Beziehungen

Buchrezension: Silvia Christine Strauch – Meine Hochsensibilität positiv gelebt

Meine Hochsensibilität positiv gelebt ist eine Mischung aus Autobiographie und Sachbuch von Silvia Christiane Strauch, und 2016 bei Dielus Edition erschienen. Die Autorin widmet sich der Hochsensibilität in Form von Resümees zu verschiedenen Themen, Beschreibungen von Situationen aus ihrem Leben, sowie einigen ausgewählten Texten zu Themen des  hochsensiblen Alltags und der Auseinandersetzung mit Menschen, Tieren und sich selbst.


Gliederung und Inhalt

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Warme, sommerliche Farben und ein lebendiges Cover. Der Inhalt ist ebenso freundlich.

Dieses Buch unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von allen anderen Büchern zum Thema. Eine Besonderheit davon ist, dass sich das komplette erste von vier Kapiteln um die persönlichen Lebenserfahrungen der Autorin handelt, welche nun rückblickend von ihr unter dem Gesichtspunkt der Hochsensitivität reflektiert werden. Kapitel zwei widmet sich im Stil eines Ratgebers Vorgehensweisen und Tipps. Diese sollen einem dabei helfen, das eigene Leben in den Griff zu bekommen sowie Lebensfreude und Gesundheit zu verbessern. Das dritte Kapitel behandelt behandelt nun ein sehr zentrales Thema für alle HSP, nämlich das Verringern von Unruhe und den Umgang mit Reizüberflutung. Zu guter Letzt bildet ein sehr knappes Kapitel mit einem persönlichen Nachwort und einigen aufmunternden Worten den Abschluss des Buches.

Auffällig an diesem Buch ist, dass fast jeder Abschnitt des ersten Kapitels eingerahmt ist in Fragen, welche zum reflektieren einladen sollen und einem Resümee von Silvia Christine Strauch, in welchem sie einzelne Ratschläge zu verschiedenen Situationen des hochsensiblen Alltags gibt. Typische Fragen vor den einzelnen unterkapiteln sind zum Beispiel:

  • Wurden Sie als schüchtern bezeichnet?
  • Wollen Sie nur noch alleine sein, wenn Sie nervlich angespannt sind?
  • Fühlen Sie sich in einer Gruppe schnell überfordert?

In der Lebensgeschichte der Autorin dürften sich wahrscheinlich für jeden Leser oder jede Leserin einige Abschnitte finden, in welchen man sich wiedererkennt.Ab Kapitel Nummer zwei wird auf die Resümees der Autorin verzichtet, was deswegen Sinn macht, da die kurzgefassten Tipps sich nun zu kleinen Aufsätzen über jedes Thema ausweiten. Die Bandbreite der Themen reicht hier von Zeitmanagement über Positives Denken bis hin zu Sport, und man merkt dass Frau Strauch sich in alle diese Themen ein wenig eingearbeitet hat und hier einige Denkanstöße liefern will.
Im dritten Kapitel finden sich nun Hinweise, wie man mit Reizüberflutung und Stress umgehen kann, oder wie man seine Überstimulation in kreative Bahnen lenkt.
Kapitel vier ist extrem kurz und rundet Buch auf einer positiven Note mit Fragen über Sinnsuche und Selbstverwirklichung ab.

Das Buch hat insgesamt 185 Seiten und ist damit ein Leichtgewicht unter den Ratgebern über Hochsensibilität. Dies wird aber durch die unmissverständlich formulierten Ratschläge etwas gegenkompensiert.


Kritik

Wie auch Die Berufung für Hochsensible aus dem selben Verlag hat Meine Hochsensibilität positiv gelebt eine spirituelle und auf Selbstverwirklichung ausgerichtete Note. Interessanterweise fließen meines Erachtens nach Ratgeber-Anteile und Biographie sehr schön ineinander über, was den Lesefluss sehr angenehm gestaltet. Die Kombination aus Selbstbericht und Sachtext finden wir in dieser Form zum Beispiel auch bei den Büchern von Aron selbst – wenn auch bei Weitem nicht so ausgeprägt.
Man darf bei knapp 30 Unterkapiteln und 185 Seiten wirklich stark ausgeprägte Breite der Themen oder gar Tiefe in der Erörterung der Ratgeber-Anteile erwarten. Das kann jedes bisher von mir bisher vorgestellte Buch erheblich besser. Aber darum geht es bei diesem Werk auch nicht, denn jeder Abschnitt liest sich in der Tat so, als ob man eine Episode aus der Biographie der Autorin nacherleben würde. Der tiefenentspannte Schreibstil trägt dazu bei dass sich jedes Unterkapitel wie die Erzählung einer Freundin oder Bekannten anfühlt, die uns als Leser einfach daran teilhaben lässt, wie ihre Kindheit war, oder wie sie einzelne Abschnitte und Krisen in ihrem Leben gemeistert hat.
Was mir vom Buch am ehesten hängengeblieben ist, sind die drei kurzen Tipps über den Umgang mit Tieren. Ich glaube dass wenn Silvia Christin Strauch sich in dieses Thema vertiefen würde, sie ein gut lesbares und leicht verständliches Werk über hochsensiblen Umgang mit Tieren herausbringen könnte.


Fazit

Dieses entspannte Büchlein kann einen schonenden und unkomplizierten Einstieg in das Thema Hochsensitivität darstellen, insbesondere wenn man keine Lust hat, sich reine Sachliteratur anzueignen. Der Schreibstil ist sehr authentisch und unkompliziert, und in den Ratschlägen und den biographischen Anteilen werden sich viele HSP mit Sicherheit wiederfinden. Das Alleinstellungsmerkmal ist die, in meinen Augen gut gelungene, Verwebung von Biographie und Ratgeber, doch bleibt bei der Kürze des Buches eben auch der Tiefgang in der Auseinandersetzung mit den Themen auf der Strecke.

Hochsensibilität und Narzissmus

Auch wenn Narzissmus und Hochsensitivität auf dem ersten Blick nicht sonderlich viele Gemeinsamkeiten haben, oder sogar gegensätzlich zu sein scheinen, so übt doch die Beschäftigung mit Narzissmus für viele HSP eine gewisse Faszination aus. Das geht so weit, dass Autorin Deborah Ward in der Psychology Today in einem Artikel behauptet, dass die meisten HSP in ihrem Leben in irgendeiner Weise eine Beziehung zu einem Narzissten gehabt haben. Dabei sind gerade einmal etwa ein Prozent der Bevölkerung Narzissten, wohingegen 17-20 Prozent HSP darstellen. warum also treffen HSP und Narzisst immer wieder aufeinander?  


Einführung und Hinweis

Im folgenden Artikel wird es hauptsächlich um das Zusammenleben zwischen HSP und Menschen mit dem klinischen Bild der narzisstischen Persönlichkeitsstörung gehen, von Psychotherapeutin und Victimologin Marie-France Hirigoyen auch maligner Narzissmus genannt. Ich weise darauf hin dass das Lesen eines Artikels keine professionelle Diagnose ersetzt. Auch wenn das Störungsbild des Narzissmus im Kern gleich bleibt, gibt es dennoch in der individuellen Ausprägung des Verhaltens, sowie in der Schwere der Störung Unterschiede und auch geschlechtsspezifische Besonderheiten. Ebenso ist die Störung abzugrenzen von einfacher Überheblichkeit oder einem grandiosen Selbstwertgefühl, da Ursachen sowie Auswirkungen auf Betroffene und Umwelt eine andere sind. Rein aus Platzgründen wird sich dieser Artikel, solange nicht ausdrücklich anders erwähnt,  mit den größten Gemeinsamkeiten des Stereotypen der malignen Störung befassen.


Was ist eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Essentiell handelt es sich bei der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung um ein (künstlich) übersteigertes, aber fragiles Selbstwertgefühl. Doch ist es durchaus möglich „narzisstischer“ als der Durchschnitt zu sein, bzw. selbstverliebter oder selbstherrlicher zu sein, ohne dabei eine narzisstische Persönlichkeitsstörung entwickelt zu haben. Und ebenso gibt es auch bei Menschen mit einer NPS noch weitergehende Unterscheidung je nach Stärke der Ausprägung einzelner Verhaltensweisen. Diese Verhaltensweisen sind unter Anderem:

  • Das Gefühl außergewöhnlicher Wichtigkeit der eigenen Person
  • Phantasien von Außergewöhnlichkeit in Bereichen wie Erfolg, Macht, Einfluss, Schönheit, Geliebt werden, Intelligenz
  • Der Glaube dass man außergewöhnlich ist
  • Das Bedürfnis nach sehr viel Bewunderung und Bestätigung
  • Das Gefühl zu besonderer Behandlung berechtigt zu sein
  • Das materielle und emotionale Ausnutzen anderer Menschen
  • Einem Mangel an oder völlige Abwesenheit von Empathie
  • Neid
  • Ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Kritik
  • Arrogantes Verhalten oder Herabwürdigung der Leistungen anderer
  • Verdeckte Aggression

Eine echte narzisstische Persönlichkeitsstörung ist dadurch gekennzeichnet dass das oben beschriebene Verhalten nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist. Jeder hat „narzisstische“ Momente in welchen er außergewöhnlich Stolz auf sich oder das Ergebnis seiner Bemühungen ist, und in welchen man sich selbst als herausragend zujubelt, oder Phasen in welchen man sich als besonders herausragend und einzigartig wahrnimmt, wenn man sich mit Charaktereigenschaften oder den Ergebnissen anderer Menschen um sich vergleicht. Diese Augenblicke sind Streicheleinheiten für das Selbstwertgefühl und haben auch eine positive Wirkung auf das Gefühl, dass man sein Leben bewältigen und gesetzte Ziele erreichen kann.
Doch ist eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung nicht nur ein Ausnahmezustand dieses natürlichen Bedürfnisses nach Individualität, des sich wertvoll Fühlens,  und dem Antrieb Kontrolle, zum Beispiel über das eigene Leben oder die eigenen Gefühle, zu haben, sondern mit einer tiefgreifenden Umgestaltung der Wahrnehmung, insbesondere der Selbstwahrnehmung verbunden.

Oftmals wird der die Aussage, dass etwas „unbewusst“ geschieht, im alltäglichen Sprachgebrauch verwendet, um darzustellen, dass jemand nicht weiß, dass es einen Antrieb außerhalb des Bewusstseins gibt, welcher den Betroffenen eigentlich dazu bringt eine Handlung auszuführen oder eine spezielle Empfindung oder Wahrnehmung zu haben. Bei Menschen mit einer NPS wird dies, wie Marie-France Hirigoyen in Masken der Niedertracht beschreibt, insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass eine Abspaltung von in der Kindheit als schwach oder verletzlich wahrgenommenen Persönlichkeitsanteilen geschieht. Dies geht so weit, dass eigene Bedürfnisse welche Außerhalb generischer Platzhalter von Bewunderung und Kontrolle, auch körperliche Bedürfnisse, Makel und Beschwerden nicht mehr wahrgenommen werden, oder in positiver Weise verzerrt interpretiert werden. Die Ursachen für diese Abspaltung können unter Anderem von Vernachlässigung des Kindes über das Erleben von Momenten der Schwäche eines mit diesem identifizierten Menschen bis hin zu übermäßigem Lob und Abschottung von Konflikten und Krisen durch die Eltern reichen.

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Viele Narzissten haben eine Suchtproblematik

Gerade der Einfluss der verringerten oder veränderten Körperwahrnehmung ist nicht zu unterschätzen, da sich hierüber auch exzessives Verhalten erklärt, welches viele Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeiststörung aufweisen. Dieses Verhalten kann den exzessiven Konsum von Alkohol und anderen Drogen darstellen (Schmitz et al. 2001), übermäßiges Verlangen nach Essen, Sex, Sinneseindrücken und genereller Stimulation. Diesen Antrieb kennt man auch von High Sensation Seekern (Menschen sich abwechselnden Phasen des Bedürfnises nach starker Aktivität und Stimulation auf der einen, und Ruhe auf der anderen Seite). Ebenso wie bei diesen steht hier ein Streben nach Gleichgewicht und Stimulation im Vordergrund, doch ist die Ursache eine andere. Wo der High Sensation Seeker Lust, Inspiration und Sinnlichkeit empfindet, während er sein Erregungsniveau auf einem angenehmen Level hält, stellt der Exzess bei Menschen mit NPS  eine Flucht von Langeweile und / oder innerer Leere dar, welche ein Substitut für Aggressionen darstellen.

Aggressionen spielen beim Verständnis für die NPS eine Rolle, da auch diese Emotion nicht offen gezeigt und auch oftmals nicht direkt empfunden wird, sondern sich verdeckt in Kritik, Abwertung und Grenzüberschreitungen äußert, welche bis hin zu Mobbing, finanzieller Ausbeutung und sexuellen Übergriffen reichen können. Bei diesen Aktionen geht es gleichsam darum Macht auszuüben um die abgespaltenen, negativen Emotionen im eigenen Inneren durch das Gefühl von Dominanz zu kontrollieren, sowie um das Ausmaß an Nähe, welches eine andere Person zum Menschen mit der NPS aufgebaut hat, zu kontrollieren. Dieses Ausmaß an Nähe ist bedeutsam, da diese Aggressionen und das Kontrollverhalten im Ausmaß umso stärker werden, umso näher man der betroffenen Person steht. Denn Kontrollverlust durch zärtliche Regungen, Liebe und emotionale Wärme stehen im Kontrast zu den verdrängten, verletzbaren  Persönlichkeitsanteilen, und forcieren ihrerseits bei Grenzüberschritten, welche bei nahen Beziehungen unvermeidbar sind, eine Ausgleichsbewegung um die Kontrolle aufrecht zu erhalten.

So erklärt sich auch das in den Anfängen der Beziehungen gezeigte generöse und wohlwollende Verhalten. Geschenke, Lob und das Gefühl von Bedeutsamkeit sowie der Spaß miteinander sind Ausdruck der eigenen Herrlichkeit des Menschen mit der NPS, in dessen glanzvolles Leben man nun tritt. An welchem man Dank seiner oder ihrer Gnade teilhaben darf.


Das Miteinander von Hochsensitiven und Narzissten

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Narzissten werden nur sehr selten physisch aggressiv, sondern verletzen ihre Opfer verbal, und indem sie die Betroffenen destabilisieren und isolieren.

Wenn wir hier nun lesen, dass die narzisstische Persönlichkeitsstörung durch ein enorm übersteigertes Gefühl von Wichtigkeit,  dem Bedürfnis nach Bestätigung sowie der Unfähigkeit gekennzeichnet ist, die Gefühle und Bedürfnisse anderer Menschen wahrzunehmen, dann bewegt dies viele Leser wahrscheinlich emotional erstmal nicht sonderlich. Das liegt meines Erachtens nach in der HSP-typischen Naivität begründet, nach welcher wir in unserer Vorstellung nur schwer ein Abbild davon erschaffen können, dass es menschliches Leben ohne Mitgefühl oder dem Achten auf die Bedürfnisse anderer Menschen überhaupt gibt, oder dass ein Mensch andere Menschen ohne Gewissensbisse auf materielle und emotionale Art ausnutzen kann, welche das Opfer als ausgebrannte und traumatisierte Hülle zurück lässt.
Ich möchte hier als Erörterung anbieten dass beim Verständnis für Narzissmus das Erleben des eigenen Bedürfnisses nach Anschluss an andere Menschen für HSP zu einer Falle wird. Denn die Furcht vor den Schlussfolgerungen welche sich aus einer derartigen Abwesenheit von Empathie ergeben würden, und das Unverständnis für die Ausmaße welches egoistisches Verhalten annehmen kann, verhindert ein emotionales Nacherleben der narzisstischen Persönlichkeitsstörung. In genau diesem versagt die empathische Kompetenz, auf welche sich ein großer Teil der HSP normalerweise verlassen. Zwar wird der oder die Betroffene, je nach Nähe die man zu ihm oder ihr hat,  als unauthentisch, vielleicht manchmal verletzend oder herablassend wahrgenommen – doch gerade wenn man der Person umso näher steht tendieren HSP aufgrund ihrer Unsicherheit nun erstmal dazu den Fehler bei sich zu suchen. Genau dies ist es auch, was Menschen mit einer NPS beabsichtigen, weil dadurch die Kritik oder Verantwortung für das verletzende Verhalten von ihnen zu ihrem Opfer wandert.
Dies ist umso verletzender für HSP, da diese nun nahe stehende Person zu Beginn ihres Miteinanders sich besonders interessiert und wohlwollend verhalten hat, so dass wir uns umso weiter geöffnet haben, um unsere neue Bekannte oder unseren neuen Bekannten an unserem Innenleben teilhaben zu lassen. Doch während man als HSP nun seinerseits seine echten Gefühle, Arbeit  und Zeit in die Beziehung und das Miteinander steckt geht es dem Menschen mit der NPS nun nicht um die Beziehung selbst, sondern um die Aufmerksamkeit, Bestätigung und Anerkennung, welche er daraus zieht.
Obendrein tendieren Hochsensitive stark dazu sich nicht mit Smalltalk aufzuhalten, sondern reden lieber von Dingen, welche ihnen wichtig sind. Dies ist insofern problematisch, als dass private Details und Geheimnisse von Narzissten leicht als Hebel verwendet werden können, um die HSP emotional zu verletzen oder zu destabilisieren.

Opfer beschreiben immer wieder, dass das Ausmaß der Kontrolle, welche der Mensch mit einer NPS über sie hatte, sich so weit steigerte, dass sich ihr Innenleben und ihre Gedanken den Bedürfnissen des Narzissten angepasst haben. Man wird zu einem Trabanten des Narzissten, so wie die Erde um die Sonne kreist und ist in seinen angstvollen Gedanken darüber gefangen, auf welche Art und Weise man vom Menschen mit der NPS als nächstes manipuliert oder gedemütigt wird. Dies ist eine pervertierte Form der symbiotischen Beziehung, nach welcher viele HSP streben. Mit dem Unterschied dass das Verständnis und die Aufmerksamkeit hier sehr einseitig verlaufen, und man auch gegenüber anderen Menschen dass Fehlverhalten des Narzissten oder der Narzisstin rechtfertigt. Ja, man ist eine Einheit mit dem Narzissten geworden, und gleichzeitig ist man alleine, und in vielen Fällen von Freunden, Bekannten und Kollegen durch den Narzissten isoliert worden. Während das Bedürfnis nach Symbiose und Harmonie der HSP gegen sie verwendet wurde und anstelle gegenseitiger Wärme man ein Nicht-verletzt-werden als Erfolg ansieht.


Können HSP Narzissten sein?

Instinktiv würden wahrscheinlich viele erstmal mit nein antworten. Das ist verständlich, da man Hochsensibilität unter anderem oftmals mit Empathie assoziiert, und wir oben festgehalten haben, dass sich eben sich Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung eben durch einen Mangel oder sogar Abwesenheit von Empathie auszeichnen.
Nichtsdestotrotz können natürlich auch HSP in ihrer Kindheit derartig traumatisiert werden dass sie einen sogenannten kompensatorischen Narzissmus entwickeln. Viele der HSP-typischen Eigenschaften wie die Reizempfindlichkeit und sogar die Unsicherheit bleiben bestehen, werden aber konstant bekämpft und unterdrückt und durch  gegensätzliches Verhalten gegenkompensiert. Man ist immer noch hochsensitiv und auch narzisstisch, aber eben nicht auf die gleiche Weise wie beim oben beschriebenen Bild des malignen Narzissmus.


Fazit

Ich halte es für wichtig zu erwähnen, dass man weder dem Menschen mit der NPS noch der HSP an dieser Stelle Schuld zuweisen sollte. Da wir es hier mit einer Form der Interaktion zu tun haben, welche größtenteils auf dem natürlichen Bedürfnis nach Nähe und der Übererregung und Unsicherheit von Seiten der HSP, und eben einem Menschen mit einer Störung auf der anderen Seite zu tun haben, welche genau dadurch besticht, dieses Bedürfnis und diese Unsicherheit gegen jemanden zu verwenden.
Dennoch ist es wichtig zu verstehen, dass die Schäden, welche Menschen mit einer NPS an gerade ihren nächsten Bezugspersonen anrichten können, die Vorstellungen vieler meiner Leser wahrscheinlich übersteigen, sofern sie nicht selber einmal Opfer davon geworden sind, und dass gerade auch die Wut, welche diese Menschen oftmals empfinden ein Spiegel der Aggressionen sind, welche sie zuvor in pervertierter Form erleben mussten.


Quellen und Literatur

Buchrezension: Hochsensibel – Was tun? Von Sylvia Harke

Hochsensibel – Was tun? ist ein Sachbuch über Hochsensibilität von Diplom-Psychologin und Coach Sylvia Harke. Sie widmet sich in diesem Buch vielen Themen welche einen speziellen Bezug zum emotionalen Erleben in zwischenmenschlichen Beziehungen und Stresssituationen haben, sowie der Aufarbeitung vergangener Ereignisse und der Abgrenzung von Hochsensibilität und anderen Dispositionen oder Störungen. Das Buch ist in der 6. Auflage im Via Nova Verlag erhältlich.


Gliederung und Inhalt

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Ein zartes Pastellorange und eine ikonische Feder empfangen uns mit zärtlichen Eindrücken zu einem Buch dessen zentrale Themen es dennoch in sich haben.

Das Erste was einem auffällt, wenn man sich die Struktur von Hochsensibel – was tun? anschaut, ist, dass die Autorin was tun? wörtlich nimmt und diese rhetorische Frage tatsächlich beantworten will. Das Buch ist daher strukturiert und stellenweise auch illustriert  wie ein Survival-Ratgeber von Rüdiger Nehberg, welcher Leser wie Leserin dabei helfen soll im urbanen Dschungel von Alltag und dem Dickicht der emotionalen Wirrungen nicht die Orientierung zu verlieren. Dazu vermittelt sie Strategien, welche von Checklisten über Meditationen, der Arbeit mit Affirmationen und dem Aufschlüsseln der Persönlichkeitseigenschaften von Freunden und Verwandten reichen.
Auch wenn das Buch in sechs Kapitel unterteilt ist, finden sich beim Lesen zwei große Themengebiete, nämlich  Vergangenheitsbewältigung und Zwischenmenschliches. Ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal sogar ist im erstgenannten Abschnitt der große Anteil von Informationen über und Anleitungen zur Aufarbeitung von zurückliegenden emotionalen Verletzungen und Wahrnehmung von Glaubenssätzen. Das ist deswegen ein sehr wichtiger Ansatz, da das Thema noch sehr jung ist, und viele HSP erst im Alter eine Erklärung für ihr Erleben finden, und nun aus dieser neuen Perspektive ihre früheren Erfahrungen neu bewerten müssen. Themen wie Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und das Annehmen der eigenen Wahrnehmung stehen hier im Vordergrund, aber auch der Umgang mit Geschlechtsstereotypen und Sensibilität sowie das Erkennen der eigenen Bedürfnisse.
Der zweite zentrale Themenblock beschäftigt sich mit Hochsensibilität in allen möglichen sozialen Situationen, von Partnerschaft über Arbeit bis hin zu Familie, und auch die Betrachtung von hochsensiblen Kindern und ihren Bedürfnissen. Spannend ist hier dass Sylvia Harke den alten Klassiker der destruktiven Beziehung zwischen Narzissten und HSP aufgreift, und genauer erläutert, welche Dynamiken sich im Hintergrund abspielen. Aber auch andere eher problematische Beziehungen werden angeschnitten. Generell werden Liebe und Partnerschaft viele Zeilen gewidmet.

Es wäre Falsch zu sagen dass diese beiden Kernthemen durch Fragestellungen rund um Gesundheit, Stress, BurnOut und sogar der Abgrenzung von HS von ADHS und Autismus lediglich abgerundet werden. Denn Dank knapp 350 Seiten in einem etwas größeren Buchformat werden auch alle weiteren Themen nicht nur angeschnitten, sondern auch moderat vertieft.


Kritik

Ich stelle mir bildlich vor wie Sylvia Harke beim Planen der Inhalte des Buches mit einem Klemmbrett oder Notizbuch im Schaukelstuhl sitzt, mit einer Katze auf dem Schoß, und sich überlegt welche Themen des Alltags für HSP eine gewichtige Rolle spielen. Es kann meine Einbildung sein, aber das Buch macht einen sehr geplanten Eindruck, dessen zentralen Themen sich aus wiederkehrenden Fragestellungen aus Sylvias Arbeit als Coach hergeleitet haben.

Die Abschnitte über die Verwechslung von Asperger, ADHS und HS sind in meinen Augen ein sehr wichtiger Teil, der wahrscheinlich leider zu wenig Aufmerksamkeit von der Leserschaft erhalten wird. Ebenso spannend finde ich es, dass Sylvia Harke und ich unabhängig voneinander die Gefahr des hochsensiblen Idealismus am Arbeitsplatz in eine BurnOut-Problematik abzurutschen aufgreifen. Das ist ebenfalls ein Thema welches zu wenig Aufmerksamkeit erfährt.
Summa Summarum ist Hochsensibiltät – was tun? das Werk für nahezu alle Hochsensiblen, aber insbesondere für diejenigen, welche eine Menge Emotionen aufzuarbeiten haben und Ballast aus der Vergangenheit mit sich tragen. Es gibt nur wenige Themen welche Sylvia Harke in diesem Buch nicht bearbeitet hat, so dass von existenzieller Angst bis hin zu spirituellen Fragen in Paarbeziehung nahezu alles vorhanden ist. Meine einzige Rüge wäre, dass man trotz des sehr warmherzigen Schreibstils keinesfalls den Trugschluss ziehen sollte, dass das Aufarbeiten der Vergangenheit oder die Arbeit mit EMDR – einer Technik zur Traumabewältigung – ein Spaziergang im Park wären. Es ist ein umfassendes und informationsgeladenes Buch mit einer nahezu unüberschaubaren Fülle an Methoden und Techniken, dass in meinen Augen durch seine liebevolle Aufmachung und Schreibweise etwas darüber hinwegtäuscht, dass potentiell sehr aufwühlende und schmerzhafte Themen behandelt werden.


Fazit

Hochsensibel – Was tun? wird wie kaum ein anderes Buch der Tatsache gerecht dass viele HSP erst im Alter mit ihrem Temperament konfrontiert werden, und sich oftmals in ihrem Leben von der Umwelt bedroht und von Mitmenschen nicht verstanden gefühlt haben.
Der Schreibstil ist wohlmeinend warmherzig und sanft, und trägt sicher einen Teil dazu bei dass gerade sehr verwundete HSP sich sicher und angenommen fühlen können, wohingegen die Vielzahl der Techniken einen Weg aus den Wirrungen ihrer Innenlebens weisen sollen. Doch darf man sich nicht darüber hinwegtäuschen lassen dass  bei diesem Buch durchaus auch Themen aufgegriffen werden, die durch Selbstreflexion und Aufarbeitung letzten Endes eine Therapie nach sich ziehen können.

Buchrezension: Hochsensibel von Eliane Reichardt

Hochsensibel von Eliane Reichardt ist ein Sachbuch über das hochsensible Temperament. Es widmet sich Begriffsbestimmungen und wissenschaftlichen Hintergründen sowie den Zusammenhängen zwischen Reizverarbeitung und subjektivem Erleben sowie dem Umgang mit Alltag und Mitmenschen. Es ist im ersten Quartal 2016 in Erstausgabe im Irisana-Verlag erschienen.


Gliederung und Inhalt

Das Buch ist in zwei große Abschnitte sowie Appendix und Einleitung samt Selbsttest gegliedert, wobei jeder dieser Abschnitte wiederum in einzelne Kapitel unterteilt ist. Der erste Teil widmet sich der Geschichte der Hochsensibilität in Forschung und Kultur sowie der Frage wie wir Hochsensibilität überhaupt bestimmen und was die Besonderheiten im Erleben und Verhalten eigentlich sind.

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Das Coverdesign ist auf der einen Seite unaufdringlich, lenkt auf der anderen Seite dafür aber auch nicht vom Titel ab

In der Tat widmet sich Eliane Reichardt in diesem Abschnitt jeder einzelnen Modalität, also jedem körperlichen Sinnesorgan sowie den Besonderheiten im Rahmen der HS und verschiedenen Formen der Synästhesie welche damit auftreten können, da die Verarbeitung von Reiz-Informationen bei Hochsensiblen durch ihre Physiologie verändert ist. Ebenso geht sie darauf ein, welche Unterschiede es im Denken zwischen HSP und Nicht-HSP gibt, und verweist auf die Zusammenhänge zwischen Hochbegabung, lateralem Denken, Sensation Seeking und Hochsensibilität.
Ein größeres, und in meinen Augen spannendes, Kapitel widmet sich der Wahrnehmung von Sensibilität und den möglichen Problemen Hochsensibler im Verlauf der letzten 50 Jahre. Wir finden hier von den Anfängen der Konsumgesellschaft bis hin zum Informationszeitalter alle möglichen Einflüsse und den Wandel der Wahrnehmung sehr schön beschrieben. In der Tat war dies der Part vom Buch der mir am besten gefallen hat, und wenn man mit einem Augenzwinkern an dieses Kapitel herangeht kann man sich sogar als Kind jener Epoche wiederfinden und sehen, welche Zeitspanne das eigene Denken am nachhaltigsten beeinflusst hat.

Der zweite Abschnitt widmet sich der Frage wie Hochsensible den Alltag meistern können und spricht vom Einkaufsstress bis hin zum Umgang mit Nicht-HSP und Therapie nahezu alle Themen an, welche für HSP eine Relevanz haben könnten. Auch finden wir hier Verweise auf die Wichtigkeit von Gesundheit sowie Ernährung und den Umgang mit Stress. Ich hatte lediglich den Eindruck dass man mehr auf romatische Beziehungen hätte eingehen können, doch das hätte den Rahmen der etwa 250 Seiten wahrscheinlich sehr gesprengt.


Kritik

Was mir ungemein ins Auge gestochen ist, ist die erfrischende Nüchternheit des Buches. Hochsensibel von Eliane Reichardt ist das wahrschenlich unverblümteste und sachlichste Buch zum Thema welches wir zur Zeit auf dem Markt haben. Und das ist gut so, denn genau diese Sachlichkeit benötigt es wenn man ein Thema in der Breite zugänglich machen will. Sie behandelt Hochsensible in ihrem Buch nicht wie exotische Orchideen mit welchen man bei der Bundesgartenschau einen Preis zu gewinnen hofft, sondern als gleichwertige Menschen die aufgrund einer evolutionsbedingen Reizverarbeitung lediglich ein anderes Temperament aufweisen, Menschen die etwas speziellere Bedingungen benötigen um zu erblühen und dafür aber auch einen gewichtigen Beitrag zu einem angenehmen Klima leisten können.
Der Abschnitt über die High-Sensation-Seeker war für mich nochmals sehr aufschlussreich, da dieses Thema bei Hochsensibilität oftmals außen vor bleibt (zurecht, da dieser Anteil der Bevölkerung sehr gering ist). Einzig und alleine über Hochsensibilität in der Liebe hätte ich mir noch ein wenig mehr Inhalt gewünscht, aber darüber haben auf der anderen Seite bereits mehrere Autoren sich im Überfluss geäußert.


Fazit

Dieses Buch hat das Potential das neue Standardwerk für Hochsensiblität im deutschsprachigen Raum zu werden. Es ist ein sehr gut recherchiertes Sachbuch das man bedenkenlos auch zum Erklären davon was HS eigentlich ist an seine Liebsten verschenken oder weiterempfehlen kann. Es ist sachlich ohne zu fachlich zu werden und nüchtern ohne sich selbst zu paraphrasieren oder langweilig zu werden.

 

10 Tipps für Hochsensible zum Umgang mit Normalsensiblen

Wir als Hochsensible haben theoretisch eine hervorragende Ausstattung um im alltäglichen Miteinander mit Nicht-Hochsensiblen ausgezeichnet umzugehen. Trotzdem kommt es immer wieder zu Reibereien, unter denen HSP wahrscheinlich mehr zu leiden haben als ihr normal sensibles Pendant. Um etwas Licht ins Dickicht des sozialen Miteinanders zu bringen, widmen wir uns heute 10 Hürden, welche HSP von ihrer Seite aus leichter überbrücken können, als dies für Nicht-HSP der Fall wäre.


1. Bitte informiere Dich darüber was Hochsensibilität ist

Für ein echtes Verständnis der eigenen Situation, und um anderen verständlich zu machen, welche Disposition man selbst (und mindestens ein Elternteil) hat reicht es nicht aus, Posts in Foren oder auf Facebook zu lesen. Mindestens den (zur Zeit) sehr guten Wikipedia-Artikel oder die Website von Hochsensibel.org solltest Du zu Rate ziehen, oder aber Fachliteratur wie die von Elaine N. Aron, der Forscherin, welche unsere Disposition verstärkt publik gemacht hat und auf den Grund geht.
Wenn Du nicht verstehst, was für körperliche Besonderheiten HSP von Nicht-HSP unterscheiden, wird es Dir schwer fallen überhaupt zu erkennen, was Deine charakterlichen Reaktionen auf bestimmte Situationen sind und was von Deiner nervlichen Veranlagung herrührt.
Lies Dich auch in ADHS und das Asperger-Syndrom ein, denn die sind gewissermaßen mit uns verwandt, und viele Ungereimtheiten lösen sich vielleicht für Dich auf, wenn Du Dich auch mit diesen Themen beschäftigst.


2. Hochsensibilität ist kein Lifestyle

Hier geht es nicht darum, dass wir anderen nicht erzählen sollten, dass wir HSP sind. Es ist aber ein Unterschied ob wir bei jedem Treffen fallen lassen, wie ausgeprägt unsere Sinne sind, und dass andere Menschen doch bitte unsere Feinsinnigkeit berücksichtigen sollen, oder ob wir beiläufig erwähnen, dass wir gerade ein Buch über eine nervliche Veranlagung lesen, dass erklärt warum manche Menschen ein größeres Problem mit dem Lärm auf einem Konzert haben

Für HSP kann es schwer sein den, das richtige Maß zwischen dem eigenen Bedürfnis nach Selbstoffenbarung und dem Verständnis unserer Mitmenschen zu finden.

Für HSP kann es schwer sein, das richtige Maß zwischen dem eigenen Bedürfnis nach Selbstoffenbarung und dem Verständnis unserer Mitmenschen zu finden.

als andere.
Versteht mich nicht falsch: Es ist für die Allgemeinheit der HSP von Vorteil dass diese Disposition bekannter in der Gesellschaft wird. Selbst in der Psychologie Heute (Ausgabe September 2015) gab es schon ein Titelthema dazu. Doch wenn Jonas bei jedem Besuch seinem Bäcker erstmal erklärt, dass er die Brötchen nicht so knusprig backen soll, weil das crunchige Geräusch beim Kauen so in den Ohren weh tut, dann nimmt das weder Rücksicht auf den Bäcker, noch auf andere Menschen welche gerne knusprige Brötchen mögen.
Es ist überhaupt nicht notwendig die eigene Hochsensibilität wie einen Lifestyle  nach Außen zu tragen, um das Bedürfnis danach verstanden zu werden erfüllt zu bekommen. Es ist wichtiger dass man selber erstmal seine Bedürfnisse akzeptiert und verwirklicht, bevor man von anderen erwartet, dass sie einen besonders behandeln. Menschen, welche uns länger kennen, verstehen vielleicht auch eher  das Konzept von HSP, besonders wenn sie miterlebt haben, dass sich einige Verhaltensweisen und vielleicht auch das Erleben von anderen Menschen bei uns unterscheidet.


3. Nicht-Hochsensible sind nicht unsensibel

Wenn wir bemerken, dass die Reizschwelle des Nervensystems von HSP sich von Nicht-Hochsensiblen oder Normalsensiblen unterscheidet, und unsere unterschiedliche Wahrnehmung dennoch zu richtigen Schlussfolgerungen und einem lebenswerten Leben führt, dann sollten wir im Umkehrschluss auch Nicht-HSP zugestehen, dass ihre Wahrnehmung ebenso stimmig ist. Menschen sind unterschiedlich sensibel, und auch innerhalb von HSP gibt es nochmal unterschiedliche Ausprägungen der Sensibilität (und es ist kein Wettrennen darum, wer jetzt der Sensibelste und Feinfühligste, oder am meisten Missverstandene von uns ist). Dennoch sind Nicht-HSP im Kontrast zu Hypersensitiven nicht automatisch unsensibel, nur weil sie es mehrere Stunden in der Shisha-Bar aushalten ohne dass ihnen von all den Aromen schwindelig wird.
Auch ist das Konzept von Hochsensibilität nicht für jeden sofort und ohne Weiteres gut verständlich, da jeder ja auch daran gewöhnt ist, wie seine alltägliche Wahrnehmung aussieht. Umso wichtiger dass wir im Sinne der Sozialpsychologie versuchen respektvoll zu sein, indem wir HSP und Nicht-HSP als gleichwertig betrachten.


4. Bedürfnisse umsetzen, anstelle sie zu erklären

Durch verringerte Abgrenzung, gesteigerte Empathie oder Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse von Mitmenschen gepaart mit dem Wunsch Ansprüchen zu genügen kann es dazu kommen, dass HSP ihre eigenen Emotionen, Wünsche und Bedürfnisse in den Hintergrund stellen. Und zwar ohne dass sie es selbst mitbekommen würden. Denn durch das Miterleben der Emotionen von anderen sind ja immer noch Regungen vorhanden, selbst wenn es nicht die eigenen sind.
Doch wenn wir, meistens aus Erschöpfung heraus, unseren Bedürfnissen nach einem solchen Moment verstärkt Aufmerksamkeit widmen, ist es umso wichtiger sie auch selbst umzusetzen.
Man könnte als HSP dazu neigen, davon auszugehen, dass unsere Umwelt ebenso wachsam auf unsere Bedürfnisse reagiert, wie wir es auf die Bedürfnisse unserer Mitmenschen tun. Doch leider stellen wir dann oftmals fest, dass dies eben nicht immer der Fall ist, oder sind sogar verwundert, ob unsere Signale der Erschöpfung nicht offensichtlich genug sind. Deswegen ist es wichtig, dass wir innehalten können ohne uns schuldig dafür zu fühlen, den Bedürfnissen unserer Mitmenschen weniger Aufmerksamkeit zu schenken.
Weltschmerz, Schuldgefühle, Erschöpfung und das Gefühl von Ohnmacht sind aber gute Hinweise darauf, dass wir eventuell innehalten müssen um unsere Bedürfnisse zu überprüfen.


5. Lege Dir einen angenehmen Freundeskreis zu

Die Freundschaft ist neben Liebesbeziehungen und Familie eine der wichtigsten Beziehungen in unserem Leben. Gerade für HSP kann es wichtig sein, unser näheres Umfeld mit Menschen zu versehen, deren Temperament uns weder

Viele HSP haben gerne ihre Ruhe, aber Haustiere sind meistens als Gesellschaft trotzdem in Ordnung

Viele HSP haben gerne ihre Ruhe, aber Haustiere sind oftmals als Gesellschafter nicht wegzudenken.

überstimuliert, noch unterfordert. Ebenso profitieren wir davon, wenn unsere Freunde zumindest verstandesmässig das Konzept der Hochsensibilität erfassen können (und wollen).
Gerade sehr introvertierten Hochsensiblen kann es helfen, wenn ihre Freunde in einem Rahmen extrovertiert sind, der es leichter macht, Kontakt zu halten. Wenn Daniel seit einer Woche zufrieden mit einer Romanreihe in seinem Lieblingssessel versunken ist, und den Jahresurlaub mit Keksen und Literatur verbringt, dann wird er es mit Sicherheit auch mal lieben, wenn eine Freundin oder ein Freund sich per Mail meldet, und er seine Freude an den Büchern mit jemandem teilen kann.
Die Balance aus Stimulation und Freiheit ist doch schon für den Umgang mit uns selbst wichtig – warum sollte man nun bei seinen Freunden nicht auch dafür sorgen, dass die Mischung stimmt?


6. Du kannst es nicht allen recht machen

So halbwegs berücksichtigen wir im Alltag die Tatsache, dass Menschen unterschiedliche Wünsche, Gedanken und Strategien haben um sich gut zu fühlen. Wieso haben wir es dann eigentlich so schwer, uns damit abzufinden, dass man es nicht jedem Recht machen kann?
Auch uns HSP fehlen oftmals Hintergrundwissen oder auch das Verständnis dafür, die Regungen in jedem Mitglied unseres Bekanntenkreises in dem Ausmaß nachvollziehen zu können, dass wir das Wohlbefinden dieser Person steigern könnten. Umso problematischer wird es dann auch, wenn wir es dennoch umso stärker probieren und uns verausgaben, und im schlimmsten Fall dafür noch nicht einmal ein Dankeschön erhalten. Dann kann es sein, dass wir die Art unseres Gegenübers, uns seine Dankbarkeit auszudrücken, nicht verstehen können, oder aber unsere Bezugsperson unsere Art der Aufopferung nicht versteht. In beiden Fällen kann eine klärende Aussprache über die gegenseitigen Wünsche und Wahrnehmung helfen.


7. Frag nach

Ja, wir HSP sind oft sehr gut darin, versteckte Botschaften zu deuten, zu erspüren, wie es jemandem wirklich geht und intuitive Schlüsse zu ziehen, wie es um den Zustand unserer Mitmenschen beschaffen ist. Doch wie sieht es eigentlich aus, wenn jemand nicht subtil und indirekt vorgeht, sondern sehr direkt unhöflich ist oder uns dreist ins Gesicht lügt?
Da HSP häufig sehr gerechtigkeitsliebend sind, sind wir meistens auch erstmal eher überwältigt von der Situation oder den aufwallenden Emotionen, welche von Empörung bis Trauer oder Niedergeschlagenheit reichen können. Doch gerade solche Situationen bieten sich an, eventuelle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen indem man einfach nachfragt. Wenn auf dem Geburtstag von Onkel Jost dieser seiner Nichte an den Kopf wirft, dass ihr mitgebrachter Kuchen kaum essbar ist, dann kann muss dass nicht daran liegen, dass er sie nicht mehr lieb hat und vor allen Leuten bloßstellen will, es kann auch einfach sein, dass er keine Rosinen mag.


8. Halt Dich nicht an stereotypem Verhalten fest

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Viele geschlechtliche Stereotype sind unter anderem Dank der LGBT-Bewegung in unserer Gesellschaft bereits aufgeweicht.

Wenn man sich mit seiner Wahrnehmung nicht ganz sicher ist oder Zweifel hat (was fast auf alle HSP mal zutrifft, da sich unsere Wahrnehmung von der Masse oft unterscheidet), dann kann es einem Sicherheit geben, auf scheinbar sozial erwünschtes Verhalten zurückzugreifen. Denn wenn wir nicht darauf vertrauen, dass unsere eigene Wahrnehmung in Bezug auf eine Wahrheit, einen Menschen oder eine Situation richtig ist, so können wir dennoch immer darauf vertrauen, dass wir die Reaktionen unserer Mitmenschen auf diese Situation richtig erkennen können.
Es ist für ungewohnte Situationen zwar normal, sich am Verhalten anderer zu orientieren, doch wenn im Freundeskreis oder auf der Arbeit anstelle des eigenen, spontanen Verhaltens zuerst die Überlegung im Vordergrund steht, ob wir als Mensch in Ordnung sind, weil wir anders wahrnehmen oder empfinden, dann ist der Weg in die Angststörung nicht weit.
Gerade geschlechtliche Stereotype können für männliche Hochsensible ein Problem darstellen. Denn obwohl eine intensives Empfinden oder Schmerzempfindlichkeit gesellschaftlich bei Künstlern oder Hipster-Grafikdesignern als exzentrisches Verhalten und akzeptabel angesehen wird, stößt man als Gefreiter der Panzergrenadiere der Bundeswehr mit Sicherheit auf weniger Verständnis.
Das eigene Leben dann an die erlebten Bedürfnisse anzupassen und sich neu zu orientieren kann dann zwar kurzfristig mit einer noch größeren Unsicherheit einhergehen, doch der langfristige Gewinn sind ein höheres Vertrauen in die eigene Wahrnehmung und ein höheres Maß an Selbstwert.


9. Lerne mit Ablehnung umzugehen

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Dauerhafter innerer Frieden – Es ist kein Wunder dass viele HSP sich sehr zu fernöstlichen Lehren wie Buddhismus oder Taoismus hingezogen fühlen.

Facebook ist überschwemmt mit Memes, welche uns dazu raten uns selbst zu lieben, uns nicht um die Meinung anderer zu kümmern und einfach zu leben. Und gerade unter HSP scheint es ein großes Bedürfnis zu geben, sich etwas von der Last der Anforderungen anderer Menschen und auch ihrer Ablehnung zu erlösen. Erlösung trifft hier sogar insofern den Nagel auf den Kopf, weil wir HSP doch ohnehin schon oftmals versuchen, den Bedürfnissen anderer Menschen zu entsprechen. Und jenseits des Gefühls der Anforderungen von anderen eine Angelegenheit, welche uns am Herzen liegt, zur Sprache zu bringen ist dann ein Spannung abbauender, erlösender Akt.Doch wenn dann, sobald wir uns spontan und authentisch äußern, uns mit Ablehnung begegnet wird, dann trifft einen dies natürlich noch umso härter.
Umso wichtiger ist es, sich mit Menschen zu umgeben, welche Verständnis für die eigenen Bedürfnisse haben oder die Balance zwischen eigenen Bedürfnissen und den Anforderungen unseres Umfelds zu finden.


10. Verständnis reicht aus

Gerade als introvertierter HSP, der wie ein Schwamm alle Emotionen der Menschen um sich herum aufsaugt, doch sich mit Äußerungen über seinen Zustand zurückhält, wäre es mit Sicherheit eine Erlösung, wenn die anderen mittels ihrer Empathie einem entgegenkommen würden. Sprich, von sich aus merken würden, wie es uns gerade geht, und im Vorfeld Rücksicht nehmen könnten. – Es wäre also praktisch, wenn alle Menschen so wahrnehmen würden, wie man selber – was aber natürlich nicht der Fall ist.

Es ist für eine erfolgreiche Beziehung zwischen HSP und Normalsensiblen nicht notwendig dass beide sich dauerhaft ohne Worte verständigen können und zu einer Einheit verschmelzen. Liebe, Verständnis und Wertschätzung sind für jede Beziehung ein Gewinn.

Doch Empathie basiert ja nicht nur darauf, dass andere Menschen emotional in der Lage sind, nachzuempfinden, zu erfühlen, wie es einem gerade geht, sondern kann auch bedeuten, dass man vom Verstand her sich in die Lage seines Gegenübers versetzt. Gerade für Beziehungen zwischen HSP und Nicht-HSP kann es vollkommen ausreichend sein, dass der Normalsensible rein vom Kopf her das Prinzip der Reizüberflutung versteht und sich überlegt, welche Überlegungen er seiner HSP abnehmen könnte. Es ist nicht notwendig, dass der Partner oder unsere anderen Bezugspersonen die selben Emotionen wir wir im selben Augenblick und in genau der selben Stärke empfindet, damit sie unseren Wert oder unsere Hochsensibilität verstehen.


Quellen und Literatur

Was ist eigentlich Empathie?

Wahrscheinlich wird kaum eine Fähigkeit so sehr mit Hochsensibilität assoziiert wie die Empathie. Doch was ist Empathie überhaupt, was kann sie leisten, was fördert und hemmt unsere Fähigkeit, uns in die Lage eines anderen Menschen zu versetzen? Um diesen Fragen und Empathie generell mal auf den Zahn zu fühlen beginnen wir unsere kleine Exkursion heute mal mit einem Ausschnitt aus „Sex, Death & the Meaning of Life“, einer Dokumentation des Evolutionsbiologen Richard Dawkins.
In dem untigen Video erklärt der engagierte Biologe die evolutionären Vorzüge von Altruismus und Empathie. Er zeigt wunderbar auf, dass wir Menschen erst einmal vor allem soziale Geschöpfe sind und wir deswegen von Natur aus auch Werkzeuge in unserem Repertoire haben müssen, welche uns im Umgang miteinander helfen.


Definitionen von Empathie

Der folgende Artikel soll ohne die neurologischen oder evolutionspsychologischen Hintergründe auskommen, da dies den Rahmen noch stark ausdehnen würde. Doch um überhaupt Empathie als Funktion verständlich zu machen, müssen wir erst einmal erläutern, was Empathie überhaupt ist. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird sie häufig mit Mitgefühl übersetzt. Werfen wir aber erstmal einen Blick auf verschiedene Definition, mit denen wir arbeiten können:

Empathie: Eine auf eine andere Person gerichtete emotionale Reaktion,
die Gefühle wie Mitgefühl, Mitleid, Besorgnis, Wärme oder Fürsorglichkeit
umfasst. Ein kognitiver Faktor, der das Auftreten von Empathie begünstigen
kann, ist die Übernahme der Perspektive der notleidenden Person.
Stefan Stürmer – Einführung in die Sozialpsychologie

Empathy is the experience of understanding another person’s condition from their perspective. You place yourself in their shoes and feel what they are feeling. Empathy is known to increase prosocial (helping) behaviors. While American culture might be socializing people into becoming more individualistic rather than empathic, research has uncovered the existence of „mirror neurons,“ which react to emotions expressed by others and then reproduce them.
Psychology Today

Bei beiden Definitionen finden wir zwei großartige Aussagen, die für das Verständnis von Empathie hilfreich sind:

1. Empathie tritt als Reaktion auf das Erleben der Gefühle einer anderen Person auf.
2. Sich in die Lage einer anderen Person zu versetzen fördert Empathie.

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Klassisch denken wir bei Empathie an das Erkennen von Leid und unser Bedürfnis, Schmerzen zu lindern.

Beim ersten Punkt kann es sehr überraschend sein, dass Empathie „nur“ eine erlebte Reaktion auf unsere Wahrnehmung einer anderen Person ist. Und wie das nun einmal beim Erleben und Wahrnehmen leider so der Fall ist, wird beides durch unsere Erfahrungen, Einstellung und Erwartungen beeinflusst.
Wenn unsere anstrengende Mitarbeiterin Clara ständig in Krokodilstränen ausbricht wenn sie mal selbstständig eine Akte sortieren soll, und darauf spekuliert, dass ihr ein freundlicher Mitarbeiter diese horrende Aufgabe abnimmt, damit sie weiter auf Facebook ihren Status kontrollieren kann – dann empfinden wir im Regelfall kein Mitgefühl, sondern sind höchstens genervt. Wohingegen wir umso betroffener reagieren, wenn Julia, die unerschütterlich und voller Tatendrang sich für den Zusammenhalt und das Bestehen der Firma einsetzt mit psychosomatischen Beschwerden unbefristet beurlaubt wird.

Punkt Nummer zwei ist deswegen wichtig, weil hier etwas zu Tage kommt, was bei der landläufigen Definition von Empathie als Mitgefühl nämlich nicht zu tragen kommt. Nämlich dass Empathie genauso gut bedeuten kann, sich verstandesmäßig in die Lage einer einer anderen Person zu versetzen. Es geht nicht nur darum, emotional genau dies zu empfinden, was jemand anderes gerade durchlebt, sondern auch Verständnis spielt eine Rolle.
Doch dazu brauchen wir gleichsam das Bedürfnis, uns in die Lage einer anderen Person zu versetzen und auch die ganze Situation zu verstehen. Dabei spielt unser Wissen über die Person eine gewichtige Rolle. Empathie kommt profitiert dadurch vom Wissen um eine Person oder zumindest der Situation in welcher sich diese Person befindet. Insbesondere das Entdecken von Gemeinsamkeiten hat sich als besonders förderlich für die Übernahme der Perspektive herausgestellt. Denn wenn uns jemand ähnlich ist, mögen wir ihn auch eher und sind mehr bereit, uns Gedanken über diese Person zu machen und uns in sie hineinzuversetzen.  Außerdem sollten wir nicht vergessen, dass Mitgefühl nicht mit Mitleid gleichzusetzen ist. Denn das Mitleid bezieht sich eher auf für die Person unglückliche Zustände wie Schmerz oder Trauer, wobei Mitgefühl auch Anteilnahme bei Freude, Überraschung etc. bedeuten kann.


Empathie, Introspektion und Verständnis

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Ein typisches Bild für HSP: Ständig am nachdenken, ständig am abwägen, ständig am evaluieren. Kein Wunder dass 70% der HSP introvertiert sind.

Doch wo findet eigentlich diese Reaktion auf das Erleben der Emotionen einer anderen Person statt? Richtig, in uns. Auf der Basis unserer Erwartungen, Erfahrungen und des Erlebens der Situation reproduziert unser Gehirn Emotionen, welche uns den Umgang mit der Situation erleichtern sollen. Das klingt vielleicht gerade für Hochsensible erstmal sehr lieb- und herzlos, aber es ist ja nicht so, dass eine altruistische, mitfühlende Grundeinstellung in unser Erleben von Leid (aber auch Freude) keine Rolle spielen würde – im Gegenteil.
Denn weshalb besonders hypersensitive Menschen häufig als mit einer ausgeprägten Empathie ausgestattet gelten liegt in diesem Fall auch daran, dass sie ihre Gefühlswelt intensiver wahrnehmen und mehr von den mitmenschlichen, sozialen Reizen aus ihrer Umgebung verarbeiten. Diese Reize müssen allerdings auch wieder richtig in den Kontext gesetzt werden und interpretiert werden. Wenn ein HS-Mitarbeiter, welcher neu in der Firma von unserer nervigen Mitarbeiterin Clara aus obigem Beispiel ist, sie zum ersten mal in Tränen aufgelöst sieht – dann wird er wahrscheinlich Mitleid empfinden und vielleicht versuchen ihr bei der Arbeit zu helfen.
Die Bandbreite unseres Erlebens und exakteren Interpretierens von menschlichen Emotionen profitiert ungemein vom Verstehen davon was für Emotionen aus welchen Gründen in welchen Situationen auftreten können und warum. Aber ohne das gründliche Durchleben und Durchdenken, welches uns HSP speziell von Elaine Aron immer wieder als zu eigen definiert wird, haben auch wir ein Problem so zu reagieren, dass unserem gegenüber wirklich so geholfen wird, wie es für die Person, alle Beteiligten und die Situation ideal wäre.


Empathie abschalten und verstärken

Wenn man nicht gerade als Stock-Broker oder Investment-Banker unterwegs ist, ist für viele Menschen Empathie eine wertvolle Fähigkeit, welche sie eventuell auch ausbauen wollen würden. Wenn wir unsere obigen Definitionen zu Rate ziehen, ergibt sich fast von alleine eine kleine Liste an Möglichkeiten, wie wir unser Gespür und Verständnis für andere Menschen verbessern können:

  1. Aktives Zuhören wenn jemand etwas über sich erzählt.
  2. Nachfragen wie etwas gemeint ist, anstelle davon auszugehen, dass man die andere Person schon versteht.
  3. Sich selber fragen, wie man sich gerade eigentlich fühlt.
  4. Das aktive Suchen nach Gemeinsamkeiten.

Auf der anderen Seite kann es nach einigen emotionalen Achterbahnfahrten, welche man mit für einen wichtigen, aber auch weniger wichtigen Personen durchgestanden hat ernsthaft von Interesse sein, seine Empathie zumindest für eine spezielle Person herunterzuschrauben oder abzuschalten. Auch wenn das für viele HSP vielleicht grausam klingen mag, aber eine ausgebrannte HSP welche nur noch im Leiden und Drama anderer Menschen gefangen ist, ist leider zu sehr involviert und vielleicht ein Opfer ihrer Empathie geworden. Ein berühmter Philologe hat vielleicht schon damals die Krux der Empathie erkannt und seinen berühmten Ausspruch aus dieser Erkenntnis zum besten getan:

Gott ist tot, er ist am Mitleid mit den Menschen gestorben!
Friedrich Nietzsche

Doch ja, wichtiges und richtiges Handeln in einer Situation kann dem eigenen Bedürfnis zum Opfer fallen, niemanden verletzen zu wollen. Lange andauerndes Mitleid mit Personen, mit denen man vielleicht eigentlich wenig bis gar nichts zu tun haben möchte, kann wie ein steter Tropfen einen Stein aushöhlt auch eine HSP psychisch und physisch schädigen. Es ist nicht unmenschlich sich selbst zu erlauben die eigene Ausgeglichenheit wiedererlangen zu dürfen. Und mit den folgenden Methoden lässt sich auch die Empathie für eine bestimmte Person oder in einer konkreten Situation verringern:

  1. Das herstellen räumlicher Distanz.
  2. Sich aktiv beobachten um herauszufinden, wann man erschöpft nach Kontakten ist.
  3. Auf körperliche Reaktionen achten und Situationen bevorzugen welche ohne Angespanntheit und Übererregung einhergehen.
  4. Die Eigenverantwortung und Individualität anderer Menschen betonen.

Gerade Schuldgefühle gegenüber anderen Menschen können sehr starke Auswirkungen auf einen selbst haben, und für HSP ist es wertvoll, die eigenen Emotionen von den Reaktionen auf die Gefühle anderer trennen zu können. Auch Sport, Meditation, Kunst, oder einfach mal weitere Reizquellen für eine gewisse Zeit aus dem Leben zu verbannen, und Ruhe im Inneren herzustellen kann zu einem wertvollen Verbündeten gegen die Überforderung durch die eigene Empathie werden.


Quellen und Literatur: