BurnOut

Buchrezension: Sylvia Harke – Hochsensibel ist mehr als zartbesaitet

Der Nachfolger von Hochsensibel – Was tun?  ist ebenfalls ein Sachbuch über Hochsensibilität von Sylvia Harke, welches im Kontrast zum Vorgänger strukturiert einzelne Abschnitte des alltäglichen Lebens in Form von 100 Frequently Asked Questions behandelt. Hier geht es um sehr grundlegende Fragen der Sensibilität, Erregung und Wahrnehmung im Allgemeinen, besonders im Miteinander mit Nicht-Hochsensiblen. Das Buch ist in der 1. Auflage im Via Nova Verlag erhältlich.


Gliederung und Inhalt

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Pfauenauge im Azurblau. Der Titel deutet bereits an, dass es hier darum geht, auf Eigenschaften jenseits der leichten emotionalen Erregung zu schauen.

Das Buch weist insgesamt 12 Kapitel auf und ist im Frage – Antwort Format geschrieben, wobei sich jedes Kapitel einem zentralen Thema zuwendet. Dabei ist jeder Abschnitt, eventuell mit Ausnahme des spirituellen 12. Kapitels, erst mal ein Thema das sich mit sehr alltäglichen Problemen oder auch dem Umgang mit nicht Hochsensiblen Menschen in konkreten Umfeldern wie Beziehung und Beruf auseinandersetzt. Es sind zumeist Fragestellungen, mit welchen sich jeder HSP schon einmal konfrontiert gesehen hat, wie:

  • Wie kann ich sicher sein, dass ich wirklich hochsensibel bin?
  •  Sind hochsensible empathischer als der Durchschnitt?
  • Wie kommt es dass die meisten Hochsensiblen introvertiert sind?
  • Wie erkläre ich meinem Arzt / Therapeuten dass ich HSP bin?


Und auch in diesem Buch finden wir wieder Aufgaben für, oder Fragen an den Leser, Checklisten, Grafiken und eingestreute Anekdoten, welche die Struktur auflockern und zum Mitmachen, Recherchieren oder Nachdenken einladen. Immer wieder werden auch kleine Hinweise auf therapeutische Arbeit und die Aufarbeitung von Verletzungen gegeben. Ich gehe soweit, zu sagen, dass gut ein Fünftel des Buches sich mit verschiedenen Übungen aus dem NLP, Therapien, Abgrenzungsarbeit und Co. befasst. Das Werk ist auf der einen Seite noch konkreter und im Alltag verwurzelter, dabei aber auch deutlich spiritueller und weniger  heiter zu lesen als sein Vorgänger.

Bei etwas über 280 Seiten in einem etwas größeren Din A5 – Format passen auch insgesamt genau 100 Fragen zwischen die Buchdeckel, welche auch allesamt recht ausführlich beantwortet werden. Dazu kommt die weiterführende Quellenangabe zu vielen der Fragen, welche auch recht umfangreiche Verweise und weiteres Informationsmaterial bieten. Man bekommt für knapp 20€ auf jeden Fall eine Menge Inhalt geboten.


Kritik

Direkt positiv fiel mir auf dass Sylvia Harke in ihrem Buch die Wichtigkeit der Familie und Eltern für (nicht nur) hochsensible Kinder und ihre Entwicklung aufzeigt, und auch auf die Nachteile fehlender oder schädlicher Rollenbilder hinweist. Ebenso finden sich Fragen, welche sich mit den unterschiedlichen Ausprägungen von Hochsensibilität bei Jungen und Mädchen, Männern und Frauen beschäftigen. Dies sind Gebiete die meines Erachtens nach zu wenig Beachtung erfahren. Auch die Beschäftigung mit High-Sensation-Seekern und unterschiedlichen Bedürfnissen individueller Menschen, wenn es um Stimulation geht, ist in meinen Augen fundamental für das Verständnis von Sensibilität. Die Abschnitte über BurnOut und Stress sind so umfangreich wie es das Format des Buches eben zulässt, und werden vielen Betroffenen eine Hilfestellung sein sich weiter zu informieren. Auch hatte ich beim Lesen den Eindruck dass die Autorin deutlich ernster im Schreibstil geworden ist. Wir finden wiederkehrend das Element der Schattenarbeit von Carl Gustav Jung in vielen Ansätzen und Absätzen, in welcher es um die Vereinigung mit verdrängten Bewusstseinsinhalten geht. Dies spiegelt sich vielleicht auch gerade im letzten Kapitel wieder, in welchem es um Weltschmerz, Spiritualität und dem Bedürfnis nach Erlösung geht.


Fazit

Auch das zweite Werk von Sylvia Harke ist ein sehr umfassendes Buch, welches die therapeutische Arbeit an der eigenen Vergangenheit im Fokus hat. Das FAQ-Design gefällt mir dabei außerordentlich gut, da jede HSP darin garantiert eine Hand voll Fragen findet, welche man sich schon einmal gestellt hat. Das Buch fühlte sich beim Lesen für mich deutlich geerdeter und trotz der immer wieder auftauchenden spirituellen Themen doch auch mehr am Alltag orientiert an.

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Buchrezension: Hochsensibel – Was tun? Von Sylvia Harke

Hochsensibel – Was tun? ist ein Sachbuch über Hochsensibilität von Diplom-Psychologin und Coach Sylvia Harke. Sie widmet sich in diesem Buch vielen Themen welche einen speziellen Bezug zum emotionalen Erleben in zwischenmenschlichen Beziehungen und Stresssituationen haben, sowie der Aufarbeitung vergangener Ereignisse und der Abgrenzung von Hochsensibilität und anderen Dispositionen oder Störungen. Das Buch ist in der 6. Auflage im Via Nova Verlag erhältlich.


Gliederung und Inhalt

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Ein zartes Pastellorange und eine ikonische Feder empfangen uns mit zärtlichen Eindrücken zu einem Buch dessen zentrale Themen es dennoch in sich haben.

Das Erste was einem auffällt, wenn man sich die Struktur von Hochsensibel – was tun? anschaut, ist, dass die Autorin was tun? wörtlich nimmt und diese rhetorische Frage tatsächlich beantworten will. Das Buch ist daher strukturiert und stellenweise auch illustriert  wie ein Survival-Ratgeber von Rüdiger Nehberg, welcher Leser wie Leserin dabei helfen soll im urbanen Dschungel von Alltag und dem Dickicht der emotionalen Wirrungen nicht die Orientierung zu verlieren. Dazu vermittelt sie Strategien, welche von Checklisten über Meditationen, der Arbeit mit Affirmationen und dem Aufschlüsseln der Persönlichkeitseigenschaften von Freunden und Verwandten reichen.
Auch wenn das Buch in sechs Kapitel unterteilt ist, finden sich beim Lesen zwei große Themengebiete, nämlich  Vergangenheitsbewältigung und Zwischenmenschliches. Ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal sogar ist im erstgenannten Abschnitt der große Anteil von Informationen über und Anleitungen zur Aufarbeitung von zurückliegenden emotionalen Verletzungen und Wahrnehmung von Glaubenssätzen. Das ist deswegen ein sehr wichtiger Ansatz, da das Thema noch sehr jung ist, und viele HSP erst im Alter eine Erklärung für ihr Erleben finden, und nun aus dieser neuen Perspektive ihre früheren Erfahrungen neu bewerten müssen. Themen wie Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und das Annehmen der eigenen Wahrnehmung stehen hier im Vordergrund, aber auch der Umgang mit Geschlechtsstereotypen und Sensibilität sowie das Erkennen der eigenen Bedürfnisse.
Der zweite zentrale Themenblock beschäftigt sich mit Hochsensibilität in allen möglichen sozialen Situationen, von Partnerschaft über Arbeit bis hin zu Familie, und auch die Betrachtung von hochsensiblen Kindern und ihren Bedürfnissen. Spannend ist hier dass Sylvia Harke den alten Klassiker der destruktiven Beziehung zwischen Narzissten und HSP aufgreift, und genauer erläutert, welche Dynamiken sich im Hintergrund abspielen. Aber auch andere eher problematische Beziehungen werden angeschnitten. Generell werden Liebe und Partnerschaft viele Zeilen gewidmet.

Es wäre Falsch zu sagen dass diese beiden Kernthemen durch Fragestellungen rund um Gesundheit, Stress, BurnOut und sogar der Abgrenzung von HS von ADHS und Autismus lediglich abgerundet werden. Denn Dank knapp 350 Seiten in einem etwas größeren Buchformat werden auch alle weiteren Themen nicht nur angeschnitten, sondern auch moderat vertieft.


Kritik

Ich stelle mir bildlich vor wie Sylvia Harke beim Planen der Inhalte des Buches mit einem Klemmbrett oder Notizbuch im Schaukelstuhl sitzt, mit einer Katze auf dem Schoß, und sich überlegt welche Themen des Alltags für HSP eine gewichtige Rolle spielen. Es kann meine Einbildung sein, aber das Buch macht einen sehr geplanten Eindruck, dessen zentralen Themen sich aus wiederkehrenden Fragestellungen aus Sylvias Arbeit als Coach hergeleitet haben.

Die Abschnitte über die Verwechslung von Asperger, ADHS und HS sind in meinen Augen ein sehr wichtiger Teil, der wahrscheinlich leider zu wenig Aufmerksamkeit von der Leserschaft erhalten wird. Ebenso spannend finde ich es, dass Sylvia Harke und ich unabhängig voneinander die Gefahr des hochsensiblen Idealismus am Arbeitsplatz in eine BurnOut-Problematik abzurutschen aufgreifen. Das ist ebenfalls ein Thema welches zu wenig Aufmerksamkeit erfährt.
Summa Summarum ist Hochsensibiltät – was tun? das Werk für nahezu alle Hochsensiblen, aber insbesondere für diejenigen, welche eine Menge Emotionen aufzuarbeiten haben und Ballast aus der Vergangenheit mit sich tragen. Es gibt nur wenige Themen welche Sylvia Harke in diesem Buch nicht bearbeitet hat, so dass von existenzieller Angst bis hin zu spirituellen Fragen in Paarbeziehung nahezu alles vorhanden ist. Meine einzige Rüge wäre, dass man trotz des sehr warmherzigen Schreibstils keinesfalls den Trugschluss ziehen sollte, dass das Aufarbeiten der Vergangenheit oder die Arbeit mit EMDR – einer Technik zur Traumabewältigung – ein Spaziergang im Park wären. Es ist ein umfassendes und informationsgeladenes Buch mit einer nahezu unüberschaubaren Fülle an Methoden und Techniken, dass in meinen Augen durch seine liebevolle Aufmachung und Schreibweise etwas darüber hinwegtäuscht, dass potentiell sehr aufwühlende und schmerzhafte Themen behandelt werden.


Fazit

Hochsensibel – Was tun? wird wie kaum ein anderes Buch der Tatsache gerecht dass viele HSP erst im Alter mit ihrem Temperament konfrontiert werden, und sich oftmals in ihrem Leben von der Umwelt bedroht und von Mitmenschen nicht verstanden gefühlt haben.
Der Schreibstil ist wohlmeinend warmherzig und sanft, und trägt sicher einen Teil dazu bei dass gerade sehr verwundete HSP sich sicher und angenommen fühlen können, wohingegen die Vielzahl der Techniken einen Weg aus den Wirrungen ihrer Innenlebens weisen sollen. Doch darf man sich nicht darüber hinwegtäuschen lassen dass  bei diesem Buch durchaus auch Themen aufgegriffen werden, die durch Selbstreflexion und Aufarbeitung letzten Endes eine Therapie nach sich ziehen können.

Buchrezension: Hochsensibel von Eliane Reichardt

Hochsensibel von Eliane Reichardt ist ein Sachbuch über das hochsensible Temperament. Es widmet sich Begriffsbestimmungen und wissenschaftlichen Hintergründen sowie den Zusammenhängen zwischen Reizverarbeitung und subjektivem Erleben sowie dem Umgang mit Alltag und Mitmenschen. Es ist im ersten Quartal 2016 in Erstausgabe im Irisana-Verlag erschienen.


Gliederung und Inhalt

Das Buch ist in zwei große Abschnitte sowie Appendix und Einleitung samt Selbsttest gegliedert, wobei jeder dieser Abschnitte wiederum in einzelne Kapitel unterteilt ist. Der erste Teil widmet sich der Geschichte der Hochsensibilität in Forschung und Kultur sowie der Frage wie wir Hochsensibilität überhaupt bestimmen und was die Besonderheiten im Erleben und Verhalten eigentlich sind.

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Das Coverdesign ist auf der einen Seite unaufdringlich, lenkt auf der anderen Seite dafür aber auch nicht vom Titel ab

In der Tat widmet sich Eliane Reichardt in diesem Abschnitt jeder einzelnen Modalität, also jedem körperlichen Sinnesorgan sowie den Besonderheiten im Rahmen der HS und verschiedenen Formen der Synästhesie welche damit auftreten können, da die Verarbeitung von Reiz-Informationen bei Hochsensiblen durch ihre Physiologie verändert ist. Ebenso geht sie darauf ein, welche Unterschiede es im Denken zwischen HSP und Nicht-HSP gibt, und verweist auf die Zusammenhänge zwischen Hochbegabung, lateralem Denken, Sensation Seeking und Hochsensibilität.
Ein größeres, und in meinen Augen spannendes, Kapitel widmet sich der Wahrnehmung von Sensibilität und den möglichen Problemen Hochsensibler im Verlauf der letzten 50 Jahre. Wir finden hier von den Anfängen der Konsumgesellschaft bis hin zum Informationszeitalter alle möglichen Einflüsse und den Wandel der Wahrnehmung sehr schön beschrieben. In der Tat war dies der Part vom Buch der mir am besten gefallen hat, und wenn man mit einem Augenzwinkern an dieses Kapitel herangeht kann man sich sogar als Kind jener Epoche wiederfinden und sehen, welche Zeitspanne das eigene Denken am nachhaltigsten beeinflusst hat.

Der zweite Abschnitt widmet sich der Frage wie Hochsensible den Alltag meistern können und spricht vom Einkaufsstress bis hin zum Umgang mit Nicht-HSP und Therapie nahezu alle Themen an, welche für HSP eine Relevanz haben könnten. Auch finden wir hier Verweise auf die Wichtigkeit von Gesundheit sowie Ernährung und den Umgang mit Stress. Ich hatte lediglich den Eindruck dass man mehr auf romatische Beziehungen hätte eingehen können, doch das hätte den Rahmen der etwa 250 Seiten wahrscheinlich sehr gesprengt.


Kritik

Was mir ungemein ins Auge gestochen ist, ist die erfrischende Nüchternheit des Buches. Hochsensibel von Eliane Reichardt ist das wahrschenlich unverblümteste und sachlichste Buch zum Thema welches wir zur Zeit auf dem Markt haben. Und das ist gut so, denn genau diese Sachlichkeit benötigt es wenn man ein Thema in der Breite zugänglich machen will. Sie behandelt Hochsensible in ihrem Buch nicht wie exotische Orchideen mit welchen man bei der Bundesgartenschau einen Preis zu gewinnen hofft, sondern als gleichwertige Menschen die aufgrund einer evolutionsbedingen Reizverarbeitung lediglich ein anderes Temperament aufweisen, Menschen die etwas speziellere Bedingungen benötigen um zu erblühen und dafür aber auch einen gewichtigen Beitrag zu einem angenehmen Klima leisten können.
Der Abschnitt über die High-Sensation-Seeker war für mich nochmals sehr aufschlussreich, da dieses Thema bei Hochsensibilität oftmals außen vor bleibt (zurecht, da dieser Anteil der Bevölkerung sehr gering ist). Einzig und alleine über Hochsensibilität in der Liebe hätte ich mir noch ein wenig mehr Inhalt gewünscht, aber darüber haben auf der anderen Seite bereits mehrere Autoren sich im Überfluss geäußert.


Fazit

Dieses Buch hat das Potential das neue Standardwerk für Hochsensiblität im deutschsprachigen Raum zu werden. Es ist ein sehr gut recherchiertes Sachbuch das man bedenkenlos auch zum Erklären davon was HS eigentlich ist an seine Liebsten verschenken oder weiterempfehlen kann. Es ist sachlich ohne zu fachlich zu werden und nüchtern ohne sich selbst zu paraphrasieren oder langweilig zu werden.

 

Hochsensibilität und Burnout

Johann Freudenreich soll den Ausspruch geprägt haben, dass sich zu Tode zu arbeiten die einzige, gesellschaftlich akzeptierte Form des Selbstmordes ist. Doch diese gesellschaftliche Akzeptanz ist kulturell verwurzelt, und so finden sich HSP heutzutage in einem Spannungsfeld zwischen der Sechs-Stunden-Woche in Schweden und den Lebensversicherungen für Karoshi, dem Tod durch Überarbeitung, in Japan wieder.


Was ist überhaupt das Burnout-Syndrom?

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Wenn man einmal über seine Grenzen geht ist das nicht automatisch ein Problem. Doch wenn man sich nicht mehr daran erinnern kann wie sich die eigene Komfortzone anfühlt, dann wird es an der Zeit die eigenen Prioritäten zu überdenken.

Normalerweise fange ich hier immer mit einer Definition an, doch ist Burnout bei weitem nicht so eng umrissen, wie man es bei einem so prominenten Syndrom, Krankheitsbild, erwarten würde. Schon die Tatsache dass Burnout als Syndrom beschrieben wird (aus dem Griechischen sýndromos – zusammentreffend) teilt uns mit, dass wir es mit einem Zusammenspiel mehrerer Symptome zu tun haben. Davon können einige auch unscheinbar genug sein um über längere Zeit hinweg übersehen zu werden, oder sie sind so diffus, dass man sie eventuell gar nicht mit den restlichen Symptomen in Verbindung bringen würde.

Ein Burnout-Syndrom bzw. Ausgebranntsein ist ein Zustand ausgesprochener emotionaler Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit. Es kann als Endzustand einer Entwicklungslinie bezeichnet werden, die mit idealistischer Begeisterung beginnt und über frustrierende Erlebnisse zu Desillusionierung und Apathie, psychosomatischen Erkrankungen und Depression oder Aggressivität und einer erhöhten Suchtgefährdung führt.
Pschyrembel Ausgabe 2007

In der Definition finden wir direkt zwei Bestandteile des Burnouts für die Hochsensible ausgesprochen anfällig sind, nämlich emotionale Erschöpfung und idealistische Begeisterung. Wie wir in Was ist Hochsensibilität? und 10 Potentielle Vorteile der Hochsensibilität bereits festgestellt haben sind viele HSP ausgesprochene Idealisten und gerne bereit für ein Ziel, mit dem sie sich identifizieren können, nicht nur körperliche oder geistige Ressourcen zur Verfügung zu stellen, sondern auch mit emotionaler Hingabe hinter dem Projekt zu stehen. Doch egal ob die empfundenen Emotionen während dieser Tätigkeit lediglich positiv oder aber auch ambivalent sind, wenn Hochsensible nicht die Möglichkeit haben, oder nicht wahrnehmen, sich zu regenerieren, ist der Weg in die Reizüberflutung und damit in die Erschöpfung geebnet. Häufig versuchen Betroffene ihre Erschöpfung und Symptome durch Konsum von Alkohol, Medikamenten oder Stimulanzien zu kompensieren, was unter Umständen ebenso für HSP weitreichendere Folgen haben kann.


Symptome

Die komplette Symptomliste zum Burnout-Syndrom liest sich wie das Telefonbuch eines Ortes der nur von Leuten bevölkert wird, mit denen man um zwei Ecken irgendwie bekannt ist. Viele der Symptome wirken auf den ersten Blick vollkommen harmlos, werden aber im Zusammenspiel mit anderen ihrer diffusen Art zu einem Mühlstein, der Schicht für Schicht die ohnehin schon angeschlagenen Nerven bis an die Belastungsgrenze und vor allen Dingen darüber hinaus treibt. Burnout spannt sich in unserer Beschreibung über drei einzelne Ebenen, welche wir nacheinander betrachten wollen: Erschöpfung, Depersonalisierung und Frustration.

Erschöpfung

Im Zentrum steht vor allen Dingen eine kaum für nicht Betroffene nachzuvollziehende Erschöpfung welche auch durch Schlaf oftmals nicht besser wird. Sie zieht sich durch viele Bereiche des Lebens und zeigt sich unter anderem durch:

  • Konzentrationsprobleme
  • Desinteresse
  • Reizbarkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Geschwächtes Immunsystem
  • Herz-Kreislauf-Störungen
  • Störungen der Sexualfunktion
  • Kraftlosigkeit

Wir sprechen hier von einer lähmenden Erschöpfung der grundlegenden körperlichen aber auch emotionalen Ressourcen. Gerade das stark ausdifferenzierte Innenleben von Hochsensiblen ist davon betroffen und weicht einer extremen Ermattung. Das Problem an der Sache ist umso gravierender, da man als HSP sich eben genau der Ausgebranntheit zumeist bewusst ist, da die Hochsensibilität ja bestehen bleibt, und in eventuell vorhandenen Ruhephasen die Ermattung umso stärker ins Bewusstsein rückt. „Man weiß eigentlich, dass man etwas ändern müsste.“

Depersonalisierung

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Wenn das eigene Erleben unerträglich wird, werden Kompensationsstrategien gesucht. Häufig sind Alkohol und Medikamente ein Ausdruck für das Bedürfnis danach, die Kontrolle über das eigene Leben wiederzuerlangen.

Depersonalisierung findet als Reaktion auf länger andauernde Überlastung statt. Zwischen dem Betroffenen und seinen
Kollegen, Klienten und auch vor allem sich selbst wird künstlich eine Distanz erzeugt, die eine weitere Identifikation mit den Nöten der Personen und Anforderungen der Situation verhindern soll. Dies äußert sich in:

  • Gleichgültigkeit
  • Emotionaler Kälte
  • Arbeit als Routine
  • Zynismus
  • Verminderter Empathie
  • Schwarz/Weiss – Denken
  • Verlust des Idealismsus

Im Artikel zur Empathie haben wir bereits aufgegriffen dass das Herstellen von emotionaler Distanz eine Erleichterung darstellen kann, wenn man, insbesondere als HSP, ein zunehmendes Problem beim Unterscheiden der eigenen Emotionen und Bedürfnisse von denen anderer Menschen und den Anforderungen der Situation hat. Beim Burnout passiert diese Trennung nun auf eine sehr unglückliche Art und Weise automatisch um die aufgebrauchten emotionalen, körperlichen und geistigen Ressourcen zu schützen.

Frustration

Frustration entsteht wenn man beim Erreichen eines Ziels oder Ausführen einer Handlung behindert wird. Burnout wird im Bezug darauf durch einen länger andauernden Zustand der konstanten Überforderung begünstigt. Egal wie viel Aufwand man betreibt, es findet keine merkliche Verbesserung des Zustandes statt. Dies führt mitunter zu:

  • Desillusionierung
  • Hilflosigkeit
  • Versagensagst
  • Schuldgefühlen
  • Entmutigung
  • Gefühl persönlicher Ineffektivität

Auch wenn diese Auflistung schon recht umfangreich erscheint, wird sie dem gesamten Spektrum, in welchem sich die Symptome abspielen können, bei weitem noch nicht gerecht. Ich verweise an dieser Stelle auf die extrem umfassende Liste auf hilfe-bei-burnout.de, welche sich sehr differenziert mit der Vielschichtigkeit der Symptome umgeht.


Der Zusammenhang zwischen Hochsensibilität und Burnout

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Wenn man sich gerade erholt, und dabei das Gefühl hat, dass man sich nicht ausruhen sollte, dann erholt man sich in diesem Moment nicht wirklich.

Gesteigerte Wahrnehmung von Details und eine starke emotionale Aufladung von idealisierten Tätigkeiten sind eine Einladung zum Perfektionismus, welcher anfangs mit einem starken Lusterleben und Begeisterung einhergehen kann. Darüber hinaus bietet das Nachempfinden von Leid anderer oder die Beschäftigung mit zu vermeidenden Zuständen, einen Boden für das Gefühl von persönlicher Verantwortung für Gelingen oder Misslingen von Zielen oder Projekten. Das sind alles Einflüsse welche das langsame Abrutschen in die Überarbeitung, oder besser: in das sich Aufopfern, begünstigen.
Ich wage an dieser Stelle die Vermutung dass nahezu jeder oder jede Hochsensible Zustände von Erschöpfung und Reizüberflutung kennt.

Gerade für HSP in pflegenden, medizinischen, therapeutischen oder sozialen Berufen ist die Gefahr sich weit über die eigene Leistungsfähigkeit zu engagieren besonders groß, da das Vermischen zwischen eigenen Bedürfnissen und denen von Klienten oder Patienten umso fließender und unterschwelliger passieren kann. Sabine Siessmayr spricht hier von der Du-Falle. Das Fatale ist obendrein, dass man als HSP stellenweise auch Recht damit haben kann, dass jemand anderes bestimmte Aufgaben unter Umständen nicht mit der selben Exaktheit ausführen kann, wie man selber es kann tun könnte. es gibt also scheinbar eine reelle Bestätigung dafür, wirklich unentbehrlich zu sein, was umso problematischer sein kann.
Doch ebenso treten auch Schuldgefühle auf, wenn man sich endlich einmal auf die eigenen Bedürfnisse konzentriert. Auch die Schattenseite der oben angesprochenen Unentbehrlichkeit, nämlich Überverantwortung und das Bedürfnis nach Kontrolle um den Kontrollverlust  über das eigene Leben und den Körper zu kompensieren, sind regelrechte Spinnennetze in denen man als Hochsensibler oder Hochsensible verloren gehen kann.


Hilfe bei Burnout

Ich möchte an dieser Stelle nochmals dringend darauf hinweisen, dass Burnout ein sehr breites Feld ist und ich hier bei weitem nicht alle Symptome und Verhaltensweisen aufgeführt habe, die mit dem Syndrom einhergehen. In vielen Fällen wird man auch überhaupt erstmal gar nicht wegen Burnout selbst einen Arzt, Heilpraktiker oder Psychologen aufsuchen, sondern vielleicht wegen neurologischen Problemen, Herz- Kreislauf-Beschwerden, Schlafstörungen oder Suchtverhalten. Wenn Verdacht auf Burnout besteht sollte umgehend Hilfe aufgesucht werden. Folgende Stellen können bei Verdacht auf Burnout hilfreiche Anlaufstellen sein:


Quellen und Literatur

Hochsensible Menschen und die Ego-Falle

Das Ego ist in der letzten Zeit ganz schön beschäftigt gewesen: Es wertet Mitmenschen welche ihm nicht dienlich sind, schamlos herab, beutet die Umwelt in der es lebt aus als wäre heute der letzte Tag auf Erden und und zerstört den Planeten gleich noch obendrein. Diese immaterielle Entität hat so viel Macht und Einfluss auf den Menschen, dass mit dem Buddhismus und Taoismus gleich zwei östliche Religionen das Ego als einen zentralen Punkt in ihrer Lehre haben. Und viele moderne spirituelle Lehrer wie Eckhart Tolle und Osho haben diesen drei Buchstaben und wie man sich von ihnen befreit ganze Bücher gewidmet. Es ist nicht schwer, Parallelen zu finden zwischen den Dämonen des Mittelalters, welche hinter jeder Hausecke lauern um den Menschen zur Sünde oder unkeuschen Gedanken zu verleiten, und dem ebenso aus dem Dunkel des Unterbewusstseins stammenden Ego, welches zwar nicht unbedingt den christlichen Gott stürzen will, aber sich anscheinend auch nicht mit einem zweiten Platz zufrieden geben würde. 


Das Ego, was ist das Überhaupt?

Definieren wir auch heute überhaupt erst einmal wovon genau wir eigentlich sprechen wollen. Insbesondere ein diffuser Begriff wie „Ego“ braucht das aber auch. Bei Wikipedia finden wir alleine zum jetzigen Zeitpunkt drei Artikel über das Ego als Bestandteil des Menschen. Einer befasst sich mit dem Ego als umgangssprachlichen Begriff für Selbstwertgefühl, ein weiterer, psychologischer Artikel mit dem „Selbst“ als Summe des Wissens, welches ein Menschen über sich hat und dem „Ich“ als Beobachter dieses Wissens, und der dritte Artikel ist ebenfalls psychologischer Natur – hier macht endlich Sigmund Freud seine Aufwartung, welcher bei einem so großen Begriff wie dem Ego natürlich nicht fehlen darf.

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Wann hört Selbstliebe auf, gesund zu sein? Eine wichtige Frage für viele HSP.

Spannenderweise bleiben wir heute beim umgangssprachlichen Ego und brauchen gar nicht so tief in psychologische Theorien oder Definitionen abtauchen. Denn wenn wir unserem Nachbar unterstellen, dass er sein Ego aufplustert, weil er mit seiner Gehaltserhöhung oder dem Neuen Auto angibt, dann meinen wir  sein Selbstwertgefühl. Und zwar unterstellen wir ihm, dass er eigentlich einen Mangel an Selbstwertgefühl hat und sich über einen materiellen Ausgleich eine Kompensation dafür verschafft.

Das Ego ist für unser Verständnis an dieser Stelle sehr gut als künstlich gesteigertes Selbstwertgefühl definiert. Wie man sich vorstellen kann, lebt dieses künstliche Selbstwertgefühl ganz gut davon, sich bei für sich wichtigen Themen mit schlechteren Vergleichspartnern zu messen, die eigenen Stärken hervorzuheben und prestigeträchtige, von der Gesellschaft anerkannte Symbole der eigenen Wertigkeit zu präsentieren.


Hochsensiblität und die Angst vor Egoismus

Das alles klingt natürlich erst einmal überhaupt gar nicht nach hochsensiblen Menschen, welche eher mit Altruismus, Empathie und vor allem Introvertiertheit assoziiert sind. Wie könnte man gleichzeitig vor Bekannten in der Bahn mit dem Erfolg beim letzten Minigolfen angeben, wenn man sich stattdessen beim Spazierengehen in goldener Herbstsonne am bunten Laub auf dem Weg und dem Wind im Geäst gütlich tun kann?
Und genau weil es für die meisten HSP so unvorstellbar wäre, ihr Selbstwertgefühl künstlich aufzublähen schauen wir uns doch einmal an, wie es mit dem Selbstwert bei HSP so bestellt ist. In der Tat gibt Elaine Aron in ihren Werken recht eindeutig wieder dass die meisten Hypersensitiven aufgrund ihrer so unterschiedlichen Wahrnehmung im Kontrast zu den restlichen 80-90 Prozent nämlich erst einmal eher einen Mangel an Selbstwertgefühl haben. Auch das Bedürfnis nach Perfektionismus, welches den meisten Betroffenen zu eigen ist, passt sehr gut zur Angst davor, auf Ablehnung zu stoßen.
Und eben genau da ist der Unterschied, denn Anstelle andere Menschen zu übertrumpfen, indem man zum Beispiel moralischer ist, mehr Statussymbole anhäuft oder eine besondere Auszeichnung erhält versucht man es den anderen Menschen oder dem eigenen Ideal eher Recht zu machen. Die Identifikation mit einem Mitmenschen, welcher eventuell durch uns verletzt werden könnte, unsere Empathie, schützt vielleicht davor in der Tretmühle aus gegenseitigem Wettrüsten gefangen zu sein. Doch natürlich gibt es in dieser Hingabe an die Bedürfnisse des Nächsten auch wieder einen potentiellen Geschädigten.

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Die Angst davor abzustumpfen ist nicht unbegründet. Denn das Miterleben der Emotionen von anderen kann die Energiereserven leeren. Doch auch die alleinige Identifikation mit den eigenen Bedürfnissen scheint diese Gefahr innezuwohnen.

Und so kann es sein, dass man sich als HSP plötzlich in einer anderen Ego-Falle befindet, nämlich der Angst davor dass eine Steigerung des eigenen Selbstwertgefühls mit einem Verlust der Empathie einhergeht. Nicht aus dem Gefühl heraus es nicht verdient zu haben, sich wertvoll zu fühlen, sondern aus der Angst vor dem Schaden, welcher dadurch entstehen könnte, wenn man sich anstelle auf die Bedürfnisse anderer auf das eigene Wohlergehen stützt. Gerade das Gefühl der Ohnmacht in Momenten des Weltschmerzes ist ein Sinnbild für das Leid welches HSP häufig zu verringern wünschen, und gerade deswegen auch die Falschheit hinter einem übersteigerten Ego mit Entsetzen ob der Abwesenheit von jeglicher Empathie betrachten,
Die Vermischung vom Erlangen eines Gefühls des eigenen Wertes mit der Blindheit für das Leiden anderer Menschen kann eine echte Hürde gerade für besonders altruistische HSP sein, welche vor lauter Weltschmerz, und der Angst, die eigenen Ideale zu vernachlässigen, ihr Leiden vielleicht auch eher auf die körperliche Ebene verschieben und stark erschöpfen oder regelrecht krank werden.


Die Hochsensibilität bleibt bestehen

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Weltschmerz kann sehr überwältigend sein. Deswegen ist es umso wichtiger ihn ernst zu nehmen und zu ergründen.

Ich halte es durchaus für möglich dass das von mir in diesem Artikel geschilderte Dilemma eine ziemliche Eigenart speziell im hochsensiblen Erleben ist. Doch nichtsdestotrotz ist die Spannung zwischen der Angst davor sich selbst zu verlieren und dem Bedürfnis in etwas Größerem, wie dem Leben anderer Menschen aufzugehen ein Thema, welches schon bei Kain und Abel angesprochen wird und auch in populären Ratgebern wie „Grundformen der Angst“ von Fritz Riemann oder dem eingangs genannten Eckhart Tolle – Besteller „Jetzt!“ zentral ist.
Der drohende Verlust der eigenen Empfindsamkeit und des eigenen Erlebens, ja der eigenen Persönlichkeit lässt sich vielleicht damit auch schon entkräften, dass auf körperlicher Ebene die Hochsensibilität sich nicht verlieren lässt, da diese Disposition zu aller erst physiologisch ist. Die eigene Fähigkeit zur Empathie wird ebenfalls in ihrer Wahrnehmung genauer, wenn man sich daran gewöhnt, seine Aufmerksamkeit gleichsam im eigenen Körper zu behalten und auf sein Gegenüber zu lenken.
Vielleicht ist so der Weltschmerz und die damit einhergehende Fassungslosigkeit und Sprachlosigkeit eine Möglichkeit zur Beruhigung des Verstandes, indem er uns zwingt innezuhalten und unsere Ideale, den Perfektionismus und die Werte, welche uns motivieren zu überdenken. Das Ego in einem Freud’schen Sinne hat auch genau diese Funktion: Es ist der Vermittler zwischen unseren Bedürfnissen und den Idealen,welche wir mit und tragen, und hat garantiert nichts Dämonisches an sich.


Quellen und Literatur

Reizüberflutung: Wenn Wahrnehmen wehtut

Wenn Reizüberflutung eine Südseeinsel wäre, dann wäre ein Übermaß an Eindrücken der überfüllte, unklimatisierte Passagierjet voller grölender Ballermann-Urlauber der den Reisenden dorthin bringt. Schreiende Kleinkinder rennen durch die Gänge dieses viel zu eng bestuhlten Airbus A380, und aus den schlecht isolierten Kopfhörern des Sitznachbarn dröhnt Disco-Schlager zum Mitsingen – was natürlich auch lautstark einige Passagiere tun. Auslaufende Pappbecher mit klebriger Sangria verunstalten den blauen Kunststoffteppich auf dem Boden, und überall stinkt es nach Schweiß, Deorollern und kalten Essensresten von der Bordverköstigung. Der Sitz ist zu klein geschneidert, die Lippen rau und spröde von der gefilterten Kabinenluft und das krakeelende Kind von der Rückbank tritt mit den Schuhen immer gegen die Rückenlehne des eigenen Sitzplatzes. Manchmal ist es verständlich, dass jemand gerne Urlaub vom Urlaub hätte.

Einleitung
Das oben geschilderte Szenario ist keine Horrorgeschichte von Passagieren, die mit Ryan-Air einen Billigflug in die Sonne gebucht haben, sondern schmerzlicher Alltag für Menschen die von Reizüberflutung betroffen sind. Wir alle kennen die Schmerzen durch zu scharf gewürztes Essen, den Stich einer Nadel beim Arzt oder auch den schmerzhaften Druck auf den Ohren, wenn wir auf einem Konzert zu nahe an den Boxen stehen. Derartige Reize sind so intensiv, dass sie von fast allen Menschen als besonders auffällig, oder unangenehm bewertet werden. Doch wenn die Reizschwelle überdurchschnittlich niedrig ist, oder man zu starken Reizen über längeren Zeitraum ausgesetzt wird, kann es schnell zur Reizüberflutung kommen.


Wie sich Reizüberflutung äußert
Die menschliche Wahrnehmung besitzt eine Reihe von Schutzmechanismen um alles, was in unser Bewusstsein gelangt auf eine Art und Weise aufzubereiten, dass wir als Wahrnehmende nicht zu schnell von all den Eindrücken des Alltags überfordert sind, oder zu viele Ressourcen durch die Wahrnehmung von Bekanntem verbrauchen.
Damit nun ein Reiz als besonders unangenehm gilt muss er unsere Reizschwelle

Wenn der Stress zu groß wird können körperliche Symptome auftreten. Diese wiederum lassen den Stress noch größer werden.

Wenn der Stress zu groß wird können körperliche Symptome auftreten. Diese wiederum lassen den Stress noch größer werden.

entweder über einen längeren Zeitraum hinweg überschreiten, oder aber eine Stärke aufweisen, die vom Wahrnehmenden als unangenehm bewertet wird. Dies erzeugt zusätzlich Stress, und stellt eine weitere Belastung für denjenigen dar, der ohnehin schon durch die Überreizung leidet.
Wer mit Reizüberflutung zu kämpfen hat, der findet sich gleichsam im Ringen mit den Reizen sowie seinem Innenleben wieder. Gleichzeitig muss man mit den Eindrücken der Umgebung umgehen, den Stress verarbeiten hat und hat dazu lediglich das Nervensystem zur Verfügung, welches bereits überreizt ist. Es ist kein Wunder dass gerade Hochsensible immer wieder mit derartigen Situationen konfrontiert werden, wenn wir eben davon ausgehen, dass die Filter bei Ihnen durchlässiger sind.
Die Symptome einer akuten Reizüberflutung bieten ein breites Spektrum:

  • Reizbarkeit
  • Aggressionen
  • Unruhe
  • Konzentrations- und Erinnerungsprobleme
  • Kopf- und evtl. generalisierte schmerzen
  • Tinnitus
  • Müdigkeit
  • Missempfindungen
  • Herzrhytmusstörungen

Das Durchleben der Reizüberflutung hinterlässt meistens einen Zustand der Erschöpfung. Doch anhaltende Reizüberflutung kann ebenfalls auch dauerhafte Zustände von Konzentrationsschwierigkeit und Reizbarkeit verursachen. Doch gerade die Fähigkeit sich zu konzentrieren ist wichtig um Überreizungen zu verhindern, da durch Konzentration auf ausgewählte Inhalte störende Eindrücke ausgeblendet werden.


Das Miteinander mit weniger schnell überreizten Menschen
Insbesondere Hochsensible,  Autisten und Menschen die an AD(H)S leiden finden sich häufiger in Situationen wieder, die sie an den Rand der Reizüberflutung bringen können. Unser moderner Umgang mit Medien scheint sich auch eher an der Zielgruppe von weniger schnell gereizten Menschen zu orientieren als an den Bedürfnissen von HSP. Dazu kommt noch dass gerade HSP häufig eine andere Vorstellung von einem gelungenen Abend haben als ihre „Normalo-Freunde“, welche nach gerne nach dem gemütlichen Cocktail-Abend in einer Lounge noch durch die Clubs ziehen wollen.

Das Bedürfnis sich in sich selbst zurückzuziehen kann für Hochsensible zum Nachteil werden, wenn sie dadurch ihr Bedürfnis nach Zugehörigkeit aus den Augen verlieren.

Das Bedürfnis sich in sich selbst zurückzuziehen kann für Hochsensible zum Nachteil werden, wenn sie dadurch ihr Bedürfnis nach Zugehörigkeit aus den Augen verlieren.

Die Kommunikation scheint oft schwierig, eben weil man als HSP versucht ist, seinem Gegenüber die eigene Hochsensibilität zu erklären. Danach hofft man, und ist ebenso darauf angewiesen, dass die Freunde oder Familie die eigenen Bedürfnisse verstehen – und in Zukunft diese bei der Planung gemeinsamer Erlebnisse mit einbeziehen.
Die praktischere Strategie könnte im akuten Fall einer Reizüberflutung sein, auf die Symptome hinzuweisen, die eine Reizüberflutung mit sich bringt. Es ist einfacher zu sagen „Die Musik tut mir in den Ohren weh“ oder „Von dem grellen Licht hier bekomme ich Migräne“ als die eigene körperliche Disposition verständlich zu kommunizieren.


Reizüberflutung vermeiden und beheben
Reizüberflutung lässt sich allerdings nicht nur durch soziale Faktoren beeinflussen, wie die Wahl der gemeinsamen Abendgestaltung, sondern auch durch einfache Methoden welche jeder Betroffene ohne viel Aufwand selbst umsetzen kann:

  • Ausreichend Schlaf: Es gibt kaum eine bessere Prävention gegen Reizüberflutung als den Nerven erlauben, sich zu erholen. Wer müde ist hat darüber hinaus häufig seinen Pool an Aufmerksamkeit für den Tag erschöpft, wodurch das Ausblenden von starken Eindrücken noch schwerer fällt.
  • Wasser: Das Trinken von ausreichend Wasser am Tag hilft die im Blut gelösten Nährstoffe schneller ins Gehirn zu transportieren und soll als Akutmaßnahme in Stresssituationen sogar beruhigend wirken. Dazu kommt dass der Blutdruck bei zu wenig Wasser im Körper ansteigt, was den Kreislauf zusätzlich belastet.
  • Koffein: Wer ohnehin schon zur Überreizung neigt tut gut daran sich nicht noch zusätzlich mit Koffein zu stimulieren. Denn auch wenn Koffein die Fähigkeit zur Konzentration kurzfristig erhöht, steigert es auch das generelle Erregungslevel des Körpers.
  • Medien bewusst nutzen: Wer am Schreibtisch ständig zwischen Facebook, WhatsApp und Studium oder Job hin- und herwechselt bombardiert sich selbst mit einem Übermaß an Informationen. Multitasking ist anstrengend für das Gehirn, und dass man dann auf den Kollegen gereizt reagiert, muss nicht daran liegen, dass man keine Lust hätte, sich sein niedliches Katzenbild auf dem Smartphone anzuschauen.
  • Rückzug: Gerade wenn man sich in der Verantwortung für seine Mitmenschen oder das Wohlbefinden anderer sieht ist es umso wichtiger abschalten zu können. Ein eigener Rückzugsort, und regelmäßig wiederkehrend Zeit für einen selbst zu haben sind deswegen unglaublich wichtig.
  • Achtsamkeitstraining: Viele alltägliche Situationen lassen sich etwas entschärfen wenn wir sie weniger stark bewerten. Achtsamkeit bedeutet dass wir die stressige Situation in der wir uns befinden lediglich betrachten und dabei verzichten uns dagegen emotional zu wehren. Die Konzentration derartig gerichtet einzusetzen bedarf allerdings einiger Übung, aber führt langfristig zu größerer Gelassenheit und Freude. Meditation, Kampfkunst und Körperübungen in Kombination mit Gegenwärtigkeit können helfen mit Reizüberflutung besser umzugehen.

Viele zwischenmenschliche Situationen in denen viele Menschen in ihrer Freizeit aufeinander treffen sind mit einer großen Menge an Eindrücken verbunden. Gerade Hochzeiten, Geburtstagsfeiern und Events können aber für leicht überreizbare Menschen zu regelrechten Torturen werden, insbesondere wenn man vor dem Besuch bereits erschöpft ist. Umso wichtiger ist es dass jeder Betroffene für sich die Balance finden kann zwischen dem Zusammenbeißen der Zähne und dem unbedingten Durchstehen einer Situation und dem ebenso an einem nagenden, geknickten Absagen am Telefon.