werden Liebe und Partnerschaft viele Zeilen gewidmet.

Es wäre Falsch zu sagen dass diese beiden Kernthemen durch Fragestellungen rund um Gesundheit, Stress, BurnOut und sogar der Abgrenzung von HS von ADHS und Autismus lediglich abgerundet werden. Denn Dank knapp 350 Seiten in einem etwas größeren Buchformat werden auch alle weiteren Themen nicht nur angeschnitten, sondern auch moderat vertieft.


Kritik

Ich stelle mir bildlich vor wie Sylvia Harke beim Planen der Inhalte des Buches mit einem Klemmbrett oder Notizbuch im Schaukelstuhl sitzt, mit einer Katze auf dem Schoß, und sich überlegt welche Themen des Alltags für HSP eine gewichtige Rolle spielen. Es kann meine Einbildung sein, aber das Buch macht einen sehr geplanten Eindruck, dessen zentralen Themen sich aus wiederkehrenden Fragestellungen aus Sylvias Arbeit als Coach hergeleitet haben.

Die Abschnitte über die Verwechslung von Asperger, ADHS und HS sind in meinen Augen ein sehr wichtiger Teil, der wahrscheinlich leider zu wenig Aufmerksamkeit von der Leserschaft erhalten wird. Ebenso spannend finde ich es, dass Sylvia Harke und ich unabhängig voneinander die Gefahr des hochsensiblen Idealismus am Arbeitsplatz in eine BurnOut-Problematik abzurutschen aufgreifen. Das ist ebenfalls ein Thema welches zu wenig Aufmerksamkeit erfährt.
Summa Summarum ist Hochsensibiltät – was tun? das Werk für nahezu alle Hochsensiblen, aber insbesondere für diejenigen, welche eine Menge Emotionen aufzuarbeiten haben und Ballast aus der Vergangenheit mit sich tragen. Es gibt nur wenige Themen welche Sylvia Harke in diesem Buch nicht bearbeitet hat, so dass von existenzieller Angst bis hin zu spirituellen Fragen in Paarbeziehung nahezu alles vorhanden ist. Meine einzige Rüge wäre, dass man trotz des sehr warmherzigen Schreibstils keinesfalls den Trugschluss ziehen sollte, dass das Aufarbeiten der Vergangenheit oder die Arbeit mit EMDR – einer Technik zur Traumabewältigung – ein Spaziergang im Park wären. Es ist ein umfassendes und informationsgeladenes Buch mit einer nahezu unüberschaubaren Fülle an Methoden und Techniken, dass in meinen Augen durch seine liebevolle Aufmachung und Schreibweise etwas darüber hinwegtäuscht, dass potentiell sehr aufwühlende und schmerzhafte Themen behandelt werden.


Fazit

Hochsensibel – Was tun? wird wie kaum ein anderes Buch der Tatsache gerecht dass viele HSP erst im Alter mit ihrem Temperament konfrontiert werden, und sich oftmals in ihrem Leben von der Umwelt bedroht und von Mitmenschen nicht verstanden gefühlt haben.
Der Schreibstil ist wohlmeinend warmherzig und sanft, und trägt sicher einen Teil dazu bei dass gerade sehr verwundete HSP sich sicher und angenommen fühlen können, wohingegen die Vielzahl der Techniken einen Weg aus den Wirrungen ihrer Innenlebens weisen sollen. Doch darf man sich nicht darüber hinwegtäuschen lassen dass  bei diesem Buch durchaus auch Themen aufgegriffen werden, die durch Selbstreflexion und Aufarbeitung letzten Endes eine Therapie nach sich ziehen können.

Extrovertierte und introvertierte Hochsensibilität

Klassischerweise stellt man sich einen HSP als in sich gekehrten Denker oder Denkerin vor, der aus fast jedem Moment der Stille eine Form der Meditation gestalten kann. Vielleicht ist er oder sie in einem bequemen Sessel geschmiegt, natürlich bei gedämmtem Licht, und in eine Decke gehüllt, und mit einem Buch gewappnet.
Eine Tasse Tee neben sich stehend widmet man dem Geist die geschriebenen Zeilen vor sich, und ergänzt das kniffelige Puzzle seiner komplexen, inneren Welt. Würde diese Person angesprochen werden, würde sie vielleicht hochschrecken und müsste erst einmal die Gedanken neu sortieren.


Der introvertierte Hochsensible

Hochsensible Menschen sind dafür bekannt, dass sie ständig neue Reize benötigen und eine große Bandbreite an Informationsquellen benutzen, um ihre dichten, neuronalen Netzwerke mit neuen Inhalten zu füllen. Diese Besonderheit finden wir übrigens auch bei Menschen mit dem Asperger-Syndrom. Gemeinsam haben ebenfalls beide, dass HSP und Asperger häufiger in introvertierter als extrovertierter Ausprägung anzutreffen sind.

Introvertierte Menschen sind häufig stille Beobachter und werden als ruhig und

Introvertierte Hochsensible benötigen viel Zeit um sich von Eindrücken zu erholen.

Introvertierte Hochsensible benötigen viel Zeit um sich von Eindrücken zu erholen.

zurückhaltend beschrieben. Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Menschen kein Interesse am gerade stattfindenden Geschehen oder sozialen Kontakten hätten. Introvertiertheit ist nur eine Ausprägung der Persönlichkeit, welche für diesen Menschen energiesparender ist. Dadurch dass ein großer Teil der Konzentration im Innenleben verbleibt, und die Interaktion mit der Umwelt herunter reduziert ist, wird die Menge an zu verarbeitenden Informationen reduziert, und die Gefahr einer Reizüberflutung vermindert. Gleichzeitig finden wir aber auch ein sehr großes Bedürfnis nach wirklichem Verständnis der Welt. Weswegen übrigens auch viele introvertierte HSP sich sehr gut beim Wechsel von Schule zu Universität schlagen, da sich zum reinen Reproduzieren von Wissen, wie es häufig in der Schule der Fall ist, nun vermehrt echtes Verstehen gesellt.

Dadurch dass der größere Teil, ca. 70% der Hochsensiblen, introvertiert sind, wird auch das allgemeine Bild der Hochsensibilität von dem Bedürfnis nach Ruhe und Zeit für die Verarbeitung von Eindrücken bestimmt. Doch dürfen wir nicht vergessen, dass eine der grundlegenden Eigenschaften von HSP ist, dass sie trotz der häufig auftretenden Reizüberflutung immer noch einen großen Hunger nach Eindrücken haben. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass die einzelnen Nerven sich durch die stete Stimulation zu sogenannten neuronalen Netzen verbinden, welche es wiederum erleichtern, mit all den Informationen umzugehen. Selbst eingefleischte Introvertierte, welche immer wieder unter den Auswirkungen von Reizüberflutung leiden können die Neigung zur Neugierde nicht leugnen, wenn sie doch in ruhigen Momenten ihre Lieblingsliteratur hervorkramen, den nächsten Urlaub Planen oder in Ruhe eine Liste mit Museen und Waldwanderwegen erstellen.


Das extrovertierte Gegenstück

Auch wenn vielleicht das schrille Klingeln des Telefons auch für den extrovertierten Hochsensiblen immer noch eine erschöpfende Tortur darstellt, so finden wir hier jedoch einen großen

Der größte Teil der HSP liebt neue Eindrücke.

Der größte Teil der HSP liebt neue Eindrücke. Dem Extrovertierten wird jedoch schnell langweilig.

Genuss am direkten Austausch – vorzugsweise mit Freunden und Familie. Denn solange zum anregenden Dialog nicht noch die unvermeidbare Aufgabe kommt, alle neuen Eindrücke einer unbekannten Person zu verarbeiten, sind extrovertierte HSP hier in ihrem Element. Das ändert allerdings nichts daran, dass sie immer wieder Ruhe benötigen um dem Nervenkostüm Zeit zu geben, sich zu erholen. Ein weiterer Unterschied bei extrovertierten Menschen ist, dass sie eher dazu neigen ihren Gefühlen im Dialog Ausdruck zu verleihen. Dass dies mitunter dazu führt, dass extrovertierte Hochsensible nicht mehr aus dem Reden rauskommen, ist vielleicht nicht ganz abwegig. Auch beim extrovertierten Hochsensiblen gilt, dass er seiner Beeindruckbarkeit durch Umwelt und Gesprächspartner nicht entfliehen kann. So entsteht schnell ein sehr ambivalenter Umgang mit Reizen, der von großer Lebendigkeit im Wechsel mit Erschöpfung gekennzeichnet ist. Jedoch findet sich auch bei den extrovertierten HSP ein größerer Drang danach, die Welt zu verändern, oder sich zumindest mit Medien die Langeweile zu vertreiben. Und Langeweile kennt auch der introvertierte Hochsensible nur allzu gut.


Quellen und Literatur