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50.000 Views – Dazu ein paar Statistiken und etwas Selbstreflexion

HSPDeutschland.com gibt es nun seit dem 13.06.2015, also weniger als zwei Jahre. Umso mehr freut es mich, dass wir innerhalb von so kurzer Zeit die 50.000 Views durchbrochen haben. Schauen wir uns doch einfach mal zusammen an, wie sich die Seite innerhalb dieser Zeit entwickelt hat und lassen die vergangene Zeit ein wenig auf uns wirken.


Der am meisten gelesenen Artikel

Knapp 1/5 der Views auf unserer Seite macht mit 9.151 Aufrufen  10 Tipps für Hochsensible zum Umgang mit Normalsensiblen aus. Das ist insofern erstaunlich, da es hier nicht das Befinden von uns HSP im Vordergrund steht, sondern der Umgang und das Verstehen von unseren Mitmenschen.
Dass dies der am meisten gelesene Artikel ist lässt sich aus meiner Sicht auf mehrere Arten interpretieren:

  • Die meisten meiner Leser haben sich bereits über HS informiert und sind mit sich selbst so weit im Reinen, dass sie eigentlich nur gerne noch ihren Alltag etwas stromlinienförmiger gestalten möchten.
  • Es ist ein Thema welches andere Seiten eher selten behandeln, da oftmals eher die Bedürfnisse von uns HSP im Vordergrund stehen.
  • Man versucht als Leser oder Leserin die Differenzen zwischen HSP und Nicht-HSP durch die Übernahme der anderen Perspektive noch besser zu verstehen.
  • Es ist einfach ein Interesse oder eine Neugierde für „die Anderen“ da.

Ich habe in der Tat beim Schreiben damals nicht gedacht, dass dies einmal der am meisten gelesene Artikel sein könnte, gerade da nicht das Innenleben von uns im Zentrum steht, und ich vermutet habe, dass die Meisten erstmal ein „Erste Hilfe Kit“ suchen würden, um sich selber und ihre Bedürfnisse besser zu verstehen.


Der am wenigsten gelesene Artikel

Gerade einmal 610 Views (1,2 % der Views) hat ironischerweise der Artikel, welcher mich am meisten Recherchearbeit gekostet hat, und welchen ich von Mitstudenten habe Peer-Reviewen lassen, Sprechen wir über ADHS. Auch wenn es bereits ein älteres Thema und schon sehr umfassend abgedeckt wurde sehe ich bei kaum einem Thema eine größere Kluft zwischen Laien und Fachleuten, aber auch unter Leuten die im Alltag damit zu tun haben. Wenn ich einfach mal „laut nachdenken“ würde, um Philosoph und Neurobiologen Sam Harris zu zitieren, würde ich vermuten dass der Artikel so wenig Aufrufe bekommen hat da:

  • Das generelle Interesse an diesem Thema in den meisten Menschen bereits übermäßig befriedigt ist.
  • Diejenigen, welche auf meine Seite kommen, sich vorwiegend über HS informieren möchten.
  • Die Überschneidungen, aber insbesondere auch die Abgrenzung, von HS und ADHS im Rahmen einer sachlichen Auseinandersetzung einfach zu theoretisch oder uninteressant für die meisten ist.

Dies finde ich insofern schade, da das Thema nicht nur kontrovers diskutiert wird, sondern leider auch eine Menge Vorurteile zu ADHS und auch Berührungsängste damit bestehen. Dies liegt nicht an der Tatsache, dass es bei ADHS vermeintlich erstmal um Kinder geht, und Fragestellungen die damit verbunden sind, wie „Pathologisieren wir normales Verhalten?“, „Lässt sich ADHS überhaupt eindeutig diagnostizieren?“ oder „Muss ein Betroffener oder eine Betroffene nun lebenslang Medikamente nehmen?“. 


Der gelöschte Artikel

Es ist wahrscheinlich keinem aufgefallen, doch habe ich einen einzigen Artikel auch wieder aus dem Programm

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Nur ein einziger entfernter Artikel in 18 Monaten. Spricht vielleicht dafür dass mein Anteil an kontroversen Themen eher gering ist.

genommen. Namentlich einen über Indigo-Kinder.  Dies hat den Hintergrund da ich zum Zeitpunkt des Schreibens versucht habe die ideelle Verbindung der Indigo-Bewegung zu christlicher Spiritualität in den USA hervorzuheben. Dabei bin ich jedoch gescheitert, da mir auf der einen Seite die Geduld fehlte, um mich noch mehr mit einem Thema auseinanderzusetzen, welches zwar in der HSP Community immer wieder Erwähnung findet, mich jedoch selber persönlich wenig interessiert und welches ich auch für nicht so sonderlich wichtig erachte, da ich Spiritualität – wenn überhaupt – auf meiner Seite getrennt von einzelnen religiösen Überzeugungen behandele.

Auch hat die Sekten-Info Essen bereits sehr ausgiebig herausgearbeitet, welche Kritik man an der Bewegung üben könnte, so dass ich das Gefühl habe, ohne ausgiebigere Recherche kaum Neues zum Thema beitragen zu können. Obendrein wäre dies auch eine Auseinandersetzung welche definitiv für Kontroverse sorgen würde, da viele Leser oder Leserinnen hier definitiv ihr spirituelles Erleben angegriffen fühlen würden – ohne dass ich diese Intention per se erstmal hätte, doch hängt dieses subjektive Erleben für viele eben genau mit der Vorstellung zusammen, dass ihre Annahmen über Spiritualität und die Welt richtig sind. Ein weiteres kontroverses Thema, bei welchem ich es aber für richtig erachte, vorerst Abstand zu nehmen.


Die meisten Weiterleitungen

Ich teile selbst einen großen Anteil meiner Artikel auf Facebook, wie viele meiner Leser wahrscheinlich am immer wieder auftauchenden Spam von mir bemerkt haben dürften, doch sind auf Platz 1 der Weiterleitungen für HSPDeutschland.com tatsächlich Suchmaschinen, mit über 8.589 Weiterleitungen für 2016. Doch folgen danach auch Facebook mit 5.403 und Twitter mit 1.839 Verlinkungen.
Ehrlich gesagt hat mich gerade Letzteres sehr verwundert, da ich selbst kein besonders enthusiastischer Nutzer von Twitter bin, und selbst nahezu nie dort etwas verlinke.


Ein wenig Selbstreflexion und ein paar Ausblicke in die Zukunft

Im Interview bei Sylvia Harke habe ich damals erwähnt dass dieser Blog, bzw diese Homepage entstanden ist, da ich viele Fragestellungen rund um die HS bearbeiten möchte. Rückblickend ist dies jedoch nur ein Teil vom Puzzle, da die Webpräsenz in der Tat auch erstmal ein Geschenk war, welches mir jemand gemacht hat. Dass es die Webseite also gibt ist in der Tat ein ziemlicher Zufall, und mit 50.000 Views habe ich, trotz meiner Erfahrungen bei TGN und Youtube, erstmal so nicht gerechnet. Wofür mich an dieser Stelle auch erst einmal herzlich und ausgiebig bedanken möchte.

Es stehen einige, in meinen Augen recht wichtige, Themen an, welche ich noch abarbeiten möchte. Dazu zählen High Sensation Seeking, die potentiellen Nachteile der Empathie und vor allem das Aufbereiten von wissenschaftlichen Studien zum Thema für eine breite Leserschaft. Gerade Letzteres ist ein zähes, aber auch notwendiges Unterfangen. Schon alleine da die Frage „Wie wissenschaftlich ist das alles?“ für Fachleute eine große Rolle spielen kann. Auch habe ich den Anspruch an mich, eine möglichst große Demographie anzusprechen, welche eben auch Fachleute enthält, aber ohne dabei zu trocken in meinem Schreibstil zu sein.

In diesem Sinne möchte ich mich nun ein weiteres Mal bei allen Lesern und Leserinnen bedanken, und freue mich auf weitere Konversationen und Anregungen aus der Community.


Quellen

Blue Glass Globe – LilyStox

Holi Festival 2010 – Falln Stock

10 potentielle Vorteile der Hochsensibilität

Jenseits von Reizüberflutung und Weltschmerz bietet die Hochsensibilität das Potential zu einem lustvollen und intensiven Leben und Erleben, welches vom Genuss des Wahrnehmens und Freude an der Welt geprägt ist. Die Vorteile dieser Veranlagung sind, auch wenn sie manchmal unscheinbar wirken mögen, und bei jeder und jedem Hochsensiblen unterschiedlich ausgeprägt sind, es dennoch wert, dass wir mal einen genaueren Blick darauf werfen. Hier heute also 10 potentielle Vorteile von hochsensiblen Menschen.


1. Positive Gefühle werden stärker wahrgenommen

Schmetterlinge im Bauch? Freude die so intensiv und hell wie die Sonne strahlt? Als HSP verfügt man bei einer ausgewogenen Mischung aus Reizen und der richtigen Stimmung über ein Innenleben dass so übervoll sein kann, dass man jemand anderen, mit dem man sein Innenleben teilen kann schon fast braucht, um nicht vor Intensität zu explodieren. Kein Wunder dass sich viele HSP zur Kunst hingezogen fühlen, um ihr Erleben in irgendeiner Form anderen Menschen nahe zu bringen.


2. Auge für Details

Die zusätzlich wahrgenommenen Details führen zu einem exakteren Gesamtbild und bieten die Möglichkeit dazu, Schlüsse zu ziehen, die auch kleinere Feinheiten berücksichtigen. Doch auch den filigranen Nuancen von Kunst, der Natur, und von anderen sinnlichen Genüssen kann man als HSP potentiell mehr abgewinnen. Die Gratwanderung zwischen Überforderung und Genuss ist nicht immer einfach zu bewältigen, gerade in Stresssituationen. Ebenso ist nicht jeder Sinn bei jeder oder jedem Hochsensiblen gleichermaßen von der hohen Auflösung der Details betroffen, doch gerade die Sinne, welche am stärksten auf Überreizung reagieren können einen guten Anhaltspunkt darauf geben, über welchen Kanal die meisten Informationen verarbeitet werden.


3. Kreativität

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Mit dem Gesamtbild vor Augen erkennt es sich leicht, dass jedes Teil wichtig ist

Eine größere Menge an aufgenommenen und verarbeiteten Reizen hat auch die Möglichkeit, ähnliche Eindrücke aus der Vergangenheit abzurufen, welche dann mit den neuen Impulsen verknüpft werden. Dadurch entstehen dann wieder neue Anreize welche, die Vorstellungskraft ankurbeln und potentiell wieder zu neuen Schlüssen und Ideen führen können. Ja, dieser schöpferische Aspekt der Kreativität ist es, der viele HSP, vielleicht zusammen mit dem Versprechen alleine und in Ruhe arbeiten zu können, am Beruf des Künstlers fasziniert. Eben auch dieses Erschaffen, Erkennen und Entdecken von etwas Neuem aus dem eigenen Inneren heraus kann hochsensible Menschen sich so lebendig fühlen lassen, dass eher profane Belange dahinter weit zurücktreten.


4. Idealismus

Viele HSP sind ausgeprägte Idealisten und haben aufgrund ihrer Empathie oder ihren Überlegungen moralische Prinzipien, welche das Wohl von möglichst vielen Lebewesen, mit denen sie sich identifizieren können, im Blick haben. Auch komplexere, eher diffuse oder erspürte Wertvorstellungen wie eine Verbundenheit mit dem Leben als solches sind möglich. Die Welt ist mit Sicherheit kein utopischer Ort, doch idealistische Vorstellungen davon, wie Leben möglich ist und sein könnte, wenn diese oder jene Bedingung erfüllt wäre, kann dazu motivieren, die Utopie ein kleines Bisschen realer werden zu lassen.


5. Ausgeprägtere Empathie

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Egal ob bei Menschen oder Tieren, viele HSP haben eine ausgeprägt Empathie und freuen sich zum Beispiel auch, wenn sie einen fröhlich aussehenden Hund anschauen.

Kleine, nonverbale Äußerungen von Emotionen oder Stimmungen welche vielleicht in alltäglichem Gebaren untergehen würden, können viele HSP aufschnappen und verarbeiten. Auch fällt es uns oft leicht die Standpunkte oder zumindest die Gefühle von anderen Menschen, mit denen wir uns auch identifizieren möchten, nachzuerleben. Doch selbst wenn die Empathie als Fähigkeit nicht so stark ausgeprägt sein sollte, wissen dennoch viele Hochsensible um die Wichtigkeit von Mitgefühl und räumen zumindest der Idee der Wertschätzung der Emotionen und des Erlebens von Mitmenschen Platz ein.
Doch auch die von HSP fast immer stark wahrgenommenen Gefühle spielen eine Rolle bei Empathie. Genauer gesagt, beim emotionalen Nacherleben von Gefühlen anderer Menschen. Denn umso stärker wir unsere eigenen Emotionen erspüren können, umso besser nehmen wir auch die in uns als Antwort auf das Erleben der Gefühle unserer Mitmenschen erschaffenen empathischen Antworten wahr. Mehr dazu hier.


6. Erhöhte Intuition

Intuition bedeutet dass wir in der Lage sind Schlüsse aus Wissen zu ziehen, auch wenn wir die Reize zu diesem Wissen gerade überhaupt nicht als Gedanken im Bewusstsein haben. Durch Gefühle, welche mit ähnlichen Reizen oder Erinnerungen verknüpft sind, werden die Reize zu unserer jetzigen Situation oder Fragestellung als Bauchgefühl oder Intuition aufgearbeitet und erlauben uns ein schablonenhaftes Schließen, das sich Dank der größeren Masse an vergleichbaren Reizen auch als richtig erweisen kann – aber nicht automatisch muss.


7. Gewissenhaftigkeit und Perfektionismus

Perfektionismus kann ein Zeichen für Versagensangst und das Bedürfnis nach Anerkennung sein, aber auch ein positiver Nebeneffekt der Tatsache, dass mehr Details in der Bearbeitung einer Aufgabe wahrgenommen werden. Deswegen haben auch Situationen, wo Normalsensible eher etwas technisches, wie ein Puzzle mit 1000 Teilen sehen, für viele HSP einen organischen Touch, und das Bedürfnis es nicht nur einem Projekt oder einem Termin, sondern auch den Mitarbeitern oder Mitmenschen gerecht zu werden fließen in die Betrachtung mit ein.


8. Besseres Gespür für Schmerzen und Krankheit

Schmerzen sind auch Reize. Wenn also weniger Reize herausgefiltert werden, dann klingt es vielleicht erstmal wie ein Nachteil, da HSP auch ihre Schmerzen stärker wahrnehmen. Doch hat es auch Vorteile, da man die eigenen körperlichen Grenzen früher auslotet, und auch früher erkennen kann, wenn man dabei ist, über die Strenge zu schlagen. Die frühen Symptome eines grippalen Infekts sind vielleicht lästig, aber wenn man Kopf- und Gliederschmerzen eher wahrnimmt, kann man sich auch umso früher in Behandlung begeben und zuhause auskurieren.


9. Gespür für Harmonie

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Zur richtigen Zeit, die richtige Zusammensetzung. Das ist Harmonie

Das Auge für Details kann sich auch darin widerspiegeln, dass man genau die fehlenden Puzzleteile erkennt, die notwendig wären um einen perfekten Gesamteindruck herzustellen. Sei es, dass man bei einem leckeren Abendessen genau den richtigen Wein nennen kann, oder aber dass man erkennt, welcher Mitarbeiter entlastet werden müsste, damit eine Abteilung als Ganzes runder läuft. Harmonie hat viel mit Intuition und dem Bauchgefühl zu tun, weil hier Annahmen und Erfahrung mit den Anforderungen des Augenblicks zusammentreffen. Doch wenn hochsenible Menschen mit einem derartigen Interesse für Harmonie sich intensiv mit einem Thema befassen, welches vom Gesamteindruck profitiert, dann können sie nicht nur viel Freude daraus ziehen, sondern auch tolle Ergebnisse erzielen.


10. Sinn für Nachhaltigkeit und Umsichtigkeit

Es ist ein gar nicht so kleines Detail, dass Ressourcen begrenzt sein können, weswegen es auch HSP gibt, welche sich um die nachhaltige Nutzung davon sorgen. Egal ob es um fossile Rohstoffe geht, den Schutz von Biotopen oder die gleichmässige Verteilung des Wohlstands und die Vermeidung von Verschwendung, hochsensible Menschen mit dieser Ausprägung sorgen sich um die langfristigen Auswirkungen und weitreichenden Folgen unserer Zivilisation.


Quellen und Literatur