Sinn

Buchrezension: Silvia Christine Strauch – Meine Hochsensibilität positiv gelebt

Meine Hochsensibilität positiv gelebt ist eine Mischung aus Autobiographie und Sachbuch von Silvia Christiane Strauch, und 2016 bei Dielus Edition erschienen. Die Autorin widmet sich der Hochsensibilität in Form von Resümees zu verschiedenen Themen, Beschreibungen von Situationen aus ihrem Leben, sowie einigen ausgewählten Texten zu Themen des  hochsensiblen Alltags und der Auseinandersetzung mit Menschen, Tieren und sich selbst.


Gliederung und Inhalt

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Warme, sommerliche Farben und ein lebendiges Cover. Der Inhalt ist ebenso freundlich.

Dieses Buch unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von allen anderen Büchern zum Thema. Eine Besonderheit davon ist, dass sich das komplette erste von vier Kapiteln um die persönlichen Lebenserfahrungen der Autorin handelt, welche nun rückblickend von ihr unter dem Gesichtspunkt der Hochsensitivität reflektiert werden. Kapitel zwei widmet sich im Stil eines Ratgebers Vorgehensweisen und Tipps. Diese sollen einem dabei helfen, das eigene Leben in den Griff zu bekommen sowie Lebensfreude und Gesundheit zu verbessern. Das dritte Kapitel behandelt behandelt nun ein sehr zentrales Thema für alle HSP, nämlich das Verringern von Unruhe und den Umgang mit Reizüberflutung. Zu guter Letzt bildet ein sehr knappes Kapitel mit einem persönlichen Nachwort und einigen aufmunternden Worten den Abschluss des Buches.

Auffällig an diesem Buch ist, dass fast jeder Abschnitt des ersten Kapitels eingerahmt ist in Fragen, welche zum reflektieren einladen sollen und einem Resümee von Silvia Christine Strauch, in welchem sie einzelne Ratschläge zu verschiedenen Situationen des hochsensiblen Alltags gibt. Typische Fragen vor den einzelnen unterkapiteln sind zum Beispiel:

  • Wurden Sie als schüchtern bezeichnet?
  • Wollen Sie nur noch alleine sein, wenn Sie nervlich angespannt sind?
  • Fühlen Sie sich in einer Gruppe schnell überfordert?

In der Lebensgeschichte der Autorin dürften sich wahrscheinlich für jeden Leser oder jede Leserin einige Abschnitte finden, in welchen man sich wiedererkennt.Ab Kapitel Nummer zwei wird auf die Resümees der Autorin verzichtet, was deswegen Sinn macht, da die kurzgefassten Tipps sich nun zu kleinen Aufsätzen über jedes Thema ausweiten. Die Bandbreite der Themen reicht hier von Zeitmanagement über Positives Denken bis hin zu Sport, und man merkt dass Frau Strauch sich in alle diese Themen ein wenig eingearbeitet hat und hier einige Denkanstöße liefern will.
Im dritten Kapitel finden sich nun Hinweise, wie man mit Reizüberflutung und Stress umgehen kann, oder wie man seine Überstimulation in kreative Bahnen lenkt.
Kapitel vier ist extrem kurz und rundet Buch auf einer positiven Note mit Fragen über Sinnsuche und Selbstverwirklichung ab.

Das Buch hat insgesamt 185 Seiten und ist damit ein Leichtgewicht unter den Ratgebern über Hochsensibilität. Dies wird aber durch die unmissverständlich formulierten Ratschläge etwas gegenkompensiert.


Kritik

Wie auch Die Berufung für Hochsensible aus dem selben Verlag hat Meine Hochsensibilität positiv gelebt eine spirituelle und auf Selbstverwirklichung ausgerichtete Note. Interessanterweise fließen meines Erachtens nach Ratgeber-Anteile und Biographie sehr schön ineinander über, was den Lesefluss sehr angenehm gestaltet. Die Kombination aus Selbstbericht und Sachtext finden wir in dieser Form zum Beispiel auch bei den Büchern von Aron selbst – wenn auch bei Weitem nicht so ausgeprägt.
Man darf bei knapp 30 Unterkapiteln und 185 Seiten wirklich stark ausgeprägte Breite der Themen oder gar Tiefe in der Erörterung der Ratgeber-Anteile erwarten. Das kann jedes bisher von mir bisher vorgestellte Buch erheblich besser. Aber darum geht es bei diesem Werk auch nicht, denn jeder Abschnitt liest sich in der Tat so, als ob man eine Episode aus der Biographie der Autorin nacherleben würde. Der tiefenentspannte Schreibstil trägt dazu bei dass sich jedes Unterkapitel wie die Erzählung einer Freundin oder Bekannten anfühlt, die uns als Leser einfach daran teilhaben lässt, wie ihre Kindheit war, oder wie sie einzelne Abschnitte und Krisen in ihrem Leben gemeistert hat.
Was mir vom Buch am ehesten hängengeblieben ist, sind die drei kurzen Tipps über den Umgang mit Tieren. Ich glaube dass wenn Silvia Christin Strauch sich in dieses Thema vertiefen würde, sie ein gut lesbares und leicht verständliches Werk über hochsensiblen Umgang mit Tieren herausbringen könnte.


Fazit

Dieses entspannte Büchlein kann einen schonenden und unkomplizierten Einstieg in das Thema Hochsensitivität darstellen, insbesondere wenn man keine Lust hat, sich reine Sachliteratur anzueignen. Der Schreibstil ist sehr authentisch und unkompliziert, und in den Ratschlägen und den biographischen Anteilen werden sich viele HSP mit Sicherheit wiederfinden. Das Alleinstellungsmerkmal ist die, in meinen Augen gut gelungene, Verwebung von Biographie und Ratgeber, doch bleibt bei der Kürze des Buches eben auch der Tiefgang in der Auseinandersetzung mit den Themen auf der Strecke.

Die 10 verbreitetsten Vorurteile über Hochsensibilität

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Top 10 Listen sind eigentlich ein klassisches Youtube-Phänomen. Doch da Hochsensibilität langsam immer mehr Aufmerksamkeit in den Medien bekommt, hat sie ein Top 10 durchaus verdient.

Obwohl Hochsensibilität seit den 70ern erforscht wird, und der Hype von Indigo- und Kristallkindern doch eigentlich mit wasserstoffblonden Igel-Frisuren in den 90ern begraben liegt, mischen sich erst jetzt mit dem immer bekannter Werden der Bücher von Elaine Aron (Sind sie hochsensibel?) auch einige spannende Mythen und Vorurteile über Hochsensibilität zu den eigentlich recht nüchternen Fakten über eine gesteigerte Wahrnehmung und ein leichter erregbares Nervensystem. Es spricht vielleicht aber auch für die Emanzipation der Existenz der Hochsensibilität, welche zumeist mitfühlende und harmoniebedürftige Menschen hervorbringt, dass in einer Zeit, in der Kabarettisten wie Volker Pispers das Ende des Kapitalismus einläuten, die milde Revolution humanistischer Werte durch ein geschütteltes Maß an Begeisterung über das Entdecken der individuellen Wahrnehmung zu einer neuen, introspektiven Sinnsuche führt.

Dass dabei jedoch auch eine Menge kurioser, schwärmerischer oder schlicht und ergreifend falscher Ideen oder Vorstellungen über Hochsensibilität im Umlauf sind, lässt sich leider nicht vermeiden. Hier sind 10 besonders fantastische oder interessante Vorurteile über Hochsensibilität, welche ich allesamt so im Internet, speziell auf Facebook, gefunden habe.


1. Hochsensible empfinden „zuviel“

Ein beliebter Stereotyp welcher beiderseits durch nahestehende Freunde, Verwandte etc. aber auch durch HSP selbst gerne belebt wird, ist, dass die Wahrnehmung oder die Empfindung „zuviel“ wäre. Natürlich kommt es immer wieder zu Reibereien, wenn dem einen die Musik zu laut, der Stress zuviel oder ein beiläufiges Wort zu harsch vorkommt. Doch weder sind die „Normalos“ unsensible Trolle die stumpf den ganzen Tag nur Helene Fischer auf Discolautstärke hören um Hypersensitive zu terrorisieren, noch ist das Ausmaß der Wahrnehmung gemessen an normalen Menschen „zu viel“ in einem Sinne, dass Hochsensibilität etwas Schlechtes, oder eine Störung wäre.
Die Empfindungen, welche durch die starke Wahrnehmung intensiv auftreten, können überwältigend oder sogar manchmal unerträglich sein. Doch sind sie nicht „zuviel“ in einem Sinne dass hochsensible Menschen sich deswegen falsch oder schlecht fühlen müssten. Denn ist dieses übermäßige Empfinden ja an eine Situation oder Umwelt, vielleicht an andere Menschen gekoppelt. Dadurch wird aus „Ich empfinde zuviel – und das ist schlecht“ ein „Ich verarbeite dieses Konstellation zu intensiv, als dass sie gerade spurlos an mir vorbeigehen würde“. Und wenn man weiß, was einem gut tut, wie viele Reize man verträgt, dann lassen sich auch viele große Ereignisse und Situationen vermeiden, oder vielleicht in kleinere Portionen teilen und schrittweise verarbeiten.


2. Hochsensible sind die meiste Zeit über reizüberflutet

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Die Dosis macht das Gift ist in kaum einem Bereich für Hochsensible so wichtig, wie bei Reizen.

Es gibt alle möglichen Ursachen dafür, dass HSP aber auch alle anderen Menschen sich über einen längeren Zeitraum in einem erhöhten Zustand der Erregung befinden. Das müssen nicht immer schlimme Situationen sein, denn auch Verliebtheit und immense Vorfreude können die emotionalen Polster von Hypersensitiven zusätzlich belasten, wodurch sie eher dazu neigen in die Reizüberflutung abzudriften.
Doch wann das genau passiert ist bei jedem anders. Die einen sterben innerlich bereits, wenn sie den kratzigen Wollpulli, den sie von Tante Erna zu Weihnachten geschenkt bekommen haben, extra für einen Besuch anziehen, um die liebe Tante nicht zu enttäuschen, die anderen wiederum bekommen Beklemmungsgefühle durch die Überstimulation durch große Menschenmassen. Für jeden Hochsensiblen und jede Hochsensible gibt es auf jeden Fall die Möglichkeit in Erfahrung zu bringen, welcher Sinn oder welcher Zustand der Erregung über einen größeren Zeitraum hinweg ertragen, vielleicht sogar genossen werden kann.


3. Hochsensibilität gibt es eigentlich gar nicht

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Im Kontrast zu anderen Mitgliedern ihrer Spezies gelten hochsensible Mitglieder als eher zurückhaltend und abwägend. Während andere Mitglieder waghalsige Sprünge durchführen oder neue Gebiete erkunden, warten sie erstmal Ergebnisse ab und bleiben in Sicherheit.

Dieses Argument kann eigentlich nur von nicht HSP kommen, für welche die Intensität des eigenen Erlebens und Wahrnehmens nicht genug „Beweis“ der Existenz des Konzepts ist. Dieses Argument kann aber auch verknüpft sein mit dem Anspruch an den Betroffenen sich und seine Wahrnehmung nicht so ernst oder wichtig zu nehmen – was natürlich letzten Endes zur Frustration der oder des Hypersensitiven führen muss, gerade wenn dieser einfach nur verstanden werden will.
Aber ja, Hochsensibilität ist im Vergleich zu anderen psychologischen Themen als Konstrukt recht unerforscht. Was aber, wie Elaine Aron selber in Hochsensibilität und Liebe beschreibt, nicht bedeutet, dass die einzelnen Bausteine wie Reizüberflutung, gesteigerte Wahrnehmung und Empathie nicht schon als separate Phänomene untersucht worden wären. Doch erst mit dem Zusammenführen all der Komponenten auf der Basis der tieferen Reizverarbeitung und gesteigerten Wahrnehmung durch Elaine Aron und mittlerweile auch anderen Forschergruppen ergibt sich ein spezienübergreifendes Bild der Hochsensibilität als eine durch die Evolution hervorgegangene Methode zur Sicherung des Überlebens von Stämmen, Rudeln und somit des Fortbestehens.


4. Hochsensible lassen sich eher von Gefühl und Intuition als von der Vernunft leiten

Eines direkt vorweg: Schauen wir uns in unserem Bekanntenkreis einmal um, sind dort alle unsere nicht hochsiblen Familienmitglieder, Freunde und geliebte Menschen denn wirklich so vernünftig? Vermeidet Tante Ulrike ihre unnötigen Ausgaben und legt eher in Zeiten des Überschusses etwas Geld auf die hohe Kante? Schlägt sich Jens die unerwiderte Liebe zur neuen Mieterin im gleichen Haus eher aus dem Kopf, oder schwärmt der unglücklich noch Wochen von ihr? In Wahrheit werden Menschen selten von eiskalter Logik oder Vernunft gesteuert, und wir alle sind mit, mit wenigen Ausnahmen, auch zu Empathie fähig, werden von Wünschen, Träumen und Emotionen motiviert.
Vor dem Hintergrund der Hochsensibilität ist vielleicht mit Gefühl im Kontrast zur Vernunft eher das Streben nach immateriellen Werten wie altruistischer, sprich hingebungsvoller Liebe, welche keine Anforderungen an unseren Nächsten stellt gemeint. Das Bedürfnis im Entdecken und Erleben von Schönheit eine zeitlose Dimension zu finden, welche nicht nur von einem selbst, sondern auch von anderen Menschen erkundet werden kann und eher materielle Substitute für dieses Erleben unerheblich erscheinen lässt.


5. Hochsensible Menschen sind auserwählt oder haben eine besondere Gabe

Da Hochsensibilität vererbt wird ist damit eine sehr gewagte Aussage verknüpft, nämlich: „Bestimmte Blutslinien sind, im Gegensatz zu anderen, auserwählt und mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet“. Diese Aussage klingt gleich weniger spirituell und sensibel, aber dafür spiegelt sie die Annahmen wieder, welche hinter dem Gedanken „eine Gabe zu haben“, oder „auserwählt (von wem denn?) zu sein“ stecken.
Dabei wird häufig auch vergessen, dass es auch andere Dispositionen, oder aber auch Störungen gibt, welche die Wahrnehmung oder das Erleben von Menschen derartig verändern dass man argumentieren könnte, dass diese Menschen gegenüber einer Vergleichsgruppe von Hochsensiblen und auch nicht HSP Vorteile im Alltag haben. Soziopathen werden z.B. mit fehlender Empathie und Furchtlosigkeit in Verbindung gebracht und können es potentiell in vielen Bereichen, wie Wirtschaft, Politik und Forschung sehr weit bringen. Und auch wenn die meisten HSP moralisch empört darauf pochen würden, dass für bestimmte Erfolge einfach zu viele andere Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden, so müssen sie dennoch zerknirscht zugeben, dass in unserer westlichen Leistungsgesellschaft diese eiskalten, animalischen Jäger, wie der Psychologe Kevin Dutton sie nennt, den meisten HSP beim Kampf um Anerkennung, Ansehen und materiellem Erfolg schlicht und ergreifend überlegen sind.
Es ist vielleicht einfach nur die verständliche Überlegung, dass die Mischung aus so tiefgehenden und berührenden Erfahrungen, gepaart mit spirituellen Empfindungen so überwältigend wirken, dass man sich einfach wie beschenkt vorkommt. Es ist als wäre man direkt nach der Geburt mit einem ganz besonderen Geschenk ausgestattet worden, welches zwar alle anderen Kinder auch bekommen haben, aber nur man selbst war in der Lage die Schleife darum zu lösen. Das ändert zwar nicht die Tatsache, dass auch die anderen Kinder sich über das Geschenk freuen, aber nur die HSP scheint in der Lage gewesen zu sein, hinter das Geschenkpapier zu sehen.
Letzten Endes vergessen diese HSP dann aber leider aufgrund der überwältigenden Freude, dass es vielleicht nur darum geht, dass letzten Endes jeder ein solches Geschenk erhalten hat.


6. Hochsensible sind die besseren Menschen

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HSP sind mit Sicherheit nicht immer Heilige. Doch faszinieren sie häufig Ideale, welche mit einem größtmöglichen Wohl für alle einhergehen. Doch ob das Bedürfnis eine Utopie zum Leben zu erwecken auch immer selbstlos motiviert ist, steht auf einem anderen Blatt.

Ja, dieses Vorurteil habe ich in der Tat mehrfach auf Facebook gelesen. Es ist nicht ganz unverwandt mit dem vorigen Vorurteil, aber es stecken andere Vorannahmen dahinter. Als Kern bietet sich die stark ausgeprägte Empathie an, welche dafür sorgt, dass es zum Beispiel mehr Vegetarier und Veganer unter HSP als unter anderen Dispositionen gibt, und das Bedürfnis auch anderen Lebewesen zu helfen ausgeprägt ist. Des Weiteren sorgt diese Empathie und das umfassendere Kombinieren von Informationen dafür, dass Hochsensible vermehrt ethische Ansätze zu leben versuchen, welche das größtmögliche Wohl für möglichst viele Lebewesen als Ziel haben. Übrigens bevorzugen die meisten Menschen derartige Überzeugungen, wenn man sie danach fragt, aber scheinen HSP einen verstärkten Antrieb dazu zu haben, derartige Ideale auch realisieren.
Wenn es eine Quelle für BurnOut gibt, welche HSP besonders betrifft, dann ist es dieses Ideal gepaart mit einer Empathie, welche die Bedürfnisse anderer Menschen stärker empfinden lässt, als die eigenen. Es ist dann auch nicht mehr ganz so selbstlos, wenn man nur noch hilft um das erlebte Leid in seinem Inneren zu vermindern.Die Frage ob Hochsensible die besseren Menschen sind, weil sie vermehrt Verhalten an den Tag legen, dass darauf ausgelegt ist, Leid zu vermindern, lässt sich wegen der Verstrickung von Empathie, ethischen Idealen und dem Bedürfnis das gespiegelte Leid des Empfängers unserer Hilfe an dieser Stelle deswegen leider nicht so generalisiert beantworten.
Sicher ist, dass das Bedürfnis der meisten HSP, eine bessere Welt zu schaffen,  eine ernst gemeinte Angelegenheit ist.


7. Kinder mit ADHS sind eigentlich hochsensibel

Dieser Gedanke würde erklären warum die Diagnose AD(H)S scheinbar so häufig bei Kindern gestellt wird. Es wäre vorstellbar dass gerade extrovertierte HS-Kinder ihre nervöse Energie, welche durch die Anwesenheit anderer Kinder noch verstärkt wird, durch Aufmerksamkeitsdefizite und übermässige Bewegung kompensieren. Insgesamt sollen etwa 3-5% der Kinder in der Schule von AD(H)S betroffen sein. Darunter könnten sich ein ein großer Anteil an hochsensiblen Kindern befinden, doch gibt es auch Störungen, wie zum Beispiel Asperger Autismus oder auch Allergien welche AD(H)S als Begleitsymptomatik haben.


8. Hochsensible sind intelligenter als der Durchschnitt

Nimmt man das Tao-Te-King als Grundlage, dann kann man lachend davon ausgehen, dass doch alles Wissen, und jede Intelligenz nichts wert ist, sobald sie einen eitel und unecht werden lässt. Nichtsdestotrotz würden wohl die meisten Menschen bei uns im Westen sehr ungehalten reagieren, wenn man ihnen ihre Intelligenz absprechen würde. Meistens wird mit Intelligenz auch direkt der IQ verknüpft, welcher nichts anderes als das verrechnete Ergebnis meist sehr unterschiedlicher Tests ist. Dieser IQ sagt eigentlich erst einmal nur aus, dass man bestimmte Aufgaben, welche verschiedene kognitive Funktionen beanspruchen bewältigen kann. Wie jetzt die Kompetenz des Anwenders dieser Funktionen ist, sich ihm stellende Probleme zu bewältigen, steht auf einem ganz anderen Blatt geschrieben.
Und um den Elefanten im Raum endlich anzusprechen: Nach den Untersuchungen von Elaine Aron sind HSP nicht intelligenter als nicht HSP, aber weisen sie auch nicht weniger IQ-Punkte auf.


9. Hochsensible haben ein höheres Bewusstsein als andere Menschen

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Eine Koralle, welche wie ein Gehirn aussieht und unter der Meeresoberfläche lebt. Ein schönes Sinnbild für das hochsensible Gehirn, welches mehr unbewusste Anteile verarbeitet, als dies bei anderen Menschen der Fall wäre. Allerdings ist dies auch mit einer größeren Belastung verbunden.

Dieses Statement ist mein absoluter Favorit. Denn Bewusstsein ist für die meisten Menschen eine separate Fähigkeit des Menschen, welche man trainieren und verbessern kann. Man verbindet damit vielleicht so etwas wie konzentriertes gewahr-sein der aktuellen Situation oder aber das Verbinden der Zusammenhänge zwischen diversen Ereignissen, Personen, Zuständen oder Objekten. Doch in der Psychologie ist man, wenn es um das Bewusstsein geht sehr viel pragmatischer, denn Bewusstsein ist erstmal nur das Produkt der Informationsverarbeitung des Gehirns. Wobei dasjenige, was überhaupt in unsere Wahrnehmung gelangt auch schon mal freundlicherweise vorgefiltert, sortiert und beschriftet ist, so dass wir als Wahrnehmender Mensch möglichst wenig Arbeit investieren müssen, um uns in unserer kleinen Welt zurechtzufinden.
Wir haben es also im Grunde mit zwei unterschiedlichen Aussagen zu tun:

1. HSP haben mehr dieser Bewusstseinsinhalte als andere Menschen, und darauf aufbauend
2. HSP können wegen dieser größeren Menge an wahrgenommenen Inhalten auch leichter Aussagen über Zusammenhänge tätigen, welche anderen Menschen vielleicht entgehen würden.

Und ja, es stimmt sogar. Es ist richtig dass wir (zusammen mit einigen Autisten etc.) mehr Reize und Inhalte verarbeiten als andere Menschen und via Intuition manchmal sogar das Glück haben, selbst dann eine richtige Aussage zu treffen, obwohl wie bestimmte Sachverhalte gar nicht aktiv verarbeitet haben. Das klingt jetzt erst einmal sehr großartig und wie eine tolle Fähigkeit. Doch leider sind die Inhalte, welche uns unser Gehirn überhaupt ins Bewusstsein befördert, genau wie bei anderen Menschen auch,  bereits durch unsere Einstellung, Erfahrungen und Vorstellungen und Gewohnheiten vor-sortiert und gefiltert. Es mag sehr ironisch klingen, da für uns HSP Wahrnehmen und aktives Verarbeiten unserer Bewusstseinsinhalte so wichtig und auch mühsam sein kann, aber auch wir haben keinen unverfälschten Blick auf die Welt und unser Gehirn nimmt unserer aktiven und willentlichen Verarbeitung bereits die größte Arbeit ab.


10. Hochsensible sind die nächste Stufe der Evolution

Dadurch dass der Prozentsatz der hochsensiblen Mitglieder bei Menschen und Tieren konstant zu bleiben scheint, erledigt sich diese Frage im Grunde von alleine. Denn Evolution bedeutet dass sich das Leben besser seiner Umgebung anpasst, um eben das Überleben der betroffenen Spezies zu ermöglichen. Die Umwelt, in der wir uns bewegen bietet Lebensraum für die meisten Ausprägungen menschlichen Lebens, und viele Dispositionen und Ausprägungen von sozialer Interaktion lassen sich auch bei Tieren beobachten.
In vielen Notsituationen wäre die langsame und intensive Verarbeitung von Reizen oder Emotionen ein Hindernis, welches effektives Handeln mehr behindert als fördert. Wie könnten wir HSP denn auch bereits die nächste Stufe der Entwicklung des Menschen sein, wenn wir uns zusammen mit den anderen Mitgliedern unserer Spezies entwickelt haben? Und gerade wenn wir unausgeschlafen einem Tag mit vielen verschiedenen unterschiedlichen Kontakten, abwechselnden monotonen Aufgaben und unausweichlichen Reizen entgegensehen fühlen wir uns ganz sicher Überfordert – und nicht als wären wir die nächste Stufe der Evolution. Und ab und an bewundern wir vielleicht auch unsere nicht-hochsensible Kollegin, welche gleichzeitig mit den beruflichen Aufgaben auch noch den Sportverein ihrer Tochter und ein Privatleben samt Hobbies managed, und dabei nicht wirkt, als ob sie einen ganz besonders kratzigen Pullover tragen würde, der ihr auch noch eine Nummer zu klein ist.


Quellen und Literatur: